Fachtagung und Ausstellung in Brüssel
Milling Forum Europe 2026: Gelungener Auftakt in Brüssel
Fachtagung und Ausstellung in Brüssel
Milling Forum Europe 2026: Gelungener Auftakt in Brüssel

Fachtagung und Ausstellung in Brüssel
Milling Forum Europe 2026: Gelungener Auftakt in Brüssel
Die AGF brachte Mühlenwirtschaft, Wissenschaft und Anlagenbau in Brüssel zusammen.
Mit dem Milling Forum Europe startete die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung (AGF) vom 7. bis 9. September 2026 ein neues europäisches Veranstaltungsformat für die Getreide- und Mühlenwirtschaft. Viele Menschen arbeiteten in den vergangenen Monaten hart daran, um die Veranstaltung möglich zu machen. Es hat sich gelohnt.
Rauer Industrieschick empfing Aussteller und Besucher im Veranstaltungsort SILO Brussels. In den Hallen auf insgesamt 3.500 m² Fläche fanden Fachvorträge und eine integrierte Ausstellung statt. Nebenan, auf der anderen Seite des Seekanals, konnte die innovative, neue Mühlenanlage der Ceres Mühle besichtigt werden. Gekommen waren 45 Aussteller und über 350 Besucher aus 26 Ländern. Das Forum versteht sich als Weiterentwicklung der traditionsreichen Detmolder Tagung für Müllerei-Technologie. Das Ziel in Brüssel war es, nicht nur technische Informationen zu vermitteln, sondern vor allem Wissenschaftler und Mühlenbetreiber, Anlagenbauer, Rohstoffexperten sowie Vertreter der Lebensmittelwirtschaft zusammenzubringen und Wissen für die Praxis nutzbar zu machen. Der Geschäftsführer der AGF, Konstantin Golombeck, brachte es in seiner Eröffnungsrede auf den Punkt: „Der Geist unserer Tradition ist kein Ort. Es ist eine Arbeitsweise. Experten aus der Industrie über Unternehmensgrenzen hinweg, zusammen mit Wissenschaft und öffentlichen Institutionen, mit einem gemeinsamen Ziel: Wissen in Lösungen umzuwandeln." Michael Gutting, Geschäftsführer der BiGu-Mühlengruppe, knüpfte in seinem Grußwort an diese Tradition an. Die Wurzeln der Tagung lägen in der gemeinsamen Grundlagenforschung zur Getreidevermahlung, weil einzelne Unternehmen die damaligen Fragen nicht allein lösen konnten. Für Gutting bleibt diese Zusammenarbeit die Voraussetzung, um die Bevölkerung sicher, bezahlbar und nachhaltig zu versorgen. Zum Auftakt setzte Norbert Lins, Mitglied des Europäischen Parlaments und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, einen politischen Akzent. Unter der Leitfrage „Grain: Sustainable, GMO-Free and Affordable – is that Possible?“ stellte er die sichere Versorgung mit hochwertigen und bezahlbaren Lebensmitteln als vorrangige Aufgabe der europäischen Agrarpolitik heraus und betonte die Stellung wettbewerbsfähiger Mühlen in regionalen Wertschöpfungsketten. Besonders deutlich befürwortete Lins neue genomische Züchtungsverfahren wie CRISPR/Cas. Er erwartet widerstandsfähigere und nährstoffeffizientere Getreidesorten. Zugleich warnte er bei Patenten vor einer Konzentration bei wenigen Konzernen und forderte Regeln, die mittelständischen Züchtern den Zugang zu genetischem Material sichern.
Die Ausstellung war überwiegend in die Vortragsfläche integriert. Dadurch lagen Vorträge, Pausen und Gespräche eng beieinander. Für viele Aussteller ergaben sich kurze Wege zu den Vortragenden sowie zahlreiche Möglichkeiten für Kontakte und vertiefende Gespräche. Etwas nachteilig war die dadurch etwas lautstarke Akustik für die vortragenden Redner. Folgeveranstaltungen werden das wertvolle Nebeneinander aus Fachvorträgen und Unterhaltungsgelegenheit sicherlich räumlich optimieren müssen.
Höhepunkt des ersten Tages war ein Besuch in der neuen Ceres Mühle, die zur BiGu-Mühlengruppe gehört. Die Teilnehmer fuhren mit einem Boot über den Kanal zur Mühle. Am Abend gab es auf der sonnigen Dachterrasse das SILO Brussels Snacks, Getränke und intensive Gespräch mit Blick über den Kanal und das Ceres Mühlengelände.
Den zweiten Konferenztag eröffnete AGF-Vizepräsident Michael Borgstedt von der Milser Mühle. Danach richtete Lena Düpont, Mitglied des Europäischen Parlaments, in ihrem Vortrag den Blick auf das Verhalten von Unternehmen in unsicheren und krisenhaften Situationen. Für die Getreidewirtschaft ein relevantes Thema, weil Lieferketten und politische Entscheidungen eng miteinander verbunden sind. Danach folgte die Präsentation „Ceres, Mill of the latest Generation“ von Michael Haag von der BiGu-Mühlengruppe und Stefan Schmitz von der Swisca AG. Der Vortrag knüpfte an die Mühlenbesichtigung an und stellte technische und planerische Aspekte der neuen Anlage im Bestandsgebäude heraus (siehe dazu unseren Bericht zur Ceres Mühle).
Im weiteren technischen Programm stellten Katharina Kammann und Rainer Stöbi von KMH-Kammann Metallbau unter dem Titel „Saferer: Next-Generation Surface Technology in Bulk Material Piping“ eine Lösung für die innere Oberflächengestaltung der Schüttgutleitungen vor. Gerade in Getreide- und Lebensmittelbetrieben können hygienisches Design und verminderte Anhaftungen für Betriebssicherheit und Produktqualität sorgen. Dr. Alexandra Hüsken, Vizepräsidentin der AGF ordnete die regionalen Unterschiede der Kadmiumbelastung beim Getreide im europäischen Vergleich ein. Wobei die Kadmiumgehalte der deutschen Weizen- und Roggenernten jedoch unter den Grenzwerten bleiben. Arnaud Sorin von Foricher Les Moulins widmete sich den Herausforderungen der Getreidereinigung. Dabei ging es um die zunehmende Bedeutung einer präzisen Rohstoffbeurteilung und einer flexiblen Reinigung, die unterschiedliche Getreidequalitäten verarbeiten kann. Juste Hahne von Bühler stellte Möglichkeiten einer präzisen Qualitätsüberwachung vor (siehe dazu MM 15-16/2026, S. 20-22). Ronald ten Cate von Ottevanger Process Solutions befasste sich mit der MonoRoll Pellet Mill, einem Pelletiersystem mit nur einer Walze. Das System wurde in der Ceres Mühle eingebaut, weil man sich Energieeinsparungen verspricht. Mit der thermischen Schädlingsbekämpfung griff Andreas Hummel von Termico ein weiteres Hygienethema auf. Schädlingsmanagement wird zunehmend als dauerhaft zu organisierender Prozess verstanden. Prävention, Monitoring und geeignete Bekämpfungsmaßnahmen gehören gleichwertig zum Qualitätsmanagement.
Im Vortragsblock „Prozesse“ bekamen Mühlenausstatter und Technikprovider die Möglichkeit Ihre innovativen Konzepte und Technologien vorzustellen. So gaben Maro Bauer von der Firma Kastenmüller Einblicke in das Leistungsportfolio des Vertriebspartners Technipes insbesondere mit Fokus auf Verpackungslösungen. Felix Bruckmann von der Firma MIAG zeigte die Effizienz-, Energie- und Kosteneinsparpotentiale in pneumatischen Fördersystemen auf. Die Rohstofffraktionierung in hoch- und niedrigproteinhaltige Rostoffe durch Lösungen der Firma BOMILL wurden durch Denis Boissau erläutert. Und Pietro Barbalarga präsentierte die OMAS-Technologien zur Entfernung der Verunreinigungen am Ausgangsrohstoff.
Fabien Varagnac von Grain & Flour Insights sprach über die Senkung von Mahlkosten durch eine intelligentere Rohstoffbeschaffung. Seine Botschaft: Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht erst am Walzenstuhl, sondern bereits bei der Auswahl und Bewertung von Rohstoffen. Angesichts schwankender Ernten und volatiler Märkte ist eine datenbasierte Beschaffungsstrategie wichtig. Koen Verbrugge von Silo Construction & Engineering stellte anschließend quadratische Silos für Mühlengebäude vor. In seinem Vortrag ging es dabei Bauflächen, Lagerkapazität und Investitionskosten effizient zu nutzen. Eduardo Assencio vom brasilianischen Mühlenverband Abitrigo gab einen Überblick über einen der größten Mehlmärkte der Welt. Die 140 Mühlen des Landes verfügen über eine Gesamtkapazität von rund 18 Mio. t und vermahlten 2025 etwa 13,3 Mio. t Weizen.
Ein eigener Programmblock widmete sich der Ausbildung künftiger Müller. Unter dem Titel „Training Millers for the Future: Challenges and Opportunities in Europe“ diskutierte eine Talkrunde über die künftige Qualifizierung des Nachwuchses. Michael F. Weber, Schulleiter der Swiss School of Milling, moderierte, uf dem Podium saßen Jan Cordesmeyer, geschäftsführender Gesellschafter der Hemelter Mühle und Präsident der European Flour Millers, Norman Krug, Geschäftsführer der Dresdener Mühle und bei der BiGu-Mühlengruppe für die Ausbildung zuständig, Dr. Andreas Baitinger, Schulleiter der Gewerblichen Schule Im Hoppenlau, sowie Alexander Schnelle von Bühler, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Müllerschule Braunschweig. Die Zusammensetzung der Runde machte deutlich, dass die Sicherung qualifizierten Nachwuchses eine Gemeinschaftsaufgabe von Schulen, Unternehmen und Verbänden ist (siehe dazu das Video und Transkript der Paneldiskussion auf mühle-mischfutter.de).
Im Themenblock zur Digitalisierung sprach Martin Ellegast von Advactory über Vorteile einer intelligenten Automatisierung. Hartmut Hoyer von ZEUTEC stellte multispektrale Bildgebung und KI zur Bestimmung von Getreidemorphologie und Sorten vor. Die Kombination aus optischer Erfassung und lernenden Algorithmen kann die Möglichkeiten klassischer Analytik erweitern. Weitere Beiträge befassten sich mit der Digitalisierung der Getreide-Wertschöpfungskette, der Nachhaltigkeitsleistungen und deren Rückverfolgbarkeit sowie der Frage, wie Unternehmen ihren CO₂-Fußabdruck verlässlich berechnen können.
Viele Besucher lobten das Forum als richtiges und wichtiges Format für die Wechselwirkung zwischen inhaltlicher Substanz und technischer Ausstellung. Leo Distler, Vorsitzender des Ausschusses für Müllerei-Technologie, dankte den Veranstaltern und den Sponsoren. Norbert Lötz, Vizepräsident der AGF und Präsident des Verbandes deutscher Großbäckereien, lobte die Themenauswahl: „Das Milling Forum hat die für die Branche bedeutenden Themen aufgegriffen. Wichtig war auch, dass neben den Fachvertretern Abgeordnete des Europäischen Parlaments teilnahmen und die europapolitische Perspektive in die Diskussion einbrachten.“
Die Themen konnten in der Ausstellung mit den Experten der Unternehmen vertieft werden. Vor allem die Aussteller in der großen oberen Halle waren zufrieden und berichteten uns über gute Gespräche und Kontakte. Im unteren Bereich der Ausstellung war es weitaus ruhiger. Für die nächste Veranstaltung sollte die Platzierung der Stände sowie die Besucherführung verbessert werden. Insgesamt war die Resonanz sehr positiv. Mit diesem praxisnahen Konzept legte der Veranstalter in Brüssel den Grundstein für eine europäische Plattform, die künftig an wechselnden Standorten in Europa fortgeführt werden soll.
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