Impulse für Verfahrenstechniker
Powtech Technopharm 2026
Impulse für Verfahrenstechniker
Powtech Technopharm 2026

Impulse für Verfahrenstechniker
Powtech Technopharm 2026
Vom 29. September bis 1. Oktober fand die Powtech 2026 in Nürnberg statt. Die internationale Fachmesse für Verfahrenstechnik bot Raum für Gespräche, Vorträge und viele Lösungen. Das Team von Mühle + Mischfutter besuchte Aussteller und Expertenforen.
Vom 29. September bis 1. Oktober präsentierten in drei Hallen des Messezentrums Nürnberg 397 Aussteller aus 29 Ländern ihre Angebote für die Verarbeitung und das Handling von Pulvern, Granulaten, Schüttgütern und Flüssigkeiten. Im Fokus standen Themen wie Smart Industry, Energieeffizienz, Recycling, Sicherheit und The Future of Processing.
Nach Angaben des Messeveranstalters besuchten rund 6.000 Fachbesucher aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, den Niederlanden, Tschechien, Polen, der Türkei, Slowenien, Frankreich und Japan die Ausstellung und die Foren. Mit einem Auslandsanteil von 45% auf Ausstellerseite und 40% auf Besucherseite zeigte sich die Messe erneut international. Allerdings hat die Powtech Technopharm ihre Größe von vor der Coronazeit bislang nicht wieder erreicht. Nach den zertifizierten Messedaten der FKM kamen 2025 rund 39% weniger Besucher als 2019. Die Ausstellerzahl lag rund 35% niedriger. Seit dem Neustart im Jahr 2022 verlief die Entwicklung wechselhaft: Auf einen Zuwachs im Jahr 2023 folgte 2025 ein erneuter Rückgang, obwohl die FachPack parallel stattfand. Die diesjährige Ausgabe ohne FachPack füllte knapp drei Hallen. Es gab viel Leerraum und der Besucherandrang erschien bei unserem Rundgang verhalten. Ohne die FachPack ist in diesem Jahr die Gesamtbesucherzahl gegenüber 2025 von 8.628 auf 6.000 Besucher also um rund 30% gesunken. Laut Messe bestätigten jedoch die Aussteller in Umfragen die hohe Qualität der Besucher und freuten sich über intensive Gespräche zu speziellen Vorhaben. Die Quote der Besucher, die an Investitions- und Beschaffungsentscheidungen beteiligt sind, war mit rund 90% gewohnt hoch. 96% der Besucher waren mit ihrem Messebesuch zufrieden, 93% planen bereits jetzt, die Powtech Technopharm 2028 wieder zu besuchen.
Dass die Messe mehr war als eine reine Produktschau, zeigte das Rahmenprogramm. Im Expert Forum gaben Experten in 88 Fachvorträgen wichtige Impulse. Innovative Lösungen entlang der gesamten Prozesskette zeigten die teilnehmenden Unternehmen am Pavillon des Deutschen Schüttgut-Industrie Verbands (DSIV) sowie auf der VDMA-Sonderschau „Clean Air – Smart Processing“ und den VDMA-Guided Tours zur Batterieproduktion. Praxisnah wurde es bei den täglichen Live-Vorführungen zum Explosionsschutz. Ergänzend bot das IND EX Explosion Safety Forum Raum für den internationalen Fachaustausch und neue Erkenntnisse im Explosionsschutz.
Den Auftakt der Fachmesse bildete am ersten Tag eine Veranstaltung der internationalen Schüttgutverbände, bei der der Nachwuchsmangel im Mittelpunkt stand. Branchenweit besteht Einigkeit darüber, dass Verbände und Unternehmen künftig noch aktiver direkt an Schulen gehen müssen. Neben den personellen Herausforderungen wurde intensiv diskutiert, wie ausufernde Bürokratie und starre Vorschriften die Forschungsarbeit erschweren und das wirtschaftliche Wachstum bremsen.
Im Anschluss fand das VDMA-Pressegespräch am Stand der VDMA-Sonderschau statt. Unter dem Leitmotiv „Weniger Regulierung, mehr Wettbewerbsfähigkeit: Wie der industrielle Mittelstand wieder auf Wachstumskurs kommen kann“, veranstaltet von den VDMA-Fachverbänden Allgemeine Lufttechnik sowie Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate, analysierte u.a. Dr. Urs Herding (Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Allgemeine Lufttechnik und geschäftsführender Gesellschafter der Herding GmbH Filtertechnik) die aktuelle konjunkturelle Lage. Der industrielle Mittelstand sei massiven Belastungen ausgesetzt. Hohe Regulierungskosten, bürokratische Hürden und ein verschärfter internationaler Wettbewerbsdruck würden Investitionen und Innovationen hemmen. Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, seien dringend verlässliche Rahmenbedingungen notwendig. Aus der industriellen Praxis wurde kritisiert, dass vom angekündigten Bürokratieabbau der Bundesregierung real nichts zu spüren sei. Ein zentraler Kritikpunkt war zudem die ausufernde Dokumentationspflicht. Ergänzend rundete der Auftritt des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) mit seinem Stand unter dem Leitmotiv „Engineer your future – with us“ den Messetag ab. Als starker Partner präsentierte der VDI sein umfassendes Netzwerk aus rund 125.000 Mitgliedern. Mit einem vielseitigen Angebot unterstützt es VDI Ingenieure und den technischen Nachwuchs. Es reicht von praxisnahem Wissensaufbau über Fachzeitschriften, Webinare und Kongresse bis hin zu individueller Karriere- und Gründerberatung.
Im Expert Forum ging es um Safety & Security, Smart Industry und Future of Processing. Dipl.-Ing. Klaus Rabenstein von der Herding GmbH Filtertechnik hielt einen sehr gut besuchten Fachvortrag zum Thema Explosionsschutz. Hierbei stellte er die Ursachen einer Staubexplosion und die Explosionsfähigkeit verschiedener Stoffe vor, ging auf die Beurteilung der Brand- und Explosionsgefährdung ein und stellte im Anschluss verschiedene Schutzkonzepte vor. Er machte auf Schutzmaßnahmen direkt am Objekt, den sogenannten „Objektschutz“ aufmerksam. Als eindrucksvollen Beispiel beschreib er die Brandgefährdung bei bestaubten Filterelementen, die er mit Videos und Bildern untermalte.
Florian Kiel vom TÜV Rheinland stellte das Thema „KI auf dem Prüfstand“ vor. Er zeigte, wie künstliche Intelligenz viele Prozesse in Mechanik, Automation und Autonomie verändert und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind. Es wurden Anwendungen, notwendige Sicherheitsmaßnahmen sowie die geltenden regulatorischen Rahmenbedingungen und technischen Standards der EU erläutert. Besonders hob er hervor, warum eine vertrauenswürdige KI für industrielle Anwendungen notwendig ist.
Simon Balles von der AZO GmbH & Co. KG hielt einen Vortrag zum Thema Smart Ingredient Handling. Dies bedeutet in erster Linie, dass zum richtigen Zeitpunkt die richtige Menge eines Materials in der vorgegebenen Qualität am vorgesehenen Prozessschritt verfügbar ist. Zunächst wurde die Vision von einer Black Factory erläutert, eine autonome Fabrik, in der Prozesse selbstständig ablaufen. Hierbei wurde auf verschiedene Technologietrends eingegangen, die dafür den Weg ebnen könnten: AI & Data Intelligence, Digital Twin & Connected Factory (die reale Anlage wird digital abgebildet) und Robotics & Physical AI (die KI wird physisch handlungsfähig). Anschließend wurde der Weg zur Black Factory vorgestellt. Weiter ging es mit einem Vortrag zum Schwerpunkt Anlagenbau und Verfahrenstechnik von der Hosokawa Alpine AG. Sonja Seiler und Dr.-Ing. Patrick Schönfeld präsentierten die Vorteile und Anwendungsbereiche von Kompaktoren und Walzenpressen in der industriellen Verarbeitung. Es wurden die Funktionsweisen und Vorteile von Kompaktoren erläutert, der Prozessweg von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt beschrieben.
Rainer und Lukas Zimmermann, die Geschäftsführer der AZO GmbH & Co. KG, beschrieben, wie sie als Vater und Sohn den Transformationsprozess der Firmenübergabe gemeinsam gestalten. 2018 gab es eine stark hierarchische Organisation, in der Entscheidungen von oben nach unten weitergegeben und die besten internen Fachkräfte stets befördert wurden.
Die Überführung in eine dynamische Organisationsform erfolgt nun über individuelle strategische Projekte, die durch die Projektleitung koordiniert werden. Diese Leitung ist gleichzeitig die Schnittstelle zwischen dem Tagesgeschäft und den Transformationsprojekten und stellt die Wettbewerbsfähigkeit auch für die Zukunft sicher. Im Vortrag wurde dies als gelebte Ambidextrie beschrieben: heute zuverlässig arbeiten und gleichzeitig für morgen besser werden.
Sensoren für Füllstandsmessungen
Am Stand von Endress + Hauser war großer Besucherandrang. Es gab neuste Messgeräte und Anwendungen zu sehen und beim obligatorischen Austausch über die Entwicklungen in der Prozessmesstechnik ging es vor allem um die eine Größe, die in der Getreide- und Schüttgutverarbeitung eine entscheidende Rolle spielt: den Füllstand. Dabei zeigte Endress + Hauser unter anderem die neue Micropilot-Familie mit den Modellen FMR10B, FMR20B und FMR30B. Gemeinsam haben die drei Geräte ein Ziel: Füllstandsmessung soll von der Auswahl über die Installation bis zur Inbetriebnahme vereinfacht werden. Ergänzt wird das Portfolio durch den Micropilot FWR30, der die Füllstandsmessung mit drahtloser Kommunikation und cloudbasierter Bestandsüberwachung verbindet. Die drei neuen Micropilot-Modelle arbeiten mit 80-GHz-Radar und ermöglichen eine berührungslose Füllstandsmessung. Die Geräte sind für Flüssigkeiten und Schüttgüter ausgelegt. Bei der Inbetriebnahme setzt Endress + Hauser auf geführte Bedienassistenten, sogenannte Wizards. Nach Angaben des Herstellers kann ein Gerät damit in wenigen Minuten in Betrieb genommen werden.
In Halle 7 stellte sich das Unternehmen TSC Silos vor. Seit mehr als 25 Jahren baut das niederländische Unternehmen rechteckige Silos für Kunden weltweit. Vor Ort berichtete Sven Konings, Commercial Manager bei TSC, dass Entwurf, Berechnung, Fertigung und Montage vollständig in eigener Hand lägen. Den Vorteil der eckigen Bauform erklärt Konings an der Raumausnutzung. Runde Silos ließen zwischen den einzelnen Zellen Zwischenräume, die für die Lagerung verloren gingen. Rechteckige Zellen schlössen dagegen Wand an Wand aneinander. Auf derselben Grundfläche ergebe sich so eine um mindestens 27% höhere Lagerkapazität. Darüber hinaus plane TSC die Silos so, dass sie statisch Teil des Gebäudes würden. Die Siloanlage übernehme dann tragende Funktionen, die sonst eine separate Hallenkonstruktion erfüllen müsste. Das senke den Materialeinsatz und damit die Investitionskosten.
Die nächste Powtech Technopharm findet vom 26. bis 28. September 2028 im Messezentrum Nürnberg statt. Wieder im Verbund mit dem internationalen Kongress für Partikeltechnologie, PARTEC und zusammen mit der FachPack, europäische Fachmesse für Verpackung, Technik und Prozesse.

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