Mühle
This is some text inside of a div block.

Sichere Altersvorsorge braucht Kontrolle

Betriebliche Altersvorsorge für Müller

Veröffentlicht am: 
18
February
2026
Lesezeit:
0
Min

Sichere Altersvorsorge braucht Kontrolle

Betriebliche Altersvorsorge für Müller

Veröffentlicht am: 
18
February
2026
Lesezeit:
0
Min
Mühle
This is some text inside of a div block.

Sichere Altersvorsorge braucht Kontrolle

Betriebliche Altersvorsorge für Müller

Veröffentlicht am: 
18
February
2026
Lesezeit:
0
Min
Mühle
This is some text inside of a div block.
Betriebliche Altersvorsorge für Müller

Sichere Altersvorsorge braucht Kontrolle

Betriebliche Altersvorsorge für Müller

Mühle
This is some text inside of a div block.
Veröffentlicht am: 
18
February
2026
Lesezeit:
0
Min
Bild von: 
Damit man sich auch im Alter etwas gönnen kann, sorgen viele Mühlenmitarbeiter privat vor.

Zwei Finanzskandale haben Versicherte Anfang 2026 verunsichert. Die Bayerische Versorgungskammer (BVK) als größte öffentlich-rechtliche Versorgungsgruppe Deutschlands hat einen hohen Millionenbetrag mit Immobiliengeschäften in den Sand gesetzt und das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte hat einen Milliardenverlust. Wie sicher die Anlagen der Müllerei-Pensionskasse sind, erläutert ihr Vorsitzender Paul Wessling.

Gastartikel von:
Logo Verlag Moritz Schäfer
Artikel von:

Die BVK ist eine Dachorganisation für berufsständige Versorgungseinrichtungen in Bayern und mit zwölf Altersversorgungseinrichtungen ein Schwergewicht in Deutschland. Allein in Bayern hat ca. jeder fünfte Haushalt Ansprüche auf Renten-Leistungen aus der BVK. Die Versicherung hat nach eigenen Aussagen in den letzten Jahren Gelder ihrer Versicherten in Höhe von rund 1,2 Mrd. Euro in US-Immobilien investiert. Verluste daraus in Höhe von 288 Mio. Euro hat die BVK bereits abgeschrieben und kommuniziert die weiteren Verlustrisiken mit rund 690 Mio. Euro. Zur Aufarbeitung der windigen Immobilienanlagen in den USA u.a. mit einem vorbestraften Makler ist die Münchener Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Versicherten erfuhren von den Verlusten teilweise erst aus der Presse.

Renten in Gefahr, heißt es auch bei Zahnärzten. Das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte hat rund die Hälfte ihres Ende 2024 verwalteten Gesamtvermögens von rund 2,2 Milliarden Euro verzockt. Das Investment in eine Garnelenzucht, die 2025 pleiteging, sei nur ein Beispiel für die schrägen und risikoreichen Investments des Versorgungswerks, so das Handelsblatt im Januar 2026. Jetzt erhöht das Versorgungswerk die Pflichtbeiträge seiner Mitglieder, um die Kassen wieder aufzufüllen. Die beiden Finanzskandale werfen Fragen zur berufsständigen Versorgung auf: Wie sicher bleiben Anwartschaften, wenn die Versorgungseinrichtung mit Anlagen in Schieflage gerät?

Müllerei-Pensionskasse

Für Mühlenbetriebe arbeitet die Müllerei-Pensionskasse (MPK) als Versicherungsunternehmen unter dem Versicherungsaufsichtsgesetz und unterliegt ebenfalls der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Auf der Homepage gibt die MPK für 2022 rund 6.700 Versicherte an und eine Bilanzsumme von rund 131 Mio. Euro, wovon rund 125 Mio. Euro angelegt sind. Die Kasse beschreibt ihren Geschäftszweck klar: Sie erbringt betriebliche Altersversorgung für Mitarbeiter ihrer Trägerunternehmen und deren Hinterbliebene und nennt für Neuzugänge eine garantierte Verzinsung von 0,25% der Sparbeiträge. Sie stellt lebenslange Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenleistungen auf Basis einer beitragsorientierten Leistungszusage in Aussicht und trägt nach eigener Darstellung biometrische Risiken wie Langlebigkeit und Invalidisierung.

Was bedeutet das für Mühlenunternehmen, die Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung anbieten, sowie für Mitarbeiter, die Entgelt umwandeln, konkret? In einem Umfeld, in dem Einrichtungen wegen schwacher Zinsen über Jahre diversifizieren mussten, bleibt im Kern die gleiche Frage wie in der Mühle: Wer definiert Grenzwerte, wer prüft Rohmaterial, wer kontrolliert laufend, und wer zieht Konsequenzen, wenn Kennzahlen kippen? Antworten zur Risikoabsicherung gibt Paul Wessling, Vorsitzender der Müllerei-Pensionskasse im Interview.

Paul Wessling ist Vorsitzender der Müllerei-Pensionskasse (MPK).

M+M: Wie schaffen Sie die Balance zwischen Rendite-Garantien und Ertragsanforderungen im aktuellen Zinsumfeld? Welche Risiken geht die Müllerei-Pensionskasse bei ihrer Anlagestrategie ein?

Paul Wessling: Vorab lassen Sie mich kurz einordnen, welche Unterschiede im Umfang und in der Intensität einer Bundesaufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) und der Aufsicht über Versorgungswerke bestehen. Berufsständige Versorgungswerke wie die Bayerische Versorgungskammer oder das Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin, Bremen und Brandenburg sowie weitere 90 Versorgungswerke (VW) für die Berufsgruppen der Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Patentanwälte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer, Psychotherapeuten und Ingenieure sind Träger der ersten Säule der Altersversorgung, da diese Kammerberufe grundsätzlich von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit sind. Das Vermögen lag in 2024 bei rd. 290 Mrd. €. bei ca. 12,5 Mrd. € Beitragseinnahmen von 950.000 Versicherten und einer monatlichen Rente von Ø 2.200 €. Die Aufsicht über diese Versorgungswerke ist Ländersache und ist meist im Justiz- oder Wirtschaft- und  Finanzministerium angesiedelt, wobei die Ressourcen und der Umfang der Aufsichtsreferate abweichen. Versorgungswerke unterfallen somit nicht der BaFin wie Versicherungen und Pensionskassen und sind ausgenommen aus dem Rechtsrahmen des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) .

Pensionskassen unterfallen der materiellen Staatsaufsicht und werden reguliert durch die BaFin. Sie unterliegen einer regelmäßigen strengen und umfangreichen Berichtserstattung und Meldepflicht. Die Balance zwischen Rendite-Garantien und Ertragsanforderungen halten wir durch Beachtung der wesentlichen Anlagegrundsätze wie Sicherheit, Liquidität, Rentabilität und Qualität einer Kapitalanlage mit Sicherstellung einer diversifizierten Mischung der Anlageinstrumente wie festverzinsliche Wertpapiere oder Aktien sowie einer ebenfalls risikoarmen Streuung der Schuldner und Emittenten solcher Anlagen.

Die Diversifikation und Streuung tragen wesentlich dazu bei, das Verlustrisiko zu reduzieren, wobei wir bei Emittenten mit guter Bonität und/oder mit der Bereitstellung von dinglichen Sicherheiten wie Grundpfandrechten oder bestehenden Sicherungseinrichtungen investieren wie Sparkassen, Landesbanken, Genossenschaftsbanken und Banken im Bundesverband der Banken (welche auch von der BaFin oder der EZB beaufsichtigt werden), aber auch in öffentlich-rechtliche Anstalten, Kommunen, Gemeinden und Städte, europäische Länder, Regionen oder europäische Organisationen mit Haftung der EU-Staaten.

M+M: Welche personengebundenen Verantwortlichkeiten und Kontrollen haben Sie festgelegt? Wie organisiert Ihre Pensionskasse die Due Diligence, also die Vorprüfung, bei komplexen Anlagen, insbesondere bei Auslandsimmobilien, Fondsvehikeln und Joint Ventures, und welche Prüfungen führen Sie zur Integrität von Geschäftspartnern, Managern und Intermediären durch, bevor Sie Kapital zusagen?

Paul Wessling: Als regulierte Pensionskasse sind die Möglichkeiten zur Kapitalanlage verbindlich vorgeschrieben in der sogenannten Anlageverordnung (AnlV). Diese regelt den Umfang jeder Anlageart über ein Limit-System und die Gattung des Schuldners über Streuungsgrenzen: Bei Aktien ist dies maximal 1% des Kassenvermögens je Aktiengesellschaft oder max. 5 % bei einem Unternehmen, jedoch bis zu 30% bei Bund, Ländern und Gemeinden und 15% bei Anlagen in ein Kreditinstitut.

Weiterhin ist es Pensionskassen nicht möglich, alleine zu handeln, denn alle Transaktionen in der Kapitalanlage erfordern zwingend die Zustimmung des Treuhänders unserer Kasse nach § 128 VAG, sei es ein Kauf oder Verkauf einer Anlage, aber auch die Tilgung eines Darlehens oder die Rückzahlung einer Anleihe wegen Fälligkeit bedürfen seiner Genehmigung.

Die Kommunikation mit dem Treuhänder und die Dokumentation darüber werden von der BaFin streng kontrolliert, damit eben keine Limit-Verletzungen in der Mischung oder der Streuung eintreten, was sicherlich bei auch den von Ihnen angesprochenen Versorgungswerken den Schaden gemindert hätte. Komplexe Anlagen und Joint Ventures werden von der MPK nicht getätigt, wohl aber indirekt in einem Büroimmobilienfonds mit europäischen Standorten. Der Fonds wiederum ist ebenfalls BaFin-reguliert durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft und die Depotbank und unterliegt den Regelungen des Kapitalanlage-Gesetzbuches (KAGB).

Die machbaren Kapitalanlagen sind neben der Anlageverordnung nochmal individuell niedergeschrieben in der Kapitalanlage-Richtlinie der MPK und schränkt die Möglichkeiten der Anlageverordnung ein. Sie wird jährlich im Aufsichtsrat besprochen und verabschiedet.

M+M: Welche harten Risikolimite gelten bei Ihnen für risikoreiche Assets und einzelne Manager?

Paul Wessling: Die Anlageverordnung sieht Beteiligungskapital über Aktien oder Gesellschafteranteile an Unternehmen sowie Asset-Back-Securities und High-Yield-Anleihen als risikoreich an und begrenzt diese Anlagen auf 1% bis 7,5% des Vermögens. Bis auf einen kleinen Aktienfonds mit einem Volumen von ca. 0,7% unseres Vermögens, investiert in Gesundheit- und Medizintechnik, tätigen wir solch risikoreichen Anlagen nicht. Aktuell haben wir 90% des Vermögens in festverzinslichen Anlagen angelegt, 8% in Immobilienfonds zu Wohnen, Büro, Bildung und Pflege und 2% Liquidität.

M+M: Wie stellen Sie Transparenz gegenüber den Versicherten und den Trägerunternehmen sicher und welche Kennzahlen, Berichte und Erläuterungen liefern Sie in welchen Zeiträumen, damit ein Versicherter Risikopositionen, Kosten und Wertschwankungen nachvollziehen kann?

Paul Wessling: Pensionskassenzusagen als Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung unserer Trägerunternehmen sind von Beginn an fest zugesagte Leistungen zum Renteneintritt und unterliegen keinen Schwankungen, denn es handelt sich weder um ein Kundendepot noch um fondsgebundene Zusagen. Bei solchen Zusageformen trägt der Versicherte das Risiko von Wertschwankungen. Sicher unterliegen auch die Vermögenwerte der MPK Marktschwankungen. Steigt der (Leit)-Zins, fallen die Marktwerte und sie nehmen zu, wenn der Zins sinkt.

Da eine Pensionskasse jedoch Verpflichtungen über Jahrzehnte zusagt und bedecken muss, sind wir Langzeitinvestoren, halten die Wertpapiere bis zur Fälligkeit und erhalten die Rückzahlungen zum investierten Nominalwert. Das geschätzte Ausfallrisiko unserer Anleihen liegt bei rd. 2 Promille. Jährlich erhalten unsere Mitglieder eine Standmitteilung ihrer Rentenansprüche und eingezahlten Beiträge. Sie können auch jederzeit seit 2022 über die digitale Rentenauskunft die MPK-Versorgung einsehen. Die testierten und geprüften Geschäftsberichte werden auf unserer Homepage veröffentlicht sowie die Grundsätze der Anlagepolitik nach § 234i VAG. Die Trägerunternehmen erhalten jährlich einen Überblick ihrer versicherten Mitarbeiter und das Volumen der zugesagten Betriebsrenten.

M+M: Angenommen, eine größere Anlage gerät unter Druck und erzeugt erhebliche Abschreibungen. Welche Mechanismen schützen die Anwartschaften und laufenden Leistungen und wie schnell informieren Sie in einem solchen Fall die Gremien und die Versicherten?

Paul Wessling: Für den Fall, dass es trotz aller Vorsicht und Überwachung durch die Aufsicht infolge Krisen am Kapitalmarkt oder politischer oder geopolitischer Krisen dennoch zu einem Verlust einer Pensionskasse kommen sollte und die Kasse von der BaFin aufgefordert wird, die Renten- und Rentenzusagen zu senken, ist der Arbeitgeber als Trägerunternehmen in der subsidiären Haftung zur Zahlung des Differenzbetrages, geregelt in §1 Betriebsrentengesetz.

Ist der Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Leistungskürzung nicht mehr existent durch Geschäftsaufgabe oder Insolvenz, dann wird der Differenzbetrag vom Pensions-Sicherungs-Verein übernommen. Arbeitgeber mit betrieblicher Altersversorgung über eine Pensionskasse, Unterstützungskasse oder eine Direktzusage mit entsprechenden Pensionsrückstellungen in der Unternehmensbilanz müssen eine beitragspflichtige Mitgliedschaft im PSV beantragen und zahlen jährlich einen Beitrag in Abhängigkeit der zugesagten Altersvorsorge-Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern.

Mühle + Mischfutter Online Logo Small
Mühle + Mischfutter Online +

Bereits Abonnent der M+M Print oder Print plus Online ?

Als Abonnent der Mühle + Mischfutter erhalten Sie diesen Zugriff gratis.

Lizenz erhalten

Mühle + Mischfutter Online Abo inklusive M+ Online

ab 22€ /Monat
Unbegrenzter Zugang zu allen Artikeln auf M+ Online
Mühle + Mischfutter Print, Online oder Online + Print
Zugang zu allen Newslettern
zum Mühle + Mischfutter Abo
Unbegrenzter Zugang zu allen M+ Inhalten
Genießen Sie rund um die Uhr uneingeschränkten Zugang zu allen unseren Artikeln und Berichten.
Regelmäßiger Newsletter
Erhalten Sie regelmäßige Updates und die neuesten Branchentrends direkt in Ihr Postfach.
Bequemer digitaler Zugang
Egal, ob Sie am Schreibtisch sitzen oder unterwegs sind, Sie können jederzeit und überall auf unsere Inhalte zugreifen.
Unterstützung unabhängiger Fachberichterstattung
Mit Ihrem Abonnement unterstützen Sie die unabhängige Berichterstattung und helfen uns, weiterhin hochwertige Informationen zu liefern.

M+ Online

1€ /Woche
monatlich abgerechnet
Unbegrenzter Zugang zu allen Artikeln auf M+ Online
Zugang zu allen Newslettern
Jederzeit zur nächsten Abrechnung kündbar

30 Tage kostenlos testen

Jetzt abonnieren
Anzeige

Meldungen zu diesem Artikel

No items found.

Weiterlesen

Unsere Experten zu diesem Thema

No items found.

Personen aus diesem Artikel

No items found.

Firmen aus dem Artikel

No items found.
Aus Ausgabe: 
Gastartikel von:
Artikel von:
Mühle + Mischfutter Online Logo

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Fachspezifische Berichterstattung. Direkt in Ihr Postfach.

'Nichts verpassen!
Herzlich willkommen! Vielen Dank, dass Sie unseren Newsletter abonniert haben.
Leider scheint dies nicht funktioniert zu haben. Probieren Sie es gerne erneut. Alternativ
Anmeldung erfolgreich
Error