Studienreise des Bayerischen Müllerbundes 2026 ins Tessin
Mulino Maroggia: Neubau nach Brand
Studienreise des Bayerischen Müllerbundes 2026 ins Tessin
Mulino Maroggia: Neubau nach Brand
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Studienreise des Bayerischen Müllerbundes 2026 ins Tessin
Mulino Maroggia: Neubau nach Brand
Im November 2020 zerstörte ein Brand die Mulino Maroggia. Inhaber Alessandro Fontana baute die einzige kommerzielle Mühle im Tessin gemeinsam mit Bühler wieder auf. Der Bayerische Müllerbund besuchte auf seiner Studienreise die neue kombinierte Mühle für Weichweizen, Durum, Roggen und Dinkel.
Wer aus dem Norden ins Tessin reist, spürt den Wechsel der Landschaft lange vor dem Ziel. Die Täler werden enger, die Hänge steiler, das Licht wärmer. Maroggia liegt am Luganersee, nahe der italienischen Grenze. Für Touristen ein Sehnsuchtsort. Für Müller seit dem Wiederaufbau der Mulino Maroggia ein Wunschziel: eine kleine, regionale Mühle, die nach einem Totalverlust neu geplant wurde und heute mit moderner Technik und weniger Personal arbeitet. Die Besuchergruppe des Bayerischen Müllerbunds empfängt Alessandro Fontana bei strahlendem Sonnenschein im Besucherzentrum. Die angereisten Müller haben mehr als technisches Interesse. Denn diese Mühle steht dort, wo im November 2020 fast alles verloren ging.
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Am 23. November 2020 brach um 17 Uhr im Erdgeschoss des Lagerhauses ein Feuer aus. Mit Hilfe von Fotos und TV-Berichten erzählt Alessandro Fontana von den dramatischen Ereignissen rund um den Brand. Das Feuer breitete sich mit hoher Geschwindigkeit aus, begünstigt durch die Holzstruktur des alten Gebäudes. Mehr als achtzig Feuerwehrleute waren vor Ort. Die Feuerwehren aus Melide, Lugano, Mendrisio und Chiasso rückten zur Unterstützung aus. Auch die Schweizerischen Bundesbahnen unterstützten mit Löschzügen, nachdem die örtlichen Wasserreserven zur Neige gingen. Trotzdem brannte die Mühle vollständig nieder. Wegen des Brandes mussten die Hauptverkehrsachsen und die Bahnlinie rund um die Mühle unterbrochen werden. Der gesamte Kanton wurde lahmgelegt. Fernsehsender unterbrachen das laufende Programm. Die Löscharbeiten dauerten insgesamt acht Tage. Nur ein Weizensilo aus Beton sowie ein Nebengebäude konnten gerettet werden.
„Bitte denkt nicht, dass so etwas nur anderen passiert - so etwas kann immer passieren.“Alessandro Fontana
Für Alessandro Fontana, seine Familie und den Ort Maroggia ist der Brand mehr als ein betrieblicher Schaden. Die Mühle gehört seit über hundert Jahren zum Ortsbild. Die Geschichte der Mühle reicht bis an den Anfang des 19. Jahrhunderts zurück und seit vier Generationen führt Familie Fontana das Unternehmen.
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Der Brand zerstört mit der Mühle ein Wahrzeichen der Region und ein Stück regionaler Identität. Alessandro Fontana schildert die dramatischen Stunden mit der Klarheit eines Unternehmers, der sich nach einer Katastrophe entscheiden muss: Aufgeben oder Wiederaufbau. Bereits am Abend des Brandes steht für ihn fest, dass er die Familientradition weiterführt. Um 18.30 Uhr telefoniert der Inhaber mit Martin Ruckstuhl, damals Area Sales Manager Milling Solution bei Bühler: „Martin, ich brauche eine neue Mühle!“ Am nächsten Tag kündigt Alessandro Fontana den Wiederaufbau öffentlich über TV und Radio an. Darauf folgen zahlreiche positive Botschaften und spontane Solidaritätsaktionen aus der Bevölkerung.
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Für Fontana und seine Familie beginnt eine intensive, sehr herausfordernde Phase. Die Kunden müssen weiter beliefert werden. Bereits sieben Tage nach dem Brand nimmt die Mulino Maroggia die Belieferung in Zusammenarbeit mit der Knecht Mühle AG aus der Nordschweiz wieder auf. In den ersten Tagen arbeiten die Mitarbeiter ohne Strom und Energie in Dunkelheit und Kälte. Das Sekretariat findet provisorisch im Dorfrestaurant Platz. Dass die Logistik dank eines intakten Lagers weiter möglich ist, hilft in dieser Übergangszeit. Besonders hervor hebt Fontana die Zusammenarbeit mit seiner Versicherung. Die Allianz erweist sich als zuverlässiger Partner und gibt relativ schnell Gelder frei. Die Zugunterbrechung von 24 Stunden nach Zürich verursacht allein einen Schaden in Millionenhöhe. Als Brandursache wird ein Kurzschluss auf elektrischer Ebene angenommen. Ein großes Problem für die Mühlenmitarbeiter ist die Entsorgung des Materials. Der Weizen in den Silos ist voller Löschwasser und beginnt zu gären. Auf dem Mühlenhof wird verbranntes Material und Wertstoffe getrennt und es werden Biogas- und Müllverbrennungsanlagen in der Umgebung genutzt. Zum Glück kommt bald Frost und Schnee und die Geruchsbelästigung ist gestoppt.
„Ich habe mich in der Zeit nicht nur einmal gefragt, ob ich mich richtig entschieden habe.“ Alessandro Fontana
Gemeinsam mit den Experten von Bühler u.a. Martin Beck starten die Planungen zum Neubau. Das erhalten gebliebene Gebäude vor der Mühle wird zu einem modern gestalteten Veranstaltungszentrum für Firmenevents aber auch für Hochzeiten, Taufen und sonstige Familienfeiern. Eine großzügige Versuchsküche steht für Backkurse und Kochevents u.a. für Teambildung zur Verfügung. Fontana sieht nicht nur den finanziellen Nutzen: „All das hat uns näher zur Bevölkerung gebracht“, erklärt er.
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Die frühere Mühlenanlage, ebenfalls eine kombinierte Weizen-, Durum-, Roggen- und Dinkelmühle, leistete 50 t in 24 Stunden. Annahme, Reinigung und Mühle sowie das Mehlsilo aus Holz, das Nachproduktesilo und die Packerei sind zerstört. Fontana möchte mit dem Neubau die Tradition erhalten, aber nicht den alten Zustand nachbauen. Die neue Mühle soll ein breites regionales Sortiment abdecken, industrielle Kunden bedienen, handwerkliche Ansprüche erfüllen und regionale Rohstoffe verarbeiten. Dazu kommen viele unterschiedliche Labels und der Anspruch, Mehle mit zuverlässiger Wasseraufnahme und gleichbleibender Backleistung zu liefern. Die Anlage soll mit verbesserter Produktsicherheit flexibler sein, sauberer arbeiten und am Wochenende personalärmer fahren. Dazu braucht sie verlässliche Messpunkte, eine klare Rezeptführung sowie eine gute Überwachung und Steuerung.
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Bereits nach zwei Jahren und elf Monaten ist die Mühle fertig und die kleine Tochter von Alessandro Fontana drückt den Startknopf bei der Inbetriebnahme. Seit einem Jahr arbeitet die Mühle wie geplant und Familie Fontana ist sehr zufrieden mit der neuen automatisierten Mühle. Vor allem kann man von überall per Tablet auf die Mühle zugreifen, wenn beispielsweise am Wochenende oder bei Feiertagen kein Personal vor Ort ist. Im Anschluss an den Vortag führt der Mühleninhaber unterstützt von Jochen Schneider und Georg Schafler die Müller durch das Mühlengebäude. Die beiden Experten der Bühler Group sind extra für diesen Tag aus Uzwil angereist.
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Die neue Annahme mit Annahmegosse mit Entstaubung. Elevator und Rohrleitungen wird von Bühler mit zusätzlichen Sicherheitselementen und Magneten ausgerüstet, damit Fremdteile früh ausgeschieden werden und nachgeschaltete Maschinen geschützt bleiben. Das Getreide gelangt über Separator, Aspirationskanal und Zwischenabscheider weiter in den Prozess. Eine Annahmewaage erfasst die Mengen. Danach wird in bestehende und neue Rohweizenzellen eingelagert, mit Belüftung und Kühlung. Keine Nebensache für eine Mühle in dieser Lage mit heißen Sommern und schneereichen Wintern. In der Reinigung zeigt sich der Anspruch der neuen Anlage. Die Dosierung des Getreides erfolgt aus bestehenden Rohweizenzellen mittels Dosierschiebern und mittels Flowbalancern ROIS unterhalb des neuen Zellenblocks. Der Kombireiniger Vitaris verbindet mehrere Reinigungsschritte in einer kompakten Maschine. Es folgt ein Netzkonzept mit erster und zweiter Netzung. Die Netzzellen tragen über Vibroaustragapparate aus und dosieren wiederum über Flowbalancer. In der zweiten Reinigung kommen Scheuermaschine und Umlufttarar zum Einsatz. Die Aspiration arbeitet mit Niederdruckfilter, Ventilator und Schalldämpfer. Ein Sortex-System verbessert die Rohwarenqualität und ist für die Mühle, die regionale Rohstoffe verarbeitet und Spezialmehle liefert, ein großer Fortschritt.
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Im Mühlendiagramm bleibt die Leistung bei 50 t in 24 Stunden. Das Diagramm ist jedoch von den Bühler Experten auf Flexibilität ausgelegt. Die neue kombinierte Mühle verarbeitet Weichweizen, Durum, Roggen und Dinkel. Bühler liefert Walzenstühle Diorit MDDY-600 mit fünf Schroten und zehn Ausmahlpassagen, MPAK-Plansichter mit mehreren Einläufen und drei Griessputzmaschinen MQRF-15/150. Die kombinierte Mühle muss nicht nur viele Getreidearten verarbeiten können, sondern bei jeder Umstellung ein sinnvolles Gleichgewicht zwischen Ausbeute, Qualität und Maschinenbelastung finden. Beim Rundgang mit Alessandro Fontana entwickeln sich vor den neuen Walzenstühlen Fachgespräche. Die Teilnehmer fragen nach Passagen und Produktführung.
„Ich wollte Tradition bewahren und moderne Technologie integrieren.“ Alessandro Fontana
In der Mulino Maroggia folgen Rohrboden, Walzenboden und Steuerungszentrale einem klaren Prinzip. Besonders deutlich wird dies bei den Mess- und Dosiersystemen. Druckluftfreie DriveX Antriebe sollen Energiekosten reduzieren. Die Maschinensteuerungen arbeiten mit bUnify und Webpanel. Hochpräzise Wiegezellen sind separat angeschlossen. Ein intelligentes System mit Differenzdruckmessung kompensiert äußere Einflüsse. Die Dosier- und Wägetechnik ist mit dem Ausbeutemanagement verbunden, das browserbasiert als Teil von Bühler Insights arbeitet. Die neue Anlage fasst Daten zusammen, wertet sie aus und macht den Prozess nachvollziehbar. Der Müller muss weniger an einzelnen Stellen nachsehen, kann dafür mehr Prozesszusammenhänge prüfen. Er erkennt Abweichungen schneller und kann bei Rezepten, Rohwarenwechseln oder auffälligen Ausbeuten gezielt reagieren. Das Produktionsleitsystem Mercury MES von Bühler bildet dafür die Grundlage. Es übernimmt Prozesssteuerung, Datenaustausch, Rückverfolgbarkeit, Rezeptverwaltung, Reporting, Alarmorganisation und Wartungsmanagement. In Verbindung mit Bühler Insights kann die Mühle ihre Prozesslinien auch rückwirkend betrachten. Für die Mulino Maroggia mit kleiner Mannschaft von zwölf Mitarbeitern und hoher Produktvielfalt eine ideale Lösung.
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Die Temperatur- und Vibrationsüberwachung der Mahlwalzen hilft, die Mahlarbeit zu beurteilen, die Parallelität des Mahlspaltes zu kontrollieren und die Produktverteilung zu überwachen. Kritische Zustände sollen früh erkannt werden. Auch die Wartungsplanung lässt sich dadurch verbessern. Das Yield Management System überwacht Erträge auf Basis der Rezepte, vergleicht Abweichungen zwischen Rezepten und gibt Alarm, wenn Unregelmäßigkeiten auftreten. Eine weitere Stärke der neuen Anlage liegt in der Fertigproduktabteilung. Die Mühle kann Mikrokomponenten wie Malz, Ascorbinsäure und Gluten zugeben. Ein Kontrollsichterabteil prüft Hauptmehle. Die Ascheregelung von Mehl 1 auf Mehl 2 erlaubt es, Qualitäten enger zu führen. In der Mischerei werden die Hauptkomponenten kontrollgesichtet. Der rostfreie Speedmix Batchmischer arbeitet mit kurzen Mischzeiten. Ein großes Nachdepot kann den gesamten Mischerinhalt aufnehmen. Dadurch lassen sich Mischerbefüllung und Abtransport der fertigen Mischung zeitlich entkoppeln. In einem Betrieb mit vielen Rezepten und kleineren Chargen ist das von Vorteil.
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Nach den Fachgesprächen an den verschiedenen Maschinen geht es auf das Dach des Mühlengebäudes. Dort bekommen die Müller einen anderen Ausblick. Sie schauen über die Stadt auf den tiefblauen Luganersee und erkennen, warum diese Mühle mehr ist als ein Produktionsstandort. Sie liegt zwischen Bahnlinie, Ort und See und ist Teil einer Region, die ihre gewerblichen Flächen nicht beliebig ausweiten kann. Der Neubau muss sich architektonisch und organisatorisch in diese Umgebung einpassen. Ein Wiederaufbau an einem solchen Standort bedeutet Abstimmung mit Behörden, Bahn, Kanton und Bund. Am Ende steht für die Besucher ein Apéro bereit und es wird ein Abschiedsfoto geschossen. Vor der Weiterfahrt Richtung Heimat mit dem Mehlexpress stehen alle in Gruppen zusammen und blicken ein letztes Mal auf den beeindruckenden neuen Mühlenbetrieb, der im November 2020 fast verschwunden wäre.
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Alessandro Fontana hat gezeigt, wie ein Wiederaufbau gelingt ohne alte Schwächen zu wiederholen. Er verarbeitet weiterhin Rohstoffe, die für die regionalen Landwirte und seine Kunden wichtig sind, aber heute mit besserer Überwachung, Hygiene, Automatisierung und einem klarerem Prozessmanagement. In Maroggia lebt die Tradition weiter, weil Familie Fontana fachlich sauber, wirtschaftlich vernünftig und mit sichtbarer Verantwortung neu begann.
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Lesen Sie hier die Berichte zu den weiteren Etappen der Reise: iHosokawa Alpine und die Schweizer Müllereifachschule, Bühler in Uzwil und die Grüninger Mühlen und die Weissachmühle im Allgäu.
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Täglich kommen Milliarden Menschen mit Technologien von Bühler in Kontakt, um ihre Grundbedürfnisse an Lebensmitteln und Mobilität zu erfüllen. Bühlers Technologien sind in Smartphones, Solarmodulen, Windeln, Lippenstift und Geldscheinen enthalten. Sie sind in den Lebensmitteln zu finden und in Fahrzeugen. Das Ziel der Bühler Group ist es, Innovationen für eine bessere Welt zu entwickeln, die gesund, sicher und nachhaltig sind.


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