BIOFACH 2026 und die neue Präzision
Weniger Zutaten, mehr Belege
BIOFACH 2026 und die neue Präzision
Weniger Zutaten, mehr Belege
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BIOFACH 2026 und die neue Präzision
Weniger Zutaten, mehr Belege
Die BIOFACH fand vom 10. bis 13. Februar 2026 in den Messehallen in Nürnberg statt. Im Zentrum standen generationsübergreifende Begegnungen und resiliente zukunftsfähige Ernährungssysteme. Mühle + Mischfutter besuchte die Aussteller.
Rund 2.200 Aussteller aus fast 90 Ländern sowie knapp 32.000 Fachbesucher nahmen an der BIOFACH 2026 teil. Jeder zweite davon reiste aus dem Ausland an. Damit erreichte die Messe, trotz der Streiks im Nah- und Luftverkehr, ihre Zielgruppen. Das Kongress-Leitmotto lautete „Growing Tomorrow: Young Voices, Bold Visions!“ und stellte junge Perspektiven bewusst in den Mittelpunkt. Besonders stark zog es das Publikum in die Rechts- und Regulierungsrunden. Die meistbesuchten Panels „EU Regulatory Update“ und „Neues vom Bio Recht: Was sich in der Öko Verordnung ändert und ändern muss“ zogen zusammen 415 Teilnehmer an. Wer heute in Bio investiert, muss Verordnungstexte, Kontrollstellenpraxis und Kennzeichnungslogik so sicher beherrschen wie Rohstoff und Prozessparameter.
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Zur Eröffnungsfeier sprachen Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Aktivistin Luisa Neubauer. Dennoch blieben im Saal einige Stuhlreihen unbesetzt. Dominik Dietz, Leitung BIOFACH, setzte bei den Branchentrends auf Einfachheit und Reinheit: „Kurze Zutatenlisten, quasi keine oder wenige Zusatzstoffe, unkomplizierte Zubereitung und eine klare Kommunikation.“ Für Mühlen und Verarbeiter skizziert das die technischen Aufgaben. Wer präziser produziert und Zusatzstoffe reduziert, erhöht die Bedeutung von Rohstoffqualität, Fraktionierung, Enzymaktivität und Prozessstabilität. Die Messeleitung blickte in ihrer Pressekonferenz bereits auf 2027. Dietz sprach von zahlreichen Vergrößerungswünschen und davon, dass bereits über zwei Drittel der Fläche für 2027 gebucht seien. Gleichzeitig blieb das Messekonzept in den Hallen Gesprächsstoff. Kleinere Aussteller drängen auf mehr Regionalität und auf Kostenstrukturen, die eine Teilnahme auch ohne große Budgets erlauben. Größere Anbieter wünschen eine internationale Bühne mit hoher Frequenz und Sichtbarkeit.
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Zur Innovationsschau gehörte die Erlebniswelt Planatary Health, die Ernährung entlang planetarer Grenzen greifbar machen sollte. Der Neuheitenstand präsentierte 480 Produkte. In den Start up Pitches gewann das Unternehmen pack&satt einen BIOFACH Award. In der Kategorie Technik und Ausstattung erhielt die Treffler Maschinenbau GmbH & Co. KG den „Best New Product Award“ für den Mühlomat.
Indien war in diesem Jahr das Land des Jahres. Die Veranstalter begründeten die Wahl mit wachsender Biokompetenz des Landes und dessen Exportstärke. Für europäische Verarbeiter und Mühlen, die vor allem regional handeln, schwingt mit der Ausrichtung Richtung Asien eine zweite Ebene mit. Globalisierung kann das Rohstoffportfolio zwar erweitern, erhöht aber die Anforderungen an Analytik, Audits und Lieferkettensteuerung.
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Der Messebesuch von Mühle + Mischfutter galt dem Getreide und Mühlenumfeld. Hier zeigte sich die BIOFACH als Netzwerkmesse im besten Sinne. Wir trafen Kunden, Lieferanten und Kollegen, wir sprachen mit vielen Müllern über Marktlage, Erntequalität und über den nächsten Schritt in der Produktentwicklung. Bei der Rubinmühle sieht Christopher Rubin besondere Chancen beim diesjährigen Partnerland. Indien spielt für ihn nicht als Einkaufsmarkt eine Rolle, sondern als möglicher Herkunftsort für Auszubildende. Der Rohstoffmarkt bleibt regional, der Arbeitsmarkt wird international. „Die Handwerkskammer Region Stuttgart hat ein Projekt gestartet, um in Indien junge Leute für eine Ausbildung in Deutschland zu gewinnen. Gerade ist eine Mitarbeiterin unserer Geschäftsstelle vom baden-württembergischen Müllerbund in Indien auf einer Studienreise mit der Handwerkskammer,“ erzählt der Müller.
„Die BIOFACH fühlt sich immer ein bisschen wie ein Klassentreffen an. Man freut sich auf bekannte Gesichter.“ Christopher Rubin.
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Am Stand der Meyermühle ging es um Produktdifferenzierung über klassische Stellgrößen. Christoph Heger, Vizeweltmeister 2025 der Brot Sommeliers, beschrieb Mehle, bei denen der Kunde über Granulation und spezielle Mischungen mitentscheiden kann. „Wir haben uns überlegt Mehle anzubieten, bei denen der Kunde die Granulation und spezielle Mischung wählt. Abgestimmt auf den einzelnen Kunden werden die Mehle gemischt.“ Heger nannte Pizzamehle, Spätzlemehl und Nudelmehl als typische Felder um spezielle Maschinengängigkeiten, Biss- oder Kaueigenschaften zu erreichen. Leo Distler, Leiter Getreideeinkauf der Meyermühle, brachte die Messefunktion in einem Satz auf den Punkt: „Auf der BIOFACH möchte ich mein Netzwerk pflegen sowie Gespräche über die aktuelle Marktsituation führen.“
„Ich freue mich darauf, den einen oder anderen wieder zutreffen, den man im täglichen Büroarbeitsalltag nicht sieht.“ Leo Distler.
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Das Ingenieurbüro Barthel präsentierte eine neue Maschine am Stand. Tilman Barthel stellte das Bildanalysegerät der italienischen Marke IST vor, gedacht für Labor und Probennahme. „Das Gerät macht genauso wie ein Farbsortierer Bilder. Aber es wird nichts sortiert, es wird nur das Ergebnis angezeigt,“ erklärt der Ingenieur. Der Kern liegt in der quantitativen Fremdbesatz-Analyse. Barthel beschrieb den Nutzen mit Blick auf Hafer: Man lässt 500 Gramm über das System laufen und erhält eine sehr genaue Aussage, wie viele einzelne Weizenkörner oder Gerstenkörner in der Probe stecken. „Sie analysiert 500 Gramm in vier Minuten.“ Von einer Mühle habe man gehört, dass sie dafür mit einer konventionellen Sortierung bis zu zwanzig Minuten brauche. Die neue Maschineliefert damit eine belastbare und schnelle Entscheidungshilfe, bevor eine Charge in die Verarbeitung geht, gerade wenn es um glutenfreie Positionierungen oder um die Frage geht, ob Rohware vor der Sortierung bereits rein genug ist.
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Die Spielberger Mühle präsentierte verfeinerte Haferflocken, die gesundheitliche Aspekte berücksichtigen. Bei den High Protein Haferflocken setzt Spielberger auf eine Flockenmischung, die zusätzliche Proteinprozentpunkte erreichen soll, ohne Zusätze. Ein zweites Produkt adressiert Beta Glucan mit dem Ziel, das Cholesterin zu senken. Heidenreich ordnete das pragmatisch ein. High Protein spreche eher junge Zielgruppen an, Beta Glucan eher ältere, bei denen Cholesterinwerte häufiger zum Thema werden. Zusätzlich verwies sie auf eine Mischung zur Darmgesundheit, die Spielberger mit Roggenflocken ergänzte, weil Haferflocken an sich für die Darmgesundheit stehen und man die Darmflora gezielt unterstützen wolle.
„Wir haben lange an der Zusammenstellung geforscht, weil wir ohne Zusätze aus unseren Flockenmischungen heraus die Wirkung erzielen möchten.“ Christiane Heidenreich (Spielberger Mühle)
Vertreibsleiter Axel Frerks beschrieb die technische und rechtliche Seite. Die größte Challenge lag aus seiner Sicht darin, Nährwerte über Flocken und Kleie zu erreichen, ohne Additive. Die Nährwertbestimmung vergebe Spielberger extern an unabhängige Institute. Beim Thema Prüfung differenzierte Frerks zwischen Verbandsanforderungen und Nährwertbelegen. Demeter achte auf Logo und Rohstoffqualität, Nährwerte lasse man messen. In seinen Worten klang das Risiko mit, das heute jede Produktneuheit begleitet: Wettbewerber und Abmahnakteure schauen genau hin. Wer Health Claims nutzt, braucht dokumentierte Sicherheit.
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Die BIOFACH nutzt Anne Rolle von der C.F. Rolle Mühle für Kundengespräche. „Wir sind wie immer mit dabei, weil wir Bio leben und die Vielfalt auf den Tellern weiterhin sehen wollen.“ Auf der BIOFACH treffe man Kunden, Lieferanten und knüpfe internationale Kontakte, auch wenn die Messe kostenintensiv sei und eine Woche Messe anstrengend bleibe. Am Stand des Anbauverbandes GÄA fühle es sich wie ein Heimkommen an, „ein bisschen wie Familie,“ so Anne Rolle. Und sie formulierte einen kulturkritischen Nebensatz, der hängen blieb. In Frankreich zelebriere man Essen, in Deutschland esse man oft schnell zwischendurch im Stehen. Man kann das als Bonmot abtun. Man kann es auch als Hinweis lesen, dass Wertschätzung für Lebensmittel nicht allein über Preisaktionen und Labels entsteht, sondern über Alltagskultur.
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Die Sonderkonjunktur bei Emmer war der Gesprächsstoff am Stand von SLP Schwäbische Landprodukte. Geschäftsführer Michael Sailer erklärte, der Auslöser für den Boom sei die hohe Nachfrage aus Asien. Vor allem gut verdienende Märkte wie Korea, Japan oder Taiwan hätten Emmer entdeckt und in den vergangenen zwei Jahren große Mengen gekauft. „Den Markt haben die leergefegt.“ Sein Unternehmen habe davon profitiert und den Anbau für die Ernte 2026 kräftig ausgedehnt. Die Ernte sei im Prinzip bereits verkauft, die Kontrakte abgeschlossen, so Sailer. Ein Großteil gehe Richtung Asien, aber auch der deutsche und europäische Marktfrage Emmer sehr gut nach. Auf Nachfrage differenzierte Seiler zwischen Bio und konventioneller Ware. In seinen Silos für Emmer seien etwa 35% Bio und rund zwei Drittel konventionell. Gerade nach Asien gehe viel konventionelle Ware. Zugleich sei die Preisspanne zwischen konventionell und Bio dadurch kaum mehr vorhanden.
“ Wir handeln schon fünfzehn Jahrelang Emmer und haben Höhen und Tiefen erlebt. Gott sei Dank sind wir jetzt im Höhenflug.” Michael Sailer.
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Am Ende verdichteten sich unsere Eindrücke. Präzisere Rohstoffarbeit, bessere Analytik, saubere Dokumentation und rechtssichere Kommunikation werden auch für die Biobranche wichtiger. Davon handelten viele Gespräche, die wir in Nürnberg führten, ob zu maßgeschneiderten Mehlmischungen, zur Bildanalyse oder bei Haferflocken mit Nährwertangaben. Die BIOFACH 2027 findet vom 16. bis 19. Februar 2027 in Nürnberg statt.
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