Wetterexperten geben Einblicke in Wettervoraussagen mit KI auf dem WIA-Gipfel in Orlando, Florida
Macht KI langfristige Wettervorhersagen möglich?
Wetterexperten geben Einblicke in Wettervoraussagen mit KI auf dem WIA-Gipfel in Orlando, Florida
Macht KI langfristige Wettervorhersagen möglich?

Wetterexperten geben Einblicke in Wettervoraussagen mit KI auf dem WIA-Gipfel in Orlando, Florida
Macht KI langfristige Wettervorhersagen möglich?
Den Abschluss des ersten Programmtages des 14. jährlichen Women in Agribusiness Summit in Orlando, Florida, bildete das Weather Impact Panel. Unter der Moderation von Lisa Faust Prater, Chefredakteurin Successful Farming, und mit: Bill Kirk (Mitbegründer von Weather Trends International), John Coleman (Parametric Agriculture, Nordamerika, Munich Re) und Natalja Skuratovic (Senior Account Executive bei Earth Daily Agro) beleuchtete die Sitzung den komplexen Zusammenhang zwischen Wettervorhersage, KI-gestützter Analytik und deren Auswirkungen auf die globale Landwirtschaft.
Die Experten des Wetter-Panels boten einen umfassenden Einblick, wie die Nutzung von Daten und Technologie die Entscheidungsfindung verbessern und Risiken im Zusammenhang mit unvorhersehbaren Wetterlagen mindern kann. Da das Wetter ein entscheidender Faktor für Ernteerträge, Tiergesundheit und die gesamte landwirtschaftliche Produktivität ist, ist die rechtzeitige Anpassung an dieses sich ständig verändernde Umfeld von zentraler Bedeutung.
Wettervorhersage und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die entscheidende Rolle der Wettervorhersage für landwirtschaftliche Entscheidungen. Bill Kirk, Mitbegründer von Weather Trends International, hob die wachsende Notwendigkeit präziser Wettervorhersagen hervor, insbesondere angesichts zunehmend extremer Wetterereignisse. Er veranschaulichte, wie genaue Prognosen alles beeinflussen können – von der Aussaat bis hin zu Marktpreisen. Modellierungstechniken, die Landwirten und Agrarunternehmen strategische Voraussicht ermöglichen, wurden zwar erwähnt, doch wurde auch die Bedeutung qualitativ hochwertiger Daten und deren Interpretation, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung von KI, hervorgehoben. Bill Kirk ist CEO von Weather Trends International, das unter dem Namen WeatherTrends360 firmiert. Das Unternehmen ist auf Wetterprognosen auch KI-gestützt spezialisiert, es verspricht kilometergenaue Präzision und saisonale Umsatzprognosen. Das Unternehmen bietet zudem FarmCast an, einen Jahreswetterbericht im Abomodell für Landwirte. Kirk prognostizierte in der Diskussion u.a. für Brasilien im Jahr 2026, dass der Frühling dort der kälteste seit drei Jahren und der nasseste seit 14 Jahren würde und er rechnet er mit einem Ertragsanstieg von 8 % gegenüber der letztjährigen Rekordernte. Dagegen würde der US-amerikanische Maisgürtel den kühlsten Frühling seit sieben Jahren erleben, aber den trockensten seit drei Jahren, eventuell mit Frost im Mai in den USA, der Ukraine und Nordostchina. Trotz eines insgesamt trockeneren Sommers 2026 werde die US-Ernte voraussichtlich ordentlich ausfallen, was aber kaum zu höheren Preisen beitragen werde. Erst 2027 rechnet er mit einem leichten Anstieg der Rohstoffpreise.
„Ich bin etwas pessimistisch, was den Frühling angeht. Im Mai könnte es zwar zu einem leichten Preisanstieg kommen, aber da bis März oder April große Mengen Getreide aus Brasilien importiert werden, werden die Preise nicht so stark steigen“, so Bill Kirks Prognose für das Jahr 2026.

Die Rolle der KI in der modernen Agrarwirtschaft
Dank der Fähigkeit von KI, riesige Datenmengen schnell zu verarbeiten, haben sich Entscheidungsgeschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Doch Natalja Skuratovic, Senior Account Executive bei Earth Daily Agro, warnte:
„Die Antworten der KI sind nur so gut wie die Daten, die sie verarbeitet.“
Sie betonte, dass es unerlässlich sei, sich Zeit für die Überprüfung der Ergebnisse zu nehmen und vertrauenswürdige Datenquellen zu nutzen, um kostspielige Fehler zu vermeiden. John Coleman von Parametric Agriculture, Nordamerika, Munich Re, stellte den Teilnehmern der WIA innovative Finanzinstrumente wie parametrische Derivate vor, mit denen sich Agrarunternehmen gegen wetterbedingte Risiken absichern können. Anhand von Praxisbeispielen verdeutlichte er, wie diese Instrumente für Unternehmen mit schwankenden Ernteerträgen unerlässlich sind und wie Datenanalysen nicht nur die betriebliche Effizienz steigern, sondern auch wirtschaftliche Interessen durch die Bereitstellung wichtiger finanzieller Sicherheit schützen.

Die Welt ist vernetzter denn je, und die Auswirkungen des Wetters auf die Landwirtschaft sind globaler denn je. Zwar können Fruchtwechsel und integrierter Pflanzenschutz helfen, Wetterextreme abzufedern, doch ein Hurrikan im Südosten der USA führt dennoch zu verheerenden Schäden an Nutzpflanzen und Viehbeständen mit Folgen, die sich durch die gesamte globale Lieferkette ziehen. Eine Dürre, wie jene, die 2024 zu einem Rekordtiefstand des Wasserstands im Panamakanal führte, reduzierte die täglichen Schiffsdurchfahrten um mehr als ein Drittel und verursachte erhebliche Störungen im Welthandel, die sich das ganze Jahr über auswirkten. Im vergangenen Jahr ermöglichten die sehr günstigen Bedingungen für den Sojaanbau in Brasilien zudem, die Sojabohnenexporte nach China deutlich zu steigern und damit die zuvor aus den USA kommenden Bestellungen zu ersetzen.
„Landwirte achten zunehmend auf internationale Wettermuster, da der globale Wettbewerb und die schwankende Marktnachfrage letztendlich über das Schicksal der landwirtschaftlichen Betriebe entscheiden“, bemerkte Moderatorin Lisa Faust Prater, leitende Redakteurin von Successful Farming.
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass KI ein wichtiger Bestandteil der Prognoseerstellung ist, aber die KI nur so gut ist, wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird und nicht jede Frage beantworten kann. Meteorologen und andere Experten seien deshalb für präzise Wettervorhersagen weiterhin unerlässlich.
„KI beschleunigt alles. Sie ist wirklich gut darin, große Datenmengen zu verarbeiten und Antworten in Sekundenschnelle zu liefern, wofür man früher Stunden brauchte. Aber sie ist nicht unbedingt genauer, also Vorsicht,“ erklärt Bill Kirk.
Munich Re Trading bietet landwirtschaftlichen Unternehmen Derivate in den Bereichen Wetter, Ernteertrag und Naturkatastrophen an. John Coleman erklärte, sein Unternehmen biete parametrische Produkte an, die Daten zu Wetter, Ernteerträgen und Naturkatastrophen nutzen, um Auszahlungen zu steuern, anstatt wie bei traditionellen Versicherungen auf Sachverständige und Schadensregulierungsverfahren zurückzugreifen. Die ZUsammenarbeit mit Transportunternehmen oder Reedereien böte zudem die Möglichkeit, sich gegen diese wetterbedingte spezifischen Risiken - wie Austrocknung von Flüssen oder Überschwemmungen - entlang der Lieferkette abzusichern.
„Unsere Botschaft lautet nicht Risikoprognose, sondern Risikominderung. Wir arbeiten mit allen Akteuren der Lieferkette zusammen, die nicht Landwirte sind, um ihnen zu zeigen, wie sie ihr Risiko hinsichtlich der lokalen Erntemenge absichern können“, so John Coleman.
Die erfahrenen Referenten und Branchenexperten des Panels zeigten, wie die Kombination von Wetterdaten, KI und strategischen Finanzinstrumenten die Zukunft der Landwirtschaft prägt. Obwohl weiterhin Herausforderungen hinsichtlich Genauigkeit und Datenqualität bestehen, ermöglichen diese technologischen Fortschritte Landwirten und Agrarunternehmen, wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und so die Widerstandsfähigkeit und Rentabilität des Agrarsektors zu sichern.
Der Women in Agribusiness Summit 2025 begrüßte über 700 Teilnehmerinnen aus 40 US-Bundesstaaten und 8 Ländern sowie 200 teilnehmende Unternehmen, mehr als 60 Branchenexpertinnen und -experten, über 25 Stunden Networking und zahlreiche Sonderveranstaltungen. Für das Jahr 2026 ist der Termin für den 15. WIA Summit vom 22. bis 24. September 2026 in New Orleans.
Bereits Abonnent der M+M Print oder Print plus Online ?
Als Abonnent der Mühle + Mischfutter erhalten Sie diesen Zugriff gratis.






.jpeg)
.jpeg)
.jpeg)
.jpeg)