Fokus auf unverarbeiteten Lebensmitteln und Protein
Neuausrichtung in der amerikanischen Ernährungspoltik
Fokus auf unverarbeiteten Lebensmitteln und Protein
Neuausrichtung in der amerikanischen Ernährungspoltik

Fokus auf unverarbeiteten Lebensmitteln und Protein
Neuausrichtung in der amerikanischen Ernährungspoltik
Laut Angaben des US-Gesundheitsministeriums, befinden sich die USA in einer nationalen Gesundheitsnotlage. Fast 90 Prozent der Gesundheitsausgaben würden in die Behandlung chronischer Krankheiten fließen, die im Zusammenhang mit der Ernährung und dem Lebensstandard stehen. Jeder dritte Jugendliche leide an Diabetes und über 70 Prozent der amerikanischen Erwachsenen seien übergewichtig oder fettleibig. Mit den neuen Ernährungsrichtlinien möchte der US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. die amerikanische Bevölkerung “zurück zu den Grundlagen führen”.
Im Fokus der Ernährungspoltik der USA stehen vor allem proteinreiche Mahlzeiten und der Verzehr von unverarbeiteten und nährstoffdichten Lebensmitteln sowie eine veränderte Einordnung von Getreide und Fetten, die stärker über Qualität und Verarbeitungsgrad und weniger über reine Mengenbegrenzung bewertet werden. Damit unterscheidet sich das amerikanische Modell vom deutschen Ansatz, der weiterhin auf ein mengenorientiertes Portionsmodell mit Brot und Getreide als Grundlage setzt.
Neue US-Ernährungspyramide
„We are ending the war on protein.“ US-Gesundheitsministerium
Mit diesem Statement markiert das US-Gesundheitsministerium einen Bruch mit der bisherigen Ernährungspolitik und leitete am 07.01.2026 die neue US-Ernährungspyramide ein. Protein soll nicht länger als ergänzender Nährstoff betrachtet werden, sondern als zentrales, strukturierendes Element jeder Mahlzeit dienen. Entsprechend empfehlen die Leitlinien, bei jeder Mahlzeit hochwertiges, nährstoffreiches Protein aus tierischen und pflanzlichen Quellen in den Vordergrund zu stellen.
Die neuen Leitlinien nennen dabei einen Zielbereich für die tägliche Proteinaufnahme von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, abhängig von Alter, Aktivitätsniveau und individuellem Gesundheitsstatus. Damit gehen die Empfehlungen deutlich über frühere international gebräuchliche Mindestwerte von rund 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht hinaus, die primär zur Vermeidung eines Mangels dienten. Protein wird damit nicht mehr nur als Bedarfsgröße, sondern als aktiver Gestaltungsfaktor einer gesundheitsorientierten Ernährung verstanden.

Ergänzend betonen die Leitlinien die Bedeutung von Gemüse und Obst als unverzichtbare Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung. Sie sollen über den Tag verteilt verzehrt werden und bevorzugt aus möglichst unverarbeiteten oder nur minimal verarbeiteten Produkten bestehen, um Ballaststoffe und Mikronährstoffe bereitzustellen. Neben frischen Produkten werden auch tiefgekühlte, getrocknete oder konservierte Varianten als geeignete Alternativen genannt, sofern sie keinen oder nur sehr geringe Mengen an zugesetztem Zucker enthalten. Frucht- und Gemüsesäfte werden hingegen nur in begrenztem Umfang empfohlen.
Fettbewertung in der US-Ernährungspyramide
In den neuen US-Ernährungsrichtlinien wird Fett nicht grundsätzlich neu definiert, jedoch deutlich anders eingeordnet als in früheren Empfehlungen. Während frühere Leitlinien Fette vor allem über Grenzwerte und Fettsäureprofile betrachteten, rückt nun stärker der Lebensmittelkontext in den Vordergrund. Fett wird nicht mehr primär als isolierter Risikofaktor bewertet, sondern als natürlicher Bestandteil vollwertiger, möglichst unverarbeiteter Lebensmittel. Diese Neuausrichtung beruht auf der Erkenntnis, dass der gesundheitliche Effekt von Fett wesentlich davon abhängt, aus welchen Lebensmitteln es stammt und in welchem Verarbeitungsgrad es konsumiert wird. Entsprechend nennen die Leitlinien ausdrücklich natürliche Fettquellen wie Fleisch, Fisch, Eier, vollfette Milchprodukte, Nüsse, Samen, Oliven und Avocados als Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung. Die bisherigen Empfehlungen zur Begrenzung gesättigter Fettsäuren bleiben bestehen, verlieren jedoch ihre alleinige Steuerungsfunktion zugunsten eines ganzheitlicheren Ansatzes. Ziel dieser Neubewertung ist es, die Ernährungspyramide stärker an realen Essgewohnheiten auszurichten und gleichzeitig den Konsum hochverarbeiteter Produkte zu reduzieren. Durch die Fokussierung auf vollwertige Lebensmittel sollen Fette nicht vermieden, sondern bewusst in einer Form aufgenommen werden, die zur Nährstoffdichte der Mahlzeiten beiträgt.
Neueinordnung von Getreideprodukten
Getreideprodukte bleiben Bestandteil der Empfehlungen, werden in den neuen US-Ernährungsrichtlinien jedoch grundlegend anders eingeordnet als in früheren Modellen. Im Fokus stehen Vollkornprodukte, die als Quelle komplexer Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe weiterhin einen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung leisten sollen. Deutlich eingeschränkt werden dagegen raffinierte Getreideprodukte, die überwiegend aus ausgemahlenem Mehl bestehen und nur einen geringen Anteil an Ballaststoffen und Mikronährstoffen liefern. Weißbrot, industriell hergestellte Frühstücksartikel, Tortillas aus raffiniertem Mehl oder Cracker werden als Negativbeispiele genannt. Neu ist, dass Getreide nicht mehr die strukturierende Rolle innerhalb der Mahlzeiten einnimmt, sondern funktional als ergänzende Kohlenhydratquelle eingeordnet wird. Diese Rolle steht in engem Zusammenhang mit der gleichzeitigen Aufwertung von Protein als zentraler Bestandteil der Ernährung sowie mit dem Ziel, den Gesamtanteil stark verarbeiteter Lebensmittel in zu reduzieren.
Die deutsche Ernährungspyramide
Die deutsche Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) folgt einem anderen Ordnungsprinzip als das neue US-Modell. Sie ist als mengenorientiertes Alltagsmodell konzipiert und richtet sich an gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren. Ziel ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern eine einfache Orientierung für den täglichen Lebensmittelverzehr zu bieten, ohne einzelne Nährstoffe oder Lebensmittelgruppen besonders zu priorisieren.

Rolle von Getreideprodukten
Im Unterschied zum US-Modell bilden Getreideprodukte, Brot und Beilagen in der deutschen Ernährungspyramide weiterhin eine zentrale Säule der täglichen Ernährung. Dabei wird der Fokus wie im amerikanischen Modell auf Vollkornprodukte gesetzt und als wichtiger Lieferant von pflanzlichem Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen gesehen, während raffinierte Produkte nicht explizit ausgeschlossen, jedoch weniger empfohlen werden.
Unterschied zum amerikanischen Modell
Im Unterschied zur neuen US-Ernährungspyramide werden proteinreiche Lebensmittel in der deutschen Ernährungspyramide nicht als strukturierendes Element einer Mahlzeit verstanden, sondern als eigenständige Lebensmittelgruppe mit klar begrenzten Mengenempfehlungen. Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte sowie pflanzliche Alternativen sind Teil einer ausgewogenen Ernährung, ihre Funktion besteht jedoch in der ergänzenden Nährstoffversorgung. Die Empfehlungen zielen auf Abwechslung und Maß ab, unter anderem durch einen begrenzten Fleischkonsum und den regelmäßigen Wechsel zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinquellen. Fette werden im deutschen Modell überwiegend mengenorientiert eingeordnet. Pflanzliche Öle und Streichfette sind Bestandteil der täglichen Ernährung, sollen jedoch bewusst und maßvoll eingesetzt werden, da Fette eine hohe Energiedichte aufweisen. Die Empfehlungen der DGE legen dabei sowohl Wert auf die Menge als auch auf die Fettqualität, indem pflanzliche Öle bevorzugt und stark fettreiche sowie „versteckte“ Fettquellen in verarbeiteten Lebensmitteln begrenzt werden sollen. Eine stärkere lebensmittel- und verarbeitungsbezogene Einordnung vollwertiger Fettquellen, wie sie in den neuen US-Leitlinien vorgenommen wird, steht im deutschen Modell weniger im Vordergrund.
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