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Studienreise 2026 des Bayerischen Müllerbundes

Hosokawa Alpine: Von Stiftmühlen zur Müllerschule

Veröffentlicht am: 
29
May
2026
Lesezeit:
0
Min

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Hosokawa Alpine: Von Stiftmühlen zur Müllerschule

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Hosokawa Alpine: Von Stiftmühlen zur Müllerschule

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Hosokawa Alpine: Von Stiftmühlen zur Müllerschule

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Hosokawa Alpine: Von Stiftmühlen zur Müllerschule

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Bild von: 
Hosokawa
Faszinierendes Innenleben der Feinprallmühle.

Die erste Etappe der Studienreise des Bayerischen Müllerbundes führte von München nach Augsburg zur Hosokawa Alpine AG und weiter nach St. Gallen zur Swiss School of Milling. Der umfangreiche Einblick in den Sondermaschinenbau endete in der Schweiz mit der Frage, wie Müller heute ausgebildet werden müssen.

Gastartikel von:
Logo Verlag Moritz Schäfer
Artikel von:

Die Studienreise des Bayerischen Müllerbundes begann am 30. April im Norden von München. Der Reisebus füllte sich mit den Teilnehmern, darunter 37 Müller. Der „Mehlexpress“ startete Richtung Augsburg zu Hosokawa Alpine. Das Unternehmen ist in der mechanischen Verfahrenstechnik für Schüttgüter eine feste Größe. Augsburg zeigte sich von seiner sonnigen Seite, und bei Hosokawa Alpine war es kurz vor dem 1. Mai ungewöhnlich ruhig. Im Technikum lief wegen des Feiertags kein Versuch und die Besuchergruppe konnte dadurch in ruhiger Atmosphäre die Werksführung durch Fertigung, Montage und Showroom genießen. Große Gehäuse, schwere Bauteile, präzise gefertigte Sichträder und Apparate mit unterschiedlichen Werkstoffen machten sichtbar, wie viel Fertigungstiefe und Erfahrung in einer Anlage stecken, bevor sie im Mühlenbetrieb im Dauereinsatz durchlaufen kann.

Begrüßung des Bayerischen Müllerbundes bei Hosokawa Alpine (HA) v.l.n.r.: Dr. Josef Rampl (Geschäftsführer Müllerbund), Daniel Lachhammer (Vertriebsleitung HA), Michael Kuhnen (Vorstandsvorsitzender HA) und Rudolf Sagberger (Präsident Müllerbund) (Foto: M+M).

Die Gründung des Augsburger Werks Alpine geht auf das Jahr 1898 zurück. Seit 1987 gehört der Maschinenbauer zur japanischen Hosokawa Micron Corporation. Am Standort selbst wirkt die lange Geschichte weiter. In den Gesprächen wurde deutlich, dass sich viele Mitarbeiter weiterhin als „Alpinisten“ verstehen. Hosokawa Alpine entwickelt nicht Maschinen, sie entwickeln für ein Produkt einen Prozess. In der Welt der Feinvermahlung zählt nicht nur, ob ein Produkt kleiner wird. Entscheidend ist, wie es sich unter mechanischer Beanspruchung verhält. Manche Rohstoffe erhitzen sich schnell, andere setzen an, schmieren, stauben stark oder verändern ihre Funk-tion durch die Vermahlung. Wieder andere lassen sich nur dann wirtschaftlich verarbeiten, wenn die Anlage sauber, sicher und in angemessener Zeit gereinigt werden kann. Für Forschung und Entwicklung spielt das Technikum eine zentrale Rolle. Kunden lassen dort ihre Produkte testen, bevor Hosokawa Alpine eine Anlage auslegt. Das ist kein Beiwerk, sondern Teil des technischen Risikomanagements. Ein Labor- oder Technikumsversuch zeigt, ob die gewünschte Feinheit erreichbar ist, welche Durchsätze realistisch sind und ob ein Produkt im Betrieb zu Problemen führt.

Daniel Lachhammer, Vertriebsbeauftragter bei Hosokawa Alpine, im Vortrag mit der Besuchergruppe (Foto: Hosokawa)

Der Rundgang durch die Fertigungshallen führte vorbei an klassischen Feinmahlmühlen, Sichtermühlen und Stiftmühlen, mit überraschend großen Ausmaßen. Eine Sichtermühle zerkleinert und klassifiziert das Produkt in einem System, erklärten die Mitarbeiter von Hosokawa Alpine. Das Mahlgut wird mechanisch beansprucht und anschließend durch einen integrierten dynamischen Sichter getrennt. Feines Material verlässt die Mahlkammer. Zu grobe Partikel gelangen zurück in die Mahlzone und werden erneut zerkleinert. Das geschieht in der Feinvermahlung unter anderen aerodynamischen Bedingungen und in deutlich feineren Kornbereichen als im Plansichter einer klassischen Getreidemühle. Besondere Aufmerksamkeit fand die neue Alpine Dual Mill ADM. Hosokawa Alpine stellte sie im Februar 2026 vor. Sie soll feinste Pulver mit Oberkorn im einstelligen Mikrometerbereich herstellen und zugleich für Anwendungen in Chemie- und Lebensmittelbranche gut zu reinigen sein. Technisch interessant war für die Müller auch der integrierte dynamische Sichter. Die Trenngrenze lässt sich über die Drehzahl des Sichtrades einstellen. Damit kann der Betreiber den Schnittpunkt im Prozess beeinflussen, ohne die Grundfunktion der Maschine zu verändern. Der Sichter entscheidet nicht allein über „fein“ und „grob“, sondern über verwertbare Fraktionen. Er bestimmt, was fertiges Produkt ist und was weiterbearbeitet werden muss. Bei Lebensmittelrohstoffen hängt daran auch die Funktionalität. Ein fein gemahlener Rohstoff kann Wasser anders binden, sich anders mischen lassen oder im weiteren Prozess eine andere technologische Wirkung zeigen.

Die Contraplex Stiftmühle CW II wurde für anspruchsvolle Produkte weiterentwickelt, unter anderem für ölige und fettige Lebensmittel. Bei solchen Rohstoffen reicht eine hohe Prallgeschwindigkeit allein nicht aus. Das Produkt darf nicht in der Maschine schmieren, anhaften oder den Prozess nach kurzer Zeit blockieren. Hosokawa Alpine hat deshalb das Gehäuse und die Zugänglichkeit überarbeitet. Eine leichtere Reinigung, bessere Oberflächen und ein verändertes Antriebskonzept sollen den Betrieb sicherer und wirtschaftlicher machen. Fettige Produkte wie Mandeln, ölhaltige Saaten, Vollfettsoja oder Presskuchen stellen andere Anforderungen als spröde, trockene Rohstoffe. Eine geeignete Geometrie, ein passender Luftstrom und die richtige Beanspruchung entscheiden dann darüber, ob ein Prozess stabil läuft.

Das Technikum war vor dem Feiertag ungewöhnlich ruhig und ohne Versuche (Foto: Hosokawa).

Einen breiten Raum nahm die Proteinverschiebung ein. Bei der Trockenfraktionierung werden Protein und Stärke nicht über einen Nassprozess getrennt, sondern über Mahlen und Sichten. Das Ausgangsprodukt, etwa Erbse oder Linse, enthält Protein und Stärke in verbundenen Strukturen. Durch gezielte Feinvermahlung werden diese Strukturen aufgeschlossen. Anschließend trennt der Sichter die Partikel nach ihrem Verhalten im Luftstrom. Die feinere Fraktion enthält überwiegend Protein, die gröbere überwiegend Stärke. Für die Lebensmittelwirtschaft ist dieses Verfahren interessant, weil es ohne Wasser und ohne chemische Hilfsstoffe arbeitet. Der Rohstoff bestimmt das Ergebnis jedoch wesentlich mit. Auch Geschmack war ein Thema. In Augsburg erfuhren die Müller, dass ein proteinangereichertes Mehl bitter schmecken kann. Deshalb rückt die thermische Behandlung in den Blick. Sie kann entkeimen und zugleich den Geschmack verbessern. Das ist für Lebensmittelanwendungen entscheidend, denn ein hoher Proteingehalt allein genügt nicht, wenn das Endprodukt sensorisch nicht überzeugt.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Proteinverschiebung kein reines Modethema ist. Die Nachfrage nach pflanzlichen Proteinen bleibt in vielen Anwendungen vorhanden. Für die klassische Müllerei ergibt sich daraus ein mögliches zusätzliches Feld für Spezialprodukte. Daniel Lachhammer, Vertriebsbeauftragter bei Hosokawa Alpine, ordnete diese Anwendungen im anschließenden Vortrag ein. Zuvor hatte Michael Kuhnen, seit Januar 2026 Vorstandsvorsitzender, die Teilnehmer begrüßt. Der Besuch gab Einblicke in das Werk und ermöglichte den Abgleich zwischen täglicher Mühlenpraxis und den Entwicklungen im Maschinenbau. Der Präsident des Bayerischen Müllerbundes, Rudolf Sagberger, und Geschäftsführer Dr. Josef Rampl bedankten sich für die Führung und die fachlichen Präsentationen.

Größenvergleich Müller gegen Feinprallmühle (Foto: Hosokawa).
Nach einem Gruppenfoto setzte sich der Mehlexpress wieder in Bewegung Richtung Schweizer Grenze (Foto: Hosokawa).

Am Abend erreichte die Gruppe St. Gallen in der Schweiz. Nach der Fertigung in Augsburg stand nun die Ausbildung im Mittelpunkt. Schulleiter Michael Weber empfing die Teilnehmer in der Schweizerischen Müllereifachschule, die international als Swiss School of Milling (SMS) auftritt. Nach dem Apéro präsentierte er anhand von ausgewählten Zahlen unterhaltsam die wichtigsten Fakten seiner Schule. Sie wurde 1957 auf Initiative von Dr. René Bühler zusammen mit Mühlen aus der Schweiz gegründet. Von Anfang an wurden Müller ausgebildet, die später Verantwortung in der getreideverarbeitenden Industrie übernehmen sollen. Michael Weber beschrieb die Schule in einem früheren Beitrag für Mühle + Mischfutter als „Kaderschmiede“.

In St. Gallen vor der Schweizer Müllereifachschule. Auf dem Balkon: Dr. Josef Rampl, Michael Weber und Rudolf Sagberger (Foto: M+M).

Die SMS bietet Kurse in deutscher und englischer Sprache an. Die Kursdauer beträgt sechs Monate. Der deutschsprachige Kurs findet alle zwei Jahre statt. Die Schule verbindet den Unterricht mit Praxis in schuleigener Mühle, Labor und Trainingszentrum. Besonders wichtig ist Weber der Blick über die reine Vermahlung hinaus. Weber formulierte das mit einem Satz, der hängen blieb: „Müller sind ein rares Gut.“ Dahinter steckt eine nüchterne Lagebeschreibung. Viele Mühlen haben in Technik investiert. Sie automatisieren Abläufe, dokumentieren Qualität genauer und erwarten von ihren Mitarbeitern mehr Prozessverständnis als früher. Gleichzeitig bleibt die Zahl gut ausgebildeter Fachkräfte begrenzt. Die Branche braucht nicht nur Bediener. Sie braucht Menschen, die Rohstoff, Maschine und Endprodukt zusammen denken. Genau hier setzt die SMS an. In der Erinnerung der meisten Teilnehmer blieb nicht nur der fachliche Austausch, sondern auch die wohl beste Kaffeemaschine aller Müllerschulen. Der von Michael Weber sorgfältig zubereitete Cappuccino im Pausenraum weckte die Lebensgeister für den Rest des Tages und zeigte, dass Fachschulen nicht allein von Lehrplänen leben, sondern auch von Orten, an denen man gerne zusammenkommt.

Schulleiter Michael Weber erklärt unterhaltsam die wichtigsten Fakten zur Schweizer Müllereifachschule (Foto: M+M).
Dr. Josef Rampl brachte den Anspruch der Müller knapp auf den Punkt: „Unser aller Ziel ist die beste Ausbildung.“

In Augsburg hatte die Gruppe gesehen, wie sehr moderne Verfahrenstechnik vom Produkt des Kunden gedacht werden muss. In St. Gallen wurde klar, dass Menschen diese Technik nur dann sinnvoll einsetzen können, wenn sie die Wirkung einer Änderung verstehen, Fehlerursachen eingrenzen und Qualität mit den Anforderungen der Kunden verbinden. So endete der erste Reisetag mit der Erkenntnis, dass die Zukunft der Müllerei dort entsteht, wo präzise Verfahrenstechnik mit erfahrenen Ausbildern und Fachleuten zusammenkommt, die bereit sind, ständig weiterzulernen.  

Lesen Sie hier die Berichte zu den weiteren Etappen der Reise: Bühler in Uzwil und die Grüninger Mühlen, die Mulino Maroggia im Tessin und die Weissachmühle im Allgäu.
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