Rubin Mühle GmbH mit neuer Biomasseanlage zur Dampferzeugung
Vom Nebenprodukt zum Energieträger
Rubin Mühle GmbH mit neuer Biomasseanlage zur Dampferzeugung
Vom Nebenprodukt zum Energieträger

Rubin Mühle GmbH mit neuer Biomasseanlage zur Dampferzeugung
Vom Nebenprodukt zum Energieträger
In der Rubinmühle fallen bei der Verarbeitung von Hafer große Mengen Haferschalen an. Meist werden sie als Futtermittel vermarktet oder müssen entsorgt werden. Gleichzeitig benötigt die Mühle große Mengen Prozessdampf. Künftig bringt die Rubinmühle am Standort Lahr beide Stoffströme zusammen.
Der Spatenstich ist ein Symbol. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Aber es ist ein gutes Gefühl, wenn aus einer Vision Schritt für Schritt Wirklichkeit wird.“ Christopher Rubin
Im Juli 2026 feierte die Rubinmühle den ersten Spatenstich für ihre neue Biomasse-Dampfanlage. Für Christopher Rubin ist es nicht nur ein technisches Infrastrukturprojekt, das er in Angriff nimmt. Für ihn steht dahinter etwas Größeres: die Frage, wie sich sein Familienunternehmen nach mehr als 335 Jahren auch für die nächsten Generationen zukunftsfähig aufstellt. Künftig will er Haferschalen, die direkt bei der Haferverarbeitung anfallen, zur Erzeugung von Prozessdampf nutzen. Besonders wichtig ist ihm, dass er diese Investitionsentscheidung nicht getroffen hat, weil sie heute die günstigste Lösung ist, sondern weil er an langfristiges, verantwortungsvolles Wirtschaften glaubt. Versorgungssicherheit, Ressourceneffizienz und Klimaschutz hat für die Rubinmühle einen Wert, der weit über kurzfristige Marktpreise hinausgeht.
Bislang erhält die Rubinmühle den Dampf aus einer eigenen Biomasseanlage für Holzhackschnitzel, die das Mannheimer Energieunternehmen MVV im Jahr 2005 errichtete. Nach rund 20 Jahren nähert sich die Anlage dem Ende ihrer technischen Lebensdauer und zugleich stieg der Dampfbedarf infolge zusätzlicher Produktionskapazitäten. Christopher Rubin, der die Mühle in der 14. Generation als geschäftsführender Gesellschafter leitet, hatte deshalb die Idee, künftig statt Hackschnitzel die in der Produktion anfallenden Haferschalen für die Dampferzeugung zu nutzen.
Der Geschäftsführer sieht einen Vorteil darin, den nachwachsenden, CO₂-neutralen Reststoff zu nutzen, da er vor Ort ohnehin anfällt. Vor allem in Monaten, in denen in der Region weniger Futtermittel benötigt werden, werden die Haferschalen bisher auch über längere Strecken beispielsweise bis nach Frankreich transportiert. Zudem müssen künftig die Holzhackschnitzel nicht mehr angeliefert werden. Dadurch entfallen mindestens 500 Lkw-Fahrten jährlich, was den örtlichen Verkehr entlastet sowie CO₂-Emissionen und Feinstaub reduziert.
Die Idee überzeugt, ihre Umsetzung ist jedoch anspruchsvoll. Denn während es für Holzhackschnitzel und Pellets umfangreiche Erfahrungswerte und standardisierte Anlagenkonzepte gibt, ist die Nutzung von Haferschalen als Brennstoff ungewöhnlich. Das Kesseldesign muss deshalb auf deren Eigenschaften abgestimmt werden, etwa Dichte, Wassergehalt, Heizwert oder Verbrennungsverhalten. Eine Voraussetzung, damit sich eine solche Lösung wirtschaftlich sinnvoll umsetzen lässt, ist zudem ein ausreichend hoher Dampfbedarf, der weitgehend kontinuierlich vorliegt. Dieser ist bei der Rubinmühle in Lahr aufgrund der sehr breiten Produktpalette aus Mehl, Flocken und Extrudaten gegeben.
Die Lösung mit den Haferschalen war nicht die günstigste, aber die nachhaltigste.“ Christopher Rubin
Zudem geht eine solche Anlage mit einer nicht unerheblichen Investition einher. „Für ein solches Projekt braucht es starke Partner“, so Christopher Rubin. „Den haben wir mit MVV Enamic.“ Die langjährige Zusammenarbeit zwischen der Mühle und dem Energiedienstleister hat sich bewährt. Für das Projekt schlossen beide Unternehmen einen langfristigen Energieliefervertrag ab. Dabei übernimmt MVV Enamic die komplette Planung, den Bau und die Finanzierung der neuen Anlage sowie den Rückbau der alten. Hinzu kommt das Genehmigungs- und Fördermittelmanagement. Das Projekt wird über das Bundesprogramm „Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“ (EEW) mit 20% der förderfähigen Kosten unterstützt. Nach der Fertigstellung kümmert sich MVV Enamic für 16 Jahre um den effizienten Betrieb und die zuverlässige Dampfversorgung der Rubinmühle. Diese kann mit langfristig stabilen und planbaren Kosten rechnen und leistet gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz.
Bevor es in die Planung ging, wurden zuerst drei Varianten als Ersatz für die bestehende Dampferzeugungsanlage betrachtet und wirtschaftlich bewertet. Zur Auswahl standen die umfangreiche Modernisierung der bestehenden Holzhackschnitzelanlage, der Neubau einer größeren Anlage mit demselben Brennstoff oder eine neue Biomasseanlage, die mit Haferschalen betrieben wird.
Da die Rubinmühle großen Wert darauf legt, langfristig verantwortungsvoll zu wirtschaften und sich zukunftsfähig aufzustellen, entschied man sich für die Biomasseanlage mit Haferschalen. Durch die thermische Nutzung der Reststoffe kann die Rubinmühle ihren Erdgasverbrauch um jährlich rund 24 Gigawattstunden verringern. Das entspricht einer Einsparung von rund 4.800 Tonnen fossiler CO₂-Emissionen pro Jahr. Denn aufgrund erweiterter Produktionskapazitäten konnte die bestehende Anlage den gestiegenen Bedarf an Dampf nicht mehr decken. Der fehlende Dampf musste zunehmend durch den für Redundanz und Lastspitzen vorgesehenen Erdgaskessel erzeugt werden.
Für die Auslegung analysierte MVV Enamic die bestehenden Dampf- und Gaslastgänge und simulierte verschiedene Varianten. Dabei wurden auch Möglichkeiten berücksichtigt, mit denen die Rubinmühle an weiteren Stellen in der Produktion Erdgas durch nachwachsende Rohstoffe ersetzen kann, zum Beispiel durch eine Vorwärmung bei gasbefeuerten Trocknungsanlagen. Die neue Biomasseanlage ist nun so dimensioniert, dass sie bis zu fünf Tonnen Dampf pro Stunde erzeugen kann. Die bestehenden Gaskessel bleiben erhalten. Im Regelbetrieb übernimmt die Haferschalenanlage die Grundlast, die Gaskessel sichern die Dampfversorgung bei Wartung, Revision oder außergewöhnlichen Lastspitzen.
Es ist quasi eine Operation am offenen Herzen.“ Christopher Rubin
Die alte Anlage ist inzwischen bereits rückgebaut, aktuell befindet sich das Projekt in der Bauphase. Die neue Dampferzeugungsanlage entsteht auf dem Platz der alten, das Gebäude wird jedoch rund zweieinhalb Meter höher und länger als das vorige. Die gesamte Gebäudeplanung inklusive Elektroplanung, Stahlbau und Anlagenbau sowie die Projektleitung verantwortet MVV Enamic. Die Baustelle befindet sich mitten auf dem Betriebsgelände, ringsum läuft die Produktion weiter. Der Geschäftsführer ist beim Spatenstich zur neuen Anlage entspannt. Mit MVV Enamic hat er einen erfahrenen Partner, der das Projekt umfassend verantwortet. So kann sich die Rubinmühle weiterhin auf das Kerngeschäft konzentrieren. Christopher Rubin ist zuversichtlich, dass die neue Anlage wie geplant im Frühjahr 2027 in Betrieb gehen wird. Dann schließt sich am Standort Lahr ein regionaler Kreislauf: Die bei der Produktion anfallenden Haferschalen liefern die Energie für die Verarbeitung des nächsten Hafers. „Es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, wie eine Idee Wirklichkeit wird“, so Christopher Rubin.
Autor: Marcel Ruschel, Leiter Vertrieb Businesskunden, MVV Enamic
Rubinmühle im Porträt
Die Rubinmühle wird seit über 335 Jahren von der Familie Rubin geleitet. Heute zählt sie zu den größten Haferverarbeitern Deutschlands. An drei Standorten in Baden und im sächsischen Vogtland verarbeitet sie über 100.000 Tonnen Getreide zu rund 1.000 verschiedenen Produkten für die internationale Lebensmittelindustrie. Das Portfolio umfasst behandelte Getreidekerne, Mehle, Kleie und Grütze, Flocken, Flakes und verschiedene Extrudate, extrudierte Mehle und Granulate sowie pflanzliche Proteine. Darüber hinaus werden Monoprodukte und Müslimischungen nach kundenspezifischen Vorgaben konsumentenfertig abgepackt. Die Rubinmühle beschäftigt rund 250 Mitarbeiter.
MVV im Porträt
Mit über 6.800 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von rund 6,1 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2025 ist MVV eines der führenden Energieunternehmen in Deutschland. Die B2B-Lösungseinheit MVV Enamic versteht sich als Vorreiter der Dekarbonisierung. Sie bietet Geschäftskunden ganzheitliche Energielösungen aus einer Hand, mit denen diese ihre Energieeffizienz steigern und die Energiekosten langfristig senken können. MVV verfolgt das Ziel klimapositiv zu werden. Dafür reduziert das Unternehmen konsequent seinen CO₂-Fußabdruck. Mit dem Mannheimer Modell setzt MVV auf die Wärmewende und die Stromwende und unterstützt seine Kunden mit Energielösungen dabei, ihre CO₂-Emissionen zu senken.
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