Delegationsreise zum Projekt der Handwerkskammer Stuttgart
Nachwuchs aus Indien für das Müllerhandwerk
Delegationsreise zum Projekt der Handwerkskammer Stuttgart
Nachwuchs aus Indien für das Müllerhandwerk

Delegationsreise zum Projekt der Handwerkskammer Stuttgart
Nachwuchs aus Indien für das Müllerhandwerk
Nach den Metzgereien und Bäckereien beginnen sich die Mühlen im Südwesten Deutschlands mit dem Thema der Fachkräfteanwerbung aus Indien zu beschäftigen. Daher nutzte Kornelia Dewald vom Baden-Württembergischen Müllerbund im Februar die Gelegenheit, bei einer Delegationsreise Ausbildungszentren und Motivationen potenzieller Auszubildender im indischen Bundesstaat Maharashtra kennenzulernen.
Wenn man in Baden-Württemberg von indischen Auszubildenden im Handwerk hört, fällt meist der Name Jogi Lederer. Der Metzgermeister aus dem südbadischen Weil am Rhein begann im Jahr 2022, jungen Nachwuchs aus Indien anzuwerben. Mittlerweile schwört er auf die Inder und stellt gar keine deutschen Lehrlinge mehr ein.
Die Handwerkskammer Region Stuttgart nahm den Ball auf und startete 2024 ihr Projekt „Vermittlung indischer Fachkräfte und Azubis ins Handwerk (VifAH)“. Mittlerweile ist das Projekt um weitere Länder erweitert worden, die Kooperation mit den indischen Partnern wird jedoch weiter ausgebaut.
Dynamischer Wachstumsmarkt
Indien zählt zu den dynamischsten Wachstumsmärkten weltweit und verfügt über eine junge, ambitionierte Bevölkerung. Gleichzeitig stehen viele junge Menschen vor strukturellen Herausforderungen: die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber übersteigt das Angebot an qualifizierten Ausbildungsplätzen deutlich. Außerdem sind viele Ausbildungsprogramme stark theoretisch ausgerichtet und bieten eher begrenzte praktische Anteile.
Das VifaH-Projekt setzt nun auf eine gezielte, qualifizierte Zuwanderung von motivierten Nachwuchskräften nach Deutschland – mit Spracherwerb und interkulturellem Training noch im Heimatland. Parallel zu den Sprachkursen sondiert die Handwerkskammer in Zusammenarbeit mit ihren indischen Partnern, welche Interessenten sich für welches Gewerk eignen würden. Die Kandidaten treten dann per Webkonferenz in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern. Für diesen Anwerbeprozess bis zur Ankunft des Lehrlings sollten Betriebe bis zu ein Jahr einplanen.
Mehrmonatiger Anwerbeprozess
Die für Einreise und Ausbildung erforderlichen Sprachprüfungen werden in der Regel am Goethe Institut abgelegt. Erst mit dem Bestehen der Sprachprüfung (Niveau B1) erhält der Azubi ein Visum für Deutschland. Für die Ausbildung wird das Sprachniveau B2 empfohlen. Diese Sprachkurse können unter anderem am Don Bosco-College in Mumbai absolviert werden. Das College ist Teil des Netzwerks an Kooperationspartnern, welche die Handwerkskammer im Februar im Rahmen einer Delegationsreise nach Pune und Mumbai im indischen Bundesstaat Maharashtra besuchte.
Zusammen mit den Vertretern der Handwerkskammer Region Stuttgart nahmen an der Reise auch Unternehmen aus der Metallbranche und dem hochwertigen Innenausbau aus Baden-Württemberg teil. Neben der Fachkräfteintegration hatten sie ihr Augenmerk auf Kooperationen und die Erschließung des Marktes in Indien bzw. in Maharashtra gerichtet.
Einblick in Ausbildungsstandards und Motivation
So war auch Kornelia Dewald vom Baden-Württembergischen Müllerbund mitgereist. Sie nutzte den Austausch mit indischen Sprach- und Ausbildungszentren sowie handwerksnahen Organisationen, um konkrete Einblicke in Qualifikationen, Ausbildungsstandards und Motivation potenzieller Mitarbeiter gewinnen. Auf dem Programm stand auch der Besuch einer Bäckerei/Konditorei.

Anders als bei der im deutschen Handwerk üblichen dualen Ausbildung werden entsprechende Berufe in Indien in mehrmonatigen Kursen vor allem in der Theorie und mit wenig betrieblicher Praxis vermittelt.

Die während der Delegationsreisen besuchten Bildungseinrichtungen wie das Don Bosco ITI-Center in Mumbai, das Symbiosis-College in Pune oder auch das Siemens-Ausbildungscenter in Mumbai unterschieden sich zwar durch ihren großen Praxisanteil. Für eine Ausbildung jedoch von Anfang an im Betrieb zu arbeiten und dafür bezahlt zu werden, wie es im dualen System der deutschen Handwerksausbildung üblich ist, überraschte viele Schüler und Schülerinnen der besuchten Einrichtungen.

Ebenso wie in Deutschland leiden die handwerklichen Berufe in Indien unter mangelndem Ansehen oder sie sind den Menschen schlichtweg nicht bekannt. Daher ist die Information über das Müllerhandwerk sowohl für die indischen Interessenten als auch die Projektbeteiligten in beiden Ländern von grundlegender Bedeutung.
Netzwerk für qualifizierte Einwanderung
Die Delegationsreise vermittelte außerdem einen Eindruck des Netzwerks, das für qualifizierte Einwanderung in Baden-Württemberg besteht und sich gerade für Handwerksbetriebe weiter verdichtet. So waren auch Vertreterinnen der Welcome Center in Stuttgart und Karlsruhe dabei. Diese Einrichtungen unterstützen Einwanderer und deren Betriebe bei Fragen rund um die Einwanderung und Integration. Neben Stuttgart und Karlsruhe gibt es neun weitere Welcome Center in Baden-Württemberg.

Darüber hinaus gibt es an den Handwerkskammern im Land sogenannte Kümmerer, die Arbeitgeber und Azubis rund um Ausbildung, Wohnungssuche und Integration betreuen. Außerdem hat die Handwerkskammer Region Stuttgart im Januar ein Unternehmernetzwerk gegründet, in dem sich interessierte Betriebe sowie solche, die schon ausländische Azubis haben, austauschen können und ihre Erfahrungen zumal mit bürokratischen Hürden teilen können.
Dabei wurde deutlich, dass man VifAH-Projekt nicht ausschließlich im eigenen Handwerkszweig, sondern regional denken muss. So können sich auch Betriebe aus der gleichen Region, aber aus unterschiedlichen Gewerken zusammentun, um die Betreuung der Neuankömmlinge zu meistern.

Die indischen Nachwuchskräfte sind motiviert, ins Ausland zu gehen und sich dort etwas aufzubauen – dies wurde bei der Delegationsreise deutlich. Daher stellt das ViFAH-Projekt der Handwerkskammer mit seiner gezielten und qualifizierten Zuwanderung eine Chance für das Müllerhandwerk dar. Es könnte sich zu einer Win-win-Situation entwickeln: es vermittelt motivierten jungen Menschen eine Entwicklungsperspektive – und bietet den Mühlen eine zusätzliche Zielgruppe in Zeiten des Fachkräftemangels. Für weitere Fragen zum Projekt: kornelia.dewald@muehlen.org
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Der Baden-Württembergische Müllerbund vertritt die Interessen von 110 Mühlen im Land: Vor allem inhabergeführte kleine und mittelgroße Familienbetriebe. Die baden-württembergischen Mühlen vermahlen hauptsächlich regionales Getreide und versorgen so die Menschen vor Ort mit Mehl, Grieß, Dunst und Schrot, mit Haferflocken und Müslis. In Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Mühlen ist der Verband Ansprechpartner für die verschiedensten Fragen der baden-württembergischen Müllerfamilie.






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