Bühler verzeichnet 2025 sinkende Umsätze bei steigender Marge und wachsendem Servicegeschäft.
2026
2/18/2026
Bühler AG mit Jahresergebnisse für 2025
Am 16. Februar 2026 ordnete Bühler die Ergebnisse für 2025 in einem weltweit herausfordernden Umfeld für Investitionsgüter ein. Der Bestelleingang sei in lokalen Währungen stabil geblieben, jedoch ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahr zurück. Durch Kostendisziplin und interne Produktivitätssteigerungen konnte Bühler seine EBIT-Marge auf 8% erhöhen (Vorjahr: 7,6%). Dies ermögliche weiterhin Investitionen, so Stefan Scheiber, CEO bis Ende 2025 und Verwaltungsratspräsident:
“Dank unserer globalen Präsenz, unseren zuverlässigen Lieferketten und unserer starken Kundenorientierung konnten wir die negativen Auswirkungen auf unser Geschäft weitgehend ausgleichen.“
Zudem habe Bühler den Wechsel auf Verwaltungsratsebene gemeistert und sichere als Familienunternehmen Kontinuität.
Auf Konzernebene sei der Auftragseingang in lokalen Währungen um 0,5% gesunken. In Schweizer Franken nannte Bühler einen Rückgang um 3,9% auf 2,7 Mrd. CHF. Der Umsatz sei in lokalen Währungen um 4,4% zurückgegangen (in Schweizer Franken um 7,8% auf CHF 2,8 Mrd.). Als Ursachen nannte Bühler den schwächeren Auftragseingang des Vorjahres, Verschiebungen in der Projektabwicklung und verzögerte Materiallieferungen in einzelnen Märkten. Für die Mühlen und Getreidewirtschaft ist der Blick auf Grains and Food zentral. Der Bereich habe ein positives Jahr mit stabilen Aufträgen hinter sich, jedoch mit einem Auftragsrückgang von 1,1% auf 2.147 Mio. CHF. Innerhalb von Grains & Food hätten sich gegenläufige Trends gezeigt. Chocolate & Coffee verzeichneten einen Auftragsanstieg von 31,0% auf 325 Mio. CHF. Value Nutrition hatte ebenfalls ein zweistelliges Auftragswachstum von 12,7%. Die Aufträge von Grain Quality & Supply und Consumer Foods gingen dagegen um 7,4% bzw. 8,8% zurück und der Auftragseingang von Milling Solutions ging gegenüber dem Vorjahr sogar um 14,3% zurück. Trotz Normalisierung nach dem Peak im Jahr 2024 lässt sich das als Warnsignal für den Teilbereich deuten. Der Anstieg der EBIT-Marge auf 8% (Vorjahr 7,6%) bei sinkenden Umsätzen spricht für Kostendisziplin und Produktivitätsgewinne. CFO Mark Macus sieht es positiv:
„Genau diese Cash Position brauchen wir, um künftig aktiv Innovationsprojekte zum Nutzen unserer Kunden voranzutreiben.“
Die Ergebnisse des Konzerns von 2021 bis 2025 auf einen Blick.
CEO Samuel Schär will keine radikalen Veränderungen für die kommende Periode:
„Wir werden die Dinge nicht radikal verändern, aber wir werden für unsere Kunden da sein (…) ein Kernelement ist der Service. Er macht inzwischen rund 38 % unseres Umsatzes aus und wir sehen weiterhin Potential.
Samuel Schär ist seit Anfang 2026 CEO von Bühler. Er folgt auf Stefan Scheiber, der nun Präsident des Verwaltungsrats ist (Foto: Bühler).
Mehr als 30.000 aktive Kunden mit Maschinen von Bühler seien ein Hebel, um Erträge, Energieeffizienz und Betriebszeit in globalen Lebensmittel- und Materialwertschöpfungsketten zu verbessern. Im Jahr 2025 habe der Customer Service seinen Anteil am Gesamtumsatz auf 38,3% erhöht (Vorjahr: 35,4%). Die Zahl der langfristigen Serviceverträge mit Kunden sei in allen Geschäftsbereichen
und Regionen von 2.500 auf über 3.000 gestiegen. Das deutet auf eine Verschiebung des Geschäftsmodells von projektgetriebenen Erlösen hin zu wiederkehrenden, vertraglich gebundenen Leistungen über den Lebenszyklus der Anlage. Optimistisch gesehen, kann dies Betriebsstabilität, planbare Instandhaltung und stärkere Energieeffizienzprogramme bedeuten. Kritisch könnte man fragen, ob der Hersteller damit schlicht auf die zyklische Schwäche im Neuanlagengeschäft reagiert und sich stärker an die installierte Basis kettet.
Regional verwies das Management auf eine Verschiebung der Dynamik. In den USA seien die Aufträge um 31% zurückgegangen, weil Kunden wegen der Zollthematik Investitionen zurückgestellt hätten. Das stärkste Wachstum habe Bühler in Nahost, Afrika und Indien gesehen. Afrika sei im Lebensmittel und Futtermittelgeschäft erstmals die größte Region gewesen. Europa bleibe insgesamt die größte Region mit 31% Anteil am Konzern, dort habe Bühler eine gute Nachfrage in der Müllerei, in Feed sowie in Confectionery gesehen, während Advanced Materials unter anderem durch die schwache Automobilkonjunktur belastet gewesen sei.
Zur Balance aus Kostendisziplin und Innovationsinvestitionen im Mühlensektor stellte Mühle + Mischfutter die Nachfrage, ob die Forschungs- und Entwicklungsausgaben für innovative Müllereitechnologien aufrechterhalten werden oder ob Bühler stärker auf Upgrades und servicegetriebene Verbesserungen fokussiert? Stefan Scheiber betonte, dass Bühler in den nächsten Jahren beides verfolgen möchte. Scheiber möchte eigene Anlagen bei Kunden unterstützen und sieht Potential in der Wartung und Modernisierung von Wettbewerbsanlagen. Für Innovationen nannte er eine neue Plansichter Generation und Neuentwicklungen bei der Reinigung. Die Variabilität der Rohstoffqualitäten nehme nach Darstellung Bühlers durch den Klimawandel zu und damit würden Reinigung, Sortierung und Vorbehandlung als Stabilitätsfaktoren im Prozess immer wichtiger.
Wie sicher die Anlagen der Müllerei-Pensionskasse sind, erläutert ihr Vorsitzender Paul Wessling.
2026
2/18/2026
Betriebliche Altersvorsorge für Müller
Die BVK ist eine Dachorganisation für berufsständige Versorgungseinrichtungen in Bayern und mit zwölf Altersversorgungseinrichtungen ein Schwergewicht in Deutschland. Allein in Bayern hat ca. jeder fünfte Haushalt Ansprüche auf Renten-Leistungen aus der BVK. Die Versicherung hat nach eigenen Aussagen in den letzten Jahren Gelder ihrer Versicherten in Höhe von rund 1,2 Mrd. Euro in US-Immobilien investiert. Verluste daraus in Höhe von 288 Mio. Euro hat die BVK bereits abgeschrieben und kommuniziert die weiteren Verlustrisiken mit rund 690 Mio. Euro. Zur Aufarbeitung der windigen Immobilienanlagen in den USA u.a. mit einem vorbestraften Makler ist die Münchener Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Versicherten erfuhren von den Verlusten teilweise erst aus der Presse.
Renten in Gefahr, heißt es auch bei Zahnärzten. Das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte hat rund die Hälfte ihres Ende 2024 verwalteten Gesamtvermögens von rund 2,2 Milliarden Euro verzockt. Das Investment in eine Garnelenzucht, die 2025 pleiteging, sei nur ein Beispiel für die schrägen und risikoreichen Investments des Versorgungswerks, so das Handelsblatt im Januar 2026. Jetzt erhöht das Versorgungswerk die Pflichtbeiträge seiner Mitglieder, um die Kassen wieder aufzufüllen. Die beiden Finanzskandale werfen Fragen zur berufsständigen Versorgung auf: Wie sicher bleiben Anwartschaften, wenn die Versorgungseinrichtung mit Anlagen in Schieflage gerät?
Müllerei-Pensionskasse
Für Mühlenbetriebe arbeitet die Müllerei-Pensionskasse (MPK) als Versicherungsunternehmen unter dem Versicherungsaufsichtsgesetz und unterliegt ebenfalls der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Auf der Homepage gibt die MPK für 2022 rund 6.700 Versicherte an und eine Bilanzsumme von rund 131 Mio. Euro, wovon rund 125 Mio. Euro angelegt sind. Die Kasse beschreibt ihren Geschäftszweck klar: Sie erbringt betriebliche Altersversorgung für Mitarbeiter ihrer Trägerunternehmen und deren Hinterbliebene und nennt für Neuzugänge eine garantierte Verzinsung von 0,25% der Sparbeiträge. Sie stellt lebenslange Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenleistungen auf Basis einer beitragsorientierten Leistungszusage in Aussicht und trägt nach eigener Darstellung biometrische Risiken wie Langlebigkeit und Invalidisierung.
Was bedeutet das für Mühlenunternehmen, die Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung anbieten, sowie für Mitarbeiter, die Entgelt umwandeln, konkret? In einem Umfeld, in dem Einrichtungen wegen schwacher Zinsen über Jahre diversifizieren mussten, bleibt im Kern die gleiche Frage wie in der Mühle: Wer definiert Grenzwerte, wer prüft Rohmaterial, wer kontrolliert laufend, und wer zieht Konsequenzen, wenn Kennzahlen kippen? Antworten zur Risikoabsicherung gibt Paul Wessling, Vorsitzender der Müllerei-Pensionskasse im Interview.
Paul Wessling ist Vorsitzender der Müllerei-Pensionskasse (MPK).
M+M: Wie schaffen Sie die Balance zwischen Rendite-Garantien und Ertragsanforderungen im aktuellen Zinsumfeld? Welche Risiken geht die Müllerei-Pensionskasse bei ihrer Anlagestrategie ein?
Paul Wessling: Vorab lassen Sie mich kurz einordnen, welche Unterschiede im Umfang und in der Intensität einer Bundesaufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) und der Aufsicht über Versorgungswerke bestehen. Berufsständige Versorgungswerke wie die Bayerische Versorgungskammer oder das Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin, Bremen und Brandenburg sowie weitere 90 Versorgungswerke (VW) für die Berufsgruppen der Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Patentanwälte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer, Psychotherapeuten und Ingenieure sind Träger der ersten Säule der Altersversorgung, da diese Kammerberufe grundsätzlich von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit sind. Das Vermögen lag in 2024 bei rd. 290 Mrd. €. bei ca. 12,5 Mrd. € Beitragseinnahmen von 950.000 Versicherten und einer monatlichen Rente von Ø 2.200 €. Die Aufsicht über diese Versorgungswerke ist Ländersache und ist meist im Justiz- oder Wirtschaft- und Finanzministerium angesiedelt, wobei die Ressourcen und der Umfang der Aufsichtsreferate abweichen. Versorgungswerke unterfallen somit nicht der BaFin wie Versicherungen und Pensionskassen und sind ausgenommen aus dem Rechtsrahmen des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) .
Pensionskassen unterfallen der materiellen Staatsaufsicht und werden reguliert durch die BaFin. Sie unterliegen einer regelmäßigen strengen und umfangreichen Berichtserstattung und Meldepflicht. Die Balance zwischen Rendite-Garantien und Ertragsanforderungen halten wir durch Beachtung der wesentlichen Anlagegrundsätze wie Sicherheit, Liquidität, Rentabilität und Qualität einer Kapitalanlage mit Sicherstellung einer diversifizierten Mischung der Anlageinstrumente wie festverzinsliche Wertpapiere oder Aktien sowie einer ebenfalls risikoarmen Streuung der Schuldner und Emittenten solcher Anlagen.
Die Diversifikation und Streuung tragen wesentlich dazu bei, das Verlustrisiko zu reduzieren, wobei wir bei Emittenten mit guter Bonität und/oder mit der Bereitstellung von dinglichen Sicherheiten wie Grundpfandrechten oder bestehenden Sicherungseinrichtungen investieren wie Sparkassen, Landesbanken, Genossenschaftsbanken und Banken im Bundesverband der Banken (welche auch von der BaFin oder der EZB beaufsichtigt werden), aber auch in öffentlich-rechtliche Anstalten, Kommunen, Gemeinden und Städte, europäische Länder, Regionen oder europäische Organisationen mit Haftung der EU-Staaten.
M+M: Welche personengebundenen Verantwortlichkeiten und Kontrollen haben Sie festgelegt? Wie organisiert Ihre Pensionskasse die Due Diligence, also die Vorprüfung, bei komplexen Anlagen, insbesondere bei Auslandsimmobilien, Fondsvehikeln und Joint Ventures, und welche Prüfungen führen Sie zur Integrität von Geschäftspartnern, Managern und Intermediären durch, bevor Sie Kapital zusagen?
Paul Wessling: Als regulierte Pensionskasse sind die Möglichkeiten zur Kapitalanlage verbindlich vorgeschrieben in der sogenannten Anlageverordnung (AnlV). Diese regelt den Umfang jeder Anlageart über ein Limit-System und die Gattung des Schuldners über Streuungsgrenzen: Bei Aktien ist dies maximal 1% des Kassenvermögens je Aktiengesellschaft oder max. 5 % bei einem Unternehmen, jedoch bis zu 30% bei Bund, Ländern und Gemeinden und 15% bei Anlagen in ein Kreditinstitut.
Weiterhin ist es Pensionskassen nicht möglich, alleine zu handeln, denn alle Transaktionen in der Kapitalanlage erfordern zwingend die Zustimmung des Treuhänders unserer Kasse nach § 128 VAG, sei es ein Kauf oder Verkauf einer Anlage, aber auch die Tilgung eines Darlehens oder die Rückzahlung einer Anleihe wegen Fälligkeit bedürfen seiner Genehmigung.
Die Kommunikation mit dem Treuhänder und die Dokumentation darüber werden von der BaFin streng kontrolliert, damit eben keine Limit-Verletzungen in der Mischung oder der Streuung eintreten, was sicherlich bei auch den von Ihnen angesprochenen Versorgungswerken den Schaden gemindert hätte. Komplexe Anlagen und Joint Ventures werden von der MPK nicht getätigt, wohl aber indirekt in einem Büroimmobilienfonds mit europäischen Standorten. Der Fonds wiederum ist ebenfalls BaFin-reguliert durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft und die Depotbank und unterliegt den Regelungen des Kapitalanlage-Gesetzbuches (KAGB).
Die machbaren Kapitalanlagen sind neben der Anlageverordnung nochmal individuell niedergeschrieben in der Kapitalanlage-Richtlinie der MPK und schränkt die Möglichkeiten der Anlageverordnung ein. Sie wird jährlich im Aufsichtsrat besprochen und verabschiedet.
M+M: Welche harten Risikolimite gelten bei Ihnen für risikoreiche Assets und einzelne Manager?
Paul Wessling: Die Anlageverordnung sieht Beteiligungskapital über Aktien oder Gesellschafteranteile an Unternehmen sowie Asset-Back-Securities und High-Yield-Anleihen als risikoreich an und begrenzt diese Anlagen auf 1% bis 7,5% des Vermögens. Bis auf einen kleinen Aktienfonds mit einem Volumen von ca. 0,7% unseres Vermögens, investiert in Gesundheit- und Medizintechnik, tätigen wir solch risikoreichen Anlagen nicht. Aktuell haben wir 90% des Vermögens in festverzinslichen Anlagen angelegt, 8% in Immobilienfonds zu Wohnen, Büro, Bildung und Pflege und 2% Liquidität.
M+M: Wie stellen Sie Transparenz gegenüber den Versicherten und den Trägerunternehmen sicher und welche Kennzahlen, Berichte und Erläuterungen liefern Sie in welchen Zeiträumen, damit ein Versicherter Risikopositionen, Kosten und Wertschwankungen nachvollziehen kann?
Paul Wessling: Pensionskassenzusagen als Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung unserer Trägerunternehmen sind von Beginn an fest zugesagte Leistungen zum Renteneintritt und unterliegen keinen Schwankungen, denn es handelt sich weder um ein Kundendepot noch um fondsgebundene Zusagen. Bei solchen Zusageformen trägt der Versicherte das Risiko von Wertschwankungen. Sicher unterliegen auch die Vermögenwerte der MPK Marktschwankungen. Steigt der (Leit)-Zins, fallen die Marktwerte und sie nehmen zu, wenn der Zins sinkt.
Da eine Pensionskasse jedoch Verpflichtungen über Jahrzehnte zusagt und bedecken muss, sind wir Langzeitinvestoren, halten die Wertpapiere bis zur Fälligkeit und erhalten die Rückzahlungen zum investierten Nominalwert. Das geschätzte Ausfallrisiko unserer Anleihen liegt bei rd. 2 Promille. Jährlich erhalten unsere Mitglieder eine Standmitteilung ihrer Rentenansprüche und eingezahlten Beiträge. Sie können auch jederzeit seit 2022 über die digitale Rentenauskunft die MPK-Versorgung einsehen. Die testierten und geprüften Geschäftsberichte werden auf unserer Homepage veröffentlicht sowie die Grundsätze der Anlagepolitik nach § 234i VAG. Die Trägerunternehmen erhalten jährlich einen Überblick ihrer versicherten Mitarbeiter und das Volumen der zugesagten Betriebsrenten.
M+M: Angenommen, eine größere Anlage gerät unter Druck und erzeugt erhebliche Abschreibungen. Welche Mechanismen schützen die Anwartschaften und laufenden Leistungen und wie schnell informieren Sie in einem solchen Fall die Gremien und die Versicherten?
Paul Wessling: Für den Fall, dass es trotz aller Vorsicht und Überwachung durch die Aufsicht infolge Krisen am Kapitalmarkt oder politischer oder geopolitischer Krisen dennoch zu einem Verlust einer Pensionskasse kommen sollte und die Kasse von der BaFin aufgefordert wird, die Renten- und Rentenzusagen zu senken, ist der Arbeitgeber als Trägerunternehmen in der subsidiären Haftung zur Zahlung des Differenzbetrages, geregelt in §1 Betriebsrentengesetz.
Ist der Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Leistungskürzung nicht mehr existent durch Geschäftsaufgabe oder Insolvenz, dann wird der Differenzbetrag vom Pensions-Sicherungs-Verein übernommen. Arbeitgeber mit betrieblicher Altersversorgung über eine Pensionskasse, Unterstützungskasse oder eine Direktzusage mit entsprechenden Pensionsrückstellungen in der Unternehmensbilanz müssen eine beitragspflichtige Mitgliedschaft im PSV beantragen und zahlen jährlich einen Beitrag in Abhängigkeit der zugesagten Altersvorsorge-Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern.
Die deutsche Energiewende zeigt, was geschieht, wenn theoretisches Wissen die reale Expertise verdrängt.
2026
2/18/2026
Wie die Verbannung von Experten die Energiewende zum Scheitern verurteilte
Der Chemiker, Philosoph und Informatiker Alexander Schatten forscht in Wien an der TU Wien und bei SBA Research und arbeitet als Berater. Er war Geschäftsführer mehrerer Unternehmen und beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise“ mit der Frage, wie moderne Gesellschaften mit Wissen umgehen (Foto: Alexander Schatten).
M+M: Die deutsche Energiewende sei ein Lehrstück dafür, was passiert, wenn man Wissen und Expertise verwechselt, so Ihre These. Wie unterscheiden Sie explizites, modellierbares Wissen von tacit knowledge aus jahrzehntelanger Praxis, und wie hat diese Verwechslung konkret zum Niedergang des deutschen Energiesystems und der Industrie beigetragen?
Alexander Schatten: Der Unterschied zwischen verschiedenen Arten des Wissens ist nicht meine Erfindung, sondern sehr alt und geht bereits auf die Antike zurück. So werden im antiken Griechenland, sowie Rom zwei Begriffe verwendet: Episteme (im Griechischen) oder Scientia (im Lateinischen) für Wissen um seiner selbst willen. Das Wort »Science«, also Wissenschaft, leitet sich nicht zufällig von diesem Wort ab. Dann aber gibt es noch Techne (gr.) und Ars (lat.) für angewandtes Wissen. Der moderne Begriff der »Technik« leitet sich offensichtlich von Techne ab.
Noch interessanter und passender aber scheint der lateinische Begriff Ars zu sein, denn Ars bedeutet nicht nur Wissen, sondern auch Kunst. Vieles von dem, was Experten in der Praxis machen, hat in der Tat eine nicht leicht fassbare Qualität. In der modernen Betrachtung würde ich dies als Expertise und Wissen abgrenzen. Damit eng verbunden sind die Begriffe Tacit sowie Explicit-Knowledge. Explizites Wissen ist formalisierbar, abstrahierbar und kann in Artikeln und Büchern niedergeschrieben werden. Daher ist es auch das an Universitäten dominierende Wissen. Die Suche-im-Licht-Analogie lässt sich hier anwenden. Für akademische Studien und Theorien ist alles, was sich explizit ausdrücken und beschreiben lässt, viel einfacher fassbar als implizites und praktisches Wissen. Es dominiert daher die akademische Welt weniger, weil es so viel nützlicher ist, als vielmehr, weil es sich leichter in formalisierbare Prozesse integrieren und »bewerten« lässt.
Tacit Knowledge, also implizites Wissen ist all das, was von enormer Bedeutung ist, aber sich eben nicht einfach formalisieren, aber sehr wohl erlernen oder mit Erfahrung erweitern lässt. Fahrradfahren lässt sich nicht aus einem Buch lernen, sondern durch praktische Übung; welches Wort ich hier als Nächstes schreiben werde, lässt sich durch kein Modell vorhersagen und ich selbst kann das nicht in einer Meta-Betrachtung erklären und dennoch entsteht hier (hoffentlich) ein sinnvoller und vollständiger Satz. Auch technische Verfahren wie die Herstellung von Wafern (den Grundlagen für Mikroprozessoren) ist ein Beispiel für Expertise, ebenso wie erfolgreiche Programmierung in komplexen Softwaresystemen oftmals mehr von Gefühl und Erfahrung als niederschreibbarem Wissen abhängig. Dasselbe trifft auf das Betreiben, die Wartung und Weiter aller komplexer Infrastruktur zu, wie etwa der Energieversorgung einer Nation.
In der deutschen Energiewende hat man dieses Erfahrungswissen systematisch unterschätzt oder bewusst herabgestuft. Man glaubte, mit immer ausgefeilteren Energiesystemmodellen die Realität vollständig abbilden zu können. Diese Modelle hatten enormes Gewicht in der politischen Entscheidungsfindung. Komplexe Modelle haben zusätzlich das Problem, dass sie von zahlreichen Parametern abhängig sind und Auswahl sowie Setzung dieser Parameter weitreichende Folgen für das Modell hat. Gleichzeitig saßen viele der Fachleute, die Kraftwerksbetrieb, Netzstabilisierung oder Schutztechnik aus eigener Anschauung kennen, nicht mehr am Tisch. Ihre Einwände galten schnell als rückständig oder interessengeleitet.
Das Ergebnis sehen wir heute. Keines der großen Modelle hat die tatsächliche Entwicklung der Kosten, der Bauzeiten, der Netzstabilität oder der CO₂ Emissionen auch nur annähernd korrekt vorhergesagt. Man hat auf Grundlage scheinbar gesicherten Wissens Entscheidungen getroffen, die das gewachsene Stromsystem in Richtung eines fragilen, wetterabhängigen Gebildes verschoben haben. Diese fragile Energieversorgung schlägt nun direkt auf die Industrie zurück, durch hohe Preise, zunehmende Unsicherheit und Standortentscheidungen gegen Deutschland.
M+M: Kritische Infrastruktur ist das Ergebnis einer langen evolutionären Entwicklung, so Ihre Einschätzung. Können Sie dies am Beispiel des deutschen Stromsystems erläutern und aufzeigen, was schiefgehen kann, wenn in kurzer Zeit ein völlig anderes System auf Basis volatiler Erzeuger etablieren will?
Alexander Schatten: Technische Infrastrukturen wie Stromnetze, Eisenbahnen oder Wasserversorgung entstehen nicht am Reißbrett. Sie wachsen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte. Am Anfang steht eine Innovation, häufig spielerisch oder in einer Nische. Wird sie von der Gesellschaft als nützlich erlebt, skaliert sie. Aus einzelnen Anlagen entsteht ein Verbundsystem, aus dem Verbundsystem eine kritische Infrastruktur, von der andere Bereiche abhängen. In dieser langen Phase entsteht ein enormer Bestand an Betriebserfahrung. Ingenieure lernen, welche Anlagen sich bewähren, welche Reservekonzepte robust sind, wie Schutztechnik und Regelung in Extremsituationen reagieren. Vieles davon steht in keinem Lehrbuch und kann daher gesellschaftlich leicht vergessen werden. Mit schwerwiegenden Folgen. Es steckt in Routinen, in unzähligen Detailentscheidungen, in einer Kultur des vorsichtigen und evolutionären Weiterentwickelns. Diese Evolution kann auch relativ schnell ablaufen, aber nur, wenn entsprechende Freiheitsgrade möglich sind. Oder wie schon Helmuth Moltkeim es im 19. Jahrhundert formulierte:
»Kein Plan überlebt die erste Feindberührung.«
Wenn man ein solches System in kurzer Zeit und gezielt auf eine völlig andere Struktur umstellen will, noch dazu auf Energieträger mit stark schwankender Einspeisung, dann verlässt man diesen evolutionären Pfad. Besonders dann, wenn es in keiner anderen Nation entsprechende Erfahrungswerte gibt. Dazu kommt, dass besonders von Laien und Politikern Skalierungseffekte gerne übersehen werden. Was im kleinen Maßstab und in der Powerpoint-Präsentation funktioniert, zeigt auf ein Bundesland oder gar eine Nation skaliert oftmals völlig andere Effekte.
"Die Energieversorgung wird somit zum ungeschickten Großversuch, bei dem die physikalischen und betrieblichen Grenzen erst im laufenden Betrieb sichtbar werden." Alexander Schatten.
Genau das ist in Deutschland passiert. Statt einen langen, durch Erfahrung rückgekoppelten Anpassungsprozess zu gestalten, hat man in erstaunlich kurzer Zeit wesentliche tragende Säulen wie Kernkraftwerke abgeschaltet und vollständig neue, volatilen Quellen dominieren lassen, ohne die notwendige Infrastruktur wie Speicher, Reservekraftwerke und Netze in der gleichen Tiefe und mit gleicher Sorgfalt aufzubauen. Und dies, wie gesagt, ohne nennenswerte Erfahrungswerte und mit dem blinden Glauben, dass Wunsch und Wahrheit zusammengehen. Das sind sie offensichtlich nicht. Da man zusätzlich keine Rückkopplungsschleife eingebaut hat, ist man nicht sehenden, sondern blinden Auges in die Krise gelaufen. So hat etwa eine Bürgeranfrage »Frag den Staat« ergeben, dass man bewusst bei einem Mega-Projekt wie der Energiewende, auf Kostenkontrolle verzichtet hat.
» Zunächst dürfen wir anmerken, dass die Bundesregierung keine Gesamtkostenrechnung zur Energiewende unternimmt. Eine solche Rechnung hätte sehr hohe methodische Anforderungen und könnte nur zu eingeschränkten Ergebnissen führen. «
In jedem Unternehmen wäre eine solche Antwort sofort mit einem Rücktritt der Geschäftsführung verbunden, beziehungsweise hätte harte rechtliche Folgen.
M+M: In Ihren Texten kritisieren Sie, dass Modelle und Think Tanks die praktische Expertise der klassischen Energieversorger verdrängt haben. Wie haben aus Ihrer Sicht Politik, Verwaltung, Institute und Beratungsorganisationen zusammengewirkt, um Ingenieure mit praktischer Expertise aus dem Entscheidungsprozess zu drängen und welche Folgen hatte das konkret?
Alexander Schatten: Wir sehen in vielen Politikfeldern ein ähnliches Muster. Es bildet sich eine relativ kleine Blase aus Ministerien, nachgelagerten Behörden, Think Tanks, NGOs und wissenschaftlichen Instituten. Diese Akteure teilen oft ähnliche Ausbildungshintergründe, ähnliche politische Vorannahmen und ähnliche Kommunikationsformen. In der Energiewende kamen komplexe Simulationsmodelle hinzu, die scheinbar objektive Antworten lieferten, tatsächlich aber aufgrund der gegebenen Anreizsysteme die aktivistisch/politisch gewünschten Ergebnisse liefern.
Klassische Energieingenieure, also Menschen, die Netze, Kraftwerke und Großanlagen wirklich betreiben, passten in dieses Kommunikationsmuster immer weniger hinein. Sie argumentieren mit Betriebserfahrungen, mit konkreten technischen Zwängen, mit dem Verhalten von Anlagen in realen Störfällen. Das ließ sich politisch schlecht erzählen, vor allem wenn es den dominierenden Narrativen widersprach. Kritische Hinweise wurden deshalb zu oft als Lobbyarbeit oder Techniknostalgie abgetan. Die Folge war, dass die entscheidenden Gremien und Beratungsstrukturen fachlich einseitig besetzt waren.
Die Versorgungssicherheit wird fragiler, weil wetterbedingte Schwankungen und gleichzeitige Lastspitzen schwerer beherrschbar sind.
Die Konsequenzen sind sichtbar. Die Netzstabilität lässt sich nur noch mit erheblichem Aufwand sichern, unter anderem mit Eingriffen der Netzbetreiber und zunehmend mit Hilfe von Nachbarländern. Die Versorgungssicherheit wird fragiler, weil wetterbedingte Schwankungen und gleichzeitige Lastspitzen schwerer beherrschbar sind. Die Kosten sind deutlich gestiegen, für Haushalte ebenso wie für die Industrie. Und bei der CO₂ Bilanz stellt man fest, dass der forcierte Ausbau von Wind und Photovoltaik ohne ausreichend steuerbare Erzeuger und Speicher dazu führt, dass Kohle und Gas als Rettungsanker erhalten bleiben müssen. Darin zeigt sich ein Strukturproblem der Wissensgesellschaft. Sie überschätzt das formalisierbare Wissen und unterschätzt jene Expertise, die man nicht in ein Modell pressen kann, die aber im Betrieb hochkomplexer Systeme unverzichtbar ist. Die Folgen sind leider jetzt deutlich sichtbar. Das oft zitierte Bonmot gilt somit auch hier:
„Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Folgen des Ignorierens der Realität ignorieren.“
M+M: Sie sprechen von einem „Generationenfehler“ bei der Frühpensionierung und ideologisch getriebenen Aussteuerung erfahrener Fachleute. Wie wurde diese Expertise nach Ihrer Beobachtung systematisch entwertet, welche langfristigen Schäden entstehen, dadurch und welche Verbindung sehen Sie zur aktuellen Erosion des Industriestandorts Deutschland?
Alexander Schatten: In den Jahren nach Fukushima wurden in Deutschland tiefgreifende politische Entscheidungen getroffen, insbesondere zur Kernenergie. Diese Entscheidungen hatten zur Folge, dass ganze Bereiche der Energieversorger aufgelöst oder verkleinert wurden. Hochqualifizierte Kernkraftingenieure, aber auch viele Fachleute aus der konventionellen Kraftwerkstechnik und Netztechnik gingen in Frühpension oder suchten sich andere Tätigkeiten. Dies betrifft natürlich nicht nur die gescheiterte deutsche Energiewende: Statt die Kompetenz die Deutschland in der Kerntechnik hat zu nutzen und global zu einem Geschäftsmodell der grünen Energie zu machen, hat man sich entschieden, dieses Knowhow abzubauen, und das Geschäft anderen Nationen zu überlassen.
Gleichzeitig dominierte in der öffentlichen Debatte eine stark moralische und ideologische Sicht. Wer auf die Bedeutung dieser Expertise hinwies oder vor übereilten Abschaltungen warnte, wurde schnell in eine defensive Position gedrängt. So entstand ein Klima, in dem es rational erschien, Erfahrungswissen aus angeblich überholten Technologien nicht mehr zu pflegen. Damit verlor Deutschland innerhalb von gut einem Jahrzehnt einen erheblichen Teil seiner Betriebskompetenz für großtechnische Anlagen, die prinzipiell viele Jahrzehnte sicher und effizient laufen können. Dieses Erfahrungswissen lässt sich nicht kurzfristig zurückholen. Es fehlte in der Phase, in der man Übergangskonzepte hätte gestalten müssen, und es fehlt heute, wenn man über Revisionen oder mögliche Neubewertungen von Technologien nachdenkt.
Die Verbindung zum Industriestandort liegt auf der Hand. Ein Land, das seine kritischen Infrastrukturen nur noch mit Mühe stabil hält und seine Energiepreise nach oben treibt, verliert an Attraktivität für energieintensive Produktion. Unternehmen treffen Investitionsentscheidungen nicht aufgrund von Szenariostudien, sondern anhand erlebter Versorgungssicherheit und realer Kosten. In diesem Sinne trägt der Verlust von Expertise ganz direkt zur Erosion des Standorts bei.
M+M: Wenn Sie ein Lernprogramm für eine mögliche „Energiewende 2.0“ formulieren müssten: Welche Prinzipien wären aus Ihrer Sicht unverzichtbar und wie müsste ein Umbau der Energiesysteme aussehen, der evolutionär statt revolutionär vorgeht?
Alexander Schatten: Zunächst braucht es eine nüchterne Bestandsaufnahme. Man muss anerkennen, dass die bisherige Form der Energiewende zentrale Ziele verfehlt hat und dass Deutschland heute ein teures und fragiles System betreibt. Auf dieser Grundlage würde ich drei Prinzipien formulieren.
- Erstens muss der Umbau evolutionär erfolgen. Statt große Sprünge auf Basis optimistischer Modelle zu planen, braucht es inkrementelle Schritte, die man im laufenden Betrieb testet und korrigiert. Kritische Infrastrukturen dürfen kein politisches Experimentierfeld sein. Es müssen Rückkopplungsschleifen etabliert werden, die stetige Erfolgs- oder Misserfolgskontrolle und entsprechendes Umsteuern erlauben.
- Zweitens müssen wir verteilte Expertise systematisch einbinden. Das bedeutet, dass Betreiber von Kraftwerken und Netzen, Planer, Instandhalter und Schutztechniker wieder einen festen Platz in den Entscheidungsprozessen erhalten. Menschen, die im Störungsfall nachts in der Leitwarte sitzen, brauchen eine Stimme in der Strategie. Dazu gehört auch echtes „Skin in the Game“ für alle Beteiligten. Wer Entscheidungen über Milliardeninvestitionen und Systemrisiken trifft, sollte spürbare Verantwortung tragen, wenn sich diese Entscheidungen als grob fehlerhaft erweisen.
- Drittens brauchen wir eine technikoffene Betrachtung der verfügbaren Optionen. Dazu gehören klassische steuerbare Kraftwerke, moderne Kerntechnik, Gas und flexible Kraft-Wärme-Kopplung ebenso wie Wasserkraft, Pumpspeicher, Netzausbau, Speichertechnologien und intelligente Laststeuerung. Volatile Erzeuger wie Wind und Photovoltaik können eine gewisse Rolle spielen, aber sie müssen in ein System integriert werden, das physikalisch robust ist und nicht von Wunschdenken manipuliert wird.
Wenn man diese Prinzipien ernst nimmt und das Verhältnis von Wissen und Expertise neu austariert, kann langfristig eine Energiewende gelingen, die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz besser zu verbinden. Kurzfristig muss man aber sagen, dass es durch die schweren Fehler der vergangen Jahrzehnt nur mehr darum gehen kann, die existenzielle vernichtende Schäden an Gesellschaft und Wirtschaft zu vermeiden.
Die Wissensgesellschaft in der KriseAlexander Schatten zeigt in diesem Buch anhand unterhaltsamer Beispiele, dass Fortschritt aus Widersprüchen und Fehlern entsteht und dass die Wissenschaft anfällig für Moden und Ideologien ist. Je komplexer die Welt, so der Autor, desto wichtiger sind kritisches Denken, Redefreiheit und offener Diskurs. Seifert Verlag 2025.
Großkunden können Sackware im Onlineshop der Bauck GmbH bestellen.
2026
2/10/2026
Bauck-Onlineshop bringt B2B-Bereich für Firmenkunden an den Start
Rund ein Jahr, nachdem der neue Onlineshop der Bauck GmbH an den Start gegangen ist, präsentiert der Bio-Lebensmittelhersteller jetzt seinen neuen B2B-Bereich für Firmenkunden. Auch dieser wird unter der Verantwortung des Tochterunternehmens BauckOnline GmbH geführt.
Ab sofort haben damit Einrichtungen wie Bäckereien, Gastronomien, Hotels, Schulen und noch mehr die Gelegenheit, Bio- und Demeter-Produkte aus der Bauck Mühle in großen Mengen bequem online zu bestellen und von B2B-Konditionen zu profitieren. Neben Sackware mit 25 kg Füllmenge stehen auch die Kleinpackungen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Registrierung als B2B-Kunde ist eine gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.
Durch den neuen Bereich im Onlineshop nimmt die Bauck GmbH den Außer-Haus-Verkauf in den Fokus. Ziel ist es, hochwertige Bio-Lebensmittel überall wo möglich in der Gesellschaft verfügbar zu machen – nicht nur im stationären Handel. Somit schließt das Unternehmen auch die Lücke zwischen dem eigenen Geschäft mit Großgebinden und dem Großhandel. Größeren Kunden ist es nun möglich, auf allen verfügbaren Absatzkanälen ihre Ware zu bestellen.
Hannes Öhler, Leiter Marketing, Kommunikation & E-Commerce bei der Bauck GmbH, übernimmt in dem Zuge auch die Geschäftsführung der BauckOnline GmbH. „Wir stellen uns im Online-Geschäft breiter auf“, begründet Hannes Öhler diesen Schritt. „Ich freue mich darauf, den Bereich ab sofort offen, zukunftsfähig und innovativ mitzugestalten.“
„Mit der Erweiterung unseres Onlineshops positionieren wir uns weiter als moderner, verlässlicher Partner für alle Kundinnen und Kunden“, erklärt Friedemann Wecker, Geschäftsführer der Bauck GmbH. „Das neue Angebot ist die ideale Ergänzung zu unserem bestehenden B2B-Geschäft, womit wir optimal für Wünsche und Anfragen jeglicher Art zur Verfügung stehen.“
Die wirtschaftliche Lage der Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland spitzt sich weiter zu.
2026
2/8/2026
Mittelstand verliert an wirtschaftlichem Gewicht
Ein Blick in die jüngere Vergangenheit offenbart, dass die Anteile der KMU an Umsatz und Beschäftigung in Deutschland von 2018 bis 2023 um jeweils rund vier Prozentpunkte gesunken sind. Beim Anteil an der Bruttowertschöpfung sind es im selben Zeitraum gut zwei Prozentpunkte. Was diese Entwicklung noch drastischer erscheinen lässt: Die Zahl der Unternehmen ist zwischen 2018 und 2023 deutlich gestiegen – um 22 Prozent auf rund 3,16 Millionen Unternehmen und mit 99,3 Prozent ist der KMU-Anteil seit 2018 beinahe unverändert.
„Wie befürchtet, ist das Weihnachtsgeschäft zum vierten Mal in Folge am Einzelhandel vorbeigegangen. Vor allem Kleinst- und kleine Unternehmen spüren die anhaltende Kaufzurückhaltung, steigende Kosten und den strukturellen Wandel besonders stark“, konstatiert Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG. Sein Fazit: „2025 war ein weiteres verlorenes Jahr für den Mittelstand.“
Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG (Foto: Datev).
Hinter der Muschelkalkfassade mit den unregelmäßigen Fenstern arbeiten rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Software-Entwicklung. Über dem Eingangsbereich schwebt ein DATEV-Logo mit aufgestelltem Schriftzug. Die Anlage wurde im Rahmen eines studentischen Wettbewerbs von drei Design-Studentinnen der Hochschule Hof entwickelt (Foto: Datev).
Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen machen also immer weniger Umsatz. Gleichzeitig steigen die Arbeitskosten kräftig: Die Löhne legten 2023 um 5,1 Prozent und 2025 um weitere 4,2 Prozent zu.
„Da verwundert es nicht, dass die Steuerberater in unserer Befragung DATEV-Branchenbarometer von wachsenden Liquiditätsrisiken, Restrukturierungen und zunehmenden Geschäftsaufgaben ihrer Mandanten berichten“, sagt Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG. „Viele kleine Unternehmen nähern sich dem Punkt, an dem sich die Geschäftstätigkeit einfach nicht mehr lohnt.“
2025 war Rekordjahr bei Insolvenzen
Diese Beobachtung korreliert mit der Zahl der Insolvenzen in Deutschland, die 2025 einen neuen Höchststand erreicht hat. Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen ohne Beschäftigte sowie größere Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bei den klassischen KMU mit ein bis 100 Beschäftigten zeigt sich 2025 dagegen eine leichte Beruhigung, nachdem sie 2024 noch die höchsten Zuwächse beim Insolvenzgeschehen verzeichnet hatten. Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich direkt in den DATEV-Systemen beobachten und prognostizieren: In den Gehaltsabrechnungsprogrammen von DATEV werden etwa 20 Prozent der Insolvenzen von Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter sichtbar – beispielsweise über Pflichtabmeldungen zur Unfallversicherung. Für die letzten Monate des Jahres 2025 deutet sich hier ein weiterer Anstieg an. Dabei bedeutet ein Insolvenzverfahren aber nicht immer das Aus für den Betrieb. Immerhin ein knappes Drittel der Unternehmen können anschließend fortgeführt werden.
„Insolvenzen sind schmerzhafte Einschnitte, aber sie markieren oft auch Übergänge, aus denen Neues entsteht. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gehen mit ihnen tiefgreifende Anpassungsprozesse einher: Geschäftsmodelle werden hinterfragt, Unternehmen neu ausgerichtet oder gegründet, Märkte ordnen sich neu“, erläutert Robert Mayr. Zugleich betont er die tragende Rolle, die die steuerliche Beratung bei der Rettung von Unternehmen in Schieflage spielt: „Steuerberater sind in diesen Phasen weit mehr als Zahlenexperten – sie geben Orientierung, sichern Existenzen und begleiten ihre Mandanten vom Risiko zur neuen Perspektive.“
Schwerpunkt bei Betriebsaufgaben wandert nach Westen
Ein interessantes Detail: Regional verschiebt sich der Schwerpunkt bei den ungeplanten Betriebsaufgaben deutlich. War 2024 insbesondere der Osten Deutschlands betroffen, liegen die Hotspots 2025 klar im Westen. Dieses Bild bestätigt auch ein Blick auf die Insolvenzen, die gegenüber dem Vorjahr besonders stark in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zugenommen haben. Auffällig ist dabei, dass es einen ähnlichen regionalen Trend bei Gewerbeanmeldungen gibt: Wo viele Unternehmen aufgeben, entstehen zugleich mehr neue – ein Zeichen für Anpassungs- und Erneuerungsprozesse. Nach Branchen betrachtet, zeigt sich ein differenziertes Bild für das Baugewerbe, Verarbeitende Gewerbe und Gastgewerbe. Im Baugewerbe hat sich diese Zunahme seit vier Jahren verfestigt – mit einem Rekordwert von 382 Verfahren im April 2025 und einem Spitzenanstieg von über 45 Prozent im Oktober 2024. Im Verarbeitenden Gewerbe drücken anhaltend schwache Umsätze auf die Ertragslage, sodass die Insolvenzen im April 2025 mit 184 Fällen ihren bisherigen Höhepunkt erreichten. Auch im Gastgewerbe konnten nominale Umsatzsteigerungen die Effekte von Preissteigerungen, Personalmangel und steigenden Insolvenzen nicht kompensieren – im Oktober 2025 wurde hier der bisherige Höchststand erreicht.
Die komplette Auswertung DATEV Spotlight 1/2026 Insolvenzen (inklusive Jahresrückblick) steht hier zum Download bereit.
Methodik
Das DATEV Spotlight Insolvenzen (inklusive Jahresrückblick) analysiert die Entwicklung von Insolvenzen und Betriebsaufgaben im Zeitraum Oktober 2024 bis September 2025. Die Auswertung basiert auf einer Sonderanalyse des DATEV-Branchenbarometers, ergänzt um Daten des DATEV Mittelstandsindex sowie Daten des Statistischen Bundesamts (DESTATIS). Das DATEV-Branchenbarometer beruht auf einer repräsentativen Befragung von 547 Steuerberatungskanzleien (online) sowie 100 zusätzlichen Telefoninterviews mit Nicht-Mitgliedern zwischen dem 13. Oktober und 13. November 2025. Die Ergebnisse wurden nach Kanzleigröße, Region und Mandantenstruktur gewichtet und hochgerechnet. Der DATEV Mittelstandsindex stützt sich auf anonymisierte Daten aus über einer Million Unternehmen und mehr als acht Millionen Beschäftigten aus den DATEV-Abrechnungssystemen.
Aus Hamburg in die Welt: Amandus Kahl prägt den globalen Maschinen- und Anlagenbau.
2026
2/3/2026
150 Jahre Innovation – Tradition mit Zukunft
Als Amandus Kahl 1876 in Hamburg unter dem Namen Wendte & Kahl startet, liegt der Schwerpunkt zunächst auf Öfen und Herden. Mit der Übernahme einer Eisengießerei im nahegelegenen Stade beginnt die eigene Fertigung – die Grundlage für die spätere Spezialisierung im Mühlen- und Anlagenbau. Über Jahrzehnte hinweg arbeitet das Unternehmen an beiden Orten parallel: In Hamburg sind Vertrieb sowie Konstruktion und Entwicklung ansässig, in Stade und später auch in Hamburg wird produziert. 1965 folgt schließlich der strukturell wichtigste Schritt der Firmengeschichte: Der Umzug nach Reinbek vereint erstmals Verwaltung, Ingenieurbüro, Konstruktion und Produktion an einem Standort und bildet damit die Grundlage für das heutige, dort weiterhin expandierende Werk. Der Standort wird seitdem, unter anderem durch Investitionen in neue Fertigungskapazitäten sowie den Ausbau des Maschinenparks, kontinuierlich erweitert und modernisiert. Auf einer Fläche von aktuell rund fünf Hektar bildet er heute außerdem das Zentrum der KAHL Firmengruppe und bleibt auch in Zukunft ein wesentlicher Ort ihrer Weiterentwicklung.
Mit breitem Portfolio zum Komplettanbieter
International bekannt wird Amandus Kahl vor allem durch die Entwicklung der Flachmatrizenpresse, die ein Paradebeispiel dafür ist, wie das Unternehmen Tradition und technische Innovationskraft verbindet. Die Pelletpresse, die ihren Ursprung Mitte der 1920er-Jahre hat, ist bis heute und auch in Zukunft das Kernprodukt des Unternehmens. Sie wurde in den vergangenen Jahrzehnten konsequent an die Anforderungen unterschiedlichster Einsatzgebiete angepasst, etwa hinsichtlich Durchsatzmengen und spezifischer Materialeigenschaften. Damit eignet sich die KAHL Flachmatrizenpresse heute für eine Vielzahl industrieller Anwendungen, von der Futtermittel- und Biomasseverarbeitung über Recyclingprozesse bis hin zu Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaanwendungen. Neben Pelletpressen umfasst das Maschinen- und Anlagenportfolio von Amandus Kahl heute unter anderem Expander, Extruder, Kollermühlen, Brechwalzenstühle, Trockner, Kühler und Wirbelschichtanlagen. Mit den Jahren wuchs das Portfolio sowohl im Bereich der Einzelmaschinen als auch für schlüsselfertige Produktionslinien.
Montage Presse Matritze (Foto: Kahl).
Amandus Kahl ist die führende Schwesterfirma der KAHL Gruppe, die heute neun in ihren Branchen marktführende Unternehmen mit insgesamt rund 900 Mitarbeitenden umfasst. Der historisch gewachsene Zusammenschluss begann mit der Übernahme von Neuhaus Neotec 1990 und bündelt technologische Kompetenz von der Verfahrenstechnik bis zum Anlagenbau. Eine besondere Rolle spielt auch das firmeneigene Technikum. Dort werden Rohstoffeigenschaften getestet, Rezepturen entwickelt und Prozessparameter für industrielle Anwendungen definiert. Kunden erhalten so belastbare Ergebnisse für die Auslegung neuer Anlagen und Produkte.
„Unser Jubiläum ist ein Anlass, stolz auf die Entwicklung der vergangenen 150 Jahre zu blicken und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen. Innovation entsteht dort, wo Erfahrung und Neugier zusammenkommen. Dieses Zusammenspiel von Tradition und Zukunft prägt unser Unternehmen seit Generationen und bleibt auch künftig ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur“, so Joachim Behrmann, Geschäftsführer bei Amandus Kahl.
Hoher Polyphenolgehalt und doppelte Löslichkeit unterstützen Stoffwechsel, Resilienz und Leistung.
2026
1/28/2026
Phytogene Lösung für mehr Energieeffizienz bei Stress von Dr. Eckel
Das Produkt wurde gezielt entwickelt, um Tiere unter hoher Belastung zu unterstützen, etwa bei oxidativem Stress und systemischen Entzündungen. Ziel ist es, den Energiehaushalt zu stabilisieren und die Stoffwechseleffizienz zu fördern – für mehr Leistung und Widerstandskraft auch unter schwierigen Bedingungen.
Mit wachsender Leistung steigen auch Stoffwechseldruck, Umweltbelastung und Immunanforderungen. Häufige Leistungseinbußen sind oft nicht auf akute Erkrankungen zurückzuführen, sondern auf unsichtbare Prozesse wie oxidativen Stress und stille Entzündungen auf Zellebene. Diese können Energie kosten, das Immunsystem fordern und sich langfristig negativ auf Gesundheit, Leistung und Produktqualität auswirken. Anta®Sync setzt hier an: Der phytogene Zusatz wurde entwickelt, um Tiere bei der Bewältigung solcher Stressfaktoren zu unterstützen – und damit die Energieeffizienz auf Stoffwechselebene zu fördern.
„Wer Ressourceneffizienz verbessern will, muss die versteckten Energieverluste im Blick haben“, erklärt Dr. Viktor Eckel, Geschäftsführer Produkte und Innovation bei Dr. Eckel Animal Nutrition. „Oxidativer Stress und Entzündungen binden Energie und machen Systeme anfälliger. Anta®Sync unterstützt dabei, diese Belastungen zu begrenzen und die Tiere robuster zu halten – ein zentraler Hebel für nachhaltige Produktion.“
Die Kombination aus gezielt ausgewählten Pflanzenextrakten mit hoher Polyphenoldichte und technologisch optimierter Bioverfügbarkeit soll es ermöglichen, stressbedingte Stoffwechselkosten zu verringern und die Energieverwertung zu verbessern. So kann mehr Energie für Wachstum, Milchleistung oder Reproduktion zur Verfügung stehen.
„Was Anta®Sync besonders macht, ist sein hoher Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, insbesondere Polyphenolen“, betont Dr. Temitope A. Aloba, Technical Sales Manager bei Dr. Eckel Animal Nutrition. „Zusätzlich sorgt die doppelte Löslichkeit der Formulierung dafür, dass die Inhaltsstoffe optimal aufgenommen werden – für eine gleichmäßigere Wirkung in der Praxis.“
Positive Erfahrungen aus der Praxis unterstreichen den Ansatz: Auf einem norddeutschen Milchviehbetrieb, der nach einem BTV-Ausbruch mit stark gesunkener Milchleistung und Qualität konfrontiert war, wurde Anta®Sync ergänzend eingesetzt. Die Herde erholte sich sichtbar: Die durchschnittliche Milchmenge stieg, die Zellzahlen stabilisierten sich und auch in der darauffolgenden Phase mit Hitzestress blieb die Leistung auf konstantem Niveau. Wie kann pflanzliche Ergänzung die Energiebilanz unter Stress verbessern? Im Webinar zu Anta®Sync am 11. Februar präsentiert Dr. Eckel Expertenwissen, aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis.
Am World Flour Day 2026 richtet sich der Fokus auf Regionen, in denen Mehl weit mehr ist als nur ein Nahrungsmittel.
2026
1/27/2026
World Flour Day 2026 – Mehl ist Leben
Am 20. März begeht die internationale Müllerei-Community zum siebten Mal den World Flour Day. Der Tag wurde 2020 vom MehlWelten Museum ins Leben gerufen und hat sich seither als fester Termin im Kalender der Branche etabliert. In diesem Jahr markiert er den Auftakt einer neuen globalen Perspektive. Unter dem Motto „Flour is Life“ richtet sich der Fokus auf Regionen, in denen Mehl weit mehr ist als nur ein Nahrungsmittel. Es ist tägliche Lebensgrundlage, Energiequelle und Voraussetzung für Bildung, Gesundheit und Entwicklung.
Flour is Life – in Kenia und weltweit
Der World Flour Day versteht sich als Einladung an die gesamte Wertschöpfungskette – von Mühlen über Bäckereien bis zum Handel –, die Bedeutung von Mehl für die Ernährungssicherheit sichtbar zu machen. Der Tag bietet Gelegenheit, eigene Initiativen zu starten oder bestehende Projekte zu unterstützen: ob durch Mehlspenden, die Förderung lokaler Ernährungsprojekte oder andere Formen des Engagements. Im Sinne des „Giving Day" geht es darum, gemeinsam ein Zeichen zu setzen.
Zum Start des neuen Themenschwerpunkts stellt das MehlWelten Museum ein Beispiel aus Kenia vor. Die Dream Children‘s Home Initiative in der Nähe von Nairobi zeigt exemplarisch, wie grundlegend Mehl für das tägliche Leben sein kann. In der Einrichtung leben und lernen über 200 Kinder. Chapati und Ugali aus Weizen- und Maismehl bilden die Basis ihrer täglichen Ernährung und decken den überwiegenden Teil ihrer täglichen Energieversorgung. Die Schule ist zu einem stabilen Lernort mit festen Räumen geworden, der auch Kindern aus der Nachbarschaft offensteht. Was mit einfachen Blechhütten begann, ist heute ein Ort für Bildung, Gemeinschaft und Zukunft.
Das MehlWelten Museum (Foto: Sabine Kemper).
Diese Realität steht stellvertretend für Millionen Menschen weltweit. In zahlreichen Regionen ist Mehl das zentrale Element der Ernährung. Oft wird es ergänzt durch Gemüse und andere Beilagen. Der World Flour Day 2026 macht sichtbar, wie eng Mehl mit sozialen Chancen verbunden ist und welchen Beitrag es zu Entwicklung und Teilhabe leisten kann.
Start einer globalen Erzählung
Mit dem Beispiel aus Kenia beginnt eine mehrjährige kommunikative Reise um die Welt. Ziel ist es, die gesellschaftliche Bedeutung von Mehl weltweit darzustellen und den Blick auf seine Rolle in der globalen Ernährungssicherung zu schärfen.
Peter Steiner, Global Head der Business Unit von MC Mühlenchemie, erläutert die neue Ausrichtung. Die MC Mühlenchemie ist Trägerin des MehlWelten Museums und engagiert sich seit vielen Jahren für die Kommunikation der Bedeutung von Mehl. „Flour is Life“ ist weit mehr als ein Motto. Es ist die Beschreibung einer weltweiten Realität. Für viele Menschen sichert Mehl nicht nur das tägliche Brot. Es schafft Voraussetzungen für Stabilität, Bildung und Teilhabe. Als globale Community der Müllerei tragen wir Verantwortung dafür, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und daran mitzuwirken, dass Menschen Zugang zu sicheren, bezahlbaren und kulturell verankerten Lebensmitteln haben. Dafür braucht es nicht nur Bewusstsein, sondern auch Lösungen.“
Ein Tag für eine weltweite Perspektive
Der 20. März wurde als Datum des World Flour Day gewählt, weil er auf der Nordhalbkugel den Frühlingsbeginn und auf der Südhalbkugel den Start der Erntezeit markiert. Der Tag steht sinnbildlich für Aufbruch, Wandel und Versorgung. 2026 wird er zum Startpunkt einer internationalen Erzählung über Mehl als Lebensgrundlage.
Das MehlWelten Museum in Wittenburg begleitet den World Flour Day mit der neuen Themenseite www.worldflourday.com. Es beherbergt nicht nur die weltweit größte Sammlung von Mehlsäcken. Als kulturelle Einrichtung stellt es die Bedeutung von Mehl für die menschliche Ernährung und seine sozialen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen von der Frühzeit bis heute dar. Volkmar Wywiol, Gründer des MehlWelten Museums, sieht in der globalen Perspektive des World Flour Day eine Fortsetzung des Museumsgedankens:
„Mit dem Motto Mehl.Macht.Leben erzählen wir im Museum, wie Mehl seit Jahrtausenden die Entwicklung von Gesellschaften prägt. Diese Idee wird nun mit dem World Flour Day über Grenzen hinweg sichtbar. Ich wünsche mir, dass dieser Tag auch andere ermutigt, aktiv zu werden und die Kraft des Mehls auf ihre Weise weiterzugeben, ob durch Mehlspenden, die Unterstützung von Ernährungsprojekten oder einfach dadurch, das Bewusstsein für dieses so grundlegende Lebensmittel zu stärken." Volkmar Wywiol.
Volkmar Wywiol im MehlWelten Museum vor dem eingerahmten Mehlsack, der die Sammlung des Museums begründete (Foto: Sabine Kemper).
Laut Berechnungen von Lantmännen Cerealien nutzen Vollkornprodukte Rohstoffe optimal und schonen das Klima.
2026
1/26/2026
Vollkornprodukte reduzieren Klimabelastung um bis zu 15%
Lantmännen ist eine Agrargenossenschaft und Nordeuropas führender Anbieter von Agrarprodukten, Maschinen, Bioenergie und Lebensmitteln. Das Unternehmen gehört 17.000 schwedischen Landwirten, beschäftigt 12.000 Mitarbeiter, ist in über 20 Ländern tätig und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 70 Milliarden Schwedische Kronen (SEK). Durch Forschung, Entwicklung und operative Tätigkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette übernimmt Lantmännen Verantwortung vom Feld bis zum Teller. Neuste Berechnungen würden zeigen, dass die Klimabelastung durch Mehl um 10–15% sinken würden, wenn man Vollkornmehl anstelle von raffiniertem Mehl wählt.
„Wir wissen schon lange, dass Vollkornprodukte gesundheitsfördernd sind, und jetzt können wir auch zeigen, dass sie zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem beitragen. Indem wir das gesamte Rohmaterial und nicht nur das Innere des Korns verwenden, reduzieren wir die Klimabelastung“, sagt Örjan Petterson, Geschäftsführer von Lantmännen Cerealia.
Die Berechnungen basieren auf einem branchenweiten Modell zur Klimabilanzierung, der sogenannten monetären Allokation. Dabei wird die Klimawirkung auf das Hauptprodukt Mehl und das Nebenprodukt Weizenkleie verteilt, das traditionell hauptsächlich als Tierfutter oder zur Energiegewinnung genutzt wurde. Durch eine bessere Nutzung des Rohstoffs entsteht Mehl mit einem geringeren Klimafußabdruck.
„Vollkornprodukte galten schon immer als sinnvolle Möglichkeit, Rohstoffe optimal zu nutzen. Jetzt können wir auch den konkreten Beitrag zum Klimaschutz aufzeigen. Angetrieben von unseren eigenen und den wissenschaftlich fundierten Klimazielen unserer Kunden, berechnen wir bei Cerealia nun genauer die Klimawirkung unseres Mehls. „Es ist offensichtlich, dass die Wahl von Vollkornprodukten einen bedeutenden Einfluss hat – sowohl auf die Gesundheit als auch auf das Klima“, so Linnea Heiskala, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Lantmännen Cerealia.“
Nachhaltig wirtschaften
Durch die Erhöhung des Vollkornanteils können Kunden wie Bäckereien und Lebensmittelhersteller den Emissionsfaktor ihrer Produkte reduzieren. Die Berechnungen von Lantmännen Cerealia sind ein wichtiges Instrument für Unternehmen, die wissenschaftsbasierte Klimaziele (SBTi) verfolgen, da sie eine transparente Nachverfolgung der Klimavorteile ermöglichen.
„Unsere Kunden verlangen transparente und verlässliche Daten zu den Klimaauswirkungen. Wir können sie nun dabei unterstützen, Emissionen auf Produktebene zu reduzieren und gleichzeitig eine solide Grundlage für die Klimaberichterstattung zu schaffen und den vermehrten Einsatz von Vollkornprodukten zu fördern“, sagt Linnea Heiskala.
Doppelsieg
Am 14. Januar startet in Schweden erstmals der Vollkorntag, der im Rahmen der Vollkorn-Aktion die gesundheitlichen Vorteile von Vollkorn hervorhebt. Lantmännen Cerealia möchte in diesem Jahr zusätzlich auf die positiven Auswirkungen auf das Klima aufmerksam machen.
„Das ist eine Win-win-Situation. Vollkorn ist besser für Mensch und Umwelt. Durch den verstärkten Einsatz von Vollkorn kommen wir unseren Klimazielen und unserer Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft im Einklang mit der Natur einen weiteren Schritt näher“, so Örjan Petterson, Geschäftsführer von Lantmännen Cerealia.
Die Berechnungen basieren auf dem schwedischen Industrieabkommen zur Klimabilanzierung und verwenden eine monetäre Aufteilung zwischen Mehl und Nebenprodukten. Die Klimaeinsparungen betragen 10–15% im Vergleich zu raffiniertem Weizenmehl. Lantmännen Cerealia hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Vollkorn in seinen Produkten zu erhöhen und die Klimabelastung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Feld bis zum Teller, zu reduzieren. Weitere Informationen finden Sie hier.
Die USA ordnen Protein, Fett und Getreide neu. Ein Vergleich der neuen US-Ernährungspyramide mit dem deutschen Modell.
2026
1/7/2026
Neuausrichtung in der amerikanischen Ernährungspoltik
Im Fokus der Ernährungspoltik der USA stehen vor allem proteinreiche Mahlzeiten und der Verzehr von unverarbeiteten und nährstoffdichten Lebensmitteln sowie eine veränderte Einordnung von Getreide und Fetten, die stärker über Qualität und Verarbeitungsgrad und weniger über reine Mengenbegrenzung bewertet werden. Damit unterscheidet sich das amerikanische Modell vom deutschen Ansatz, der weiterhin auf ein mengenorientiertes Portionsmodell mit Brot und Getreide als Grundlage setzt.
Neue US-Ernährungspyramide
„We are ending the war on protein.“ US-Gesundheitsministerium
Mit diesem Statement markiert das US-Gesundheitsministerium einen Bruch mit der bisherigen Ernährungspolitik und leitete am 07.01.2026 die neue US-Ernährungspyramide ein. Protein soll nicht länger als ergänzender Nährstoff betrachtet werden, sondern als zentrales, strukturierendes Element jeder Mahlzeit dienen. Entsprechend empfehlen die Leitlinien, bei jeder Mahlzeit hochwertiges, nährstoffreiches Protein aus tierischen und pflanzlichen Quellen in den Vordergrund zu stellen.
Die neuen Leitlinien nennen dabei einen Zielbereich für die tägliche Proteinaufnahme von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht, abhängig von Alter, Aktivitätsniveau und individuellem Gesundheitsstatus. Damit gehen die Empfehlungen deutlich über frühere international gebräuchliche Mindestwerte von rund 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht hinaus, die primär zur Vermeidung eines Mangels dienten. Protein wird damit nicht mehr nur als Bedarfsgröße, sondern als aktiver Gestaltungsfaktor einer gesundheitsorientierten Ernährung verstanden.
Ernährungspyramide der USA 2025-2030
Ergänzend betonen die Leitlinien die Bedeutung von Gemüse und Obst als unverzichtbare Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung. Sie sollen über den Tag verteilt verzehrt werden und bevorzugt aus möglichst unverarbeiteten oder nur minimal verarbeiteten Produkten bestehen, um Ballaststoffe und Mikronährstoffe bereitzustellen. Neben frischen Produkten werden auch tiefgekühlte, getrocknete oder konservierte Varianten als geeignete Alternativen genannt, sofern sie keinen oder nur sehr geringe Mengen an zugesetztem Zucker enthalten. Frucht- und Gemüsesäfte werden hingegen nur in begrenztem Umfang empfohlen.
Fettbewertung in der US-Ernährungspyramide
In den neuen US-Ernährungsrichtlinien wird Fett nicht grundsätzlich neu definiert, jedoch deutlich anders eingeordnet als in früheren Empfehlungen. Während frühere Leitlinien Fette vor allem über Grenzwerte und Fettsäureprofile betrachteten, rückt nun stärker der Lebensmittelkontext in den Vordergrund. Fett wird nicht mehr primär als isolierter Risikofaktor bewertet, sondern als natürlicher Bestandteil vollwertiger, möglichst unverarbeiteter Lebensmittel. Diese Neuausrichtung beruht auf der Erkenntnis, dass der gesundheitliche Effekt von Fett wesentlich davon abhängt, aus welchen Lebensmitteln es stammt und in welchem Verarbeitungsgrad es konsumiert wird. Entsprechend nennen die Leitlinien ausdrücklich natürliche Fettquellen wie Fleisch, Fisch, Eier, vollfette Milchprodukte, Nüsse, Samen, Oliven und Avocados als Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung. Die bisherigen Empfehlungen zur Begrenzung gesättigter Fettsäuren bleiben bestehen, verlieren jedoch ihre alleinige Steuerungsfunktion zugunsten eines ganzheitlicheren Ansatzes. Ziel dieser Neubewertung ist es, die Ernährungspyramide stärker an realen Essgewohnheiten auszurichten und gleichzeitig den Konsum hochverarbeiteter Produkte zu reduzieren. Durch die Fokussierung auf vollwertige Lebensmittel sollen Fette nicht vermieden, sondern bewusst in einer Form aufgenommen werden, die zur Nährstoffdichte der Mahlzeiten beiträgt.
Neueinordnung von Getreideprodukten
Getreideprodukte bleiben Bestandteil der Empfehlungen, werden in den neuen US-Ernährungsrichtlinien jedoch grundlegend anders eingeordnet als in früheren Modellen. Im Fokus stehen Vollkornprodukte, die als Quelle komplexer Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe weiterhin einen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung leisten sollen. Deutlich eingeschränkt werden dagegen raffinierte Getreideprodukte, die überwiegend aus ausgemahlenem Mehl bestehen und nur einen geringen Anteil an Ballaststoffen und Mikronährstoffen liefern. Weißbrot, industriell hergestellte Frühstücksartikel, Tortillas aus raffiniertem Mehl oder Cracker werden als Negativbeispiele genannt. Neu ist, dass Getreide nicht mehr die strukturierende Rolle innerhalb der Mahlzeiten einnimmt, sondern funktional als ergänzende Kohlenhydratquelle eingeordnet wird. Diese Rolle steht in engem Zusammenhang mit der gleichzeitigen Aufwertung von Protein als zentraler Bestandteil der Ernährung sowie mit dem Ziel, den Gesamtanteil stark verarbeiteter Lebensmittel in zu reduzieren.
Die deutsche Ernährungspyramide
Die deutsche Ernährungspyramide des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) folgt einem anderen Ordnungsprinzip als das neue US-Modell. Sie ist als mengenorientiertes Alltagsmodell konzipiert und richtet sich an gesunde Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren. Ziel ist es, Verbraucherinnen und Verbrauchern eine einfache Orientierung für den täglichen Lebensmittelverzehr zu bieten, ohne einzelne Nährstoffe oder Lebensmittelgruppen besonders zu priorisieren.
Deutsche Ernährungspyramide von März 2024
Rolle von Getreideprodukten
Im Unterschied zum US-Modell bilden Getreideprodukte, Brot und Beilagen in der deutschen Ernährungspyramide weiterhin eine zentrale Säule der täglichen Ernährung. Dabei wird der Fokus wie im amerikanischen Modell auf Vollkornprodukte gesetzt und als wichtiger Lieferant von pflanzlichem Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen gesehen, während raffinierte Produkte nicht explizit ausgeschlossen, jedoch weniger empfohlen werden.
Unterschied zum amerikanischen Modell
Im Unterschied zur neuen US-Ernährungspyramide werden proteinreiche Lebensmittel in der deutschen Ernährungspyramide nicht als strukturierendes Element einer Mahlzeit verstanden, sondern als eigenständige Lebensmittelgruppe mit klar begrenzten Mengenempfehlungen. Fleisch, Fisch, Eier, Hülsenfrüchte sowie pflanzliche Alternativen sind Teil einer ausgewogenen Ernährung, ihre Funktion besteht jedoch in der ergänzenden Nährstoffversorgung. Die Empfehlungen zielen auf Abwechslung und Maß ab, unter anderem durch einen begrenzten Fleischkonsum und den regelmäßigen Wechsel zwischen tierischen und pflanzlichen Proteinquellen. Fette werden im deutschen Modell überwiegend mengenorientiert eingeordnet. Pflanzliche Öle und Streichfette sind Bestandteil der täglichen Ernährung, sollen jedoch bewusst und maßvoll eingesetzt werden, da Fette eine hohe Energiedichte aufweisen. Die Empfehlungen der DGE legen dabei sowohl Wert auf die Menge als auch auf die Fettqualität, indem pflanzliche Öle bevorzugt und stark fettreiche sowie „versteckte“ Fettquellen in verarbeiteten Lebensmitteln begrenzt werden sollen. Eine stärkere lebensmittel- und verarbeitungsbezogene Einordnung vollwertiger Fettquellen, wie sie in den neuen US-Leitlinien vorgenommen wird, steht im deutschen Modell weniger im Vordergrund.
Wie Ernährungstrends, Social Media und Supplements klassische Essgewohnheiten verändern können.
2026
1/5/2026
Proteinshake gegen Käsebrot
Einen besonders dynamisch wachsenden Teil dieses Marktes stellen proteinbasierte Sport- und Fitness-Supplements dar, zu denen auch Hersteller wie Elite Sports Nutrition (ESN) und More Nutrition zählen. Mit einem Umsatz von 822 Millionen Euro steht das Unternehmen “The Quality Group”, Deutschlands führender Anbieter in diesem Bereich, im Mittelpunkt. Mit Influencern wie der deutschen Bodybuilding-Hoffnung Urs Kalecinski, der auf Instagram 1,9 Millionen Follower hat, will das Unternehmen Ernährung neu definieren.
Brotkonsum in Deutschland
Brot ist eines der ältesten Grundnahrungsmittel der Menschheit und bis heute fest im Alltag vieler Menschen verankert. Rund 83 Prozent der Deutschen essen regelmäßig Brot, am häufigsten morgens und abends. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die deutsche Gesellschaft für Ernährung unterstreichen die Bedeutung von Brot für die Gesundheit. Besonders Brote, die aus Vollkornmehl bestehen und durch Nüsse oder Samen ergänzt werden, sind reich an Ballaststoffen, komplexen Kohlenhydraten, pflanzlichem Protein sowie Vitaminen und Mineralstoffen.
Während Vollkornbrote somit ein durchweg vorteilhaftes Nährwertprofil aufweisen, erfreuen sie sich anscheinend nicht großer Beliebtheit. Schaut man sich an, welche Brotsorten in Deutschland am häufigsten konsumiert werden, belegt das Toastbrot mit fast 30 Prozent den ersten, das Mischbrot mit ca. 25 Prozent den zweiten Platz, während die nährstoffreicheren Brote wie Mehrkorn-, Vollkorn-, Schwarz-, Roggen-, und Dinkelbrot abgeschlagen jeweils zwischen vier und 14 Prozent auf den hinteren Plätzen liegen (Quelle: Statista). Weißmehl- und Vollkornprodukte unterscheiden sich dabei im Wesentlichen anhand ihrer Herstellung und ihres Nährstoffprofils.
Vollkorn sättigt
In Vollkornmehl wird das gesamte Korn vermahlen, einschließlich der Randschichten und des Keimlings, in denen sich ein Großteil der Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe befindet. Bei Weißmehl handelt es sich um sogenanntes Auszugsmehl, bei dem ausschließlich der innere Mehlkörper des Korns verarbeitet wird. Die nährstoffreicheren Randschichten und der Keimling werden entfernt. Dadurch enthalten Weißmehlprodukte deutlich weniger Ballaststoffe sowie geringere Mengen an Vitaminen und Mineralstoffen als Vollkornprodukte. Ernährungsphysiologisch unterscheiden sich beide vor allem in der Zusammensetzung der Kohlenhydrate und deren Verwertung im Körper.
Vollkornprodukte liefern überwiegend komplexe Kohlenhydrate, die langsamer verdaut werden, den Blutzuckerspiegel gleichmäßiger ansteigen lassen und länger sättigen. Weißmehlprodukte hingegen enthalten vor allem schnell verfügbare Kohlenhydrate, die rasch ins Blut übergehen und kurzfristig Energie liefern. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Ballaststoffgehalt, denn dieser trägt zu einem anhaltenden Sättigungsgefühl bei und beeinflusst hormonelle Prozesse, die das Hungergefühl regulieren. Ballaststoffarme Brote sättigen daher kürzer, was dazu führen kann, dass insgesamt größere Mengen verzehrt werden.
Klassisches Frühstück, bestehend aus Brot und Käse
Zudem werden Brote in der Regel nicht ohne Belag gegessen. Besonders beliebt sind dabei Käse, Wurstwaren, Marmeladen und unter Kindern vor allem Nutella (Quelle: Statista). Häufig kombiniert werden die sowieso schon sehr fetthaltigen Beläge mit Butter oder Frischkäse. Wer zum Frühstück zwei Scheiben Weizentoast mit Butter und Gouda-Käse belegt, nimmt ca. 26 Gramm Fett zu sich, bei einer Mahlzeit mit nur rund 400 Kalorien und einem Proteingehalt von etwa 19 Gramm. Mit einem Vollkornbrot wären die Werte ähnlich, allerdings mit einem etwas höheren Ballaststoffgehalt. Das Problem ist weniger das Brot an sich, sondern der Fakt, dass sich viele Verbraucher eher für die ernährungsungünstigeren Varianten entscheiden, da Fette Geschmacksträger sind.
Gesundheitsproblem Übergewicht
Der durchschnittliche Tagesbedarf an Fett für Erwachsene liegt bei etwa 60–80 Gramm, während die empfohlene Proteinzufuhr laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) für gesunde Erwachsene bis 65 Jahre bei rund 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht und Tag liegt. Unterschieden werden muss zudem, welche Arten von Fetten jemand zu sich nimmt. Beim Frühstücks-Beispiel bestehend aus Toast, Butter und Käse sind von den 26 Gramm, knapp 16 Gramm gesättigte Fettsäuren, die bei übermäßigem Konsum zu Herz-Kreislauf- Erkrankungen führen können, während ungesättigte Fettsäuren, die vor allem in Nüssen, Samen, Avocados, Olivenöl und Fisch vorkommen, entzündungshemmend wirken und sich positiv auf die Gehirnfunktion und Herzgesundheit auswirken sollen.
Zur Life-Balance gehört für viele Menschen Bewegung und gesunde Ernährung. Jedoch fehlt oft die Zeit dafür.
Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass Übergewicht, das von der WHO als eigenständige Krankheit eingestuft wird, in Deutschland weit verbreitet ist und ein zentrales Gesundheitsproblem darstellt. Im Jahr 2019 waren 53,5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland übergewichtig und rund 19 Prozent galten als adipös. Adipositas und die Folgeerkrankungen stellen somit laut dem RKI ein Public-Health-Problem und eine große wirtschaftliche Herausforderung dar. Laut Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wird Deutschland zwischen 2020 und 2050 rund 11 Prozent der Gesundheitsausgaben für die Behandlung von Erkrankungen ausgeben, die im Zusammenhang mit Adipositas stehen.
The Quality Group
Dieses Problem möchte in Deutschland „The Quality Group“ aufgreifen. Nach dem Zusammenschluss der Supplement-Hersteller Elite Sports Nutrition (ESN) und More Nutrition im Jahr 2021 entstand ein Unternehmen, das sich nicht allein als Produzent klassischer Nahrungsergänzungsmittel versteht, sondern Ernährung ganzheitlich neu denken will. Beide Marken erreichen unterschiedliche Zielgruppen. ESN richtet sich primär an leistungsorientierte Fitness- und Kraftsportler, deren Fokus auf Muskelaufbau, Leistungssteigerung und Regeneration liegt.
Produktvielfalt
Zu den Bestseller-Produkten zählen unter anderem klassische Whey-Protein-Pulver sowie sogenannte Clear-Whey-Produkte. Whey-Protein basiert in der Regel auf Molkenprotein-Konzentrat oder -Mischungen und weist eine milchige Konsistenz auf, verbunden mit geringeren Anteilen an Laktose, Fett und Kohlenhydraten. Clear-Whey-Produkte hingegen bestehen aus stark gefiltertem Molkenprotein-Isolat, sind nahezu fett- und laktosefrei, lösen sich klar auf und erinnern in ihrer Konsistenz eher an ein Erfrischungsgetränk. Ergänzt wird das Sortiment durch leistungsbezogene Produkte wie Kreatin, das die kurzfristige Energiebereitstellung im Muskel unterstützen kann, sowie Pre-Workout-Booster, die durch einen erhöhten Koffeingehalt und Aminosäuren vor dem Training die Konzentration und Leistungsbereitschaft erhöhen sollen. Sogenannte „Athlete Stacks“ bündeln mehrere dieser Produkte zu abgestimmten Kombinationen, um Training, Regeneration und Nährstoffversorgung systematisch zu unterstützen.
Zur schnellen Optimierung der Ernährung und des Körpers wird gerne zu Proteinshakes gegriffen.
More Nutrition richtet sich an eine breitere, alltagsorientierte Zielgruppe, die weniger am leistungsorientierten Kraftsport interessiert ist, sondern vor allem Gewichtskontrolle und ein bewusstes Essverhalten in den Mittelpunkt stellt. Zu den Bestsellern zählen neben klassischen Proteinpulvern vor allem Produkte, die das Essverhalten im Alltag regulieren und verbessern sollen. Dazu gehört etwa derProtein Iced Coffee, der Proteinaufnahme mit dem gewohnten Konsum eines Kaffeegetränks verbindet und insbesondere über Geschmack und einfache Integration in bestehende Routinen vermarktet wird.
Ergänzt wird das Sortiment durch zuckerfreie Sirups und Flavour-Pulver, mit denen kalorienarme Speisen und Getränke gesüßt werden können, ohne zusätzlichen Zucker zuzuführen. Zusätzlich bietet More Nutrition eine Reihe proteinreicher Fertig- und Halbfertigprodukte wie Protein-Porridge, Protein-Milchreis oder proteinangereicherte Sahnepulver- und Saucenalternativen an. Die Produkte zielen darauf ab, klassische Mahlzeiten und Kochgewohnheiten beizubehalten, deren Nährwertprofil jedoch gezielt zu verändern, indem der Eiweißgehalt erhöht und der Fett- oder Zuckeranteil reduziert wird.
Eiweipulver und Kreatinkapslen
Expansion und Reichweite als Wachstumstreiber
Gestützt wird das Wachstum von The Quality Group seit 2022 durch den Einstieg des internationalen Private-Equity-Investors CVC Capital Partners, der eine Mehrheitsbeteiligung an dem Unternehmen übernommen hat. CVC zählt zu den weltweit führenden Beteiligungsgesellschaften, mit einem weltweit verwalteten Vermögen von rund 200 Milliarden Euro (Stand Ende 2024) und investiert branchenübergreifend in etablierte Konsum-, Handels- und Industrieunternehmen.
Zum Portfolio von CVC Capital Partners gehören unter anderem Unternehmen wie Douglas, Europas führender Premium-Kosmetikhändler, sowie Beteiligungen an der Messer-Gruppe, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Industriegase. Für The Quality Group bedeutet dies zusätzliche finanzielle und strategische Ressourcen, um Markenreichweite, Produktentwicklung und Marktdurchdringung weiter auszubauen. Diese Internationalisierungsstrategie wurde im April 2025 durch die Übernahme des US-amerikanischen Supplement-Herstellers RAW Nutrition weiter vorangetrieben. RAW Nutrition wurde 2019 in den USA von dem Coach Matt Jansen und dem Unternehmer Dr. Domenic Iacovone gegründet und fokussiert sich auf leistungsorientierte Nahrungsergänzungsmittel für Training und Regeneration.
Influencer als Multiplikatoren
Bekannt wurde die Marke insbesondere durch enge Kooperationen mit Athleten und Influencern, darunter der Profi-Bodybuilder Chris Bumstead (Instagram: 25,7 Mio. Follower), mehrfacher Gewinner des Mr.-Olympia-Titels in der Classic-Physique-Klasse, der als Mitgesellschafter und Markenbotschafter fungiert. Mit der Integration von RAW Nutrition erweitert The Quality Group ihre Präsenz über den europäischen Markt hinaus in den nordamerikanischen Raum. Darüber hinaus setzt The Quality Group auf reichweitenstarkes Social-Media-Marketing, insbesondere über Plattformen wie Instagram und TikTok. Das Unternehmen hat Partnerschaften mit mehreren Hundert registrierten Influencern, die regelmäßig Inhalte für ESN und More Nutrition produzieren. Die Reichweiten der Influencer variieren dabei zwischen zehntausend bis hin zu über einer Million Followern. Täglich erreicht das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 5 Millionen User (Stand 2022) auf verschiedenen Social-Media-Plattformen. Dadurch gelingt es dem Unternehmen, Ernährungsempfehlungen über soziale Medien direkt in den Alltag vieler Menschen zu integrieren.
Proteinfasten als Ernährungskonzept
Deutlich wird dieser Einfluss im Ernährungskonzept „Wolfs Protein Fasten“ (WPF), das vom More-Nutrition-Gründer Christian Wolf entwickelt und vor allem über soziale Medien verbreitet wird. Das Konzept verbindet Elemente des Intervallfastens mit einer gezielt erhöhten Proteinzufuhr und setzt dabei bewusst auf den Ersatz einzelner Mahlzeiten durch Proteinshakes. Ziel ist es, die tägliche Kalorienaufnahme zu senken und die Proteinzufuhr zu erhöhen. Ein Vergleich mit dem zuvor dargestellten Frühstück verdeutlicht diesen Ansatz.
Ein Proteinshake auf Whey- oder Clear-Whey-Basis liefert bei einer üblichen Portion von etwa 30 Gramm Pulver, zubereitet mit Wasser, je nach Produkt rund 110 bis 130 Kilokalorien und etwa 23 bis 26 Gramm Protein, bei nahezu keinem Fett und kaum Kohlenhydraten. Selbst bei der Zubereitung mit fettarmer Milch liegt die Kalorienmenge bei rund 250 und liegt damit immer noch unter der eines belegten Brotes, während der Proteingehalt höher ausfällt. Während das Käsebrot eine gemischte Mahlzeit aus Fett, Kohlenhydraten und Protein darstellt und zugleich Ballaststoffe sowie Mikronährstoffe liefern kann, ist der Proteinshake ein Lebensmittel, das nahezu ausschließlich Eiweiß bereitstellt. Ballaststoffe und viele Mikronährstoffe fehlen dabei weitgehend. Im Rahmen vom WPF wird dieser Unterschied gezielt genutzt, indem klassische Mahlzeiten zeitweise durch proteinreiche Shakes zu ersetzen, um ein Kaloriendefizit zu erleichtern und gleichzeitig den Muskelerhalt zu unterstützen. Ergänzt wird dieser Ansatz durch strukturierte Mahlzeiten und regelmäßige Bewegung.
Nach eigenen Angaben von Christian Wolf hätten bereits rund 500 000 Menschen mithilfe dieses Konzepts Gewicht reduziert. Diese Zahl ist bislang nicht unabhängig wissenschaftlich überprüft und beruht auf Selbstauskünften aus dem unternehmenseigenen Umfeld. In Beiträgen von Christian Wolf über Social-Media werden die Produkte als funktionale Bestandteile der Ernährung beworben. “Zerups” würden die Möglichkeit bieten, kalorienfreie Getränke mit verschiedenen Geschmäckern zu trinken und zugleich Kosten gegenüber klassischen Light-Getränken zu sparen. Geschmackspulver („Chunky Flavour“) werden genutzt, um eiweißreiche, kalorienarme Lebensmittel wie Magerquark oder Skyr ohne Zuckerzusatz zu süßen. Laut eigenen Angaben sollen die Produkte keine zwingende Voraussetzung für eine kalorienärmere und proteinreichere Ernährung seien, jedoch Geschmack, Alltagstauglichkeit und langfristige Umsetzbarkeit verbessern. Zusätzlich empfehlen und bewerben ESN und More Nutrition deutlich höhere Protein Zielwerte von bis zu 2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Pro und Kontra
Die Angaben der WHO (0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht), werden von dem Unternehmen als “Irrglaube” und “Hyptohese” bezeichnet, denen man weder viel Raum noch allzu viel Text widmen wollen würde, denn das entspreche nicht den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Die Aussagen stützen sich auf Empfehlungen von Sport- und Ernährungsforschern wie Dr. Peter Attia (US-amerikanischer Arzt und Wissenschaftskommunikator mit Fokus auf Präventionsmedizin), Prof. Dr. Stuart Phillips (Professor für Kinesiologie an der McMaster University und einer der führenden Forscher zur Muskelproteinsynthese) sowie Dr. Eric Helms (Sportwissenschaftler und Coach mit Forschungsschwerpunkt Krafttraining und Körperkomposition). Diese verweisen darauf, dass insbesondere bei körperlich aktiven Personen oder im Rahmen einer Gewichtsreduktion höhere Proteinzufuhren von etwa 1,6 bis 2,0 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht sinnvoll sein könnten, um Muskelmasse zu erhalten und das Sättigungsgefühl zu unterstützen. Der Richtwert der WHO diene hingegen primär der Sicherstellung der Grundversorgung der Allgemeinbevölkerung.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass proteinreiche Ernährungskonzepte und Nahrungsergänzungsmittel klassische Lebensmittel wie Brot nicht grundsätzlich ersetzen können. Sie adressieren jedoch reale Herausforderungen moderner Ernährungsgewohnheiten, etwa den Wunsch nach einfacher Steuerbarkeit von Kalorien- und Proteinzufuhr. Der Vergleich zwischen Käsebrot und Proteinshake zeigt, dass nicht das Grundnahrungsmittel selbst problematisch ist, sondern dessen konkrete Ausgestaltung im Alltag.
Während ein hochwertiges Vollkornbrot einen relevanten Beitrag zur Nährstoffversorgung leisten kann, führen stark verarbeitete Brotsorten in Kombination mit fettreichen Belägen schnell zu einer ernährungsungünstigen Variante. Unternehmen wie The Quality Group positionieren proteinbasierte Produkte daher weniger als Ersatz, sondern als funktionale Ergänzung einer Ernährung, die auf Sättigung, Muskelerhalt und Kalorienkontrolle abzielt.
Konzepte wie das „Wolfs Protein Fasten“ verdeutlichen, wie Supplements in strukturierte Ernährungsansätze eingebunden und über eine reichweitenstarke Social-Media Präsenz verbreitet werden. Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass auch aus Sicht der Hersteller Nahrungsergänzungsmittel keine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ersetzen sollen. Sie können diese jedoch vereinfachen, steuern und an individuelle Lebensstile anpassen.
Samuel Schär ist mit Wirkung vom 1. Januar 2026 neuer CEO der Bühler Group.
2026
1/5/2026
Samuel Schär ist neuer CEO der Bühler Group
Wie im April 2025 von der Bühler Group angekündigt, ist Samuel Schär neuer CEO von Bühler. Er folgt auf Stefan Scheiber, der vorraussichtlich neuer Präsident des Verwaltungsrats wird. Die Ernennung von Samuel Schär steht für Kontinuität und Stabilität gegenüber den Mitarbeitenden, Kunden und Partnern von Bühler.
«Mehr denn je spielt Bühler eine wichtige Rolle bei der Transformation der Lebensmittel- und Futtermittelindustrie sowie der Mobilitätsbranche hin zu mehr Nachhaltigkeit. Ich freue mich darauf, das Unternehmen in die nächste Entwicklungsphase zu führen. Wie bisher liegt unser Fokus auf Lösungen, die bei unseren Kunden Mehrwert erzielen. Wir setzen auf zukunftsweisende Innovationen und ein gesundes Wachstum unseres Unternehmens. Zusammen mit unseren globalen Teams werden wir weiterhin starke Partnerschaften aufbauen und Lösungen liefern, die unseren Kunden zum Erfolg verhelfen», sagte Samuel Schär anlässlich der Übernahme als CEO.
Samuel Schär kam vor 20 Jahren zu Bühler, um den Geschäftsbereich Nanotechnologie aufzubauen. Danach leitete er mehrere Jahre lang den Geschäftsbereich Grinding & Dispersing, bevor er 2013 in die Konzernleitung eintrat und 10 Jahre lang erfolgreich das Segment Advanced Materials leitete. Später übernahm er die Verantwortung für die globale Services & Sales-Organisation. Samuel Schär studierte Physik an der EPFL Lausanne in der Schweiz.
Stefan Scheiber wird an der nächsten Generalversammlung der Bühler Group im Februar 2026 zur Wahl als Verwaltungsratspräsident vorgeschlagen. Stefan Scheiber blickt auf eine 35-jährige Karriere bei Bühler zurück, war 20 Jahre lang in verschiedenen Funktionen Mitglied der Konzernleitung und war zuletzt 10 Jahre lang CEO des Unternehmens.
Calvin Grieder, derzeitiger Verwaltungsratspräsident, wird nach 25 erfolgreichen und prägenden Jahren als CEO, Mitglied des Verwaltungsrats und Verwaltungsratspräsident an der Generalversammlung zurücktreten.
Der 14. jährliche Women in Agribusiness Summit in Orlando beschäftigte sich mit langfristigen Wettervorhersagen und KI.
2026
1/2/2026
Macht KI langfristige Wettervorhersagen möglich?
Die Experten des Wetter-Panels boten einen umfassenden Einblick, wie die Nutzung von Daten und Technologie die Entscheidungsfindung verbessern und Risiken im Zusammenhang mit unvorhersehbaren Wetterlagen mindern kann. Da das Wetter ein entscheidender Faktor für Ernteerträge, Tiergesundheit und die gesamte landwirtschaftliche Produktivität ist, ist die rechtzeitige Anpassung an dieses sich ständig verändernde Umfeld von zentraler Bedeutung.
Wettervorhersage und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft
Im Mittelpunkt der Diskussion stand die entscheidende Rolle der Wettervorhersage für landwirtschaftliche Entscheidungen. Bill Kirk, Mitbegründer von Weather Trends International, hob die wachsende Notwendigkeit präziser Wettervorhersagen hervor, insbesondere angesichts zunehmend extremer Wetterereignisse. Er veranschaulichte, wie genaue Prognosen alles beeinflussen können – von der Aussaat bis hin zu Marktpreisen. Modellierungstechniken, die Landwirten und Agrarunternehmen strategische Voraussicht ermöglichen, wurden zwar erwähnt, doch wurde auch die Bedeutung qualitativ hochwertiger Daten und deren Interpretation, insbesondere im Hinblick auf die zunehmende Bedeutung von KI, hervorgehoben. Bill Kirk ist CEO von Weather Trends International, das unter dem Namen WeatherTrends360 firmiert. Das Unternehmen ist auf Wetterprognosen auch KI-gestützt spezialisiert, es verspricht kilometergenaue Präzision und saisonale Umsatzprognosen. Das Unternehmen bietet zudem FarmCast an, einen Jahreswetterbericht im Abomodell für Landwirte. Kirk prognostizierte in der Diskussion u.a. für Brasilien im Jahr 2026, dass der Frühling dort der kälteste seit drei Jahren und der nasseste seit 14 Jahren würde und er rechnet er mit einem Ertragsanstieg von 8 % gegenüber der letztjährigen Rekordernte. Dagegen würde der US-amerikanische Maisgürtel den kühlsten Frühling seit sieben Jahren erleben, aber den trockensten seit drei Jahren, eventuell mit Frost im Mai in den USA, der Ukraine und Nordostchina. Trotz eines insgesamt trockeneren Sommers 2026 werde die US-Ernte voraussichtlich ordentlich ausfallen, was aber kaum zu höheren Preisen beitragen werde. Erst 2027 rechnet er mit einem leichten Anstieg der Rohstoffpreise.
„Ich bin etwas pessimistisch, was den Frühling angeht. Im Mai könnte es zwar zu einem leichten Preisanstieg kommen, aber da bis März oder April große Mengen Getreide aus Brasilien importiert werden, werden die Preise nicht so stark steigen“, so Bill Kirks Prognose für das Jahr 2026.
Bill Kirk und Lisa Faust Prater im Wetter-Auswirkungs-Panel beim WIA-Gipfel 2025 (Foto: WIA).
Die Rolle der KI in der modernen Agrarwirtschaft
Dank der Fähigkeit von KI, riesige Datenmengen schnell zu verarbeiten, haben sich Entscheidungsgeschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit erhöht. Doch Natalja Skuratovic, Senior Account Executive bei Earth Daily Agro, warnte:
„Die Antworten der KI sind nur so gut wie die Daten, die sie verarbeitet.“
Sie betonte, dass es unerlässlich sei, sich Zeit für die Überprüfung der Ergebnisse zu nehmen und vertrauenswürdige Datenquellen zu nutzen, um kostspielige Fehler zu vermeiden. John Coleman von Parametric Agriculture, Nordamerika, Munich Re, stellte den Teilnehmern der WIA innovative Finanzinstrumente wie parametrische Derivate vor, mit denen sich Agrarunternehmen gegen wetterbedingte Risiken absichern können. Anhand von Praxisbeispielen verdeutlichte er, wie diese Instrumente für Unternehmen mit schwankenden Ernteerträgen unerlässlich sind und wie Datenanalysen nicht nur die betriebliche Effizienz steigern, sondern auch wirtschaftliche Interessen durch die Bereitstellung wichtiger finanzieller Sicherheit schützen.
John Coleman und Natalja Skuratovic sprechen auf dem WIA-Gipfel 2025 (Foto: WIA).
Die Welt ist vernetzter denn je, und die Auswirkungen des Wetters auf die Landwirtschaft sind globaler denn je. Zwar können Fruchtwechsel und integrierter Pflanzenschutz helfen, Wetterextreme abzufedern, doch ein Hurrikan im Südosten der USA führt dennoch zu verheerenden Schäden an Nutzpflanzen und Viehbeständen mit Folgen, die sich durch die gesamte globale Lieferkette ziehen. Eine Dürre, wie jene, die 2024 zu einem Rekordtiefstand des Wasserstands im Panamakanal führte, reduzierte die täglichen Schiffsdurchfahrten um mehr als ein Drittel und verursachte erhebliche Störungen im Welthandel, die sich das ganze Jahr über auswirkten. Im vergangenen Jahr ermöglichten die sehr günstigen Bedingungen für den Sojaanbau in Brasilien zudem, die Sojabohnenexporte nach China deutlich zu steigern und damit die zuvor aus den USA kommenden Bestellungen zu ersetzen.
„Landwirte achten zunehmend auf internationale Wettermuster, da der globale Wettbewerb und die schwankende Marktnachfrage letztendlich über das Schicksal der landwirtschaftlichen Betriebe entscheiden“, bemerkte Moderatorin Lisa Faust Prater, leitende Redakteurin von Successful Farming.
Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass KI ein wichtiger Bestandteil der Prognoseerstellung ist, aber die KI nur so gut ist, wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird und nicht jede Frage beantworten kann. Meteorologen und andere Experten seien deshalb für präzise Wettervorhersagen weiterhin unerlässlich.
„KI beschleunigt alles. Sie ist wirklich gut darin, große Datenmengen zu verarbeiten und Antworten in Sekundenschnelle zu liefern, wofür man früher Stunden brauchte. Aber sie ist nicht unbedingt genauer, also Vorsicht,“ erklärt Bill Kirk.
Munich Re Trading bietet landwirtschaftlichen Unternehmen Derivate in den Bereichen Wetter, Ernteertrag und Naturkatastrophen an. John Coleman erklärte, sein Unternehmen biete parametrische Produkte an, die Daten zu Wetter, Ernteerträgen und Naturkatastrophen nutzen, um Auszahlungen zu steuern, anstatt wie bei traditionellen Versicherungen auf Sachverständige und Schadensregulierungsverfahren zurückzugreifen. Die ZUsammenarbeit mit Transportunternehmen oder Reedereien böte zudem die Möglichkeit, sich gegen diese wetterbedingte spezifischen Risiken - wie Austrocknung von Flüssen oder Überschwemmungen - entlang der Lieferkette abzusichern.
„Unsere Botschaft lautet nicht Risikoprognose, sondern Risikominderung. Wir arbeiten mit allen Akteuren der Lieferkette zusammen, die nicht Landwirte sind, um ihnen zu zeigen, wie sie ihr Risiko hinsichtlich der lokalen Erntemenge absichern können“, so John Coleman.
Die erfahrenen Referenten und Branchenexperten des Panels zeigten, wie die Kombination von Wetterdaten, KI und strategischen Finanzinstrumenten die Zukunft der Landwirtschaft prägt. Obwohl weiterhin Herausforderungen hinsichtlich Genauigkeit und Datenqualität bestehen, ermöglichen diese technologischen Fortschritte Landwirten und Agrarunternehmen, wichtige Erkenntnisse zu gewinnen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und so die Widerstandsfähigkeit und Rentabilität des Agrarsektors zu sichern.
Der Women in Agribusiness Summit 2025 begrüßte über 700 Teilnehmerinnen aus 40 US-Bundesstaaten und 8 Ländern sowie 200 teilnehmende Unternehmen, mehr als 60 Branchenexpertinnen und -experten, über 25 Stunden Networking und zahlreiche Sonderveranstaltungen. Für das Jahr 2026 ist der Termin für den 15. WIA Summit vom 22. bis 24. September 2026 in New Orleans.
Mit dem ersten Schneefall beginnt in der Rolle Mühle die Weihnachtszeit und die Stollenprüfung.
2025
12/10/2025
170 Jahre C.F. Rolle Mühle
In den Fenstern der Häuser der Gemeinde Grünhainichen leuchten die typischen hölzernen Schwibbögen, die einst den Bergleuten den Heimweg wiesen. Hier im deutschen „Weihnachtsland“, wie sich die Region selbstbewusst nennt, steht die Rolle Mühle am Fluss Zschopau. In dem historischen Mühlengebäude von 1924 findet die Stollenprüfung des „Erzgebirgischen Stollenverbands“ statt.
Die Gebäude der Rolle Mühle neben der Zschopau im Zschopenthal in Grünhainichen (Foto: Patrick Buhl).
Es riecht nach frischem Mehl, Hefe und Gewürzen. Die Stollen mit ihrer weißen pudrigen Hülle gehören im Erzgebirge zur Adventszeit und sollen an das eingewickelte Jesuskind erinnern. Seit 2010 bündelt der Verband die Kunst der Stollenbäcker. Die Initiative dazu kam von der Familie Rolle, die das Stollenmehl an die Handwerksbäcker der Region lieferte und in der Vermarktung der Stollen weiteres Potential sah. Mitglieder des Verbandes, die die Vorgaben für Rosinen- und Mandelstollen einhalten und die Stollenprüfung bestehen, dürfen ihren Laib nun „Original Erzgebirgischer Weihnachtsstollen“ nennen. Ähnlich streng handhaben die Dresdner Bäcker ihre Marke „Original Dresdner Christstollen“, der nur in Dresden gebacken werden darf.
Bei der Stollenprüfung (v.l.n.r.): Stollenprüfer André Bernatzky mit den Mitarbeitern der Rolle Mühle Liane Ihle, Anne Rolle-Baldauf, Frank Rolle und Ralph Schweigert (Foto: Sabine Kemper).
Mehr Mehl und Mandeln
Für die Stollenprüfung verwandelt sich der Seminarraum der Rolle Mühle in ein Prüflabor. Die Stollen werden in den Bäckereien eingekauft, registriert und anonymisiert. Die Laibe erhalten eine neutrale Hülle mit Nummer. Als Prüfer reist André Bernatzky an, Leiter der Bäckerfachschule Dresden und erfahrener Stollenkenner. Er bewertet Rosinenstollen und Mandelstollen nacheinander und prüft Form, Oberfläche, Krume, Anschnitt, Geruch und Geschmack.
Links ist ein gut gebackener Stollen zu sehen, rechts hat der Stollen eine zu dunkle und breite Kruste. Jeder Stollenbäcker erfährt, wo seine Prozesse noch verbessert werden könnten (Foto: Sabine Kemper).
Wie locker liegen die Rosinen verteilt, wie saftig bleibt der Teig und wie harmonisch wirken Butter, Zucker, Mandeln, Zitronat und Orangeat zusammen. Und nicht zuletzt: Wie gut lässt sich der Stollen schneiden, ohne in Krümel zu zerfallen. „Es ist fast wie bei einer Blindverkostung von Wein, nur satter“, so Anne Rolle-Baldauf, die mit ihrem Bruder Frank Rolle in der sechsten Generation die Mühle leitet. Die besten Erzeugnisse erhalten Urkunden in Bronze, Silber oder Gold und viele Bäcker hängen diese Auszeichnungen gut sichtbar in ihre Ladenlokale.
Konditormeisterin Stefanie Rauch freut sich über „Gold“ für ihre Bäckerei Nestler in Zschopau. Sie backt die Stollen in Handarbeit nach Familienrezept (Foto: Sabine Kemper).
André Bernatzky versteht die Prüfung nicht als Konkurrenzschau, sondern als handwerkliche Standortbestimmung:
„Ich komme jedes Jahr gerne ins Erzgebirge, die Stollen hier sind in der Regel zu empfehlen und schmecken mir persönlich sehr“.
Der Stollen ist für Prüfer André Bernatzky ein Stück Erzgebirge und ein Stück deutscher Weihnachtstradition (Foto: Sabine Kemper).
Jede Backstube hat einen Mandel- und einen Rosinenstollen im Rennen um Gold, Silber und Bronze (Foto: Sabine Kemper).
Von Hand gebacken und mit langen Ruhezeiten ist der Erzgebirgsstollen ein Gebäck mit Bodenhaftung, genau wie die Menschen hier.
„Die Vorstellung, was ein guter Stollen ist, variiert regional“, erklärt Anne Rolle-Baldauf, „beim erzgebirgischen Stollen ist ein bisschen mehr Mehl dran – was uns als Müller natürlich freut“.
Zudem gebe es keine Gewichtsbegrenzung nach unten, anders als in Dresden, wo erst ab 500 Gramm das goldene Siegel verliehen wird. In der kommenden Woche steht für Anne Rolle-Baldauf und Frank Rolle ein Termin in der Sächsischen Staatskanzlei an. Zum Adventssingen wird der Ministerpräsident persönlich mit dem Stollenmesser den Erzgebirgsstollen anschneiden. Frank Rolle sieht im Zusammenschluss der Stollenbäcker einen großen Vorteil:
„Wir werden als Verband wahrgenommen. Sonst kämpft jeder für sich allein.“
Anne Rolle-Baldauf mit dem Stollenmesser. Die Klinge muss leicht durch den Teig gleiten. Die Oberfläche, die Krumenausbildung und das Schnittbild sind entscheidend bei der Stollenprüfung. Und vor allem muss der Stollen in der Mitte angeschnitten werden (Foto: Sabine Kemper).
Deutsch-deutsche Mühlengeschichte
Die Rolle Mühle steht auf historischem Grund. Bereits 1563 wurde sie in den Steuerlisten erwähnt. Ihre Geschichte als Unternehmen der Familie Rolle beginnt 1856, als der Bäckermeister Carl Friedrich Rolle das Anwesen erwirbt. Sein Porträt hängt noch heute im Büro und nach ihm trägt die C. F. Rolle GmbH ihren Namen. Im 20. Jahrhundert geriet das Privatunternehmen unter Druck, konnte aber der großen Enteignungswelle im Jahr 1960 entgehen. Dennoch verstaatlichte die SED im Jahr 1972 die private Mühle zum volkseigenen Betrieb der DDR. Hans Rolle wurde Betriebsleiter und hielt die Technik weitgehend in Schuss.
„Das war unser Glück“, sagt Frank Rolle heute. „Oft setzte die Partei irgendwelche fachfremden Funktionäre ein, die den Betrieb herunterwirtschafteten. Großvater blieb und hielt die Substanz zusammen.“
Frank Rolle im Lager seiner Mühle. Kurz vor Weihnachten ist viel zu tun und zu versenden (Foto: Patrick Buhl).
Unter der Mängelwirtschaft organisierte Hans Rolle mit Einfallsreichtum Ersatzteile und Fahrzeuge. Das war nicht immer ungefährlich, auch weil die Familie gläubig und politisch unabhängig blieb. Nach der Wende konnte er schon zum 1. Mai 1990 die Mühle zurückkaufen. Später erhielt er endlich Einsicht in seine umfangreiche Stasiakte.
Neue Wege mit Bio
Mit der Wende brachen Absatzwege weg und Kunden stellten ihr Einkaufsverhalten um. Thomas Rolle, ausgebildeter Lebensmitteltechnologe, übernahm die Geschäftsführung und suchte neue Geschäftskonzepte. Die Antwort hieß Bio. Im Jahr 1993 vermahlte die Rolle Mühle die ersten Biopartien aus sächsischem Anbau und begann ein ergänzendes Biosortiment aufzubauen.
„Damals wussten Kunden nicht genau, was Bio ist“, erinnert sich Anne Rolle-Baldauf. „Wir mussten Pionierarbeit leisten, sind zu den Bäckern gegangen, haben Verkäuferinnen geschult, Poster gedruckt, ein Rundum-sorglos-Paket geschnürt.“
Kurz vor Weihnachten war es eine Herausforderung den Mühlenladen von Familie Rolle leer zu fotografieren. Viele Kunden kauften Stollenmehl oder andere Köstlichkeiten (Foto: Sabine Kemper).
Heute bezeichnet sich die Geschäftsführerin als Spezialistin für Spezialprodukte. Ein Beispiel dafür ist der Gelbweizen, der auf ihre Initiative hin in der Region angebaut wird. Rund 100 t dieser alten Getreidesorte werden jährlich geerntet und in der Mühle vermahlen. Abnehmer sind Bäcker und Kleinverbraucher. Der hohe Carotinoidgehalt des intensiv gelb gefärbten Mehles sorgt für einen nussigen Geschmack.
Zukunftsfähig mit Wasserkraft
Heute liegt der Bioanteil der Mühle bei deutlich über 60 % der Gesamtproduktion. Mit rund zwei Dutzend Beschäftigten und einer Vermahlungsleistung der Mühle von 50 t/Tag fertigt die Familie heute eine breite Palette von Produkten in sowohl konventioneller als auch Bioqualität: Mehr als die Hälfte der Erzeugnisse ist nach Bioland-, Gäa-, Naturland- oder Demeter-Standards zertifiziert.
Typisch für das historische Gesicht des Gebäudes ist sein Farbkonzept, welches gute Laune machen soll. Die neuen Maschinen erhielten eine farbige Verkleidung und verbinden so Tradition mit moderner Verfahrenstechnik (Foto: Sabine Kemper).
Die Qualität der Rohstoffe wird täglich im hauseigenen Labor kontrolliert. Ihre Zukunftsfähigkeit beweist die Mühle auch mit der im Jahr 2020 modernisierten Vermahlung. Die Walzenstühle der Firma Kastenmüller aus Martinsried mit variabler Antriebstechnik Vario-S und neue Plansichter erhöhen die Kapazität um 10 t pro Tag. Dank der hinterlegten Programme und Rezepte ist bei mindestens zwei Produktwechseln pro Tag eine schnellere Umstellung der Walzenstühle möglich (siehe auch M+M Ausgabe 10/2022).
Plansichter eingebaut von der Firma Kastenmüller aus Martinsried (Foto: Sabine Kemper).
Rohre der Firma Sallhofer und individuelles Klappenmanagement mit Typenzahl (Foto: Sabine Kemper).
Die modernen Maschinen sind an das Farbkonzept der Mühle angepasst, das auf Handzeichnungen von Großvater Hans Rolle basiert. Die Farbgebung soll dazu beitragen, dass sich die Mühlenmitarbeiter wohlfühlen: freundlich, hell, farbenfroh.
Das mühleneigene Wasserkraftwerk an der Zschopau mit seinen zwei Turbinen mit einer Gesamtleistung von 220 kW deckt weiterhin den Energieverbrauch des Betriebs. Auch hier hat Großvater Hans Rolle für die nächsten Generationen mitgedacht, u.a. 1992 mit dem Einbau einer neuen Kaplan Turbine mit einer Leistung von 170 kW und im Jahr 2011 mit dem Bau einer Fischaufstiegstreppe. Das Wasserkraftwerk spart jedes Jahr mehrere tausend Tonnen CO2 ein. Die Mühle mit ihrer regenerativen Energieversorgung steht für Beständigkeit, ebenso wie die Rezepte der Stollen, die von Generation zu Generation wandern und Kriege, politische Systeme und wirtschaftliche Krisen überstehen.
Die Rolle Mühle deckt ihren Energieverbrauch aus dem Wasser der Zschopau. Das eigene Wasserkraftwerk wird von einer Kaplan S-Rohrturbine mit 170 kW Leistung betrieben (Foto: Sabine Kemper).
Draußen ist es dunkel geworden und fallende Schneeflocken glitzern im Licht der Hoflampen. Die Prüfung ist beendet, die Sieger stehen fest. Bald wird der Duft von frisch gebackenem Stollen durch die Wohnzimmer von Annaberg bis Zwickau ziehen. Ein Teil des Weihnachtszaubers im Erzgebirge nimmt seinen Anfang hier, bei der Familie Rolle, die seit 170 Jahren dafür sorgt, dass dem Weihnachtsland das Mehl nicht ausgeht.
Daniel Laubscher folgt auf Heinz Brand und übernimmt die strategische Führung der SWISCA AG.
2025
12/4/2025
Daniel Laubscher wird neuer CEO der SWISCA AG
Daniel Laubscher bringt fast 20 Jahre Führungserfahrung in der Maschinenbaubranche mit. Der in den USA geborene Schweizer war zuletzt Chief Technical Officer eines weltweit führenden Industrieunternehmens in Liechtenstein. Von 2007 bis 2016 leitete er die Forschung und Entwicklung eines international tätigen Schweizer Technologiekonzerns. Mit seiner ausgewiesenen Erfahrung in der Mühlenindustrie und einem Executive MBA verfügt Laubscher über die nötige Expertise, um SWISCA in die nächste Wachstumsphase zu führen.
"Ich freue mich sehr darauf, die Verantwortung für SWISCA zu übernehmen und zusammen mit einem erfahrenen Team die Zukunft der Mühlentechnologie aktiv mitzugestalten", sagt Laubscher.
Daniel Laubscher wird per 1. Januar 2026 neuer CEO und folgt auf Heinz Brand (Foto: Swisca).
Der bisherige CEO Heinz Brand wechselt an die Spitze des Verwaltungsrats. Die Mitglieder Dr. Peter-Paul Stengel, Peter Heinrich Steindl und Philippe Robert Kummli führen ihre Ämter fort.
SWISCA hat sich seit der Gründung 2018 als Technologieführer in der Mühlentechnologie etabliert. Das Unternehmen konzipiert und realisiert als umfassender Lösungsanbieter für die Mühlenindustrie das gesamte Leistungsspektrum – von einzelnen Maschinen und Komponenten wie Verwiegesystemen, Walzenstühlen und Plansichtern bis hin zu kompletten Mühlen. Die energieeffizienten und lebensmittelsicheren Anlagen werden an führende Lebensmittelhersteller in über 50 Länder exportiert und wurden mehrfach international ausgezeichnet.
"Der Slogan 'Next Generation' ist für uns mehr als ein Versprechen", sagt Heinz Brand. "Wir entwickeln Mühlentechnologie von und für die nächsten Generationen. Mit der neuen Führungsstruktur und dem geplanten neuen Hauptsitz in Herisau schaffen wir die Basis für weiteres Wachstum."
So kann SWISCA seine Position als Premium-Anbieter für nachhaltige Mühlentechnologie weiter ausbauen.
Gemeinsam werden die beiden Fellows die Innovationsagenda von Bühler weiter vorantreiben.
2025
12/2/2025
Bühler ernennt zwei neue Fellows
«Béatrice Conde-Petit und Markus Hofer haben jeweils aussergewöhnliche Beiträge für Bühler geleistet», sagte Stefan Scheiber, CEO der Bühler Group. «Ihre Arbeit hat technologische Fortschritte vorangetrieben, Strategien für unsere Kerngeschäfte geprägt und unsere Nachhaltigkeitsziele vorangebracht. Als Bühler Fellows werden sie weiterhin die Vordenkerrolle, Talentförderung und Beratung übernehmen, die ihre Karrieren ausgezeichnet haben.»
Markus Hofer, Verfahrenstechniker, ist seit mehr als 30 Jahren bei Bühler tätig und hat zu wichtigen technologischen und geschäftlichen Entwicklungen beigetragen, die die Position von Bühler in den Bereichen Lebensmittelverarbeitung, Beschichtung und Materiallösungen gestärkt haben (Foto: Bühler Group).
Gemeinsam werden die beiden Fellows als Mentoren, Berater und Botschafter für technische Exzellenz im gesamten Unternehmen fungieren und die Innovationsagenda von Bühler weiter vorantreiben. Ihre Arbeit stärkt auch das breitere Netzwerk von Bühler, indem sie Industriepartner, Hochschulen, Start-ups, NGOs und Kunden mit dem Prozess- und Technologie-Know-how von Bühler zusammenbringen, um nachhaltige Lösungen für eine wachsende Weltbevölkerung zu entwickeln.
«Das Bühler-Fellowship würdigt Personen, die technische Exzellenz und den Kooperations- und Teamgeist verkörpern, der Bühler vorantreibt», sagte Ian Roberts, CTO der Bühler Group. «Unsere Fellows stehen beispielhaft für das Engagement und die Mentorschaft, die unsere Innovationskultur ausmachen. Durch ihre kontinuierliche Beratung werden wir den Fortschritt in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft beschleunigen und unseren Kunden helfen, ihr Geschäft auszubauen und gleichzeitig ihren ökologischen Fussabdruck zu verringern.»
Béatrice Conde-Petit, Lebensmittelwissenschaftlerin, Ingenieurin und Nachhaltigkeitsspezialistin, ist seit mehr als 15 Jahren bei Bühler tätig. Sie hat Initiativen geleitet, die die Lebensmittel- und Futtermittelverarbeitung vorangebracht und die Anlageneffizienz und Lebensmittelsicherheit verbessert haben. Conde-Petit hat Lebensmittelsicherheitsprogramme entwickelt und vorangetrieben und damit die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens mitgestaltet, indem sie einen Rahmen geschaffen hat, der Innovation mit messbaren Auswirkungen für die Kunden verbindet. Sie leitete die Integration von Nachhaltigkeit bei Bühler und leitete strategische Projekte, die Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft verbinden, um Kunden und Partnern einen Mehrwert zu bieten. Sie engagiert sich für die Förderung von Talenten, betreut Nachwuchswissenschaftler und -ingenieure, unterstützt Frauen in MINT-Berufen und arbeitet mit Partnern aus Wissenschaft und Start-ups zusammen, um Innovation und ethische Führung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu fördern. Conde-Petit wurde 2025 für ihre Beiträge zur Förderung der Unternehmensnachhaltigkeit und zur Förderung des Wandels mit dem Leading Women Award des World Business Council for Sustainable Development ausgezeichnet.
«Es ist eine Ehre, zum Bühler Fellow ernannt zu werden. Ich bin dankbar für diese Anerkennung und freue mich darauf, meine Erfahrung einzubringen, um Innovationen voranzutreiben. Ich möchte dazu beitragen, ein zukunftssicheres Lebensmittelsystem aufzubauen, das einen positiven Unterschied für die Gesellschaft und unsere Branche macht. Ich arbeite leidenschaftlich gerne eng mit Kunden und Partnern zusammen und möchte Talente fördern und begleiten, um diesen Beitrag zu erreichen», sagte Béatrice Conde-Petit.
Markus Hofer, Verfahrenstechniker, ist seit mehr als 30 Jahren bei Bühler tätig und für seine technische Kompetenz und strategische Führungsstärke in verschiedenen Geschäftsbereichen bekannt. Seine Erfahrung umfasst die Bereiche Forschung und Entwicklung, Produktmanagement und allgemeines Management sowohl im Lebensmittelbereich als auch im Bereich fortschrittlicher Werkstoffe, wo er zu wichtigen technologischen und geschäftlichen Entwicklungen beigetragen hat, die die Position von Bühler in den Bereichen Lebensmittelverarbeitung, Beschichtung und Werkstofflösungen gestärkt haben. Hofer hat an der Gestaltung von Technologie-Roadmaps, Geschäftsportfolios und strategischen Projekten mitgewirkt, die Bühler und seinen Kunden langfristigen Mehrwert bieten. So war er beispielsweise massgeblich an der Übernahme, Integration und Entwicklung von Leybold Optics beteiligt, das zu einer tragenden Säule des Geschäfts von Bühler geworden ist. Ebenso bekannt ist er für die Förderung junger Talente, die Betreuung von Ingenieuren und Innovationsteams und die Inspiration der nächsten Generation von Innovatoren bei Bühler durch Initiativen wie die Solar Energy Racers, ein After-Work-Programm für Auszubildende und junge Ingenieure, die solarbetriebene Autos für internationale Wettbewerbe entwerfen und bauen. Hofer ist Mitglied des Beirats der Empa, der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, und des Vorstands von RhySearch, wo er sein Fachwissen in den Bereichen Optik, Präzisionsfertigung und digitale Technologien einbringt. Darüber hinaus ist er langjähriger Juror und Mentor beim Start-up-Wettbewerb «Venture» der ETH Zürich und McKinsey.
«Ich schätze diese Anerkennung sehr. Während meiner gesamten Karriere bei Bühler hatte ich das Glück, mit talentierten Teams und führenden Kunden zusammenzuarbeiten, die die Grenzen der Technologie immer weiter verschieben. Als Bühler Fellow möchte ich weiterhin meinen Beitrag leisten, indem ich Wissen teile, Neugierde fördere und unseren Mitarbeitenden und Partnern zum Erfolg verhelfe», sagte Markus Hofer.
Das Bühler Fellowship-Programm ist die höchste Stufe der Bühler-Karriereleiter für Experten und wurde ins Leben gerufen, um Personen zu würdigen, die einen aussergewöhnlichen Beitrag zur technischen und strategischen Führung leisten, die Innovationsfähigkeit von Bühler stärken und die Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens und seines globalen Netzwerks fördern. Die Fellows werden in einem internen Verfahren nominiert und vom Executive Board aufgrund ihrer nachgewiesenen Fachkompetenz, ihrer geschäftlichen Bedeutung und ihres Engagements für die Förderung zukünftiger Talente ausgewählt.