Friedrich Köster Maschinenfabrik und Gießerei
ATEX-konforme Siloeinfahranlagen für mehr Sicherheit
Friedrich Köster Maschinenfabrik und Gießerei
ATEX-konforme Siloeinfahranlagen für mehr Sicherheit
.jpeg)
Friedrich Köster Maschinenfabrik und Gießerei
ATEX-konforme Siloeinfahranlagen für mehr Sicherheit
Silos gehören in vielen Mühlen zu den heikelsten Arbeitsorten. Die Friedrich Köster GmbH wurde 1861 in Heide in Schleswig-Holstein gegründet und produziert mit eigener Gießerei Seilwinden und Krane. Für Getreide- und Mischfutterbetriebe bietet das Unternehmen speziell entwickelte Siloeinfahranlagen an.
Köster entwickelte in enger Abstimmung mit der Uni Hohenheim in Stuttgart eine vollständig ATEX-konforme Siloeinfahranlage, die erste dieser Art in Deutschland. Sämtliche Komponenten der Anlage, von der Seilwinde über elektrische Bauteile bis hin zu mechanischen Elementen, entsprechen den einschlägigen ATEX-Vorgaben. Dadurch erhalten Betreiber eine Lösung, die Wartungs- und Inspektionsarbeiten im Silo sicher und normgerecht ermöglicht. Die Anlage entspricht allen aktuellen technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen und ist baumustergeprüft.
.jpeg)
Im Gespräch erläutern Michael Gerstenberg und Stephan Aßmann, warum Köster den Markt nach einer längeren Pause wieder aktiv bearbeitet, wie sie Sicherheitstechnik, Normen und Explosionsschutz abgrenzen und wo sie Risiken minimieren.
.jpeg)
M+M: Was produziert Ihre Firma, die Friedrich Köster GmbH, genau und wieso ist das interessant für Mühlenbetreiber?
Michael Gerstenberg: Wir bauen seit mehr als 100 Jahren Elektro,- und Hydraulikseilwinden für verschiedene Märkte. Das Produkt beinhaltet dementsprechend die Steuerungstechnik sowie Anbauten wie Gestelle und Fahrwerke. Einer der größten Märkte ist momentan die Windkraft / Offshore-Markt, wir sind aber auch im Bergbau/Mining oder auch in der Bühnentechnik bzw. Waggonbau aktiv. Daneben bedienen wir den Sondermaschinenbau und entwickeln zum Beispiel Personenbeförderungsanlagen für Müllverbrennungsanlagen. In den 1990er Jahren lieferten wir bereits auch vor allem die Elektrowinde für unsere Partner aus dem Mühlenbau, die die Gestelle bauten und das Gesamtprodukt vertrieben. Nach einer Änderung der Maschinenrichtlinie um 2010 stiegen diese Partner jedoch nach und nach aus. Die Normenkonformität und harte Rahmenbedingungen in den Mühlen waren hohe Hürden für unseren Einstieg in das Geschäft mit Siloeinfahranlagen. Das betrifft Gewicht, Handling, Montage und Demontage sowie Siloköpfe, die durch Rohrleitungen verbaut sind. Kurz gesagt, es hätte sich für uns nicht gerechnet.
M+M: Wieso sind Sie dennoch wieder dabei?
Michael Gerstenberg: Wir bekamen ein älteres Gestell eines Müllers zur Generalüberholung. Wir sahen an der Anlage, wie stark Betreiber diese umbauen, etwa mit nachträglicher Elektrifizierung oder Hydraulikantrieb. Das ist oft nicht zu verantworten. Diese umgebaute Anlage stand dann lange bei uns auf dem Hof. Eines Tages entschieden wir uns, zunächst intern, ein eigenes System zu entwickeln. Wir wechselten aus Gewichtsgründen auf eine kleinere Windenbauform und setzten konsequent auf ein Zweiseilprinzip mit Fangvorrichtung. Ein Mitarbeiter entwickelte dazu ein Aluminiumgestell. Parallel ließen wir ohne konkreten Kundenauftrag eine Baumusterprüfung durchführen. Und damit waren wir wieder, diesmal als Systemanbieter, im Markt.
M+M: Wie groß ist dieses Geschäftsfeld heute?
Stephan Aßmann: Wir bauen derzeit etwa zehn bis 15 Anlagen pro Jahr. Dazu kommen Service, Wartung und UVV-Prüfungen sowie Inbetriebnahme und Einweisung. Wir liefern inzwischen auch in die Schweiz und nach Österreich. Gleichzeitig sehen wir mehr Potential, denn wir treffen häufig auf Anlagen, die seit Jahrzehnten laufen und nicht mehr dem Stand der heutigen Technik entsprechen. Teilweise sind sie umgebaut oder sie basieren auf Konzepten, die bei neuen Prüfungen nur noch befristet freigegeben werden.
Bei Angeboten für eine neue Siloeinfahranlage vergleichen Betreiber dann oft den Preis eines Dreibaums mit dem einer Siloeinfahranlage. Jedoch umfaßt eine Einfahranlage mehr Technik, Redundanz und Steuerung und somit mehr Sicherheit für den Mitarbeiter. Eine Regel ist: unbedingt 2-seilig! Was, wenn ein Seil reißt? Deshalb brauchen wir die Redundanz im System.
Wichtig ist außerdem die Mobilität. Unsere Anlagen stehen auf Rollen und lassen sich von Öffnung zu Öffnung, oder auf unterschiedliche Böden, bewegen. Wir arbeiten zudem an immer kompakteren Varianten, die auch in enge Aufzüge passen.
Michael Gerstenberg: Unsere Techniker haben sich den Kopf zerbrochen, wie wir die Anlage in einen Fahrstuhl bekommen unter Einhaltung der Statik. Das war schon richtig spannend. Aber wir wollen entsprechend der Gegebenheiten und Bedürfnissen bei den Betreibern das Produkt weiterentwickeln.
M+M: Wie gehen Sie mit sehr unterschiedlichen Einbausituationen um, etwa Zellöffnungen an der Wand?
Stephan Aßmannt: Standardlösungen decken aus unserer Sicht den Großteil ab, aber einzelne Silos zwingen zu Varianten. Ein Beispiel sind Zellen direkt an der Wand. Dafür haben wir ein Gestell entwickelt, das nach vorn offen ist und bis zur Wand herangefahren wird.
Ein anderes Beispiel sind größere Hubhöhen. Neben typischen Auslegungen bieten wir auch Lösungen bis etwa 70 Meter Hub an, dann mit anderen Winden und Komponenten. Wir haben außerdem Varianten bei Sitzen, Fußstützen und Armlehnen, weil die Bediener den Komfort sehr konkret einfordern.
M+M: Sie betonen die ATEX-Vorgaben einzuhalten, wieso ist das wichtig?
Michael Gerstenberg: Wir starteten ursprünglich mit der Entwicklung eines Siloeinfahrgerätes entsprechend diverser Normen wie die DIN EN 1808 für Personenbeförderung als Arbeitsmittel. Diese Baumusterprüfung ist die Basis, weil Personen mit diesem System arbeiten und sich auf diese redundante Sicherheit verlassen. ATEX kommt als zusätzliche Regulierung oben drauf, wenn der Betreiber eine explosionsgefährdete Atmosphäre bewertet und Zonen festlegt. In unserem Marktsegment wird ATEX für Siloeinfahranlagen bisher noch selten explizit gefordert. Wir erwarten aber, dass das Thema mittelfristig an Bedeutung gewinnt, auch über Sachverständige und dem Druck, Anlagen einzusetzen zu müssen, die dem Stand der heutigen Technik entsprechen. Unsere ATEX-Siloeinfahranlage ist so konzipiert, dass Winde, elektrische Komponenten und mechanische Elemente den einschlägigen ATEX-Vorgaben entsprechen und die sichere Nutzung in Zone 22 ermöglichen. Wir wissen alle, dass es immer wieder durch Funken zu Unfällen und auch Todesfällen kommt. Wer in dem Bereich nicht nach den Vorgaben handelt, gefährdet sein Personal. Und da kommen nicht nur Versicherungen ins Spiel, sondern auch Gerichte.
M+M: Könnten externe Anbieter das Thema Silowartung übernehmen?
Michael Gerstenberg: Externe Dienstleister bleiben eine Option. Aus unserer Sicht trägt der Betreiber aber auch dann letztendlich ebenfalls die Verantwortung, wenn etwas passiert. Schließlich ist der Müller für seinen Betrieb verantwortlich und die Arbeiten, die er darin zuläßt. Im Schadensfall kann es auch bei Einsatz eines Fremdanbieters zu langen Stillständen kommen, gerade bei Personenschäden und bis Haftungsfragen mit der Versicherung geklärt sind. Wir wollen mit dem Systemansatz Betreibern zeigen, welche Sicherheitsniveaus der Markt heute technisch abbilden kann.
M+M: Werfen wir abschließend einen Blick in die Zukunft: Lohnt die Anschaffung Ihrer Anlage noch, oder übernehmen bald Roboter oder Drohnen die Silowartung?
Michael Gerstenberg: Ideen und KI-Videos gibt es dazu einige, aber der Markt entscheidet traditionell und vorsichtig. Vertikale Reinigung in einem dunklen, staubigen Silo stellt andere Anforderungen als etwa ein Poolroboter oder Staubsauger. Dazu kommen Fremdkörperrisiken, beispielsweise abfallende Schrauben oder Plastikteile, und die Frage, wie man Ergebnisse kontrolliert. Wir rechnen daher nicht kurzfristig mit einer Ablösung der personengeführten Siloreinigung.
.jpeg)
Bereits Abonnent der M+M Print oder Print plus Online ?
Als Abonnent der Mühle + Mischfutter erhalten Sie diesen Zugriff gratis.
Mühle + Mischfutter Online Abo inklusive M+ Online
Unbegrenzter Zugang zu allen M+ Inhalten
Regelmäßiger Newsletter
Bequemer digitaler Zugang
Unterstützung unabhängiger Fachberichterstattung
Meldungen zu diesem Artikel
Weiterlesen
Unsere Experten zu diesem Thema
Personen aus diesem Artikel
Firmen aus dem Artikel
Das Unternehmen besteht seit 1861 und befindet sich seit sieben Generationen in Familienbesitz. Es entwickelte früh technische Lösungen für neue Anforderungen und passte sein Portfolio wiederholt an Marktveränderungen an. Daraus entstanden die heutigen Bereiche Pumpen, Seilwinden, Bädertechnik, Guss und Stahlkomponenten, Stahlwasserbau und Armaturen. Die eigene Gießerei bildet bis heute das technische Zentrum und ermöglicht eine hohe Fertigungstiefe.


.jpeg)


.jpeg)
.jpeg)

.jpeg)
.jpeg)
.jpeg)

