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Schleswig-Holstein

Explosions- und Brandschutz für Mahlsysteme mit Hammermühlen

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Explosions- und Brandschutz in Hammermühlen: Tietjen erklärt Sensorik, Konstruktion und Betriebspraxis.
2026
3/5/2026
Explosions- und Brandschutz für Mahlsysteme mit Hammermühlen

Tietjen Verfahrenstechnik aus Hemdingen bei Hamburg beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Explosions- und Brandschutz für Mahlanlagen. Nach der Veröffentlichung der ersten ATEX-Richtlinie im Jahr 1994 begann Tietjen, sich auf konstruktive Maßnahmen zum Explosionsschutz in Hammermühlen zu konzentrieren. Bereits 1999 begannen die Prüfungen von druckstoßfesten Mühlen an deutschen Prüfinstituten. Nach der Umsetzung der ATEX-Richtlinie in nationales Recht im Jahr 2003 wurde der Explosionsschutz für alle Mühlen verbindlich vorgeschrieben.

Hammermühlen gehören zu den wichtigsten Prozessanlagen in der Schüttgutindustrie für die Zerkleinerung von Getreide, Holz, Biomasse oder anderen organischen Materialien. Aufgrund ihrer hohen Rotordrehzahlen, großen kinetischen Energien und der Verarbeitung brennbarer Stäube stellen sie jedoch typische Gefahrenquellen für Brände und Staubexplosionen dar. Ein wirksames Schutzkonzept muss daher sowohl den Explosionsschutz als auch den organisatorisch-technischen Brandschutz berücksichtigen.

Gefahrenpotenzial und Zündquellen

Hammermühlen erreichen Umfangsgeschwindigkeiten von rund 100 m/s. Wenn Fremdkörper wie Metallteile in die Mahlkammer gelangen oder wenn es aufgrund von Verschleiß zu Reibung kommt, können mechanisch erzeugte Funken entstehen. Darüber hinaus können überhitzte Lager, verstopfte Siebe oder schwelendes Material in der Mahlkammer zu erhöhten Temperaturen führen. Dadurch entstehen sowohl typische Explosionsgefahren als auch klassische Brandszenarien wie Schwelbrände oder Glutnester. Staubablagerungen in Rohrleitungen, Filterkammern oder auf Maschinenoberflächen erhöhen die Brandlast zusätzlich und begünstigen die Ausbreitung von Feuer oder heißen Gasen.  

Da sich Explosionen oder Brände über Förderschnecken, Filter, Silos oder Rohrleitungen ausbreiten können, müssen alle Systemkomponenten – von der Rohstoffaufnahme bis zur Produktabscheidung – berücksichtigt werden. Der Schutz vor Flammenübertragung, Brandgasen und Funken ist daher ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtsystems.  

Präventiver Explosions- und Brandschutz

Die erste Schutzebene besteht aus Maßnahmen, die sowohl Zündquellen verhindern als auch die Wahrscheinlichkeit einer Brandentwicklung minimieren. Die Abscheidung von Fremdstoffen mit Magnetabscheidern, Schwerteilabscheidern oder den Tietjen-Speisungen AGS und DA, die beides kombinieren, verhindert die Entstehung von Funken und reduziert die mechanische Belastung der Mühle.  

Ebenso wichtig ist eine umfassende Sensorik: Temperaturüberwachung an Lagern und in der Mahlkammer, Motorstromüberwachung zur Erkennung von Blockaden sowie Vakuum- oder Füllstandsüberwachung. Diese Sensoren müssen ATEX/NEC 500-konform sein und bei Grenzwertüberschreitungen automatisch ein Signal geben oder die Mühle abschalten.

Darüber hinaus müssen alle Rohrleitungen und Komponenten zuverlässig geerdet sein, um elektrostatische Zündgefahren zu vermeiden. Aus Sicht des Brandschutzes sind eine staubarme Anlagenkonstruktion, regelmäßige Reinigung und konstruktive Maßnahmen zur Verhinderung von Materialansammlungen von entscheidender Bedeutung. Diese reduzieren die Brandlast und senken das Risiko von Schwelstellen erheblich.  

Konstruktiver Explosionsschutz

Da vorbeugende Maßnahmen keine absolute Sicherheit garantieren können, werden konstruktive Schutzvorrichtungen hinzugefügt. Tietjen-Mahlsysteme sind so konstruiert, dass sie Explosionsdrücken (typischerweise 0,4 bar) standhalten, sodass wichtige Komponenten wie Mühlengehäuse, Filter, Förderschnecken und Rohrleitungen einer Explosion standhalten können. Darüber hinaus verhindern Zellenradschleusen und zusätzliche Sicherheitsvorrichtungen in den Zuführsystemen die Übertragung von Druck und Flammen in angrenzende Anlagenbereiche. Das A-Vent-Luftansaugventil, ein typgeprüftes Schutzsystem, das für die Luftansaugung der Zuführvorrichtungen entwickelt wurde, schließt bei einer Explosion innerhalb von Millisekunden und verhindert so zuverlässig die Ausbreitung von Druck und Flammen.  

Hammermühle mit Fremdkörperabscheider und Luftansaugventil A-Vent (Tietjen Verfahrenstechnik GmbH)

Schutzsysteme für die flammenlose Druckentlastung, wie das E-Vent-Überdruckventil, öffnen sich bei Überdruckaufbau. Sie lassen die Explosion kontrolliert in die Umgebung entweichen und verhindern so Schäden an der Mühle und der Mahlanlage. Die integrierte Flammendurchschlagsperre verhindert die Ausbreitung der Flamme in die Umgebung.  

Brandmelde- und Löschmaßnahmen

Die Erkennung potenzieller Brandereignisse ist ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. Funkenerkennungssysteme in Förderleitungen verhindern, dass glühende Partikel in den Filter gelangen. CO-Sensoren oder Brandgasdetektoren in der Abluft erkennen Schwelbrände frühzeitig, während Temperaturanstiegsdetektoren an Filtern und Behältern auf Glutnester hinweisen.  

Zur Brandbekämpfung stehen verschiedene Systeme zur Verfügung: automatische Funkenlöschanlagen, Hochdruck-Wassernebel zur Kühlung von Kanälen, manuelle Löschstellen und – je nach Anlagenkonzept – CO₂-Inertisierungssysteme, die die Mühle oder den Filter inertisieren und so Schwelstellen ersticken.  

Organisatorische Maßnahmen

Ein Schutzkonzept ist nur so wirksam wie seine konsequente Umsetzung im Betrieb. Das Personal muss darin geschult sein, Störungen zu erkennen, mit Funken- oder Feueralarm umzugehen und im Falle eines Brandes oder einer Explosion angemessen zu reagieren. Dokumentierte Reinigungs- und Inspektionsintervalle sind unerlässlich, um Staubansammlungen, Verschleiß oder defekte Komponenten rechtzeitig zu erkennen. Sicherheitsrelevante Komponenten wie A-Vent, E-Vent oder Zellenradschleusen erfordern jährliche Inspektionen und mindestens alle drei Jahre eine gründliche Reinigung. Reparaturen und Eingriffe in das Schutzsystem müssen durch einen Freigabe- und Kontrollprozess dokumentiert werden.

Fazit

Der Explosions- und Brandschutz für Hammermühlen umfasst ein ganzheitliches Sicherheitskonzept, das präventive, konstruktive, detektionsbasierte und organisatorische Maßnahmen kombiniert. Nur das abgestimmte Zusammenspiel dieser Elemente verhindert zuverlässig, dass Funken, Überhitzung, Fremdkörper oder Staubablagerungen zu einem Brand oder einer Staubexplosion führen. Ein modernes, gut gewartetes Schutzsystem schützt Mitarbeiter, Anlagen und Gebäude, minimiert Produktionsausfälle und erfüllt alle gesetzlichen und versicherungstechnischen Anforderungen. Ein umfassender Explosions- und Brandschutz ist daher nicht nur aus Sicherheitsgründen unerlässlich, sondern auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für einen störungsfreien und effizienten Anlagenbetrieb.

Explosions- und Brandschutz für Mahlsysteme mit Hammermühlen
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Mühle
Interview
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Nordrhein-Westfalen

Jan Cordesmeyer zu EU-Berichtspflichten und Lieferketten

EU-Verordnung
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Politik
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Verband
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Jan Cordesmeyer im Interview, welche EU-Regeln die Getreidebranche betreffen und wie Betriebe planen können.
2026
3/4/2026
Jan Cordesmeyer zu EU-Berichtspflichten und Lieferketten

European Flour Millers ist der Verband, der die europäischen Mehlmühlen auf europäischer Ebene vertritt. Seine Mitglieder sind die nationalen Verbände aus 28 europäischen Ländern. Da er in seiner Funktion über 9% der Vermahlungskapazität in Europa repräsentiert, kann er die Interessen der Branche glaubwürdig und fundiert vertreten.

M+M: Die EU verschiebt die EUDR-Umsetzung um ein Jahr. Bedeutet das für die Mühlen eine Entspannung an der Datenfront?

Jan Cordesmeyer: Es hat sich bei der EUDR ja nicht nur der Zeitpunkt des Inkrafttretens geändert. Zusätzlich sind Entlastungen für weiterverarbeitende Unternehmen geschaffen worden. Damit wurde eine wichtige Forderung der getreideverarbeitenden Branche erfüllt, für die wir uns sowohl als Unternehmen, als auch mit unseren Verbänden in Deutschland und Brüssel eingesetzt haben. Doch es besteht noch Klärungsbedarf über die genaue Umsetzung der reduzierten Pflichten. Generell gilt: Die EUDR betrifft reine Getreidemühlen bisher nicht oder allenfalls am Rande. Betroffene Weiterverarbeitungsunternehmen werden künftig die Warenrückverfolgbarkeit gewährleisten müssen, aber dies gilt ohnehin bereits für sämtliche Lebensmittel. Wir erwarten somit einen geringfügigen Umsetzungsaufwand.

M+M: Welche operativen Umstellungen kommen auf Mühlen- und Futtermittelbetriebe durch das Verpackungsrecht 2026 bis 2028 zu?

Jan Cordesmeyer: Die Frage ist sehr vielschichtig. Fest steht, dass durch die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, kurz PPWR, neue und weitreichende Anforderungen auf die Hersteller zukommen. Denn die PPWR sieht für Unternehmen unterschiedliche Pflichten vor, je nachdem, wo in der Kette sie sich befinden. Daher sollten die Unternehmen sich vor August 2026 damit auseinandersetzen, welche Pflichten auf sie zukommen können und welche Funktion sie in der Verpackungskette innehaben. In der Regel werden die Mühlen als „Erzeuger“ auftreten, für die viele wichtige PPWR-Pflichten gelten. So müssen sie die Konformität der Verpackung mit den Nachhaltigkeits- und Kennzeichnungsanforderungen nachweisen. Und hier fängt das Problem an. Die PPWR sieht vor, dass viele Anforderungen durch delegierte Rechtsakte der EU konkretisiert werden, zum Beispiel zur Recyclingfähigkeit. Und so gelten derzeit noch gestaffelt nach Jahren unterschiedliche Voraussetzungen, die erst nach und nach konkretisiert werden. Denn die delegierten Rechtsakte liegen noch nicht für alle Fragen vor. Zum Beispiel gelten ab dem 12. August 2026 Stoffbeschränkungen und Grenzwerte etwa bei PFAS. Auch die Konformitätsbewertung muss bis dahin erfolgen.

Die Kennzeichnungspflicht mit QR-Code gilt erst ab 12. August 2028, der delegierte Rechtsakt zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen soll erst 2028 kommen. Auch hat der deutsche Gesetzgeber das Verpackungsrechts-Durchführungsgesetz (VerpackDG) noch nicht verabschiedet, das zur nationalen Umsetzung der europäischen Verpackungsverordnung dient. Es wird davon ausgegangen, dass das Gesetzgebungsverfahren im ersten Quartal 2026 durchlaufen ist. Danach muss es vermutlich noch von der EU-Kommission notifiziert werden. Es ist daher derzeit noch nicht abschließend zu beurteilen, welche einzelnen Umstellungen die Betriebe vornehmen müssen. Der VGMS ist hier aber kontinuierlich dabei, seine Mitglieder über den aktuellen Sachstand zu informieren und für die Interessen seiner Mitglieder in den einzelnen Verfahren einzutreten.

M+M: Produktsicherheit gilt als der härteste Kern der Compliance. Wie gehen Mühlen mit immer neuen Grenzwerten, etwa bei MOAH, um, ohne dass die Versorgungssicherheit leidet oder die Kosten durch reine Analytik explodieren?

Jan Cordesmeyer: Zunächst einmal ist festzuhalten: Die Müllerei steht für hohe Verlässlichkeit und für sichere Lebensmittel. Aber Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Wir dürfen nicht in eine Falle tappen, in der wir nur noch „Analytik um der Analytik willen“ betreiben. Wenn neue Grenzwerte oder Bewertungsansätze (wie aktuell bei MOAH oder anderen Kontaminanten) diskutiert werden, muss immer auch die Praktikabilität und die Versorgungssicherheit mitgedacht werden. Ein Grenzwert nützt niemandem, wenn er technisch nicht beherrschbar ist oder die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln gefährdet. Wir reagieren darauf nicht mit blindem Aktionismus, sondern mit einem präventiven System, das wir seit Jahren stetig verfeinern. Das umfasst im Kern drei Säulen:
Technische Prävention: Wir investieren massiv in moderne Technik. Das reicht von Farbauslesern zur Reinigung bis hin zum Staubmanagement und dem Einsatz spezieller Lebensmittelschmierstoffe. Unser Ziel ist es, potenzielle Kontaminationsquellen von vornherein physikalisch auszuschließen.
Smarte Labor- und Probenstrategie: Anstatt pauschal mehr Proben zu ziehen, fokussieren wir unsere Budgets auf die wirklich kritischen Punkte. Wir nutzen Screening-Methoden zur Früherkennung und arbeiten eng mit akkreditierten Laboren und unseren Verbänden zusammen. Insbesondere das Europäische Getreidemonitoring ist hier eine große Unterstützung.
Partnerschaftliche Lieferketten: Wir fordern Qualitäten nicht nur ein, wir fördern sie im Dialog mit unseren Lieferanten. Das fängt bei der Saatgutwahl an und hört bei der Logistik auf.
Kurz gesagt: Ein neuer Grenzwert stülpt unsere etablierten Prüfpläne nicht komplett um. Wir passen unsere Risikoanalysen und Freigabeprozesse kontinuierlich an. Die Müllerei ist hier seit Jahren Vorreiter. Wir liefern Sicherheit durch Systematik, nicht durch Zufall.

M+M: Die Halbierung der Mutterkorn-Alkaloidgrenzwerte ab 2028 halten Sie für kaum umsetzbar. Was empfehlen Sie der Branche?

Jan Cordesmeyer: Die Reinigung von Getreide ist unsere Kernkompetenz und wir sind technologisch heute auf einem sehr hohen Niveau. Die geplante Halbierung der Alkaloidgrenzwerte zum Juli 2028 ist (besonders in feuchten oder auch sehr heißen Jahren mit hohem Befallsdruck) kaum flächendeckend einzuhalten. Wenn wir diese Verschärfung ohne Augenmaß durchziehen, riskieren wir zwei Dinge: Massive Lebensmittelverschwendung, weil Getreide in die Futtertröge wandert, und eine Gefährdung der Versorgungssicherheit mit regionalen Rohstoffen. Unsere Untersuchungen zeigen: In der Spitze haben mehr als 15% der Weizenmehle den Höchstgehaltswert von 50 µg nicht einhalten können, im Mittel der vergangenen Jahre sind es rund sechs Prozent des Weizenmehls, die den neuen Höchstgehalt verfehlen. In Zahlen heißt das: Von den knapp 8 Mio. t Weizen, die die Müllerei aktuell in Deutschland vermahlt, wären in der Spitze 1,2 Mio. t, das entspricht 48.000 Lkw-Ladungen, nicht verkehrsfähig. In den europäischen Gremien setzen wir uns massiv für die Beibehaltung von machbaren Höchstgehalten ein. Ohne verlässliche Alkaloid-Schnelltests ist die sichere Rohstoffbeschaffung zur Einhaltung des neuen Grenzwertes erheblich erschwert. Das ökonomische Risikosteigt: Erst wenn das Mehl vermahlen und final untersucht ist, herrscht Klarheit über dessen Verkehrsfähigkeit. Eine solche „Ex-post-Kontrolle“ ist weder für die Mühlen noch für die Gesellschaft ein akzeptabler, tragfähiger Weg.

M+M: Sie planen 2026 den Neubau einer Mühle. Welche EU-Regulierungen und Marktanforderungen beeinflussen heute schon die technische Auslegung Ihrer neuen Mühle und welche Punkte planen Sie in der Basic-Engineering-Phase fest ein, weil spätere Nachrüstungen teuer werden?

Jan Cordesmeyer: Beim geplanten Neubau der Mühle beeinflussen bereits heute EU-Regulierungen und Marktanforderungen maßgeblich die technische Auslegung. Zentrale Vorgaben ergeben sich aus dem EU-Lebensmittelhygienerecht (insbesondere VO (EG) 852/2004) sowie den HACCP-Grundsätzen, die eine klare Trennung von Hygienebereichen, reinigungsfreundliche Bauweisen und einen kontrollierten Material- und Personenfluss erfordern. Diese Anforderungen müssen frühzeitig in Gebäude-Layout, Produktionslogik und Reinigungsstrategie eingeplant werden, da spätere bauliche Anpassungen mit hohem Aufwand verbunden sind. Ein weiterer wesentlicher Einflussfaktor ist der Explosionsschutz gemäß ATEX-Richtlinien (2014/34/EU und 1999/92/EG). Staubexplosionsgefährdete Bereiche wie Mahl-, Förder- und Silozonen erfordern bereits in der Basic-Engineering-Phase fest definierte Zoneneinteilungen, explosionsgeschützte Anlagenkomponenten, Druckentlastungssysteme sowie Erdungs- und Absaugkonzepte. Nachrüstungen in diesem Bereich sind technisch komplex und kostenintensiv.

Zunehmend prägend sind außerdem Marktanforderungen an Rückverfolgbarkeit, Digitalisierung und Transparenz. EU-Vorgaben zur Lebensmittelkontrolle und Kennzeichnung erfordern durchgängige Chargenverfolgung vom Rohstoffeingang bis zum Versand. Daraus ergeben sich Anforderungen an den Materialfluss, die Automatisierung sowie die Integration der Datenerfassungssysteme in die Anlagenplanung. Zusätzlich beeinflussen Arbeitsschutz-, Umwelt- und Emissionsauflagen die technische Auslegung, etwa in Bezug auf Staub- und Lärmemissionen, Brandschutz und sichere Wartungszugänge. Diese Aspekte sind eng mit der Gebäude- und Anlagengestaltung verknüpft und lassen sich nur begrenzt nachträglich optimieren. Insgesamt müssen im Basic Engineering insbesondere Gebäude-Layout, Hygienekonzept, Explosionsschutz, Materialfluss und digitale Rückverfolgbarkeit verbindlich festgelegt werden, da sie die gesamte Anlage prägen und spätere Nachrüstungen unverhältnismäßig teuer oder betrieblich riskant wären.

M+M: Sie haben in Volkach beschrieben, wie Interessenvertretung funktioniert. Wie übersetzen Sie dies in messbare Ergebnisse und was können kleine und mittlere Betriebe beitragen, damit der deutsche Verband und die europäische Ebene in Brüssel mehr „Munition“ hat?

Jan Cordesmeyer: Die Interessenvertretung wirkt dann, wenn sie in belastbare Entscheidungsgrundlagen für Politik und Verwaltung übersetzt wird. Für Mühlen und Futtermittelhersteller bedeutet das: Aus Positionen werden Zahlen, reale Betriebsfolgen und überprüfbare Machbarkeit. Konkret übersetzen wir Interessenvertretung in messbare Ergebnisse, indem wir über nationale Verbände und europäische Plattformen (z. B. Primary Food Processors, sektorübergreifende Initiativen wie die Bread Initiative oder Ad-hoc-Koalitionen) über konkrete Sachlagen in unserer Branche informieren: technische Grenzen, Mehrkosten, Übergangszeiten und Risiken für Versorgungssicherheit. Diese Informationen dienen den Entscheidungsträgern und helfen dabei, nachhaltige und vernünftige Entscheidungen zu treffen. Jedes Mitgliedsunternehmen kann praktisch dazu beitragen, weil von uns der Realitätscheck geliefert werden muss. Praktisch beitragen können wir vor allem durch: konkrete Fallbeispiele (z. B. eine Linie, ein Standort, eine Umrüstung), harte Zahlen (CAPEX, OPEX, Stillstandszeiten, Platzbedarf), Machbarkeitsnachweise (was technisch geht und was nicht) sowie Vorher-/Nachher-Vergleiche statt abstrakter Einschätzungen. Saubere Datensätze aus realen Betrieben sind oft hilfreicher als allgemeine Stellungnahmen.

Beispiele, wo genau diese Mitarbeit den Ausschlag gab: ATEX- und Staubregelungen in Getreide- und Futtermittelanlagen. Hier haben konkrete Zahlen aus der Praxis dazu geführt, dass auf EU-Ebene Bestandsanlagen klarer von Neubauten abgegrenzt und Übergangsfristen verlängert wurden, stattpauschale Anforderungen einzuführen. Bei Nachhaltigkeits- und Reportingpflichten konnten Fallstudien belegen, dass bestimmte Datenerhebungen entlang der Lieferkette technisch nicht verfügbar oder wirtschaftlich unverhältnismäßig sind. Diese Nachweise flossen in die Argumentation für vereinfachte Anforderungen und spätere Anwendungstermine für kleinere Betriebe ein. Kurz gesagt: Verbände brauchen keine Meinungen, sondern überprüfbare Betriebsdaten.

Jan Cordesmeyer zu EU-Berichtspflichten und Lieferketten
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Riesentorlauf und Einkehrschwung

Getreideverarbeitung
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Müller
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Skiwoche Maria Alm: Riesentorlauf, Ehrungen und Austausch der Mühlen-, Mischfutter- und Getreidebranche.
2026
3/3/2026
Riesentorlauf und Einkehrschwung

Am Donnerstag konnten 62, am Freitag 140 und am Samstag sogar 145 begeisterte Skiwochenfans aus Deutschland und Österreich bei den Veranstaltungen begrüßt werden. Bestes Winterwetter und gut präparierte Pisten prägten die gesamte Woche. Den Auftakt der gemeinsamen Abendveranstaltungen bildete am Donnerstag der traditionelle Empfang mit Glühgin beim Moserwirt. Gerhard Wieser von der Lerchenmühle übernahm die offizielle Begrüßung und richtete den Blick auf einen sicheren und unfallfreien Verlauf der Woche. Überraschend erschien der Bürgermeister von Maria Alm, Rudolf Müllner. Er verwies in seiner Ansprache auf die inzwischen 55 Jahre währende Durchführung der Skiwoche am gleichen Standort und betonte die Verbundenheit zwischen der Veranstaltung und der Gemeinde. Zugleich stellte er in Aussicht, zum 60-jährigen Jubiläum über einen Veranstaltungssaal nachzudenken.

Am Freitag nutzten die Teilnehmer die präparierten Pisten sowie die gastronomische Infrastruktur der Region. Am Abend versammelten sich die Gäste auf Tom’s Almhütte am Natrun. Obmann Sepp Schwaiger vom Tourismusverband begrüßte die Anwesenden und würdigte die langjährige Treue der Teilnehmer zu Maria Almund zur Hochkönigregion. Er hob hervor, dass eine Veranstaltung mit einer Laufzeit von über fünf Jahrzehnten nur durch kontinuierliches organisatorisches Engagement aufrechterhalten werden könne. In diesem Zusammenhang dankte er Gabriele Czechtizky für ihren über Jahrzehnte andauernden Einsatz als Organisatorin und lud im Anschluss an die Ehrungen die Teilnehmer „auf ein Schnapserl” ein.

Im Rahmen des Abends wurden langjährige Teilnehmer für ihre Treue zur Skiwoche ausgezeichnet. Die Ehrungen umfassten Zeiträume von 20 bis 55 Jahren Teilnahme. Seit 55 Jahren dabei sind Eva und Anton Witzmann (Witzmann-Mühle) und seit 50 Jahren Franz Grabmer (ehemals Stiftsbäckerei St. Peter). Neben Urkunden und Anstecknadeln wurden kleine Präsente überreicht. Gabriele Czechtizky gab in ihrer Ansprache einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Skiwoche und verwies auf die konstant hohen Teilnehmerzahlen. Sie dankte dem Tourismusverband Maria Alm für die Unterstützung, dem Skiclub für die sportliche Durchführung des Rennens sowie der lokalen Gastronomie für die Kooperation bei den Abendveranstaltungen. Auch Sponsoren, Kommentatoren und ehrenamtliche Helfer nannte sie ausdrücklich.

Den sportlichen Höhepunkt bildete am Samstag der Riesentorlauf. Das Rennen wurde auf der Strecke des Hanseiliftes durchgeführt. Die Wahl dieser Strecke ermöglichte den Zuschauern einen vollständigen Überblick über den Rennverlauf. Insgesamt gingen 111 Sportler an den Start. Der Lauf begann um 14.00 Uhr bei Sonnenschein, guten Pistenverhältnissen und einem anspruchsvoll gesteckten Lauf. Mehrere Starter schieden kurz vor dem Ziel aus, da sie die Streckenführung nicht vollständig verinnerlicht hatten. Im Zielbereich gab es den berühmten “Martinsrieder Mühlengeist“ von der Firma Kastenmüller, Schokoküsse und weiteren Süßigkeiten von der Firma Rückert. Für die Liveübertragung des Rennens waren Gerhard Wieser jun. (Lerchenmühle) und Josef Rickl jun. (Rickl-Mühle) verantwortlich. Das Duo brachte ausgezeichnete Stimmung ins Publikum und analysierte sofort jede Fahrt.

Am Abend fand die offizielle Siegerehrung im Dorfstadl statt. Gerhard Wieserund Felix Wallner (Siglmühle) begrüßten die Gäste aus dem In- und Ausland und dankten den Sponsoren für die langfristige Unterstützung der Skiwoche. Sie stellten klar, dass die Durchführung der Veranstaltung ohne diese finanzielle und organisatorische Unterstützung nicht möglich wäre. Erstmals nahm Eva Edlinger, Referentin des Bundesverbandes der Müller und Mischfuttererzeuger, unterstützend an der Skiwoche teil. Im Anschluss ehrten die Veranstalter die Pokalgewinner des Riesentorlaufs. Die Wanderpokale gingen an Marileen Bremer von der Zucker-Mühle sowie an Peter Pföss von der Trenau-Mühle. Danach folgte eine Tombola mit Sachpreisen, bevor der offizielle Teil der Veranstaltung ausklang.

Die Veranstalter kündigten bereits den nächsten Termin an. Die 56. Skiwoche der Mühlen, Mischfutter und Getreidewirtschaft soll vom 11. bis 17. Januar 2027 erneut in Maria Alm stattfinden. Damit setzt sich eine über ein halbes Jahrhundert gewachsene Tradition fort, die sowohl sportliche Aktivität als auch branchenspezifische Vernetzung in einem stabilen organisatorischen Rahmen verbindet.

Siegertabelle

Zahlreiche Sponsoren unterstützten die Skiwoche: Müllerbund e.V., Bestmix Tierernährung GmbH, Binder GmbH & Co KG, Börse für landwirtschaftliche Produkte, Bühler AG, Niederlassung Österreich, Daxner GmbH, ESA GmbH, Fixkraft-Futtermittel GmbH, Foss GmbH, Fuchshuber Agrarhandel GmbH, Glatz International GmbH, Hiebel & Hess Vertriebs GmbH, Huemer Transporte GmbH, Krainz Ing. Victor GmbH, Kastenmüller/KSA GmbH, Lux Erland GmbH, Mauthner Fritz HandelsgmbH & Co KG, Milteco GmbH, Moser-HOCHKÖNIG Genuss – Wirtshaus – Hotel, Anton Paar Austria GmbH, PRnd Communications, Raiffeisen Ware Austria, Reisenberger GmbH, Riffelwerk Landshut, Rückert GmbH & Co KG, Rüter Maschinenbau GmbH & Co KG, Saatbau Linz eGen, Saat & Korn Handels GmbH, Taxi Eder e.U., Tourismusverband Maria Alm, UBM-Agrar Gmbh, Url Agrar GmbH, Verein zur Förderung des Bäckerhandwerks Österreichs, Zucker Josef & Co KG.

Gebannt wird das Rennen verfolgt von Johann Walzl (59) und Josef Ricklsen. (57) von der Rickl-Mühle, Henri Bankers (71) von der Firma Pfahnl Backmittel, Petra Glössl, Dieter Beiglböck, Sascha Behrens und Michaela Budau von der Firma Kastenmüller/KSA.
Christine Scharfetter (links) und Obmann Sepp Schwaiger (rechts) ehrten Anton und Eva Witzmann von der Witzmann-Mühle, die seit 55 Jahren bei jeder Skiwoche dabei waren.

(V.l.n.r.): Markus Wimmer, Walter Rogl und Harald Schmalwieser vom Solan Kraftfutterwerk.
Josef Rickl (Rickl-Mühle) fuhr mit Startnummer 1 bei den Bambinis als erster durchs Ziel.
Lara Miketta(Firma Rückert) belegte bei den Schülerinnen den dritten Platz.  
Johann Daxner von Daxner GmbH siegte bei den Masters (70).
Josef Rickl sen. mit Johann Walzl, Masters 60 (v.l.n.r.) freuten sich gut im Ziel angekommen zu sein.
Organisatorin und Autorin Gabriele Czechtizky (rechts) mit ihrer Kollegin Eva Edlinger (links).

Riesentorlauf und Einkehrschwung
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EU-Regulierungen zu Lieferketten und Berichtspflichten

EU-Verordnung
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EU-Regeln 2026: EUDR, CSRD/CSDDD, PPWR und Green Claims, was auf Mühlen und Mischfutterhersteller zukommen kann.
2026
3/2/2026
EU-Regulierungen zu Lieferketten und Berichtspflichten

Entwaldungsfreie Lieferketten: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) bleibt, aber das Startfenster verschiebt sich. Je näher Betriebe an den Rohstoffströmen von Soja arbeiten, desto eher werden sie Teil der EUDR-Nachweiskette. Im Herbst 2025 hat die EU-Kommission angekündigt, den Start zu verschieben, nach Unternehmensgröße zu staffeln und die Umsetzung zu glätten. Auch wenn ein Mühlenbetrieb nicht direkt im Sinne der EUDR agiert, könnten Abnehmer und Vorlieferanten ab 2026 häufiger Nachweise verlangen.

Berichtspflichten

Für die Getreideverarbeitung wirken Nachhaltigkeitsregeln meist indirekt. Erstens fragen Großkunden und Handel Scope-3-Daten ab. Zweitens koppeln Banken und Versicherer Kreditkonditionen und Policen zunehmend an die ESG-Datenqualität. Das Grundgerüst steht, aber der Umfang wackelt politisch. Seit Ende 2025 wird offen über Entlastungen, höhere Schwellenwerte und spätere Fristen diskutiert. Für die Branche heißt das: Die Anforderungen verschwinden nicht, aber ihre Taktung kann sich verändern. Typische Folgen wären neue Lieferantenklauseln, Auditrechte oder die Pflicht zur Weitergabe von Nachweisen. Deutschland will seine Verwaltungspraxis seit Oktober 2025 geändert haben, was den Wegfall von BAFA-Prüfungen von Unternehmensberichten und die Verhängung von Bußgeldern nur noch bei schweren Vorwürfen betrifft. Die Novelle ist aber noch nicht offiziell in Kraft.

Verpackung

Mit der neuen Verpackungsverordnung (PPWR) geht die EU vom Richtlinienregime stärker in Richtung unmittelbar geltender Vorgaben. Der rechtliche Text liegt als Verordnung vor. Für Lebensmittel und Futtermittel gehören Verpackung und Logistik zu den Kostentreibern und die PPWR erhöht den Druck auf Materialdaten und Design. Für Getreideverarbeiter kann das belastbare Spezifikationen zu Sackware, Big Bags, Folien, Etiketten und Palettensicherung bedeuten sowie die Schaffung von Schnittstellen zum Verpackungslieferanten.

Green Claims

Das Risiko für Marketingaussagen kann weiter steigen. Parallel zu harten Stoffstromregeln verschärft die EU den Blick auf Umweltaussagen. Das betrifft nicht nur Konsumgüter, sondern auch B2B-Kommunikation, Nachhaltigkeitsberichte, Kundenportale und Websites. Wer etwa „klimaneutral“ oder „nachhaltig“ schreibt, muss belastbare Nachweise vorhalten. Welche Formulierungen ab wann konkret unzulässig werden, ist ungewiss. Sicher ist aber: Abnehmer und Wettbewerber greifen Aussagen zunehmend an, wenn Messmethoden fehlen.

Lebensmittelsicherheit

Mikrobiologie, Mykotoxine und Kontaminanten bleiben Top-Themen. Für Mühlen und Mischfutterwerke geht es um Produktionsfreigaben, Kundenreklamationen und Auflagen von Behörden. Die Lage bleibt dynamisch, weil sich die Kontaminationsprofile durch äußere Einflüsse verschieben. In der Praxis kann sich deshalb nicht nur die Rechtsseite verschärfen, sondern auch die Kundenanforderungen, wie niedrigere interne Grenzwerte, zusätzliche Screeningtests und engere Chargensteuerung. Entscheidend ist dabei weniger das einzelne EU-Datum als die Risikolage der Ernte und das Qualitätsprofil im Einzugsgebiet.

In der Mühlen- und Mischfutterpraxis bedeutet mehr Regulierung selten nur ein neues Dokument. Meist zwingt sie Unternehmen, Prozesse zu standardisieren, Datenketten zu digitalisieren und Verantwortung neu zu verteilen. Typische Konsequenzen wären: Steigender Dokumentationsgrad im Rohstoffeinkauf, Lieferantenerklärungen, Herkunftsnachweise und Freigabelogiken werden verbindlicher. Zweitens könnten Anforderungen an die Trennlogik wachsen. Das betrifft getrennte Silos oder definierte Umschlags- und Reinigungsprozesse. Indirekte Kosten können steigen durch CO2-Bepreisung und durch mehr Laboranalytik.

Interview mit Prof. Dr. Angelika Niebler

Am 16. Dezember 2025 hat das Europäische Parlament beschlossen, dass Entlastungen bei der europäischen Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und der Lieferkettengesetzgebung (CSDDD) kommen. Entlastung sei in Sicht.

Prof. Dr. Angelika Niebler, Mitglied des EU-Parlaments

Prof. Dr. Angelika Niebler, Mitglied des Europäischen Parlaments und stellvertretende Parteivorsitzende der CSU, stellt ihre Position im Europäischen Parlament wie folgt dar:

„Wenn die Bürokratie die Oberhand gewinnt, bleibt der Fortschritt auf der Strecke. Diese Aussage von Franz Josef Strauß hat nichts an Aktualität verloren – im Gegenteil. Unsere Unternehmen sind innovativ, sind fähig, Fortschritt zu gestalten, wenn wir sie denn lassen; doch daran fehlt es eben. Unsere Unternehmen ersticken in bürokratischen Auflagen, in Berichtspflichten, in Dokumentationspflichten, Taxonomie, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Lieferkettengesetz, Ökodesignverordnung, Entwaldungsverordnung, Regeln zur Kreislaufwirtschaft, Regeln zu Verpackungen – um nur einige zu nennen. Dann kommen noch hinzu die sogenannten Durchführungsbestimmungen in den delegierten Rechtsakten, weitere Detailvorgaben, hunderte von Seiten mit Vorgaben, die unsere Unternehmen umsetzen müssen. Das ist ein regulatorischer Overkill. Ich glaube, wir müssen radikal umsteuern. Wir brauchen eine Kehrtwende, wir müssen unser gesamtes Regelwerk auf den Prüfstand stellen. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen auch den Mut haben, unnötige Regelungen einfach mal abzuschaffen.“ Prof. Dr. Angelika Niebler.

M+M: Wie hoch ist die Chance, dass der regulatorische Overkill, wie Sie die bürokratischen Vorgaben der EU bezeichnen, beendet wird?

Prof. Dr. Angelika Niebler: Entbürokratisierung steht in Brüssel derzeit ganz oben auf der Agenda. Ich unterstütze die vorgeschlagenen Entlastungspakete für die Wirtschaft, die als „Omnibusse“ bezeichnet werden. Im Kern geht es darum, EU-Vorschriften noch einmal gezielt zu überprüfen und überall dort radikal zu vereinfachen, wo es möglich und sinnvoll ist. Die Kommission überprüft hierzu jeden einzelnen Sektor, z.B. Vorschriften für die Landwirtschaft, Chemie, Umweltauflagen, Digitalgesetzgebung und vieles mehr. Es tut sich also tatsächlich viel. Den ersten sogenannten Omnibus haben wir bereits verabschiedet. Hierbei ging es um die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und der EU-Lieferkettenregelung (CSDDD). Dass das Europäische Parlament dieses Paket kurz vor Weihnachten final bestätigt hat, war ein Erfolg. Damit haben wir auch den Ton für die kommenden Monate gesetzt, in denen weitere Vereinfachungspakete anstehen.

M+M: Was wurde konkret im Bezug zur europäischen Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und zur Lieferkettengesetzgebung erreicht?

Prof. Dr. Angelika Niebler: Die Vereinfachungen sind spürbar. Künftig sind nach der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und einem Nettoumsatz von 450 Mio. Euro berichtspflichtig. Im Vergleich zum ursprünglich angesetzten Schwellenwert von 250 Mitarbeitern fallen damit über 80% der Unternehmen aus dem Anwendungsbereich. Die Sorgfaltspflichten nach der Lieferkettengesetzgebung greifen künftig erst für Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 1,5 Mrd. Euro. Die Pflicht zur Erstellung von Klimatransaktionsplänen entfällt komplett. Zudem können Unternehmen ihre Berichterstattung auf die Bereiche in der Lieferkette fokussieren, in denen Risiken am wahrscheinlichsten sind. Diese Vereinfachungen sind ein Erfolg. Mit ihnen gewinnen Unternehmen Zeit, sich auf ihr Kerngeschäft und Innovationen zu konzentrieren, anstatt Fragebögen auszufüllen.

M+M: Sie kritisieren Berichtspflichten und Dokumentationspflichten insgesamt, einschließlich Taxonomie und Nachhaltigkeitsberichterstattung. Welche konkrete Entlastungslinie vertreten Sie innerhalb der EVP für die nächsten 12 bis 24 Monate und was tun Sie konkret, damit Unternehmen weniger Datenpunkte erheben, weniger Prüfnachweise liefern und weniger parallellaufende Fragebögen bedienen müssen?

Prof. Dr. Angelika Niebler: Die europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) werden derzeit überarbeitet. Diese müssen vereinfacht, quantifiziert und praxistauglich gestaltet werden. Die sogenannte European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat der Kommission bereits eine Überarbeitung vorgelegt, die die verpflichtenden Datenpunkte um rund 60% reduziert. Doch das allein reicht nicht: Die Reduktionen müssen inhaltlich sinnvoll sein und echte Erleichterungen bringen, statt nur einzelne Punkte zusammenzulegen. Zudem muss eine bessere Vergleichbarkeit der Unternehmensberichte erreicht werden – beispielsweisedurch klarere Definitionen. Hierfür werde ich mich in meiner parlamentarischen Arbeit auch in den kommenden Monaten weiterhin einsetzen.

M+M: Welche Zuarbeiten (Fallstudien/Daten) würden Sie sich von den Mühlenverbänden wünschen, damit Sie Ihre Positionen im Parlament und gegenüber der Kommission stärker vertreten könnten?

Prof. Dr. Angelika Niebler: Als Abgeordnete informiere ich mich sehr umfassend; ich lese viele Stellungnahmen und führe zahlreiche Gespräche zu den einzelnen Themen. Besonders hilfreich ist es, wenn Verbände praxisnahe Einblicke anhand konkreter Beispiele geben. Die Mühlenverbände sind insoweit schon gut aufgestellt. Ganz unabhängig davon freue ich mich immer über einen offenen und konstruktiven Austausch. Vielen Dank daher auch für das Interview und Ihr Interesse an meiner Arbeit.

Prof. Dr. Angelika Niebler im Europäischen Parlamentsgebäude.
EU-Regulierungen zu Lieferketten und Berichtspflichten
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Schleswig-Holstein

ATEX-konforme Siloeinfahranlagen für mehr Sicherheit

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ATEX-konforme, baumustergeprüfte Siloeinfahranlagen für normgerechte Wartung und mehr Sicherheit in Silos.
2026
3/2/2026
ATEX-konforme Siloeinfahranlagen für mehr Sicherheit

Köster entwickelte in enger Abstimmung mit der Uni Hohenheim in Stuttgart eine vollständig ATEX-konforme Siloeinfahranlage, die erste dieser Art in Deutschland. Sämtliche Komponenten der Anlage, von der Seilwinde über elektrische Bauteile bis hin zu mechanischen Elementen, entsprechen den einschlägigen ATEX-Vorgaben. Dadurch erhalten Betreiber eine Lösung, die Wartungs- und Inspektionsarbeiten im Silo sicher und normgerecht ermöglicht. Die Anlage entspricht allen aktuellen technischen und sicherheitsrelevanten Anforderungen und ist baumustergeprüft.

(V.l.n.r.): Michael Gerstenberg, Bereichsleiter bei Köster und Vertriebsleiter Markus Schnauer präsentierten eine Siloeinfahranlage auf einer Müllereitagung (Foto: Sabine Kemper).

Im Gespräch erläutern Michael Gerstenberg und Stephan Aßmann, warum Köster den Markt nach einer längeren Pause wieder aktiv bearbeitet, wie sie Sicherheitstechnik, Normen und Explosionsschutz abgrenzen und wo sie Risiken minimieren.

Michael Gerstenberg (Foto: Köster).

M+M: Was produziert Ihre Firma, die Friedrich Köster GmbH, genau und wieso ist das interessant für Mühlenbetreiber?

Michael Gerstenberg: Wir bauen seit mehr als 100 Jahren Elektro,- und Hydraulikseilwinden für verschiedene Märkte. Das Produkt beinhaltet dementsprechend die  Steuerungstechnik sowie Anbauten wie Gestelle und Fahrwerke. Einer der größten Märkte ist momentan die Windkraft / Offshore-Markt, wir sind aber auch im Bergbau/Mining oder auch in der Bühnentechnik bzw. Waggonbau aktiv. Daneben bedienen wir den Sondermaschinenbau und entwickeln zum Beispiel Personenbeförderungsanlagen für Müllverbrennungsanlagen. In den 1990er Jahren lieferten wir bereits auch vor allem die Elektrowinde für unsere Partner aus dem Mühlenbau, die die Gestelle bauten und das Gesamtprodukt vertrieben. Nach einer Änderung der Maschinenrichtlinie um 2010 stiegen diese Partner jedoch nach und nach aus. Die Normenkonformität und harte Rahmenbedingungen in den Mühlen waren hohe Hürden für unseren Einstieg in das Geschäft mit Siloeinfahranlagen. Das betrifft Gewicht, Handling, Montage und Demontage sowie Siloköpfe, die durch Rohrleitungen verbaut sind. Kurz gesagt, es hätte sich für uns nicht gerechnet.

M+M: Wieso sind Sie dennoch wieder dabei?

Michael Gerstenberg: Wir bekamen ein älteres Gestell eines Müllers zur Generalüberholung. Wir sahen an der Anlage, wie stark Betreiber diese umbauen, etwa mit nachträglicher Elektrifizierung oder Hydraulikantrieb. Das ist oft nicht zu verantworten. Diese umgebaute Anlage stand dann lange bei uns auf dem Hof. Eines Tages entschieden wir uns, zunächst intern, ein eigenes System zu entwickeln. Wir wechselten aus Gewichtsgründen auf eine kleinere Windenbauform und setzten konsequent auf ein Zweiseilprinzip mit Fangvorrichtung. Ein Mitarbeiter entwickelte dazu ein Aluminiumgestell. Parallel ließen wir ohne konkreten Kundenauftrag eine Baumusterprüfung durchführen. Und damit waren wir wieder, diesmal als Systemanbieter, im Markt.

M+M: Wie groß ist dieses Geschäftsfeld heute?

Stephan Aßmann: Wir bauen derzeit etwa zehn bis 15 Anlagen pro Jahr. Dazu kommen Service, Wartung und UVV-Prüfungen sowie Inbetriebnahme und Einweisung. Wir liefern inzwischen auch in die Schweiz und nach Österreich. Gleichzeitig sehen wir mehr Potential, denn wir treffen häufig auf Anlagen, die seit Jahrzehnten laufen und nicht mehr dem Stand der heutigen Technik entsprechen. Teilweise sind sie umgebaut oder sie basieren auf Konzepten, die bei neuen Prüfungen nur noch befristet freigegeben werden.

Bei Angeboten für eine neue Siloeinfahranlage vergleichen Betreiber dann oft den Preis eines Dreibaums mit dem einer Siloeinfahranlage. Jedoch umfaßt eine Einfahranlage mehr Technik, Redundanz und Steuerung und somit mehr Sicherheit für den Mitarbeiter. Eine Regel ist: unbedingt 2-seilig! Was, wenn ein Seil reißt? Deshalb brauchen wir die Redundanz im System.

Wichtig ist außerdem die Mobilität. Unsere Anlagen stehen auf Rollen und lassen sich von Öffnung zu Öffnung, oder auf unterschiedliche Böden, bewegen. Wir arbeiten zudem an immer kompakteren Varianten, die auch in enge Aufzüge passen.

Michael Gerstenberg: Unsere Techniker haben sich den Kopf zerbrochen, wie wir die Anlage in einen Fahrstuhl bekommen unter Einhaltung der Statik. Das war schon richtig spannend. Aber wir wollen entsprechend der Gegebenheiten und Bedürfnissen bei den Betreibern das Produkt weiterentwickeln.

M+M: Wie gehen Sie mit sehr unterschiedlichen Einbausituationen um, etwa Zellöffnungen an der Wand?

Stephan Aßmannt: Standardlösungen decken aus unserer Sicht den Großteil ab, aber einzelne Silos zwingen zu Varianten. Ein Beispiel sind Zellen direkt an der Wand. Dafür haben wir ein Gestell entwickelt, das nach vorn offen ist und bis zur Wand herangefahren wird.

Ein anderes Beispiel sind größere Hubhöhen. Neben typischen Auslegungen bieten wir auch Lösungen bis etwa 70 Meter Hub an, dann mit anderen Winden und Komponenten. Wir haben außerdem Varianten bei Sitzen, Fußstützen und Armlehnen, weil die Bediener den Komfort sehr konkret einfordern.

M+M: Sie betonen die ATEX-Vorgaben einzuhalten, wieso ist das wichtig?

Michael Gerstenberg: Wir starteten ursprünglich mit der Entwicklung eines Siloeinfahrgerätes entsprechend diverser Normen wie die DIN EN 1808 für Personenbeförderung als Arbeitsmittel. Diese Baumusterprüfung ist die Basis, weil Personen mit diesem System arbeiten und sich auf diese redundante Sicherheit verlassen. ATEX kommt als zusätzliche Regulierung oben drauf, wenn der Betreiber eine explosionsgefährdete Atmosphäre bewertet und Zonen festlegt. In unserem Marktsegment wird ATEX für Siloeinfahranlagen bisher noch selten explizit gefordert. Wir erwarten aber, dass das Thema mittelfristig an Bedeutung gewinnt, auch über Sachverständige und dem Druck, Anlagen einzusetzen zu müssen, die dem Stand der heutigen Technik entsprechen. Unsere ATEX-Siloeinfahranlage ist so konzipiert, dass Winde, elektrische Komponenten und mechanische Elemente den einschlägigen ATEX-Vorgaben entsprechen und die sichere Nutzung in Zone 22 ermöglichen. Wir wissen alle, dass es immer wieder durch Funken zu Unfällen und auch Todesfällen kommt. Wer in dem Bereich nicht nach den Vorgaben handelt, gefährdet sein Personal. Und da kommen nicht nur Versicherungen ins Spiel, sondern auch Gerichte.

M+M: Könnten externe Anbieter das Thema Silowartung übernehmen?

Michael Gerstenberg: Externe Dienstleister bleiben eine Option. Aus unserer Sicht trägt der Betreiber aber auch dann letztendlich ebenfalls die Verantwortung, wenn etwas passiert. Schließlich ist der Müller für seinen Betrieb verantwortlich und die Arbeiten, die er darin zuläßt. Im Schadensfall kann es auch bei Einsatz eines Fremdanbieters zu langen Stillständen kommen, gerade bei Personenschäden und bis Haftungsfragen mit der Versicherung geklärt sind. Wir wollen mit dem Systemansatz Betreibern zeigen, welche Sicherheitsniveaus der Markt heute technisch abbilden kann.

M+M: Werfen wir abschließend einen Blick in die Zukunft: Lohnt die Anschaffung Ihrer Anlage noch, oder übernehmen bald Roboter oder Drohnen die Silowartung?

Michael Gerstenberg: Ideen und KI-Videos gibt es dazu einige, aber der Markt entscheidet traditionell und vorsichtig. Vertikale Reinigung in einem dunklen, staubigen Silo stellt andere Anforderungen als etwa ein Poolroboter oder Staubsauger. Dazu kommen Fremdkörperrisiken, beispielsweise abfallende Schrauben oder Plastikteile, und die Frage, wie man Ergebnisse kontrolliert. Wir rechnen daher nicht kurzfristig mit einer Ablösung der personengeführten Siloreinigung.

Stephan Aßmann (Foto: Köster)
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Vom vernetzten Mühlenbetrieb zur selbstoptimierenden Anlage

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Vom vernetzten Mühlenbetrieb zur selbstoptimierenden Anlage: SmartMill-Funktionen machen ROI messbar.
2026
2/19/2026
Vom vernetzten Mühlenbetrieb zur selbstoptimierenden Anlage

Wer durch eine moderne Getreidemühle geht, erkennt nach wie vor dasselbe Schema, die diese Branche schon immer geprägt hat: Der Prozess läuft in Echtzeit, alles ist miteinander verbunden, und die besten Betreiber gewinnen, indem sie dutzende kleine Anpassungen vornehmen, die sich zu einem großen Vorteil summieren.

Verändert haben sich die Geschwindigkeit und die Komplexität dieser Anpassungen. Die Rohstoffvariabilität nimmt zu. Energiepreise und Netzrestriktionen sind zu betrieblichen Realitäten geworden und nicht mehr nur zu Positionen in der Kostenrechnung. Qualitätsanforderungen und Dokumentationspflichten verschärfen sich kontinuierlich. Gleichzeitig können sich immer weniger Mühlenanlagen auf einen breit aufgestellten Mitarbeiterstamm hoch erfahrener Müller verlassen, die den Prozess „im Gefühl“ haben und über alle Schichten hinweg instinktiv reagieren. Diese Kombination ist der Grund, warum die Digitalisierung sich vom „Nice-to-have“ zur Frage entwickelt, wie man wettbewerbsfähig bleibt. Sie wirft aber auch eine sehr praktische Frage auf, die Eigentümer, Investoren und Betriebsleiter sofort stellen: Wo liegt der Return on Investment (ROI), und wie schnell lässt er sich nachweisen?

Ein hilfreicher Vergleich kommt aus der Automobilwelt. Fahrerassistenzsysteme sind nicht über Nacht vom manuellen Lenken zum vollautonomen Fahrzeug gesprungen. Die Reise begann mit Konnektivität und Daten, ging dann weiter zu Überwachung und Entscheidungsunterstützung und anschließend zu teilautonomen Funktionen, die unter definierten Bedingungen einzelne Aufgaben übernehmen konnten. Erst danach wurde die Idee eines selbstfahrenden Autos technisch und gesellschaftlich tragfähig. Der SmartMill Prozess von Bühler folgt einer ähnlichen Entwicklung: die Anlage vernetzen, aus den Daten lernen, Menschen mit umsetzbaren Erkenntnissen unterstützen und dann für ausgewählte Prozesse den Regelkreis schließen, sodass das System Parameter kontinuierlich innerhalb sicherer Leitplanken anpassen kann.

Dieser Artikel richtet sich an Leser, die keine Technologie-Hypes wollen. Ziel ist es, die ROI-Logik greifbar zu machen, ohne dass Sie Ihre gesamte Anlage  auf einmal verändern müssen. Im Fokus stehen die Werthebel, die in der Mühlenindustrie am meisten zählen: Ausbeute und Qualitätsstabilität, Energieverbrauch pro Tonne, Verfügbarkeit und Störungsreduzierung, Instandhaltungskosten sowie die Produktivität knapper Expertenressourcen. Anschließend werden diese Hebel mit einem gestuften Investitionsplan entlang der Bühler SmartMill-«Roadmap» verknüpft, einschließlich pragmatischer Schritte, die Sie sofort gehen können, um eine Basis zu schaffen und messbare Vorteile zu realisieren.

Eine praktische Art, die Diskussion geerdet zuhalten, besteht darin, „digital“ auf eine kurze Liste operativer Ergebnisse herunterzubrechen, die jede Anlage in irgendeiner Form bereits verfolgt: Tonnen, kWh, Qualitätsabweichungen, Stillstandsminuten und Instandhaltungskosten. Wenn eine Digitalinitiative nicht zeigen kann, wie sie mindestens einen dieser Punkte in einem angemessenen Zeitraum verbessert, handelt es sich vermutlich eher um ein Forschungsprojekt als um ein operatives Projekt. Die SmartMill-«Roadmap» ist wertvoll, weil sie den Reifegrad der Technologie mit dem operativen Reifegrad verknüpft: Zuerst vertrauenswürdige Daten schaffen, dann vertrauenswürdige Entscheidungen, dann die wirkungsstärksten Entscheidungen automatisieren.

Profit-Center Daten

Selbst gut geführte Anlagen stehen unter einem Druck, der selten von einem einzelnen Faktor ausgeht. Es ist die Summe vieler Einflüsse.

Energie ist zu einer strategischen Restriktion geworden. In älteren Mühlen wurde Elektrizität als Umwandlungskosten betrachtet, die gelegentlich optimiert werden konnten. Heute ist sie oft einer der volatilsten Kostenfaktoren und in vielen Regionen ein Thema der Versorgungssicherheit. Branchenumfragen zeigen seit Langem, dass Energieeffizienz ein zentrales Kriterium beim Kauf neuer Mühlentechnik ist; so berichtet World-Grain, dass einige Mühlen Energieverbräuche von unter 45 kWh pro Tonne vermahlenen Weizens anstreben (World-Grain, 2016). Unabhängig davon, ob Ihre Anlage über oder unter diesem Wert liegt, ist die Aussage einfach: Eine kleine prozentuale Veränderung der kWh pro Tonne wird bei Jahresdurchsatz und aktuellen Energiepreisen schnell materiell relevant.

Die Rohstoffvariabilität nimmt zu und lässt sich schwer „wegdenken“. Änderungen der Weizeneigenschaften, Erntejahre und witterungsbedingte Lagerbedingungen führen zu häufigeren Anpassungen bei Konditionierung, Vermahlung, Sichtung und Mischung. Im Mischfutterbereich erzwingen wechselnde Rohstoffverfügbarkeit und Preise häufigere Rezepturänderungen und eine engere Kontrolle von Dosierung und Homogenität.

Die Qualitätserwartungen verschieben sich von Compliance zu Fähigkeit. Kunden erwarten zunehmend dokumentierte Konsistenz, Rückverfolgbarkeit und evidenzbasierte Prozesskontrolle. Diese Erwartungen verschwinden nicht in angespannten Märkten – sie steigen oft.

Schließlich ist die Kompetenz-Herausforderung real. In vielen Werken gibt es ein oder zwei Personen, die „die Mühle im Takt halten“. Sind diese nicht verfügbar, steigt die Leistungsstreuung häufig an. Digitale Werkzeuge können helfen, indem sie den Prozess sichtbar machen, Entscheidungen standardisieren und die Begründung guter Anpassungen erfassen, damit sich Know-how schneller verbreitet.

Hinzu kommt eine Nachhaltigkeitsdimension, die zunehmend mit kommerziellen Vorteilen verknüpft ist. Der globale Lebensmittelverlust und die Lebensmittelverschwendung werden häufig auf etwa ein Drittel der für den menschlichen Verzehr produzierten Lebensmittelgeschätzt – rund 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr (FAO, 2011). Das UNEP hat mit dem Food Waste Index zusätzlich auf eine konsistentere Messung von Lebensmittelabfällen hingearbeitet (UNEP, 2021). Eine Getreidemühle ist zwar nur ein Glied in der Kette, operative Effizienz zählt jedoch zu den wenigen Hebeln, die wir direkt steuern können: bessere Ausbeute, weniger Qualitätsabweichungen und weniger Störungen bedeuten weniger verschwendetes Produkt und weniger Energieeinsatz pro Tonne verkaufsfähiger Produkte.

Das Global Lighthouse Network des Weltwirtschaftsforums hat wiederholt gezeigt, dass digitale und KI-gestützte Produktion bei industrieller Skalierung gleichzeitig Leistungs- und Nachhaltigkeitsgewinne liefern kann, wenn Initiativen über Pilotprojekte hinausgehen und in die tägliche Arbeitsweise integriert werden (World Economic Forum, 2025). Für die Mühlen- und Mischfutterindustrie bedeutet das ganz konkret: Digitalisierung muss mit harten wirtschaftlichen Fakten begründet, mit operativer Disziplin umgesetzt und gezielt skaliert werden.

Die SmartMill-«Roadmap»

Das SmartMill-Konzept lässt sich am besten als «Funktionsroadmap» und nicht als einzelnes Produkt verstehen. Im SmartMill-Whitepaper beschreibt diese Roadmap in vier Stufen: Level 1 Connect, Level 2 Monitor, Level 3 Assist und Level 4 Self-Optimizing. Jede Stufe baut auf der vorherigen auf. Das ist wichtig, weil viele „digitale Enttäuschungen“ daraus entstehen, dass man versucht, fortgeschrittene Optimierung einzuführen, bevor Daten- und Prozessgrundlagen vorhanden sind.

Connect: Datenreife aufbauen

Konnektivität und Datenreife sind die Basis. Ziel ist nicht „mehr Daten“, sondern ein digitaler Produktionsdatensatz, der vollständig und verlässlich genug und zeitlich ausreichend synchronisiert ist, um als vertrauenswürdig zu gelten. Sobald Produktionsdaten digitalisiert sind, bieten sie Transparenz und ein historisches Protokoll, das zur Prozessoptimierung ausgewertet werden kann.

In der Praxis umfasst Connect typischerweise: Standardisierte Datenerfassung von kritischen Maschinen und Sensoren (z. B. Walzenstühle, Feuchteregelung, optische Sortierer, Wäge- und Dosiersysteme, NIR-Analysegeräte), eine werksweite Informationsschicht, die Liniensteuerung, Chargen-/Rezepturführung, Alarme und Qualitätsdaten in einer durchgängigen, zeitgestempelten Historie zusammenführt und eine klare Datenverantwortung: Wer stellt Sensorverfügbarkeit sicher, pflegt Namenskonventionen und definiert die Bedeutung jedes Tags und jedes KPI?

Monitor: Transparenz in Entscheidungen übersetzen

Level 2 ergänzt Analytik und umsetzbare Erkenntnisse. Das Whitepaper beschreibt dies als Übergang von instinkt- und erfahrungsbasierten Entscheidungen hin zu empirischer Evidenz, bei der historische Daten ausgewertet werden, um Parameter zu identifizieren, die bessere Ausbeute, Qualität und Energieeffizienz erzeugen.

In dieser Phase entstehen die besten ROI-Effekte häufig durch: das Sichtbarmachen von Verlusten und Abweichungen (wo Stillstände wirklich auftreten, welche Alarme sich wiederholen, wo Qualitätsdrift beginnt), den Aufbau einer gemeinsamen Sprache über Schichtenhinweg durch geteilte KPIs wie OEE, kWh pro Tonne, Ausbeuteindikatoren und Qualitätsstabilitätskennzahlen und der Identifikation und Standardisierung des „Golden Window“ für zentrale Prozesseinstellungen. Bühler nennt Lösungen wie Fehler- und Stillstandsanalyse, Maschinenzustandsüberwachung, OEE, Temperatur- und Vibrationsmanagement, Energiemanagement und Qualitätsmanagement als Beispiele für Level-2-Funktionen, gestützt durch Entwicklungen wie Bühler Insights und Mercury MES.

Assist: Den Regelkreis für ausgewählte Prozesse schließen

Level 3 ist häufig der Punkt, an dem die ROI-Kurve steiler wird, weil das System manche Parameter automatisch und kontinuierlich anpassen kann. Das Whitepaper beschreibt Level 3 als die Stufe, in der der Eingriff des Menschen abnimmt, weil die Anlage in der Lage ist, einige zentrale Produktionsprozesse selbst zu optimieren – mit Prototypen, die Verhalten vorhersagen und Prozesse in Echtzeit anpassen.

Self-Optimizing: Die langfristige Zielrichtung

Level 4 ist die Vision einer weitgehend selbstoptimierten Mühle, in der der Bediener nur noch Produkteigenschaften vorgibt und die Mühle ihre Produktionsparameter durch kontinuierliches Lernen anpasst – unter Berücksichtigung von Rohstoffcharakteristika und Wetterbedingungen. Aus ROI-Sicht ist Level 4 als langfristiges Ziel zu verstehen. Die meisten Anlagen werden ihren Business Case aufbauen, indem sie den Wert aus Level 1 bis 3 kumulieren und sicherstellen, dass jeder Schritt sich trägt und gleichzeitig Fähigkeiten für den nächsten Schritt schafft.

Plattformen und Werksrealität

Konnektivität und Überwachung müssen kein einzelnes monolithisches IT-Projekt sein. Die meisten Standorte kombinieren ältere Anlagen, neuere Maschinen mit umfangreicherer Sensorik und separate Qualitäts- oder Laborsysteme. Ziel ist es, das bereits Vorhandene zu einer kohärenten, zeitlich abgestimmten Historie und KPI-Landschaft zu verknüpfen. Bühler beschreibt diese Ebene mit Lösungen wie Bühler Insights (digitale Serviceplattform) und Mercury MES (Manufacturing Execution System), die Transparenz, Rückverfolgbarkeit und skalierbare Analytik unterstützen.

Zeitachsen und Adoptionssignale sind für die Glaubwürdigkeit eines ROI wichtig. Erste Versionen von Bühler Insights wurden ab 2015 entwickelt, als Cloud-Lösungen und neue Sensortechnologien verfügbar wurden. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels sind Level-2-Fähigkeiten auf geschätzt 130 Bühler-Produktionslinien im Einsatz. Diese Signale ersetzen keinen eigenen Business Case, zeigen aber, dass die Bausteine den Laborstatus hinter sich gelassen haben und im industriellen Alltag funktionieren.

Abb. 1. SmartMill Funktions-“Roadmap”(konzeptionell).

Die Roadmap oben (Abb. 1) ist konzeptionell, die Abfolge dahinter aber sehr praktisch: Zuerst die Datenbasis schaffen, diese dann nutzen, um Entscheidungen zu stabilisieren, und anschließend die wirkungsstärksten Stellgrößen unter klaren Leitplanken automatisieren.

Der ROI in der Mühlenindustrie resultiert selten aus einer einzigen „Big-Bang“-Verbesserung. Er entsteht typischerweise aus einem Bündel kleinerer Hebel, die sich summieren und mit Anlagendaten nachvollziehbar belegt werden können.

Die nachfolgend erwähnten fünf Hebel sind die häufigsten Quellen messbaren Mehrwerts. Die Reihenfolge ist nicht universell, spiegelt aber die Erfahrungen vieler Anlagen wider, die Nutzen mit einer soliden Basis und einer kontrollierten Einführung quantifizieren.

Ausbeute und Qualitätsstabilität

In der Getreidemüllerei ist die Ausbeute der zentrale Hebel, weil der Wert einer kleinen prozentualen Verbesserung mit dem Jahresdurchsatz multipliziert wird. Der glaubwürdigste Weg, Ausbeute in einem ROI-Modell zu behandeln, besteht darin, sie nicht als vage Zielgröße zu sehen, sondern als messbare Differenz innerhalb eines definierten Spezifikationsfensters. Wenn Qualität in Zielbereichen (Asche, Feuchte, Protein, Farbe, Granulation) bleiben muss, bedeutet „Ausbeuteverbesserung“, mehr verkaufsfähige Tonnen zu produzieren, ohne diese Grenzen zu verlassen.

Ein praktischer Ansatz ist, sowohl das „Zentrum“ (den normalen Fahrpunkt) als auch den „Puffer“ (wie weit man zur Sicherheit von der Grenze entfernt bleibt) zu quantifizieren. In vielen Anlagen versteckt sich der Puffer in Feuchte- und Spezifikationsdaten. Wenn Sie die Mehlfeuchte aus Sicherheitsgründen unterhalb des vertraglichen Grenzwertes fahren, trägt jede Tonne einen kleinen, aber realen Erlösverlust. Bessere Überwachung und  Regelung können diesen Puffer bei gleichbleibender Leistung  verkleinern und somit „Sicherheitsmarge“ in Marge verwandeln. Überwachung und unterstützte Regelung schaffen Wert, wenn sie die Varianz reduzieren, sodass Sie näher am Optimum mit weniger Ausreißern fahren können.

Energie pro Tonne und Hotspot-Kontrolle

Energie ist häufig der zweitgrößte steuerbare Hebel. Entscheidend ist, Energie als Prozessvariable zu betrachten, nicht als Rechnung auf dem Nebenkostenkonto. Anlagen, die Energie mit der richtigen Granularität (Linie, Abschnitt, Maschine oder Passage) sichtbar machen, können Hotspots identifizieren und verstehen, welche Prozessänderungen kWh pro Tonne erhöhen oder senken.

Der Hinweis von World-Grain, dass einige Mühlen Energieverbräuche von unter 45 kWh pro Tonne anstreben, zeigt, wie sich Energieperformance zu einem Differenzierungsmerkmal bei Anlagenplanung und -beschaffung entwickelt hat (World-Grain, 2016). Ihr Referenzwert hängt von Produktmix und Anlagentechnik ab, aber die ROI-Logik bleibt gleich: Jahresdurchsatz mal einer kleinen Verbesserung in kWh pro Tonne ergibt bei hohen Strompreisen spürbare Einsparungen.

Verfügbarkeit, Störungen und Kapazitätsnutzung

In kontinuierlichen Prozessen beschränkt sich die Kostenwirkung von Stillständen selten nur auf verlorene Tonnen. Sie umfasst Energieverluste bei Starts und Stopps, Qualitätsverluste bei Übergängen, Überstunden, verpasste Liefertermine und erhöhten Anlagenverschleiß.

Fortgeschrittene Analytik und vorausschauende Instandhaltung werden branchenübergreifend mit signifikanten Stillstandsreduktionen in Verbindung gebracht. McKinsey schreibt beispielsweise, dass dank einer vorausschauenden Wartung Maschinenstillstände typischerweise um 30 bis 50 Prozent reduziert und die Lebensdauer von Maschinen um 20 bis 40 Prozent erhöht (McKinsey & Company, 2017) werden. Diese Zahlen sind branchenübergreifend und sollten nicht 1:1 in einen Mühlen-Business-Case übernommen werden, dienen aber als hilfreiche Kalibrierung: Wenn Sie Zustände erkennen können, die Ausfällen vorausgehen, und früher reagieren, können bereits moderate Verfügbarkeitsverbesserungen schnell wirtschaftlich attraktiv sein.

Die spezifische Übersetzung für Mühlen liegt darin, Mikrostillstände und wiederkehrende Störungsmuster zu erfassen, Zustandsdaten (Schwingung, Temperatur, Motorlast) mit Prozesskontext (Produkt, Rezeptur, Umgebungsbedingungen) zu verknüpfen und Interventionen zu standardisieren, damit gute Reaktionen schichtübergreifend wiederholt werden.

Instandhaltungskosten und Ersatzteile

Instandhaltungswert entsteht aus zwei Richtungen: weniger Ausfälle und bessere Planung. Überwachung und zustandsbasierte Erkenntnisse helfen, Instandhaltungszeit von dringenden, ungeplanten Einsätzen auf geplante Maßnahmen zu verlagern. Wirtschaftliche Effekte können reduzierte Notfalleinsätze, weniger Folgeschäden durch späte Eingriffe, bessere Nutzung von Ersatzteilen und effizienteren Einsatz der Instandhaltungsressourcen umfassen.

Ein konservativer Ansatz ist, die letzten 12 Monate Instandhaltungskosten zu betrachten und zu identifizieren, welche Kategorien plausibel durch bessere Überwachung beeinflusst werden: Reparaturen nach Ausfällen, Überstunden, Eilfrachten für Teile sowie qualitätsbedingte Verluste im Zusammenhang mit Anlagenzuständen. Anschließend sollten diese Annahmen in einem Pilotprojekt validiert werden, bevor skaliert wird.

Produktivität und Expertenwissen

In vielen Anlagen ist nicht eine Maschine der empfindlichste Punkt, sondern das Know-how. Wenn ein erfahrener Müller weiß, welche Einstellung wann zu wählen ist und warum, läuft die Anlage gut. Wenn dieses Wissen nicht übertragen wird, wächst die Leistungsstreuung.

Digitale Tools schaffen ROI, indem sie Suchaufwand nach Informationen reduzieren, Entscheidungen durch gemeinsame KPIs und klare Handlungsempfehlungen standardisieren, „Stammeswissen“ in Daten und Modellen festhalten und schnellere Eskalation sowie Unterstützung ermöglichen, wenn etwas abweicht. Dieser Hebel lässt sich über reduzierte Fehlerbehebungszeiten, weniger Qualitätsvorfälle pro Schicht und kürzere Einarbeitungszeiten bis zur Kompetenz belegen.

Anstatt eine „perfekte“ Amortisationszahl zu präsentieren, empfiehlt es sich, eine Bandbreite zu zeigen, die von wenigen Variablen getrieben wird:

  • Ausbeute: 0,10 und 1 Prozentpunkt Verbesserung testen
  • Energie: 1, 5 und 10 Prozent Reduktion testen
  • Verfügbarkeit: 0,2, 0,5 und 1,0 Prozentpunkte OEE-Verbesserung testen

Typische ROI-Fallstricke (und wie man sie vermeidet):

  • Den gleichen Nutzen doppelt zählen (z. B. zusätzliche Tonnen bewerten und zusätzlich reduzierte Stillstandskosten, die ohnehin erforderlich waren, um diese Tonnen zu erzeugen).
  • Ermöglichende Kosten wie Sensorik, Kalibrierung, Integration und Training ignorieren. Diese sollten als Fähigkeitsinvestitionen betrachtet werden, die über mehrere Anwendungsfälle amortisiert werden.
  • Zu früh zu viel „Advanced AI“ versprechen, bevor Bediener Level-2-KPIs vertrauen. Wenn Dashboards nicht glaubwürdig sind, werden geschlossene Regelkreise nicht akzeptiert.

Ein glaubwürdiges ROI-Modell zeichnet sich durch zwei Eigenschaften aus: Es ist transparent in Bezug auf seine Annahmen und es ist in Anlagendaten verankert. Die Randnotizen in diesem Artikel liefern Vorlagen, die Sie auf Ihre Anlage anpassen können; Abb. 2  zeigt exemplarisch, wie sich typische Hebel nachvollziehbar zu einem Gesamtbild addieren (die dargestellten Werte sind illustrativ).

Zuschreibungsregeln definieren

Wenn Nutzen gemessen werden, laufen oft mehrere Veränderungen parallel: eine neue Weizenmischung, eine größere Instandhaltungsmaßnahme, ein neuer Bediener und ein digitales Tool. Legen Sie im Voraus fest, wie die Zuschreibung erfolgen soll. Viele Anlagen nutzen einfache Regeln wie „kein Credit, wenn sich die KPI-Veränderung nicht mit einer protokollierten Aktion deckt“ und „Nutzen werden erst nach einer Stabilisierungsphase gezählt“. Das mag bürokratisch klingen, ist aber genau das, was eine ROI-Story für Finanzteams und Kunden glaubwürdig macht.

Abb. 2: One-Page-ROI-Rechner (Vorlage)
Abb. 3: KPI-Starterset für Mühlen
Abb.4. Beispielhafte ROI-Aufschlüsselung aus typischen digitalen Hebeln (illustrativ) (Alle Grafiken: Bühler).

Warum Level 3 die ROI-Kurve verändert

Wenn es bei Level 2 darum geht, schneller zulernen, geht es bei Level 3 darum, schneller – und konsistenter – zu handeln. Das Whitepaper beschreibt Level 3 als die Stufe, in der der menschliche Eingriff reduziert wird, weil die Anlage einige Schlüsselprozesse selbst optimieren kann. Dabei werden einfache Regelkreise, die es bereits seit Längerem gibt (etwa Ascheregelkreise, in denen ein Sensor eine Maschine zur Parameteranpassung veranlasst), kontrastiert mit komplexeren Regelkreisen, bei denen mehrere Prozesseingangsgrößen gleichzeitig reagieren, um die Endproduktqualität zu halten. Genau diese koordinierte Anpassung im Prozesskontext stellt den qualitativen Sprung dar (Bühler AG, SmartMill Whitepaper, n. d.).

Mahlspaltoptimierung

Die Einstellung des Mahlspalts gilt als eine der ikonischsten Aufgaben der Müllerei, weil sie direkt Ausbeute, Energieverbrauch und Qualität beeinflusst – und weil sie viel Erfahrung erfordert. Traditionell erfolgen Anpassungen in längeren Abständen und müssen mit vielen anderen Aufgaben des Bedieners in Einklang gebracht werden.

Der «Grinding-Optimizer» (Mahloptimierung) überwacht jeden Walzenstuhl kontinuierlich und analysiert Daten wie Ausbeuteindikatoren und Temperaturmuster. Sie kann dem Bediener spezifische Anpassungen empfehlen und anschließend ausweisen, wie sich diese auf Endproduktqualität und Energieverbrauch ausgewirkt haben. Mit wachsendem historischem Datenbestand über mehrere Mühlen hinweg ist das Ziel, Mahlspaltanpassungen unter allen Bedingungen autonom durchführen zu können.

Das Whitepaper liefert ein illustratives Beispiel: Eine Unwucht wird an einer C1-Passage festgestellt, woraus eine Empfehlung resultiert, rechts um 25 Minuten zu öffnen, mit einer erwarteten Verbesserung von 17 Prozent weniger Energieverbrauch. Die Kernaussage ist weniger der exakte Prozentsatz, sondern der Mechanismus: Kontinuierliche Überwachung identifiziert einen Zustand, der in routinemäßigen manuellen Kontrollen möglicherweise unauffällig bleibt, und übersetzt ihn in eine konkrete Korrekturaktion mit messbarem Effekt.

Mehlfeuchteoptimierung

Wasserhaushalt und Mehlfeuchte sind Bereiche, in denen die Variabilität zunimmt, insbesondere da Wetterbedingungen weniger vorhersehbar werden. Zu entscheiden, wie viel Wasser zugegeben oder entzogen werden soll, ist eine Feinabstimmung, die erfahrenes Urteil erfordert. Der Prototyp des «Flour Moisture Optimizers» (Feuchtigkeitsoptimierung) automatisiert diese Entscheidungsfindung mittels Algorithmen, die Echtzeitdatenauswerten. Neben dem Wassergehalt des Rohmaterials berücksichtigen die Algorithmen die Umgebungsfeuchte in der Mühle, aktuelle Wetterbedingungen, Prognosen und den Wassergehalt in früheren Rezepten. Das System schlägt Anpassungen zur Produktivitätssteigerung vor; sobald der Datensatz groß genug ist, können Anpassungen autonom ausgeführt werden.

Aus Business-Case-Perspektive kann Feuchteoptimierung Wert generieren durch:

  • Geringere Varianz und bessere Einhaltung der Zielwerte.
  • Weniger Energie- und Zeitaufwand für die Korrektur von Abweichungen.
  • Reduktion von Qualitätspuffern (weniger „auf Nummer sicher gehen“ durch Unter- oder Überzielung).
  • Stabilere Downstream-Performance beim Kunden, die zum kommerziellen Differenzierungsmerkmal werden kann.

Der entscheidende Punkt: Level 3 geht nicht darum, Menschen aus dem Prozess zu entfernen. Es geht darum, die Last permanenter manueller Feinjustierung zu verringern, damit qualifizierte Mitarbeitende sich auf höherwertige Aufgaben konzentrieren können: Rohstoffstrategie, Produktentwicklung, Störungsanalyse und kontinuierliche Verbesserung.

Ein ähnlicher Logikpfad gilt im Mischfutterbereich, wo die wertvollsten Regelkreise häufig um Dosiergenauigkeit, Flüssigzugabe, Konditionierungsfeuchte/-temperatur und Stabilität der Pelletpresse angeordnet sind. In diesen Bereichen kann eine unterstützende Regelung Ausfallchargen reduzieren, Energiepeaks glätten und den Durchsatz stabilisieren. Das Prinzip ist dasselbe wie in der Getreidemüllerei: Zuerst Überwachung etablieren, dem die Bediener vertrauen, dann den Regelkreis nur dort schließen, wo Sensoren und Aktoren genügend Eingriffstiefe undTransparenz bieten, um innerhalb von Produkt- und Sicherheitsgrenzen zu bleiben.

Abb. 5. Überwachung/Open Loop vs. unterstützte geschlossene Regelkreise (konzeptionell).

Wie man anfängt

Wenn Ihre Anlage eine SmartMill-ähnliche Reise in Erwägung zieht, sollte der beste Ausgangspunkt kein Technologiekatalog sein. Es ist eine kurze Liste von Fragen, die Klarheit über ROI und Machbarkeit erzwingen

  • „Haben wir eine Baseline, der wir bei Ausbeute, Energie und Verfügbarkeit vertrauen?“
    Falls nicht, investieren Sie zunächst in Messung und Definitionen. „Connect“ ist nicht glamourös, aber oft der Schritt mit dem höchsten ROI, weil er spätere Fehlanstrengungen verhindert.
  • „Welche zwei oder drei Schmerzpunkte kosten uns am meisten?“
    Wählen Sie Hebel, bei denen der Wert offensichtlich und messbar ist: chronische Stillstände an einem Aggregat, inkonsistente Feuchte, die Puffer zwingt, Energie-Hotspots oder wiederkehrende Qualitätsabweichungen.
  • „Können wir ein Pilotprojekt mit engem Scope und klaren Erfolgskriterien fahren?“
    Definieren Sie Erfolg in ein oder zwei KPIs, legen Sie die Messmethode im Vorfeld fest und verpflichten Sie sich zum Lernen – auch dann, wenn der erste Durchlauf Datenlücken offenlegt.
  • „Haben wir die richtigen betrieblichen Leitplanken und Verantwortlichkeiten?“
    Gerade für unterstützte und geschlossene Regelkreise sind Grenzen, Freigaben und Override-Optionen zu definieren. Machen Sie es den Bedienern leicht, Vertrauen zu fassen und das System zu übernehmen.
  • „Sind wir bereit, funktionierende Lösungen zu skalieren?“
    Viele Anlagen weisen im Pilot Nutzen nach und bleiben dann stehen. Planen Sie frühzeitig Schulung, Standardisierung und Roll-out über Linien hinweg ein – dort wird der volle ROI realisiert.

Die beschriebene SmartMill-Reise ist eine schrittweise Entwicklung hin zu einer halbautonomen und langfristig selbstoptimierenden Anlage. Für die meisten Mühlen und Mischfutterwerke ist der wirtschaftlich klügste Weg derselbe: mit Konnektivität und Überwachung beginnen, die sich schnell rechnen, Vertrauen durch belastbare Evidenz aufbauen und anschließend in unterstützte Regelkreise investieren, wo prozesswirtschaftlich am stärksten ist. Richtig umgesetzt wird Digitalisierung weniger zu einer Technologiediskussion und mehr dazu, reale Variabilität in Echtzeit in ein Profit-Center zu verwandeln.

Alexis Noël, Leiter Produktmanagement Smart Factory

Alexis ist Leiter des Produktmanagements Smart Factory bei der Bühler Group in Uzwil und leitet die digitale Transformation des Geschäftsbereichs Milling Solutions. Er kümmert sich um das digitale Serviceportfolio, mit einem Fokus auf KI-Services und datengestützte Beratung. Bekannt für seine funktionsübergreifende Führungskompetenz und sein Know-how in Sachen digitale Strategie, treibt Alexis Innovationen und den Markterfolg bei Digitalisierungsinitiativen voran.

Vom vernetzten Mühlenbetrieb zur selbstoptimierenden Anlage
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Getreide
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Baden-Württemberg

Weniger Zutaten, mehr Belege

Biogetreide
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Die BIOFACH fand vom 10. bis 13. Februar 2026 in den Messehallen in Nürnberg statt.
2026
2/19/2026
Weniger Zutaten, mehr Belege

Rund 2.200 Aussteller aus fast 90 Ländern sowie knapp 32.000 Fachbesucher nahmen an der BIOFACH 2026 teil. Jeder zweite davon reiste aus dem Ausland an. Damit erreichte die Messe, trotz der Streiks im Nah- und Luftverkehr, ihre Zielgruppen. Das Kongress-Leitmotto lautete „Growing Tomorrow: Young Voices, Bold Visions!“ und stellte junge Perspektiven bewusst in den Mittelpunkt. Besonders stark zog es das Publikum in die Rechts- und Regulierungsrunden. Die meistbesuchten Panels „EU Regulatory Update“ und „Neues vom Bio Recht: Was sich in der Öko Verordnung ändert und ändern muss“ zogen zusammen 415 Teilnehmer an. Wer heute in Bio investiert, muss Verordnungstexte, Kontrollstellenpraxis und Kennzeichnungslogik so sicher beherrschen wie Rohstoff und Prozessparameter.

Die Eröffnungsfeier mit Reden von Landwirtschaftsminister Alois Rainer und Aktivistin Neubauer (Foto: Messe Nurnberg).

Zur Eröffnungsfeier sprachen Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und Aktivistin Luisa Neubauer. Dennoch blieben im Saal einige Stuhlreihen unbesetzt. Dominik Dietz, Leitung BIOFACH, setzte bei den Branchentrends auf Einfachheit und Reinheit: „Kurze Zutatenlisten, quasi keine oder wenige Zusatzstoffe, unkomplizierte Zubereitung und eine klare Kommunikation.“ Für Mühlen und Verarbeiter skizziert das die technischen Aufgaben. Wer präziser produziert und Zusatzstoffe reduziert, erhöht die Bedeutung von Rohstoffqualität, Fraktionierung, Enzymaktivität und Prozessstabilität. Die Messeleitung blickte in ihrer Pressekonferenz bereits auf 2027. Dietz sprach von zahlreichen Vergrößerungswünschen und davon, dass bereits über zwei Drittel der Fläche für 2027 gebucht seien. Gleichzeitig blieb das Messekonzept in den Hallen Gesprächsstoff. Kleinere Aussteller drängen auf mehr Regionalität und auf Kostenstrukturen, die eine Teilnahme auch ohne große Budgets erlauben. Größere Anbieter wünschen eine internationale Bühne mit hoher Frequenz und Sichtbarkeit.

An vielen Ständen gab es für Besucher Angebote zum Probieren (Alle folgenden Fotos: Sabine Kemper).

Zur Innovationsschau gehörte die Erlebniswelt Planatary Health, die Ernährung entlang planetarer Grenzen greifbar machen sollte. Der Neuheitenstand präsentierte 480 Produkte. In den Start up Pitches gewann das Unternehmen pack&satt einen BIOFACH Award. In der Kategorie Technik und Ausstattung erhielt die Treffler Maschinenbau GmbH & Co. KG den „Best New Product Award“ für den Mühlomat.

Indien war in diesem Jahr das Land des Jahres. Die Veranstalter begründeten die Wahl mit wachsender Biokompetenz des Landes und dessen Exportstärke. Für europäische Verarbeiter und Mühlen, die vor allem regional handeln, schwingt mit der Ausrichtung Richtung Asien eine zweite Ebene mit. Globalisierung kann das Rohstoffportfolio zwar erweitern, erhöht aber die Anforderungen an Analytik, Audits und Lieferkettensteuerung.

Kröner Stärke hatte am Stand Proben seiner neuen Texturen dabei u.a. für Fleischersatzprodukte wie vergetarische Bolognese.

Der Messebesuch von Mühle + Mischfutter galt dem Getreide und Mühlenumfeld. Hier zeigte sich die BIOFACH als Netzwerkmesse im besten Sinne. Wir trafen Kunden, Lieferanten und Kollegen, wir sprachen mit vielen Müllern über Marktlage, Erntequalität und über den nächsten Schritt in der Produktentwicklung. Bei der Rubinmühle sieht Christopher Rubin besondere Chancen beim diesjährigen Partnerland. Indien spielt für ihn nicht als Einkaufsmarkt eine Rolle, sondern als möglicher Herkunftsort für Auszubildende. Der Rohstoffmarkt bleibt regional, der Arbeitsmarkt wird international. „Die Handwerkskammer Region Stuttgart hat ein Projekt gestartet, um in Indien junge Leute für eine Ausbildung in Deutschland zu gewinnen. Gerade ist eine Mitarbeiterin unserer Geschäftsstelle vom baden-württembergischen Müllerbund in Indien auf einer Studienreise mit der Handwerkskammer,“ erzählt der Müller.

„Die BIOFACH fühlt sich immer ein bisschen wie ein Klassentreffen an. Man freut sich auf bekannte Gesichter.“ Christopher Rubin.
Christopher Rubin von der Rubinmühle.

Am Stand der Meyermühle ging es um Produktdifferenzierung über klassische Stellgrößen. Christoph Heger, Vizeweltmeister 2025 der Brot Sommeliers, beschrieb Mehle, bei denen der Kunde über Granulation und spezielle Mischungen mitentscheiden kann. „Wir haben uns überlegt Mehle anzubieten, bei denen der Kunde die Granulation und spezielle Mischung wählt. Abgestimmt auf den einzelnen Kunden werden die Mehle gemischt.“ Heger nannte Pizzamehle, Spätzlemehl und Nudelmehl als typische Felder um spezielle Maschinengängigkeiten, Biss- oder Kaueigenschaften zu erreichen. Leo Distler, Leiter Getreideeinkauf der Meyermühle, brachte die Messefunktion in einem Satz auf den Punkt: „Auf der BIOFACH möchte ich mein Netzwerk pflegen sowie Gespräche über die aktuelle Marktsituation führen.“

Ich freue mich darauf, den einen oder anderen wieder zutreffen, den man im täglichen Büroarbeitsalltag nicht sieht.“ Leo Distler.
V.l.n.n.r.: Christoph Heger, Leo Distler und Gerhard Mittermeier am Stand der Meyermühle.

Das Ingenieurbüro Barthel präsentierte eine neue Maschine am Stand. Tilman Barthel stellte das Bildanalysegerät der italienischen Marke IST vor, gedacht für Labor und Probennahme. „Das Gerät macht genauso wie ein Farbsortierer Bilder. Aber es wird nichts sortiert, es wird nur das Ergebnis angezeigt,“ erklärt der Ingenieur. Der Kern liegt in der quantitativen Fremdbesatz-Analyse. Barthel beschrieb den Nutzen mit Blick auf Hafer: Man lässt 500 Gramm über das System laufen und erhält eine sehr genaue Aussage, wie viele einzelne Weizenkörner oder Gerstenkörner in der Probe stecken. „Sie analysiert 500 Gramm in vier Minuten.“ Von einer Mühle habe man gehört, dass sie dafür mit einer konventionellen Sortierung bis zu zwanzig Minuten brauche. Die neue Maschineliefert damit eine belastbare und schnelle Entscheidungshilfe, bevor eine Charge in die Verarbeitung geht, gerade wenn es um glutenfreie Positionierungen oder um die Frage geht, ob Rohware vor der Sortierung bereits rein genug ist.

V.l.n.r.: Tilman Barthel, Steffen Kürbis, Solveig Mai und von der Firma IST Srl. aus Ferrara Sales Director Aldo Borgatti.
Diebayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (mitte) besucht JosefScheller (links) und Beatrix Schaipp (rechts) von der Scheller Mühle.

Die Spielberger Mühle präsentierte verfeinerte Haferflocken, die gesundheitliche Aspekte berücksichtigen. Bei den High Protein Haferflocken setzt Spielberger auf eine Flockenmischung, die zusätzliche Proteinprozentpunkte erreichen soll, ohne Zusätze. Ein zweites Produkt adressiert Beta Glucan mit dem Ziel, das Cholesterin zu senken. Heidenreich ordnete das pragmatisch ein. High Protein spreche eher junge Zielgruppen an, Beta Glucan eher ältere, bei denen Cholesterinwerte häufiger zum Thema werden. Zusätzlich verwies sie auf eine Mischung zur Darmgesundheit, die Spielberger mit Roggenflocken ergänzte, weil Haferflocken an sich für die Darmgesundheit stehen und man die Darmflora gezielt unterstützen wolle.

„Wir haben lange an der Zusammenstellung geforscht, weil wir ohne Zusätze aus unseren Flockenmischungen heraus die Wirkung erzielen möchten.“ Christiane Heidenreich (Spielberger Mühle)

Vertreibsleiter Axel Frerks beschrieb die technische und rechtliche Seite. Die größte Challenge lag aus seiner Sicht darin, Nährwerte über Flocken und Kleie zu erreichen, ohne Additive. Die Nährwertbestimmung vergebe Spielberger extern an unabhängige Institute. Beim Thema Prüfung differenzierte Frerks zwischen Verbandsanforderungen und Nährwertbelegen. Demeter achte auf Logo und Rohstoffqualität, Nährwerte lasse man messen. In seinen Worten klang das Risiko mit, das heute jede Produktneuheit begleitet: Wettbewerber und Abmahnakteure schauen genau hin. Wer Health Claims nutzt, braucht dokumentierte Sicherheit.

Das Ehepaar Volkmar Spielberger und Christiane Heidenreich bietet mit Flockenmischungen eine natürliche Antwort auf Nahrungsergänzungsmittel.
Axel Frerks präsentiert die Neuheiten der Spielberger Mühle.

Die BIOFACH nutzt Anne Rolle von der C.F. Rolle Mühle für Kundengespräche. „Wir sind wie immer mit dabei, weil wir Bio leben und die Vielfalt auf den Tellern weiterhin sehen wollen.“ Auf der BIOFACH treffe man Kunden, Lieferanten und knüpfe internationale Kontakte, auch wenn die Messe kostenintensiv sei und eine Woche Messe anstrengend bleibe. Am Stand des Anbauverbandes GÄA fühle es sich wie ein Heimkommen an, „ein bisschen wie Familie,“ so Anne Rolle. Und sie formulierte einen kulturkritischen Nebensatz, der hängen blieb. In Frankreich zelebriere man Essen, in Deutschland esse man oft schnell zwischendurch im Stehen. Man kann das als Bonmot abtun. Man kann es auch als Hinweis lesen, dass Wertschätzung für Lebensmittel nicht allein über Preisaktionen und Labels entsteht, sondern über Alltagskultur.

Anne Rolle und Ralph Schweigert von der C.F. Rolle Mühle.

Die Sonderkonjunktur bei Emmer war der Gesprächsstoff am Stand von SLP Schwäbische Landprodukte. Geschäftsführer Michael Sailer erklärte, der Auslöser für den Boom sei die hohe Nachfrage aus Asien. Vor allem gut verdienende Märkte wie Korea, Japan oder Taiwan hätten Emmer entdeckt und in den vergangenen zwei Jahren große Mengen gekauft. „Den Markt haben die leergefegt.“ Sein Unternehmen habe davon profitiert und den Anbau für die Ernte 2026 kräftig ausgedehnt. Die Ernte sei im Prinzip bereits verkauft, die Kontrakte abgeschlossen, so Sailer. Ein Großteil gehe Richtung Asien, aber auch der deutsche und europäische Marktfrage Emmer sehr gut nach. Auf Nachfrage differenzierte Seiler zwischen Bio und konventioneller Ware. In seinen Silos für Emmer seien etwa 35% Bio und rund zwei Drittel konventionell. Gerade nach Asien gehe viel konventionelle Ware. Zugleich sei die Preisspanne zwischen konventionell und Bio dadurch kaum mehr vorhanden.

Wir handeln schon fünfzehn Jahrelang Emmer und haben Höhen und Tiefen erlebt. Gott sei Dank sind wir jetzt im Höhenflug.” Michael Sailer.
Michael Seiler und Matthias Jung von SLP Schwäbische Landprodukte.

Am Ende verdichteten sich unsere Eindrücke. Präzisere Rohstoffarbeit, bessere Analytik, saubere Dokumentation und rechtssichere Kommunikation werden auch für die Biobranche wichtiger. Davon handelten viele Gespräche, die wir in Nürnberg führten, ob zu maßgeschneiderten Mehlmischungen, zur Bildanalyse oder bei Haferflocken mit Nährwertangaben. Die BIOFACH 2027 findet vom 16. bis 19. Februar 2027 in Nürnberg statt.

Geschäftsführer und Inhaber Andreas Hubmann von der Minderleinsmühle mit Werner Ohr (rechts).  

Heribert Strobl, Ingrid Strobl und ihr Sohn Christof Strobl von der Caj. Strobl Naturmühle.

Geschäftsführer Ralph Seibold mit seinen Mitarbeitern am Stand der SchapfenMühle.  

Wilfried Binternagel und Stefan Spanel von Kreyenborg.

Peter Stallberger, Geschäftsführer Goodmills Österreich mit einer Mitarbeiterin am Stand.

Emily Gregor und Geschäftsführer Willi Frießinger am Stand der Frießinger Mühle.

Die bayerischen Aussteller und die Bio-Königin Anna-Lena Dworschak begrüßen ihreLandwirtschaftsministerin Michaela Kaniber am Gemeinschaftsstand.
Bio-Königin Anna-Lena Dworschak ist gelernte Agrarmanagerin und bewirtschaftet einen eigenen Bio-Gemüse- und Milchviehbetrieb. 

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Bühler AG mit Jahresergebnisse für 2025

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Bühler verzeichnet 2025 sinkende Umsätze bei steigender Marge und wachsendem Servicegeschäft.
2026
2/18/2026
Bühler AG mit Jahresergebnisse für 2025

Am 16. Februar 2026 ordnete Bühler die Ergebnisse für 2025 in einem weltweit herausfordernden Umfeld für Investitionsgüter ein. Der Bestelleingang sei in lokalen Währungen stabil geblieben, jedoch ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahr zurück. Durch Kostendisziplin und interne Produktivitätssteigerungen konnte Bühler seine EBIT-Marge auf 8% erhöhen (Vorjahr: 7,6%). Dies ermögliche weiterhin Investitionen, so Stefan Scheiber, CEO bis Ende 2025 und Verwaltungsratspräsident:

“Dank unserer globalen Präsenz, unseren zuverlässigen Lieferketten und unserer starken Kundenorientierung konnten wir die negativen Auswirkungen auf unser Geschäft weitgehend ausgleichen.“

Zudem habe Bühler den Wechsel auf Verwaltungsratsebene gemeistert und sichere als Familienunternehmen Kontinuität.

Auf Konzernebene sei der Auftragseingang in lokalen Währungen um 0,5% gesunken. In Schweizer Franken nannte Bühler einen Rückgang um 3,9% auf 2,7 Mrd. CHF. Der Umsatz sei in lokalen Währungen um 4,4% zurückgegangen (in Schweizer Franken um 7,8% auf CHF 2,8 Mrd.). Als Ursachen nannte Bühler den schwächeren Auftragseingang des Vorjahres, Verschiebungen in der Projektabwicklung und verzögerte Materiallieferungen in einzelnen Märkten. Für die Mühlen und Getreidewirtschaft ist der Blick auf Grains and Food zentral. Der Bereich habe ein positives Jahr mit stabilen Aufträgen hinter sich, jedoch mit einem Auftragsrückgang von 1,1% auf 2.147 Mio. CHF. Innerhalb von Grains & Food hätten sich gegenläufige Trends gezeigt. Chocolate & Coffee verzeichneten einen Auftragsanstieg von 31,0% auf 325 Mio. CHF. Value Nutrition hatte ebenfalls ein zweistelliges Auftragswachstum von 12,7%. Die Aufträge von Grain Quality & Supply und Consumer Foods gingen dagegen um 7,4% bzw. 8,8% zurück und der Auftragseingang von Milling Solutions ging gegenüber dem Vorjahr sogar um 14,3% zurück. Trotz Normalisierung nach dem Peak im Jahr 2024 lässt sich das als Warnsignal für den Teilbereich deuten. Der Anstieg der EBIT-Marge auf 8% (Vorjahr 7,6%) bei sinkenden Umsätzen spricht für Kostendisziplin und Produktivitätsgewinne. CFO Mark Macus sieht es positiv:

„Genau diese Cash Position brauchen wir, um künftig aktiv Innovationsprojekte zum Nutzen unserer Kunden voranzutreiben.“
Die Ergebnisse des Konzerns von 2021 bis 2025 auf einen Blick.

CEO Samuel Schär will keine radikalen Veränderungen für die kommende Periode:

„Wir werden die Dinge nicht radikal verändern, aber wir werden für unsere Kunden da sein (…) ein Kernelement ist der Service. Er macht inzwischen rund 38 % unseres Umsatzes aus und wir sehen weiterhin Potential.

Samuel Schär ist seit Anfang 2026 CEO von Bühler. Er folgt auf Stefan Scheiber, der nun Präsident des Verwaltungsrats ist (Foto: Bühler).

Mehr als 30.000 aktive Kunden mit Maschinen von Bühler seien ein Hebel, um Erträge, Energieeffizienz und Betriebszeit in globalen Lebensmittel- und Materialwertschöpfungsketten zu verbessern. Im Jahr 2025 habe der Customer Service seinen Anteil am Gesamtumsatz auf 38,3% erhöht (Vorjahr: 35,4%). Die Zahl der langfristigen Serviceverträge mit Kunden sei in allen Geschäftsbereichen

und Regionen von 2.500 auf über 3.000 gestiegen. Das deutet auf eine Verschiebung des Geschäftsmodells von projektgetriebenen Erlösen hin zu wiederkehrenden, vertraglich gebundenen Leistungen über den Lebenszyklus der Anlage. Optimistisch gesehen, kann dies Betriebsstabilität, planbare Instandhaltung und stärkere Energieeffizienzprogramme bedeuten. Kritisch könnte man fragen, ob der Hersteller damit schlicht auf die zyklische Schwäche im Neuanlagengeschäft reagiert und sich stärker an die installierte Basis kettet.

Regional verwies das Management auf eine Verschiebung der Dynamik. In den USA seien die Aufträge um 31% zurückgegangen, weil Kunden wegen der Zollthematik Investitionen zurückgestellt hätten. Das stärkste Wachstum habe Bühler in Nahost, Afrika und Indien gesehen. Afrika sei im Lebensmittel und Futtermittelgeschäft erstmals die größte Region gewesen. Europa bleibe insgesamt die größte Region mit 31% Anteil am Konzern, dort habe Bühler eine gute Nachfrage in der Müllerei, in Feed sowie in Confectionery gesehen, während Advanced Materials unter anderem durch die schwache Automobilkonjunktur belastet gewesen sei.

Zur Balance aus Kostendisziplin und Innovationsinvestitionen im Mühlensektor stellte Mühle + Mischfutter die Nachfrage, ob die Forschungs- und Entwicklungsausgaben für innovative Müllereitechnologien aufrechterhalten werden oder ob Bühler stärker auf Upgrades und servicegetriebene Verbesserungen fokussiert? Stefan Scheiber betonte, dass Bühler in den nächsten Jahren beides verfolgen möchte. Scheiber möchte eigene Anlagen bei Kunden unterstützen und sieht Potential in der Wartung und Modernisierung von Wettbewerbsanlagen. Für Innovationen nannte er eine neue Plansichter Generation und Neuentwicklungen bei der Reinigung. Die Variabilität der Rohstoffqualitäten nehme nach Darstellung Bühlers durch den Klimawandel zu und damit würden Reinigung, Sortierung und Vorbehandlung als Stabilitätsfaktoren im Prozess immer wichtiger.

Bühler AG mit Jahresergebnisse für 2025
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Nordrhein-Westfalen

Betriebliche Altersvorsorge für Müller

Müller
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Wie sicher die Anlagen der Müllerei-Pensionskasse sind, erläutert ihr Vorsitzender Paul Wessling.
2026
2/18/2026
Betriebliche Altersvorsorge für Müller

Die BVK ist eine Dachorganisation für berufsständige Versorgungseinrichtungen in Bayern und mit zwölf Altersversorgungseinrichtungen ein Schwergewicht in Deutschland. Allein in Bayern hat ca. jeder fünfte Haushalt Ansprüche auf Renten-Leistungen aus der BVK. Die Versicherung hat nach eigenen Aussagen in den letzten Jahren Gelder ihrer Versicherten in Höhe von rund 1,2 Mrd. Euro in US-Immobilien investiert. Verluste daraus in Höhe von 288 Mio. Euro hat die BVK bereits abgeschrieben und kommuniziert die weiteren Verlustrisiken mit rund 690 Mio. Euro. Zur Aufarbeitung der windigen Immobilienanlagen in den USA u.a. mit einem vorbestraften Makler ist die Münchener Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Die Versicherten erfuhren von den Verlusten teilweise erst aus der Presse.

Renten in Gefahr, heißt es auch bei Zahnärzten. Das Versorgungswerk der Berliner Zahnärzte hat rund die Hälfte ihres Ende 2024 verwalteten Gesamtvermögens von rund 2,2 Milliarden Euro verzockt. Das Investment in eine Garnelenzucht, die 2025 pleiteging, sei nur ein Beispiel für die schrägen und risikoreichen Investments des Versorgungswerks, so das Handelsblatt im Januar 2026. Jetzt erhöht das Versorgungswerk die Pflichtbeiträge seiner Mitglieder, um die Kassen wieder aufzufüllen. Die beiden Finanzskandale werfen Fragen zur berufsständigen Versorgung auf: Wie sicher bleiben Anwartschaften, wenn die Versorgungseinrichtung mit Anlagen in Schieflage gerät?

Müllerei-Pensionskasse

Für Mühlenbetriebe arbeitet die Müllerei-Pensionskasse (MPK) als Versicherungsunternehmen unter dem Versicherungsaufsichtsgesetz und unterliegt ebenfalls der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Auf der Homepage gibt die MPK für 2022 rund 6.700 Versicherte an und eine Bilanzsumme von rund 131 Mio. Euro, wovon rund 125 Mio. Euro angelegt sind. Die Kasse beschreibt ihren Geschäftszweck klar: Sie erbringt betriebliche Altersversorgung für Mitarbeiter ihrer Trägerunternehmen und deren Hinterbliebene und nennt für Neuzugänge eine garantierte Verzinsung von 0,25% der Sparbeiträge. Sie stellt lebenslange Alters-, Invaliden- und Hinterbliebenenleistungen auf Basis einer beitragsorientierten Leistungszusage in Aussicht und trägt nach eigener Darstellung biometrische Risiken wie Langlebigkeit und Invalidisierung.

Was bedeutet das für Mühlenunternehmen, die Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung anbieten, sowie für Mitarbeiter, die Entgelt umwandeln, konkret? In einem Umfeld, in dem Einrichtungen wegen schwacher Zinsen über Jahre diversifizieren mussten, bleibt im Kern die gleiche Frage wie in der Mühle: Wer definiert Grenzwerte, wer prüft Rohmaterial, wer kontrolliert laufend, und wer zieht Konsequenzen, wenn Kennzahlen kippen? Antworten zur Risikoabsicherung gibt Paul Wessling, Vorsitzender der Müllerei-Pensionskasse im Interview.

Paul Wessling ist Vorsitzender der Müllerei-Pensionskasse (MPK).

M+M: Wie schaffen Sie die Balance zwischen Rendite-Garantien und Ertragsanforderungen im aktuellen Zinsumfeld? Welche Risiken geht die Müllerei-Pensionskasse bei ihrer Anlagestrategie ein?

Paul Wessling: Vorab lassen Sie mich kurz einordnen, welche Unterschiede im Umfang und in der Intensität einer Bundesaufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) und der Aufsicht über Versorgungswerke bestehen. Berufsständige Versorgungswerke wie die Bayerische Versorgungskammer oder das Versorgungswerk der Zahnärzte Berlin, Bremen und Brandenburg sowie weitere 90 Versorgungswerke (VW) für die Berufsgruppen der Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Patentanwälte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer, Psychotherapeuten und Ingenieure sind Träger der ersten Säule der Altersversorgung, da diese Kammerberufe grundsätzlich von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit sind. Das Vermögen lag in 2024 bei rd. 290 Mrd. €. bei ca. 12,5 Mrd. € Beitragseinnahmen von 950.000 Versicherten und einer monatlichen Rente von Ø 2.200 €. Die Aufsicht über diese Versorgungswerke ist Ländersache und ist meist im Justiz- oder Wirtschaft- und  Finanzministerium angesiedelt, wobei die Ressourcen und der Umfang der Aufsichtsreferate abweichen. Versorgungswerke unterfallen somit nicht der BaFin wie Versicherungen und Pensionskassen und sind ausgenommen aus dem Rechtsrahmen des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) .

Pensionskassen unterfallen der materiellen Staatsaufsicht und werden reguliert durch die BaFin. Sie unterliegen einer regelmäßigen strengen und umfangreichen Berichtserstattung und Meldepflicht. Die Balance zwischen Rendite-Garantien und Ertragsanforderungen halten wir durch Beachtung der wesentlichen Anlagegrundsätze wie Sicherheit, Liquidität, Rentabilität und Qualität einer Kapitalanlage mit Sicherstellung einer diversifizierten Mischung der Anlageinstrumente wie festverzinsliche Wertpapiere oder Aktien sowie einer ebenfalls risikoarmen Streuung der Schuldner und Emittenten solcher Anlagen.

Die Diversifikation und Streuung tragen wesentlich dazu bei, das Verlustrisiko zu reduzieren, wobei wir bei Emittenten mit guter Bonität und/oder mit der Bereitstellung von dinglichen Sicherheiten wie Grundpfandrechten oder bestehenden Sicherungseinrichtungen investieren wie Sparkassen, Landesbanken, Genossenschaftsbanken und Banken im Bundesverband der Banken (welche auch von der BaFin oder der EZB beaufsichtigt werden), aber auch in öffentlich-rechtliche Anstalten, Kommunen, Gemeinden und Städte, europäische Länder, Regionen oder europäische Organisationen mit Haftung der EU-Staaten.

M+M: Welche personengebundenen Verantwortlichkeiten und Kontrollen haben Sie festgelegt? Wie organisiert Ihre Pensionskasse die Due Diligence, also die Vorprüfung, bei komplexen Anlagen, insbesondere bei Auslandsimmobilien, Fondsvehikeln und Joint Ventures, und welche Prüfungen führen Sie zur Integrität von Geschäftspartnern, Managern und Intermediären durch, bevor Sie Kapital zusagen?

Paul Wessling: Als regulierte Pensionskasse sind die Möglichkeiten zur Kapitalanlage verbindlich vorgeschrieben in der sogenannten Anlageverordnung (AnlV). Diese regelt den Umfang jeder Anlageart über ein Limit-System und die Gattung des Schuldners über Streuungsgrenzen: Bei Aktien ist dies maximal 1% des Kassenvermögens je Aktiengesellschaft oder max. 5 % bei einem Unternehmen, jedoch bis zu 30% bei Bund, Ländern und Gemeinden und 15% bei Anlagen in ein Kreditinstitut.

Weiterhin ist es Pensionskassen nicht möglich, alleine zu handeln, denn alle Transaktionen in der Kapitalanlage erfordern zwingend die Zustimmung des Treuhänders unserer Kasse nach § 128 VAG, sei es ein Kauf oder Verkauf einer Anlage, aber auch die Tilgung eines Darlehens oder die Rückzahlung einer Anleihe wegen Fälligkeit bedürfen seiner Genehmigung.

Die Kommunikation mit dem Treuhänder und die Dokumentation darüber werden von der BaFin streng kontrolliert, damit eben keine Limit-Verletzungen in der Mischung oder der Streuung eintreten, was sicherlich bei auch den von Ihnen angesprochenen Versorgungswerken den Schaden gemindert hätte. Komplexe Anlagen und Joint Ventures werden von der MPK nicht getätigt, wohl aber indirekt in einem Büroimmobilienfonds mit europäischen Standorten. Der Fonds wiederum ist ebenfalls BaFin-reguliert durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft und die Depotbank und unterliegt den Regelungen des Kapitalanlage-Gesetzbuches (KAGB).

Die machbaren Kapitalanlagen sind neben der Anlageverordnung nochmal individuell niedergeschrieben in der Kapitalanlage-Richtlinie der MPK und schränkt die Möglichkeiten der Anlageverordnung ein. Sie wird jährlich im Aufsichtsrat besprochen und verabschiedet.

M+M: Welche harten Risikolimite gelten bei Ihnen für risikoreiche Assets und einzelne Manager?

Paul Wessling: Die Anlageverordnung sieht Beteiligungskapital über Aktien oder Gesellschafteranteile an Unternehmen sowie Asset-Back-Securities und High-Yield-Anleihen als risikoreich an und begrenzt diese Anlagen auf 1% bis 7,5% des Vermögens. Bis auf einen kleinen Aktienfonds mit einem Volumen von ca. 0,7% unseres Vermögens, investiert in Gesundheit- und Medizintechnik, tätigen wir solch risikoreichen Anlagen nicht. Aktuell haben wir 90% des Vermögens in festverzinslichen Anlagen angelegt, 8% in Immobilienfonds zu Wohnen, Büro, Bildung und Pflege und 2% Liquidität.

M+M: Wie stellen Sie Transparenz gegenüber den Versicherten und den Trägerunternehmen sicher und welche Kennzahlen, Berichte und Erläuterungen liefern Sie in welchen Zeiträumen, damit ein Versicherter Risikopositionen, Kosten und Wertschwankungen nachvollziehen kann?

Paul Wessling: Pensionskassenzusagen als Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung unserer Trägerunternehmen sind von Beginn an fest zugesagte Leistungen zum Renteneintritt und unterliegen keinen Schwankungen, denn es handelt sich weder um ein Kundendepot noch um fondsgebundene Zusagen. Bei solchen Zusageformen trägt der Versicherte das Risiko von Wertschwankungen. Sicher unterliegen auch die Vermögenwerte der MPK Marktschwankungen. Steigt der (Leit)-Zins, fallen die Marktwerte und sie nehmen zu, wenn der Zins sinkt.

Da eine Pensionskasse jedoch Verpflichtungen über Jahrzehnte zusagt und bedecken muss, sind wir Langzeitinvestoren, halten die Wertpapiere bis zur Fälligkeit und erhalten die Rückzahlungen zum investierten Nominalwert. Das geschätzte Ausfallrisiko unserer Anleihen liegt bei rd. 2 Promille. Jährlich erhalten unsere Mitglieder eine Standmitteilung ihrer Rentenansprüche und eingezahlten Beiträge. Sie können auch jederzeit seit 2022 über die digitale Rentenauskunft die MPK-Versorgung einsehen. Die testierten und geprüften Geschäftsberichte werden auf unserer Homepage veröffentlicht sowie die Grundsätze der Anlagepolitik nach § 234i VAG. Die Trägerunternehmen erhalten jährlich einen Überblick ihrer versicherten Mitarbeiter und das Volumen der zugesagten Betriebsrenten.

M+M: Angenommen, eine größere Anlage gerät unter Druck und erzeugt erhebliche Abschreibungen. Welche Mechanismen schützen die Anwartschaften und laufenden Leistungen und wie schnell informieren Sie in einem solchen Fall die Gremien und die Versicherten?

Paul Wessling: Für den Fall, dass es trotz aller Vorsicht und Überwachung durch die Aufsicht infolge Krisen am Kapitalmarkt oder politischer oder geopolitischer Krisen dennoch zu einem Verlust einer Pensionskasse kommen sollte und die Kasse von der BaFin aufgefordert wird, die Renten- und Rentenzusagen zu senken, ist der Arbeitgeber als Trägerunternehmen in der subsidiären Haftung zur Zahlung des Differenzbetrages, geregelt in §1 Betriebsrentengesetz.

Ist der Arbeitgeber zum Zeitpunkt der Leistungskürzung nicht mehr existent durch Geschäftsaufgabe oder Insolvenz, dann wird der Differenzbetrag vom Pensions-Sicherungs-Verein übernommen. Arbeitgeber mit betrieblicher Altersversorgung über eine Pensionskasse, Unterstützungskasse oder eine Direktzusage mit entsprechenden Pensionsrückstellungen in der Unternehmensbilanz müssen eine beitragspflichtige Mitgliedschaft im PSV beantragen und zahlen jährlich einen Beitrag in Abhängigkeit der zugesagten Altersvorsorge-Verpflichtungen gegenüber ihren Mitarbeitern.

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Wie die Verbannung von Experten die Energiewende zum Scheitern verurteilte

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Die deutsche Energiewende zeigt, was geschieht, wenn theoretisches Wissen die reale Expertise verdrängt.
2026
2/18/2026
Wie die Verbannung von Experten die Energiewende zum Scheitern verurteilte

Der Chemiker, Philosoph und Informatiker Alexander Schatten forscht in Wien an der TU Wien und bei SBA Research und arbeitet als Berater. Er war Geschäftsführer mehrerer Unternehmen und beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Hexenmeister oder Zauberlehrling? Die Wissensgesellschaft in der Krise“ mit der Frage, wie moderne Gesellschaften mit Wissen umgehen (Foto: Alexander Schatten).

M+M: Die deutsche Energiewende sei ein Lehrstück dafür, was passiert, wenn man Wissen und Expertise verwechselt, so Ihre These. Wie unterscheiden Sie explizites, modellierbares Wissen von tacit knowledge aus jahrzehntelanger Praxis, und wie hat diese Verwechslung konkret zum Niedergang des deutschen Energiesystems und der Industrie beigetragen?

Alexander Schatten: Der Unterschied zwischen verschiedenen Arten des Wissens ist nicht meine Erfindung, sondern sehr alt und geht bereits auf die Antike zurück. So werden im antiken Griechenland, sowie Rom zwei Begriffe verwendet: Episteme (im Griechischen) oder Scientia (im Lateinischen) für Wissen um seiner selbst willen. Das Wort »Science«, also Wissenschaft, leitet sich nicht zufällig von diesem Wort ab. Dann aber gibt es noch Techne (gr.) und Ars (lat.) für angewandtes Wissen. Der moderne Begriff der »Technik« leitet sich offensichtlich von Techne ab.

Noch interessanter und passender aber scheint der lateinische Begriff Ars zu sein, denn Ars bedeutet nicht nur Wissen, sondern auch Kunst. Vieles von dem, was Experten in der Praxis machen, hat in der Tat eine nicht leicht fassbare Qualität. In der modernen Betrachtung würde ich dies als Expertise und Wissen abgrenzen. Damit eng verbunden sind die Begriffe Tacit sowie Explicit-Knowledge. Explizites Wissen ist formalisierbar, abstrahierbar und kann in Artikeln und Büchern niedergeschrieben werden. Daher ist es auch das an Universitäten dominierende Wissen. Die Suche-im-Licht-Analogie lässt sich hier anwenden. Für akademische Studien und Theorien ist alles, was sich explizit ausdrücken und beschreiben lässt, viel einfacher fassbar als implizites und praktisches Wissen. Es dominiert daher die akademische Welt weniger, weil es so viel nützlicher ist, als vielmehr, weil es sich leichter in formalisierbare Prozesse integrieren und »bewerten« lässt.

Tacit Knowledge, also implizites Wissen ist all das, was von enormer Bedeutung ist, aber sich eben nicht einfach formalisieren, aber sehr wohl erlernen oder mit Erfahrung erweitern lässt. Fahrradfahren lässt sich nicht aus einem Buch lernen, sondern durch praktische Übung; welches Wort ich hier als Nächstes schreiben werde, lässt sich durch kein Modell vorhersagen und ich selbst kann das nicht in einer Meta-Betrachtung erklären und dennoch entsteht hier (hoffentlich) ein sinnvoller und vollständiger Satz. Auch technische Verfahren wie die Herstellung von Wafern (den Grundlagen für Mikroprozessoren) ist ein Beispiel für Expertise, ebenso wie erfolgreiche Programmierung in komplexen Softwaresystemen oftmals mehr von Gefühl und Erfahrung als niederschreibbarem Wissen abhängig. Dasselbe trifft auf das Betreiben, die Wartung und Weiter aller komplexer Infrastruktur zu, wie etwa der Energieversorgung einer Nation.

In der deutschen Energiewende hat man dieses Erfahrungswissen systematisch unterschätzt oder bewusst herabgestuft. Man glaubte, mit immer ausgefeilteren Energiesystemmodellen die Realität vollständig abbilden zu können. Diese Modelle hatten enormes Gewicht in der politischen Entscheidungsfindung. Komplexe Modelle haben zusätzlich das Problem, dass sie von zahlreichen Parametern abhängig sind und Auswahl sowie Setzung dieser Parameter weitreichende Folgen für das Modell hat. Gleichzeitig saßen viele der Fachleute, die Kraftwerksbetrieb, Netzstabilisierung oder Schutztechnik aus eigener Anschauung kennen, nicht mehr am Tisch. Ihre Einwände galten schnell als rückständig oder interessengeleitet.

Das Ergebnis sehen wir heute. Keines der großen Modelle hat die tatsächliche Entwicklung der Kosten, der Bauzeiten, der Netzstabilität oder der CO₂ Emissionen auch nur annähernd korrekt vorhergesagt. Man hat auf Grundlage scheinbar gesicherten Wissens Entscheidungen getroffen, die das gewachsene Stromsystem in Richtung eines fragilen, wetterabhängigen Gebildes verschoben haben. Diese fragile Energieversorgung schlägt nun direkt auf die Industrie zurück, durch hohe Preise, zunehmende Unsicherheit und Standortentscheidungen gegen Deutschland.

M+M: Kritische Infrastruktur ist das Ergebnis einer langen evolutionären Entwicklung, so Ihre Einschätzung. Können Sie dies am Beispiel des deutschen Stromsystems erläutern und aufzeigen, was schiefgehen kann, wenn in kurzer Zeit ein völlig anderes System auf Basis volatiler Erzeuger etablieren will?

Alexander Schatten: Technische Infrastrukturen wie Stromnetze, Eisenbahnen oder Wasserversorgung entstehen nicht am Reißbrett. Sie wachsen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte. Am Anfang steht eine Innovation, häufig spielerisch oder in einer Nische. Wird sie von der Gesellschaft als nützlich erlebt, skaliert sie. Aus einzelnen Anlagen entsteht ein Verbundsystem, aus dem Verbundsystem eine kritische Infrastruktur, von der andere Bereiche abhängen. In dieser langen Phase entsteht ein enormer Bestand an Betriebserfahrung. Ingenieure lernen, welche Anlagen sich bewähren, welche Reservekonzepte robust sind, wie Schutztechnik und Regelung in Extremsituationen reagieren. Vieles davon steht in keinem Lehrbuch und kann daher gesellschaftlich leicht vergessen werden. Mit schwerwiegenden Folgen. Es steckt in Routinen, in unzähligen Detailentscheidungen, in einer Kultur des vorsichtigen und evolutionären Weiterentwickelns. Diese Evolution kann auch relativ schnell ablaufen, aber nur, wenn entsprechende Freiheitsgrade möglich sind. Oder wie schon Helmuth Moltkeim es im 19. Jahrhundert formulierte:

»Kein Plan überlebt die erste Feindberührung.«

Wenn man ein solches System in kurzer Zeit und gezielt auf eine völlig andere Struktur umstellen will, noch dazu auf Energieträger mit stark schwankender Einspeisung, dann verlässt man diesen evolutionären Pfad. Besonders dann, wenn es in keiner anderen Nation entsprechende Erfahrungswerte gibt. Dazu kommt, dass besonders von Laien und Politikern Skalierungseffekte gerne übersehen werden. Was im kleinen Maßstab und in der Powerpoint-Präsentation funktioniert, zeigt auf ein Bundesland oder gar eine Nation skaliert oftmals völlig andere Effekte.

"Die Energieversorgung wird somit zum ungeschickten Großversuch, bei dem die physikalischen und betrieblichen Grenzen erst im laufenden Betrieb sichtbar werden." Alexander Schatten.

Genau das ist in Deutschland passiert. Statt einen langen, durch Erfahrung rückgekoppelten Anpassungsprozess zu gestalten, hat man in erstaunlich kurzer Zeit wesentliche tragende Säulen wie Kernkraftwerke abgeschaltet und vollständig neue, volatilen Quellen dominieren lassen, ohne die notwendige Infrastruktur wie Speicher, Reservekraftwerke und Netze in der gleichen Tiefe und mit gleicher Sorgfalt aufzubauen. Und dies, wie gesagt, ohne nennenswerte Erfahrungswerte und mit dem blinden Glauben, dass Wunsch und Wahrheit zusammengehen. Das sind sie offensichtlich nicht. Da man zusätzlich keine Rückkopplungsschleife eingebaut hat, ist man nicht sehenden, sondern blinden Auges in die Krise gelaufen. So hat etwa eine Bürgeranfrage »Frag den Staat« ergeben, dass man bewusst bei einem Mega-Projekt wie der Energiewende, auf Kostenkontrolle verzichtet hat.

» Zunächst dürfen wir anmerken, dass die Bundesregierung keine Gesamtkostenrechnung zur Energiewende unternimmt. Eine solche Rechnung hätte sehr hohe methodische Anforderungen und könnte nur zu eingeschränkten Ergebnissen führen. «

In jedem Unternehmen wäre eine solche Antwort sofort mit einem Rücktritt der Geschäftsführung verbunden, beziehungsweise hätte harte rechtliche Folgen.

M+M: In Ihren Texten kritisieren Sie, dass Modelle und Think Tanks die praktische Expertise der klassischen Energieversorger verdrängt haben. Wie haben aus Ihrer Sicht Politik, Verwaltung, Institute und Beratungsorganisationen zusammengewirkt, um Ingenieure mit praktischer Expertise aus dem Entscheidungsprozess zu drängen und welche Folgen hatte das konkret?

Alexander Schatten: Wir sehen in vielen Politikfeldern ein ähnliches Muster. Es bildet sich eine relativ kleine Blase aus Ministerien, nachgelagerten Behörden, Think Tanks, NGOs und wissenschaftlichen Instituten. Diese Akteure teilen oft ähnliche Ausbildungshintergründe, ähnliche politische Vorannahmen und ähnliche Kommunikationsformen. In der Energiewende kamen komplexe Simulationsmodelle hinzu, die scheinbar objektive Antworten lieferten, tatsächlich aber aufgrund der gegebenen Anreizsysteme die aktivistisch/politisch gewünschten Ergebnisse liefern.

Klassische Energieingenieure, also Menschen, die Netze, Kraftwerke und Großanlagen wirklich betreiben, passten in dieses Kommunikationsmuster immer weniger hinein. Sie argumentieren mit Betriebserfahrungen, mit konkreten technischen Zwängen, mit dem Verhalten von Anlagen in realen Störfällen. Das ließ sich politisch schlecht erzählen, vor allem wenn es den dominierenden Narrativen widersprach. Kritische Hinweise wurden deshalb zu oft als Lobbyarbeit oder Techniknostalgie abgetan. Die Folge war, dass die entscheidenden Gremien und Beratungsstrukturen fachlich einseitig besetzt waren.

Die Versorgungssicherheit wird fragiler, weil wetterbedingte Schwankungen und gleichzeitige Lastspitzen schwerer beherrschbar sind.

Die Konsequenzen sind sichtbar. Die Netzstabilität lässt sich nur noch mit erheblichem Aufwand sichern, unter anderem mit Eingriffen der Netzbetreiber und zunehmend mit Hilfe von Nachbarländern. Die Versorgungssicherheit wird fragiler, weil wetterbedingte Schwankungen und gleichzeitige Lastspitzen schwerer beherrschbar sind. Die Kosten sind deutlich gestiegen, für Haushalte ebenso wie für die Industrie. Und bei der CO₂ Bilanz stellt man fest, dass der forcierte Ausbau von Wind und Photovoltaik ohne ausreichend steuerbare Erzeuger und Speicher dazu führt, dass Kohle und Gas als Rettungsanker erhalten bleiben müssen. Darin zeigt sich ein Strukturproblem der Wissensgesellschaft. Sie überschätzt das formalisierbare Wissen und unterschätzt jene Expertise, die man nicht in ein Modell pressen kann, die aber im Betrieb hochkomplexer Systeme unverzichtbar ist. Die Folgen sind leider jetzt deutlich sichtbar. Das oft zitierte Bonmot gilt somit auch hier:

„Man kann die Realität ignorieren, aber man kann nicht die Folgen des Ignorierens der Realität ignorieren.“

M+M: Sie sprechen von einem „Generationenfehler“ bei der Frühpensionierung und ideologisch getriebenen Aussteuerung erfahrener Fachleute. Wie wurde diese Expertise nach Ihrer Beobachtung systematisch entwertet, welche langfristigen Schäden entstehen, dadurch und welche Verbindung sehen Sie zur aktuellen Erosion des Industriestandorts Deutschland?

Alexander Schatten: In den Jahren nach Fukushima wurden in Deutschland tiefgreifende politische Entscheidungen getroffen, insbesondere zur Kernenergie. Diese Entscheidungen hatten zur Folge, dass ganze Bereiche der Energieversorger aufgelöst oder verkleinert wurden. Hochqualifizierte Kernkraftingenieure, aber auch viele Fachleute aus der konventionellen Kraftwerkstechnik und Netztechnik gingen in Frühpension oder suchten sich andere Tätigkeiten. Dies betrifft natürlich nicht nur die gescheiterte deutsche Energiewende: Statt die Kompetenz die Deutschland in der Kerntechnik hat zu nutzen und global zu einem Geschäftsmodell der grünen Energie zu machen, hat man sich entschieden, dieses Knowhow abzubauen, und das Geschäft anderen Nationen zu überlassen.

Gleichzeitig dominierte in der öffentlichen Debatte eine stark moralische und ideologische Sicht. Wer auf die Bedeutung dieser Expertise hinwies oder vor übereilten Abschaltungen warnte, wurde schnell in eine defensive Position gedrängt. So entstand ein Klima, in dem es rational erschien, Erfahrungswissen aus angeblich überholten Technologien nicht mehr zu pflegen. Damit verlor Deutschland innerhalb von gut einem Jahrzehnt einen erheblichen Teil seiner Betriebskompetenz für großtechnische Anlagen, die prinzipiell viele Jahrzehnte sicher und effizient laufen können. Dieses Erfahrungswissen lässt sich nicht kurzfristig zurückholen. Es fehlte in der Phase, in der man Übergangskonzepte hätte gestalten müssen, und es fehlt heute, wenn man über Revisionen oder mögliche Neubewertungen von Technologien nachdenkt.

Die Verbindung zum Industriestandort liegt auf der Hand. Ein Land, das seine kritischen Infrastrukturen nur noch mit Mühe stabil hält und seine Energiepreise nach oben treibt, verliert an Attraktivität für energieintensive Produktion. Unternehmen treffen Investitionsentscheidungen nicht aufgrund von Szenariostudien, sondern anhand erlebter Versorgungssicherheit und realer Kosten. In diesem Sinne trägt der Verlust von Expertise ganz direkt zur Erosion des Standorts bei.

M+M: Wenn Sie ein Lernprogramm für eine mögliche „Energiewende 2.0“ formulieren müssten: Welche Prinzipien wären aus Ihrer Sicht unverzichtbar und wie müsste ein Umbau der Energiesysteme aussehen, der evolutionär statt revolutionär vorgeht?  

Alexander Schatten: Zunächst braucht es eine nüchterne Bestandsaufnahme. Man muss anerkennen, dass die bisherige Form der Energiewende zentrale Ziele verfehlt hat und dass Deutschland heute ein teures und fragiles System betreibt. Auf dieser Grundlage würde ich drei Prinzipien formulieren.

- Erstens muss der Umbau evolutionär erfolgen. Statt große Sprünge auf Basis optimistischer Modelle zu planen, braucht es inkrementelle Schritte, die man im laufenden Betrieb testet und korrigiert. Kritische Infrastrukturen dürfen kein politisches Experimentierfeld sein. Es müssen Rückkopplungsschleifen etabliert werden, die stetige Erfolgs- oder Misserfolgskontrolle und entsprechendes Umsteuern erlauben.

- Zweitens müssen wir verteilte Expertise systematisch einbinden. Das bedeutet, dass Betreiber von Kraftwerken und Netzen, Planer, Instandhalter und Schutztechniker wieder einen festen Platz in den Entscheidungsprozessen erhalten. Menschen, die im Störungsfall nachts in der Leitwarte sitzen, brauchen eine Stimme in der Strategie. Dazu gehört auch echtes „Skin in the Game“ für alle Beteiligten. Wer Entscheidungen über Milliardeninvestitionen und Systemrisiken trifft, sollte spürbare Verantwortung tragen, wenn sich diese Entscheidungen als grob fehlerhaft erweisen.

- Drittens brauchen wir eine technikoffene Betrachtung der verfügbaren Optionen. Dazu gehören klassische steuerbare Kraftwerke, moderne Kerntechnik, Gas und flexible Kraft-Wärme-Kopplung ebenso wie Wasserkraft, Pumpspeicher, Netzausbau, Speichertechnologien und intelligente Laststeuerung. Volatile Erzeuger wie Wind und Photovoltaik können eine gewisse Rolle spielen, aber sie müssen in ein System integriert werden, das physikalisch robust ist und nicht von Wunschdenken manipuliert wird.

Wenn man diese Prinzipien ernst nimmt und das Verhältnis von Wissen und Expertise neu austariert, kann langfristig eine Energiewende gelingen, die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz besser zu verbinden. Kurzfristig muss man aber sagen, dass es durch die schweren Fehler der vergangen Jahrzehnt nur mehr darum gehen kann, die existenzielle vernichtende Schäden an Gesellschaft und Wirtschaft zu vermeiden.

Die Wissensgesellschaft in der KriseAlexander Schatten zeigt in diesem Buch anhand unterhaltsamer Beispiele, dass Fortschritt aus Widersprüchen und Fehlern entsteht und dass die Wissenschaft anfällig für Moden und Ideologien ist. Je komplexer die Welt, so der Autor, desto wichtiger sind kritisches Denken, Redefreiheit und offener Diskurs. Seifert Verlag 2025.
Wie die Verbannung von Experten die Energiewende zum Scheitern verurteilte
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Bauck-Onlineshop bringt B2B-Bereich für Firmenkunden an den Start

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Großkunden können Sackware im Onlineshop der Bauck GmbH bestellen.
2026
2/10/2026
Bauck-Onlineshop bringt B2B-Bereich für Firmenkunden an den Start

Rund ein Jahr, nachdem der neue Onlineshop der Bauck GmbH an den Start gegangen ist, präsentiert der Bio-Lebensmittelhersteller jetzt seinen neuen B2B-Bereich für Firmenkunden. Auch dieser wird unter der Verantwortung des Tochterunternehmens BauckOnline GmbH geführt.

Ab sofort haben damit Einrichtungen wie Bäckereien, Gastronomien, Hotels, Schulen und noch mehr die Gelegenheit, Bio- und Demeter-Produkte aus der Bauck Mühle in großen Mengen bequem online zu bestellen und von B2B-Konditionen zu profitieren. Neben Sackware mit 25 kg Füllmenge stehen auch die Kleinpackungen zur Verfügung. Voraussetzung für eine Registrierung als B2B-Kunde ist eine gültige Umsatzsteuer-Identifikationsnummer.

Durch den neuen Bereich im Onlineshop nimmt die Bauck GmbH den Außer-Haus-Verkauf in den Fokus. Ziel ist es, hochwertige Bio-Lebensmittel überall wo möglich in der Gesellschaft verfügbar zu machen – nicht nur im stationären Handel. Somit schließt das Unternehmen auch die Lücke zwischen dem eigenen Geschäft mit Großgebinden und dem Großhandel. Größeren Kunden ist es nun möglich, auf allen verfügbaren Absatzkanälen ihre Ware zu bestellen.

Hannes Öhler, Leiter Marketing, Kommunikation & E-Commerce bei der Bauck GmbH, übernimmt in dem Zuge auch die Geschäftsführung der BauckOnline GmbH. „Wir stellen uns im Online-Geschäft breiter auf“, begründet Hannes Öhler diesen Schritt. „Ich freue mich darauf, den Bereich ab sofort offen, zukunftsfähig und innovativ mitzugestalten.“
„Mit der Erweiterung unseres Onlineshops positionieren wir uns weiter als moderner, verlässlicher Partner für alle Kundinnen und Kunden“, erklärt Friedemann Wecker, Geschäftsführer der Bauck GmbH. „Das neue Angebot ist die ideale Ergänzung zu unserem bestehenden B2B-Geschäft, womit wir optimal für Wünsche und Anfragen jeglicher Art zur Verfügung stehen.“
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Mittelstand verliert an wirtschaftlichem Gewicht

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Die wirtschaftliche Lage der Kleinst-, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland spitzt sich weiter zu.
2026
2/8/2026
Mittelstand verliert an wirtschaftlichem Gewicht

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit offenbart, dass die Anteile der KMU an Umsatz und Beschäftigung in Deutschland von 2018 bis 2023 um jeweils rund vier Prozentpunkte gesunken sind. Beim Anteil an der Bruttowertschöpfung sind es im selben Zeitraum gut zwei Prozentpunkte. Was diese Entwicklung noch drastischer erscheinen lässt: Die Zahl der Unternehmen ist zwischen 2018 und 2023 deutlich gestiegen – um 22 Prozent auf rund 3,16 Millionen Unternehmen und mit 99,3 Prozent ist der KMU-Anteil seit 2018 beinahe unverändert.

„Wie befürchtet, ist das Weihnachtsgeschäft zum vierten Mal in Folge am Einzelhandel vorbeigegangen. Vor allem Kleinst- und kleine Unternehmen spüren die anhaltende Kaufzurückhaltung, steigende Kosten und den strukturellen Wandel besonders stark“, konstatiert Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG. Sein Fazit: „2025 war ein weiteres verlorenes Jahr für den Mittelstand.“
Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG (Foto: Datev).

Hinter der Muschelkalkfassade mit den unregelmäßigen Fenstern arbeiten rund 1.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Software-Entwicklung. Über dem Eingangsbereich schwebt ein DATEV-Logo mit aufgestelltem Schriftzug. Die Anlage wurde im Rahmen eines studentischen Wettbewerbs von drei Design-Studentinnen der Hochschule Hof entwickelt (Foto: Datev).

Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen machen also immer weniger Umsatz. Gleichzeitig steigen die Arbeitskosten kräftig: Die Löhne legten 2023 um 5,1 Prozent und 2025 um weitere 4,2 Prozent zu.

„Da verwundert es nicht, dass die Steuerberater in unserer Befragung DATEV-Branchenbarometer von wachsenden Liquiditätsrisiken, Restrukturierungen und zunehmenden Geschäftsaufgaben ihrer Mandanten berichten“, sagt Prof. Dr. Robert Mayr, CEO der DATEV eG. „Viele kleine Unternehmen nähern sich dem Punkt, an dem sich die Geschäftstätigkeit einfach nicht mehr lohnt.“

2025 war Rekordjahr bei Insolvenzen

Diese Beobachtung korreliert mit der Zahl der Insolvenzen in Deutschland, die 2025 einen neuen Höchststand erreicht hat. Besonders betroffen sind Kleinstunternehmen ohne Beschäftigte sowie größere Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bei den klassischen KMU mit ein bis 100 Beschäftigten zeigt sich 2025 dagegen eine leichte Beruhigung, nachdem sie 2024 noch die höchsten Zuwächse beim Insolvenzgeschehen verzeichnet hatten. Ein Teil dieser Entwicklung lässt sich direkt in den DATEV-Systemen beobachten und prognostizieren: In den Gehaltsabrechnungsprogrammen von DATEV werden etwa 20 Prozent der Insolvenzen von Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter sichtbar – beispielsweise über Pflichtabmeldungen zur Unfallversicherung. Für die letzten Monate des Jahres 2025 deutet sich hier ein weiterer Anstieg an. Dabei bedeutet ein Insolvenzverfahren aber nicht immer das Aus für den Betrieb. Immerhin ein knappes Drittel der Unternehmen können anschließend fortgeführt werden.

„Insolvenzen sind schmerzhafte Einschnitte, aber sie markieren oft auch Übergänge, aus denen Neues entsteht. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten gehen mit ihnen tiefgreifende Anpassungsprozesse einher: Geschäftsmodelle werden hinterfragt, Unternehmen neu ausgerichtet oder gegründet, Märkte ordnen sich neu“, erläutert Robert Mayr. Zugleich betont er die tragende Rolle, die die steuerliche Beratung bei der Rettung von Unternehmen in Schieflage spielt: „Steuerberater sind in diesen Phasen weit mehr als Zahlenexperten – sie geben Orientierung, sichern Existenzen und begleiten ihre Mandanten vom Risiko zur neuen Perspektive.“

Schwerpunkt bei Betriebsaufgaben wandert nach Westen

Ein interessantes Detail: Regional verschiebt sich der Schwerpunkt bei den ungeplanten Betriebsaufgaben deutlich. War 2024 insbesondere der Osten Deutschlands betroffen, liegen die Hotspots 2025 klar im Westen. Dieses Bild bestätigt auch ein Blick auf die Insolvenzen, die gegenüber dem Vorjahr besonders stark in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zugenommen haben. Auffällig ist dabei, dass es einen ähnlichen regionalen Trend bei Gewerbeanmeldungen gibt: Wo viele Unternehmen aufgeben, entstehen zugleich mehr neue – ein Zeichen für Anpassungs- und Erneuerungsprozesse. Nach Branchen betrachtet, zeigt sich ein differenziertes Bild für das Baugewerbe, Verarbeitende Gewerbe und Gastgewerbe. Im Baugewerbe hat sich diese Zunahme seit vier Jahren verfestigt – mit einem Rekordwert von 382 Verfahren im April 2025 und einem Spitzenanstieg von über 45 Prozent im Oktober 2024. Im Verarbeitenden Gewerbe drücken anhaltend schwache Umsätze auf die Ertragslage, sodass die Insolvenzen im April 2025 mit 184 Fällen ihren bisherigen Höhepunkt erreichten. Auch im Gastgewerbe konnten nominale Umsatzsteigerungen die Effekte von Preissteigerungen, Personalmangel und steigenden Insolvenzen nicht kompensieren – im Oktober 2025 wurde hier der bisherige Höchststand erreicht.

Die komplette Auswertung DATEV Spotlight 1/2026 Insolvenzen (inklusive Jahresrückblick) steht hier zum Download bereit.

Methodik

Das DATEV Spotlight Insolvenzen (inklusive Jahresrückblick) analysiert die Entwicklung von Insolvenzen und Betriebsaufgaben im Zeitraum Oktober 2024 bis September 2025. Die Auswertung basiert auf einer Sonderanalyse des DATEV-Branchenbarometers, ergänzt um Daten des DATEV Mittelstandsindex sowie Daten des Statistischen Bundesamts (DESTATIS). Das DATEV-Branchenbarometer beruht auf einer repräsentativen Befragung von 547 Steuerberatungskanzleien (online) sowie 100 zusätzlichen Telefoninterviews mit Nicht-Mitgliedern zwischen dem 13. Oktober und 13. November 2025. Die Ergebnisse wurden nach Kanzleigröße, Region und Mandantenstruktur gewichtet und hochgerechnet. Der DATEV Mittelstandsindex stützt sich auf anonymisierte Daten aus über einer Million Unternehmen und mehr als acht Millionen Beschäftigten aus den DATEV-Abrechnungssystemen.

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150 Jahre Innovation – Tradition mit Zukunft

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Aus Hamburg in die Welt: Amandus Kahl prägt den globalen Maschinen- und Anlagenbau.
2026
2/3/2026
150 Jahre Innovation – Tradition mit Zukunft

Als Amandus Kahl 1876 in Hamburg unter dem Namen Wendte & Kahl startet, liegt der Schwerpunkt zunächst auf Öfen und Herden. Mit der Übernahme einer Eisengießerei im nahegelegenen Stade beginnt die eigene Fertigung – die Grundlage für die spätere Spezialisierung im Mühlen- und Anlagenbau. Über Jahrzehnte hinweg arbeitet das Unternehmen an beiden Orten parallel: In Hamburg sind Vertrieb sowie Konstruktion und Entwicklung ansässig, in Stade und später auch in Hamburg wird produziert. 1965 folgt schließlich der strukturell wichtigste Schritt der Firmengeschichte: Der Umzug nach Reinbek vereint erstmals Verwaltung, Ingenieurbüro, Konstruktion und Produktion an einem Standort und bildet damit die Grundlage für das heutige, dort weiterhin expandierende Werk. Der Standort wird seitdem, unter anderem durch Investitionen in neue Fertigungskapazitäten sowie den Ausbau des Maschinenparks, kontinuierlich erweitert und modernisiert. Auf einer Fläche von aktuell rund fünf Hektar bildet er heute außerdem das Zentrum der KAHL Firmengruppe und bleibt auch in Zukunft ein wesentlicher Ort ihrer Weiterentwicklung.

Mit breitem Portfolio zum Komplettanbieter

International bekannt wird Amandus Kahl vor allem durch die Entwicklung der Flachmatrizenpresse, die ein Paradebeispiel dafür ist, wie das Unternehmen Tradition und technische Innovationskraft verbindet. Die Pelletpresse, die ihren Ursprung Mitte der 1920er-Jahre hat, ist bis heute und auch in Zukunft das Kernprodukt des Unternehmens. Sie wurde in den vergangenen Jahrzehnten konsequent an die Anforderungen unterschiedlichster Einsatzgebiete angepasst, etwa hinsichtlich Durchsatzmengen und spezifischer Materialeigenschaften. Damit eignet sich die KAHL Flachmatrizenpresse heute für eine Vielzahl industrieller Anwendungen, von der Futtermittel- und Biomasseverarbeitung über Recyclingprozesse bis hin zu Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaanwendungen. Neben Pelletpressen umfasst das Maschinen- und Anlagenportfolio von Amandus Kahl heute unter anderem Expander, Extruder, Kollermühlen, Brechwalzenstühle, Trockner, Kühler und Wirbelschichtanlagen. Mit den Jahren wuchs das Portfolio sowohl im Bereich der Einzelmaschinen als auch für schlüsselfertige Produktionslinien.

Montage Presse Matritze (Foto: Kahl).

Amandus Kahl ist die führende Schwesterfirma der KAHL Gruppe, die heute neun in ihren Branchen marktführende Unternehmen mit insgesamt rund 900 Mitarbeitenden umfasst. Der historisch gewachsene Zusammenschluss begann mit der Übernahme von Neuhaus Neotec 1990 und bündelt technologische Kompetenz von der Verfahrenstechnik bis zum Anlagenbau. Eine besondere Rolle spielt auch das firmeneigene Technikum. Dort werden Rohstoffeigenschaften getestet, Rezepturen entwickelt und Prozessparameter für industrielle Anwendungen definiert. Kunden erhalten so belastbare Ergebnisse für die Auslegung neuer Anlagen und Produkte.

„Unser Jubiläum ist ein Anlass, stolz auf die Entwicklung der vergangenen 150 Jahre zu blicken und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen. Innovation entsteht dort, wo Erfahrung und Neugier zusammenkommen. Dieses Zusammenspiel von Tradition und Zukunft prägt unser Unternehmen seit Generationen und bleibt auch künftig ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur“, so Joachim Behrmann, Geschäftsführer bei Amandus Kahl.
Produktmuster im Technikum (Foto: Kahl).

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Phytogene Lösung für mehr Energieeffizienz bei Stress von Dr. Eckel

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Hoher Polyphenolgehalt und doppelte Löslichkeit unterstützen Stoffwechsel, Resilienz und Leistung.
2026
1/28/2026
Phytogene Lösung für mehr Energieeffizienz bei Stress von Dr. Eckel

Das Produkt wurde gezielt entwickelt, um Tiere unter hoher Belastung zu unterstützen, etwa bei oxidativem Stress und systemischen Entzündungen. Ziel ist es, den Energiehaushalt zu stabilisieren und die Stoffwechseleffizienz zu fördern – für mehr Leistung und Widerstandskraft auch unter schwierigen Bedingungen.

Mit wachsender Leistung steigen auch Stoffwechseldruck, Umweltbelastung und Immunanforderungen. Häufige Leistungseinbußen sind oft nicht auf akute Erkrankungen zurückzuführen, sondern auf unsichtbare Prozesse wie oxidativen Stress und stille Entzündungen auf Zellebene. Diese können Energie kosten, das Immunsystem fordern und sich langfristig negativ auf Gesundheit, Leistung und Produktqualität auswirken. Anta®Sync setzt hier an: Der phytogene Zusatz wurde entwickelt, um Tiere bei der Bewältigung solcher Stressfaktoren zu unterstützen – und damit die Energieeffizienz auf Stoffwechselebene zu fördern.

„Wer Ressourceneffizienz verbessern will, muss die versteckten Energieverluste im Blick haben“, erklärt Dr. Viktor Eckel, Geschäftsführer Produkte und Innovation bei Dr. Eckel Animal Nutrition. „Oxidativer Stress und Entzündungen binden Energie und machen Systeme anfälliger. Anta®Sync unterstützt dabei, diese Belastungen zu begrenzen und die Tiere robuster zu halten – ein zentraler Hebel für nachhaltige Produktion.“

Die Kombination aus gezielt ausgewählten Pflanzenextrakten mit hoher Polyphenoldichte und technologisch optimierter Bioverfügbarkeit soll es ermöglichen, stressbedingte Stoffwechselkosten zu verringern und die Energieverwertung zu verbessern. So kann mehr Energie für Wachstum, Milchleistung oder Reproduktion zur Verfügung stehen.

„Was Anta®Sync besonders macht, ist sein hoher Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen, insbesondere Polyphenolen“, betont Dr. Temitope A. Aloba, Technical Sales Manager bei Dr. Eckel Animal Nutrition. „Zusätzlich sorgt die doppelte Löslichkeit der Formulierung dafür, dass die Inhaltsstoffe optimal aufgenommen werden – für eine gleichmäßigere Wirkung in der Praxis.“

Positive Erfahrungen aus der Praxis unterstreichen den Ansatz: Auf einem norddeutschen Milchviehbetrieb, der nach einem BTV-Ausbruch mit stark gesunkener Milchleistung und Qualität konfrontiert war, wurde Anta®Sync ergänzend eingesetzt. Die Herde erholte sich sichtbar: Die durchschnittliche Milchmenge stieg, die Zellzahlen stabilisierten sich und auch in der darauffolgenden Phase mit Hitzestress blieb die Leistung auf konstantem Niveau. Wie kann pflanzliche Ergänzung die Energiebilanz unter Stress verbessern? Im Webinar zu Anta®Sync am 11. Februar präsentiert Dr. Eckel Expertenwissen, aktuelle Erkenntnisse und Erfahrungen aus der Praxis.

Phytogene Lösung für mehr Energieeffizienz bei Stress von Dr. Eckel
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World Flour Day 2026 – Mehl ist Leben

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Am World Flour Day 2026 richtet sich der Fokus auf Regionen, in denen Mehl weit mehr ist als nur ein Nahrungsmittel.
2026
1/27/2026
World Flour Day 2026 – Mehl ist Leben

Am 20. März begeht die internationale Müllerei-Community zum siebten Mal den World Flour Day. Der Tag wurde 2020 vom MehlWelten Museum ins Leben gerufen und hat sich seither als fester Termin im Kalender der Branche etabliert. In diesem Jahr markiert er den Auftakt einer neuen globalen Perspektive. Unter dem Motto „Flour is Life“ richtet sich der Fokus auf Regionen, in denen Mehl weit mehr ist als nur ein Nahrungsmittel. Es ist tägliche Lebensgrundlage, Energiequelle und Voraussetzung für Bildung, Gesundheit und Entwicklung.

Flour is Life – in Kenia und weltweit

Der World Flour Day versteht sich als Einladung an die gesamte Wertschöpfungskette – von Mühlen über Bäckereien bis zum Handel –, die Bedeutung von Mehl für die Ernährungssicherheit sichtbar zu machen. Der Tag bietet Gelegenheit, eigene Initiativen zu starten oder bestehende Projekte zu unterstützen: ob durch Mehlspenden, die Förderung lokaler Ernährungsprojekte oder andere Formen des Engagements. Im Sinne des „Giving Day" geht es darum, gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

Zum Start des neuen Themenschwerpunkts stellt das MehlWelten Museum ein Beispiel aus Kenia vor. Die Dream Children‘s Home Initiative in der Nähe von Nairobi zeigt exemplarisch, wie grundlegend Mehl für das tägliche Leben sein kann. In der Einrichtung leben und lernen über 200 Kinder. Chapati und Ugali aus Weizen- und Maismehl bilden die Basis ihrer täglichen Ernährung und decken den überwiegenden Teil ihrer täglichen Energieversorgung. Die Schule ist zu einem stabilen Lernort mit festen Räumen geworden, der auch Kindern aus der Nachbarschaft offensteht. Was mit einfachen Blechhütten begann, ist heute ein Ort für Bildung, Gemeinschaft und Zukunft.

Das MehlWelten Museum (Foto: Sabine Kemper).

Diese Realität steht stellvertretend für Millionen Menschen weltweit. In zahlreichen Regionen ist Mehl das zentrale Element der Ernährung. Oft wird es ergänzt durch Gemüse und andere Beilagen. Der World Flour Day 2026 macht sichtbar, wie eng Mehl mit sozialen Chancen verbunden ist und welchen Beitrag es zu Entwicklung und Teilhabe leisten kann.

Start einer globalen Erzählung

Mit dem Beispiel aus Kenia beginnt eine mehrjährige kommunikative Reise um die Welt. Ziel ist es, die gesellschaftliche Bedeutung von Mehl weltweit darzustellen und den Blick auf seine Rolle in der globalen Ernährungssicherung zu schärfen.

Peter Steiner, Global Head der Business Unit von MC Mühlenchemie, erläutert die neue Ausrichtung. Die MC Mühlenchemie ist Trägerin des MehlWelten Museums und engagiert sich seit vielen Jahren für die Kommunikation der Bedeutung von Mehl. „Flour is Life“ ist weit mehr als ein Motto. Es ist die Beschreibung einer weltweiten Realität. Für viele Menschen sichert Mehl nicht nur das tägliche Brot. Es schafft Voraussetzungen für Stabilität, Bildung und Teilhabe. Als globale Community der Müllerei tragen wir Verantwortung dafür, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen und daran mitzuwirken, dass Menschen Zugang zu sicheren, bezahlbaren und kulturell verankerten Lebensmitteln haben. Dafür braucht es nicht nur Bewusstsein, sondern auch Lösungen.“

Ein Tag für eine weltweite Perspektive

Der 20. März wurde als Datum des World Flour Day gewählt, weil er auf der Nordhalbkugel den Frühlingsbeginn und auf der Südhalbkugel den Start der Erntezeit markiert. Der Tag steht sinnbildlich für Aufbruch, Wandel und Versorgung. 2026 wird er zum Startpunkt einer internationalen Erzählung über Mehl als Lebensgrundlage.

Das MehlWelten Museum in Wittenburg begleitet den World Flour Day mit der neuen Themenseite www.worldflourday.com. Es beherbergt nicht nur die weltweit größte Sammlung von Mehlsäcken. Als kulturelle Einrichtung stellt es die Bedeutung von Mehl für die menschliche Ernährung und seine sozialen, politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen von der Frühzeit bis heute dar. Volkmar Wywiol, Gründer des MehlWelten Museums, sieht in der globalen Perspektive des World Flour Day eine Fortsetzung des Museumsgedankens:

„Mit dem Motto Mehl.Macht.Leben erzählen wir im Museum, wie Mehl seit Jahrtausenden die Entwicklung von Gesellschaften prägt. Diese Idee wird nun mit dem World Flour Day über Grenzen hinweg sichtbar. Ich wünsche mir, dass dieser Tag auch andere ermutigt, aktiv zu werden und die Kraft des Mehls auf ihre Weise weiterzugeben, ob durch Mehlspenden, die Unterstützung von Ernährungsprojekten oder einfach dadurch, das Bewusstsein für dieses so grundlegende Lebensmittel zu stärken." Volkmar Wywiol.
Volkmar Wywiol im MehlWelten Museum vor dem eingerahmten Mehlsack, der die Sammlung des Museums begründete (Foto: Sabine Kemper).

World Flour Day 2026 – Mehl ist Leben
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Vollkornprodukte reduzieren Klimabelastung um bis zu 15%

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Laut Berechnungen von Lantmännen Cerealien nutzen Vollkornprodukte Rohstoffe optimal und schonen das Klima.
2026
1/26/2026
Vollkornprodukte reduzieren Klimabelastung um bis zu 15%

Lantmännen ist eine Agrargenossenschaft und Nordeuropas führender Anbieter von Agrarprodukten, Maschinen, Bioenergie und Lebensmitteln. Das Unternehmen gehört 17.000 schwedischen Landwirten, beschäftigt 12.000 Mitarbeiter, ist in über 20 Ländern tätig und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 70 Milliarden Schwedische Kronen (SEK). Durch Forschung, Entwicklung und operative Tätigkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette übernimmt Lantmännen Verantwortung vom Feld bis zum Teller. Neuste Berechnungen würden zeigen, dass die Klimabelastung durch Mehl um 10–15% sinken würden, wenn man Vollkornmehl anstelle von raffiniertem Mehl wählt.

„Wir wissen schon lange, dass Vollkornprodukte gesundheitsfördernd sind, und jetzt können wir auch zeigen, dass sie zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem beitragen. Indem wir das gesamte Rohmaterial und nicht nur das Innere des Korns verwenden, reduzieren wir die Klimabelastung“, sagt Örjan Petterson, Geschäftsführer von Lantmännen Cerealia.

Die Berechnungen basieren auf einem branchenweiten Modell zur Klimabilanzierung, der sogenannten monetären Allokation. Dabei wird die Klimawirkung auf das Hauptprodukt Mehl und das Nebenprodukt Weizenkleie verteilt, das traditionell hauptsächlich als Tierfutter oder zur Energiegewinnung genutzt wurde. Durch eine bessere Nutzung des Rohstoffs entsteht Mehl mit einem geringeren Klimafußabdruck.

„Vollkornprodukte galten schon immer als sinnvolle Möglichkeit, Rohstoffe optimal zu nutzen. Jetzt können wir auch den konkreten Beitrag zum Klimaschutz aufzeigen. Angetrieben von unseren eigenen und den wissenschaftlich fundierten Klimazielen unserer Kunden, berechnen wir bei Cerealia nun genauer die Klimawirkung unseres Mehls. „Es ist offensichtlich, dass die Wahl von Vollkornprodukten einen bedeutenden Einfluss hat – sowohl auf die Gesundheit als auch auf das Klima“, so Linnea Heiskala, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Lantmännen Cerealia.“

Nachhaltig wirtschaften

Durch die Erhöhung des Vollkornanteils können Kunden wie Bäckereien und Lebensmittelhersteller den Emissionsfaktor ihrer Produkte reduzieren. Die Berechnungen von Lantmännen Cerealia sind ein wichtiges Instrument für Unternehmen, die wissenschaftsbasierte Klimaziele (SBTi) verfolgen, da sie eine transparente Nachverfolgung der Klimavorteile ermöglichen.

„Unsere Kunden verlangen transparente und verlässliche Daten zu den Klimaauswirkungen. Wir können sie nun dabei unterstützen, Emissionen auf Produktebene zu reduzieren und gleichzeitig eine solide Grundlage für die Klimaberichterstattung zu schaffen und den vermehrten Einsatz von Vollkornprodukten zu fördern“, sagt Linnea Heiskala.

Doppelsieg

Am 14. Januar startet in Schweden erstmals der Vollkorntag, der im Rahmen der Vollkorn-Aktion die gesundheitlichen Vorteile von Vollkorn hervorhebt. Lantmännen Cerealia möchte in diesem Jahr zusätzlich auf die positiven Auswirkungen auf das Klima aufmerksam machen.

„Das ist eine Win-win-Situation. Vollkorn ist besser für Mensch und Umwelt. Durch den verstärkten Einsatz von Vollkorn kommen wir unseren Klimazielen und unserer Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft im Einklang mit der Natur einen weiteren Schritt näher“, so Örjan Petterson, Geschäftsführer von Lantmännen Cerealia.

Die  Berechnungen basieren auf dem schwedischen Industrieabkommen zur Klimabilanzierung und verwenden eine monetäre Aufteilung zwischen Mehl und Nebenprodukten. Die Klimaeinsparungen betragen 10–15% im Vergleich zu raffiniertem Weizenmehl.  Lantmännen Cerealia hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von Vollkorn in seinen Produkten zu erhöhen und die Klimabelastung entlang der gesamten Wertschöpfungskette, vom Feld bis zum Teller, zu reduzieren. Weitere Informationen finden Sie hier.

Vollkornprodukte reduzieren Klimabelastung um bis zu 15%
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