Die Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung (AGF) ersetzt die traditionelle Detmolder Tagung für Müllerei-Technologie.
2026
4/6/2026
Milling Forum Europe startet im September 2026 in Brüssel
Die AGF hat seine traditionelle Müllereitagung neu konzeptioniert und stärker europäisch ausgerichtet. Das Programm des Milling Forum Europe in Brüssel reicht von Rohstofffragen und Qualitätsanforderungen bis zu künstlicher Intelligenz, Marktfragen und politischen Rahmenbedingungen. Ein zentrales Element ist der Besuch der CERES-Mühle in Brüssel. Konstantin Golombek, Geschäftsführer der AGF stellt das neue Konzept im Interview vor.
Konstantin Golombek ist Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung AGF in Detmold.
M+M: Warum startet die AGF mit dem Milling Forum Europe?
Konstantin Golombek: Mit dem Milling Forum Europe möchten wir das bisherige Konzept der Fachtagung in Detmold modernisieren, das seit fast 80 Jahren bestand. Das neue Format soll Teilnehmer aus ganz Europa ansprechen und der Branche sowohl eine attraktive Ausstellungsfläche als auch ein Forum zum fachlichen Austausch bieten. Wir sehen einen großen Bedarf nach einer gemeinsamen Plattform, auf der sich Fachleute aus Forschung und Praxis und aus unterschiedlichen Ländern und Bereichen austauschen können.
M+M: Worin genau unterscheidet sich das neue Forum von bestehenden Branchenveranstaltungen?
Konstantin Golombek: Die AGF begleitet den Getreide- und Mühlensektor seit Jahrzehnten. In dieser Zeit hat sich die Branche deutlich spezialisiert und ausdifferenziert. Deshalb ist es wichtig Fachwissen aus Praxis und Wissenschaft stärker zusammenzuführen. Aus unserer langjährigen Arbeit ist ein belastbares Netzwerk entstanden, auf dessen Grundlage wir das europäische Forum aufbauen möchten, mit offenen Diskussionen und praxisnahen Lösungen. Das zeigt sich auch im Besuch der CERES-Mühle in Brüssel, in der die Teilnehmer technische Lösungen direkt im Betrieb sehen. Wir setzen zudem auf eine breite Mischung der Teilnehmer, damit Müller, Mühlenmanager, Technologieanbieter und Wissenschaftler miteinander ins Gespräch kommen. Auch die Zugänglichkeit spielt eine Rolle. Die Teilnahmegebühren sind so gestaltet, dass kleinere und jüngere Firmen nicht ausgeschlossen werden.
M+M: Welche fachlichen Schwerpunkte setzt das Forum 2026?
Konstantin Golombek: Das Programm deckt eine breite Spanne ab. Es geht um Rohstoffe, Qualitäten, neue technologische Entwicklungen und um Fragen der Wettbewerbsfähigkeit. Ein Schwerpunkt liegt auf künstlicher Intelligenz. Außerdem wollen wir die Perspektive der Weiterverarbeitung einbeziehen. Deshalb wird auch ein Bäcker zu Wort kommen. Darüber hinaus sind Beiträge zu politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorgesehen und ein Blick auf den brasilianischen Mühlenmarkt.
M+M: Was erwartet die Aussteller in Brüssel?
Konstantin Golombek: Für Aussteller soll das Forum einen direkten Zugang zur fachlich relevanten Zielgruppe bieten. Wir rechnen mit bis zu 300 Müllern und Mühlenmanagern. Die Ausstellung wird nicht abseits in einer separaten Halle organisiert, sondern in die Veranstaltungsflächen integriert. Dadurch entstehen kurze Wege und mehr Gelegenheiten für Gespräche. Gleichzeitig gibt es flexible Beteiligungsmöglichkeiten und Sponsoringangebote. Das soll vor allem jenen Unternehmen helfen, die sich frühzeitig auf europäischer Ebene positionieren möchten.
M+M: Ist das Milling Forum Europe als einmalige Veranstaltung gedacht oder als langfristiges Format und wo kann man sich anmelden?
Konstantin Golombek: Es ist ausdrücklich als langfristige Plattform angelegt. Wir wollen das bewährte Veranstaltungsmodell der AGF auf eine europäische Ebene heben. Das Forum soll auch in den kommenden Jahren ein Treffpunkt für die europäische Getreide- und Mühlengemeinschaft sein. Deshalb ist es als Wanderveranstaltung konzipiert. Jede Ausgabe soll an einem anderen Standort in Europa stattfinden, möglichst mit engem Bezug zu interessanten Mühlenbetrieben und Produktionsstandorten.
Weitere Informationen für Teilnehmer, Aussteller und Sponsoren stehen unter www.millingforum.eu bereit.
Die Standanmeldung läuft über info@agf-detmold.de.
Bis zum 30. April 2026 gibt es einen Frühbuchertarif.
Der Raum im Silo Brüssel für die Aussteller ist in der Veranstaltung integriert mit kurzen Wegen und Raum für Begegnungen (Foto: Silo Brüssel).
Der Ausstellungssaal Meudon läd mit seinen hohen Decken, klaren Linien und seinem industriellen Charme zu Kreativität und Austausch ein (Foto: Silo Brüssel).
Die Milling Hall of Fame hat Abubakar Said Salim Bakhresa als neues Mitglied des Jahres 2026 benannt.
2026
4/5/2026
Abubakar Bakhresa in die Milling Hall of Fame aufgenommen
Die Milling Hall of Fame hat Abubakar Said Salim Bakhresa als neues Mitglied des Jahres 2026 benannt. Die Auszeichnung wird seit 2020 von der Zeitschrift Milling and Grain gemeinsam mit dem FlourWorld Museum von MC Mühlenchemie in Wittenburg vergeben. Sie soll Persönlichkeiten würdigen, die die internationale Mühlenwirtschaft über längere Zeit geprägt haben.
Bakhresa steht an der Spitze der Bakhresa Group, eines Industrieunternehmens mit Sitz in Ostafrika. Das Unternehmen ist unter anderem in der Mehlvermahlung und in der Lebensmittelproduktion tätig. Nach Angaben der Organisatoren habe die Unternehmensgruppe unter seiner Führung ihre Vermahlungskapazität deutlich ausgebaut und ihre Stellung in der Region gestärkt. In der Begründung für die Aufnahme verweisen sie zudem auf den Beitrag des Unternehmens zur Lebensmittelversorgung in Ostafrika. Die offizielle Ehrung soll im Laufe dieses Jahres im Rahmen einer Veranstaltung der Milling Hall of Fame erfolgen. Vorgesehen ist die Übergabe einer Bronzestatuette der Bildhauerin Sibylle Waldhausen. Die Figur steht nach Angaben der Veranstalter für die Kunst des Müllerns sowie für das Spannungsfeld zwischen Rohstoffverfügbarkeit, Prozesseffizienz und Mehlqualität.
Volkmar Wywiol, Gründer der Stern-Wywiol Gruppe und des FlourWorld Museums, erklärte anlässlich der Auszeichnung, das Museum wolle die Geschichte des Müllerns sichtbar machen und zugleich Persönlichkeiten ehren, die die Zukunft der Branche mitgestalten. Die Milling Hall of Fame solle dazu dienen, internationale Verdienste um die Mühlenwirtschaft sichtbar zu machen. Mit der Aufnahme gehört Bakhresa nun zu einem Kreis bereits geehrter Persönlichkeiten aus der internationalen Mühlenbranche. Dazu zählen nach Angaben der Veranstalter unter anderem Zhighuo Dan, John G. Coumantaros, Jamal Al-Hazaa und Volkmar Wywiol.
Bakhresa hat Betriebswirtschaft an der Georgetown University studiert und sein Studium 1999 abgeschlossen. Innerhalb der Bakhresa Group war er nach Unternehmensangaben maßgeblich an der Weiterentwicklung des Konzerns beteiligt. Genannt werden dabei neben dem Ausbau der Mahlkapazitäten auch Aktivitäten in weiteren Geschäftsfeldern, darunter Medien, Zuckerproduktion sowie digitaler Handel und Zahlungsdienste.
Neben seiner unternehmerischen Tätigkeit engagiert sich Bakhresa auch in anderen Bereichen. Er gehört dem Vorstand der Khalid Islamic Foundation an und ist Vorsitzender des Azam Football Club in Tansania. Die Organisatoren der Milling Hall of Fame begründen die Aufnahme mit Bakhresas langjähriger Tätigkeit in der Industrie und mit seinem Einfluss auf die Entwicklung der Mühlenwirtschaft in Ostafrika.
Das Frühjahrsseminar des Baden-Württembergischen Müllerbundes fand am 27. und 28. März 2026 In Überlingen statt.
2026
4/5/2026
Frühjahrsseminar 2026 des Baden-Württembergischen Müllerbundes
Der stellvertretende Vorsitzende des Baden-Württembergischen Müllerbundes, Karl Ruthardt von der Altdorfer Mühle, eröffnete die Veranstaltung. Zum Auftakt stellte Corinna Hempel, Professorin an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen, das Ernährungssystem als Geflecht von Wechselwirkungen dar und benannte Hebel, mit denen das Ernährungsverhalten zu beeinflussen sei. Unter anderem Nudging“, also die sehr umstrittene Manipulation von Konsumenten. Danach hielt Professor Enno Bahrs von der Universität Hohenheim einen fachkundigen Vortrag über das „NOcsPS-Projekt“, welches den Ackerbau mit deutlich weniger chemisch-synthetischem Pflanzenschutz (csPSM) forciert. Bahrs rechnet mit einem künftigen Verbot dieser Mittel, die bereits bis zum Jahr 2023 landesweit um 40 bis 50% der Menge reduziert werden sollen (§17b LLG, 2020). Er verwies auf Zielkonflikte zwischen Umweltentlastung, Ertrag, Fruchtfolge und Selbstversorgung. Nach seiner Einschätzung braucht eine Bewirtschaftung ohne diese Pflanzenschutzmittel neben Forschung und Entwicklung tragfähige Vermarktungswege und staatliche Unterstützung.
Dr. Peter Haarbeck, Geschäftsführer des VGMS, im Gespräch mit dem Referenten Professor Enno Bahrs von der Universität Hohenheim.
V.l.n.r.: Frank Sauter, Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Müllerbundes, Oberstleutnant Dr. Marcus Wohler, Leiter des Kreisverbindungskommandos Bodenseekreis, Karl Ruthardt, stellv. Vorsitzender des BaWü Müllerbundes und Dr. Peter Haarbeck, Geschäftsführer des VGMS.
Oberstleutnant Dr. Marcus Wohler, Leiter des Kreisverbindungskommandos Bodenseekreis beim Landeskommando Baden-Württemberg der Bundeswehr, sprach über den Operationsplan Deutschland und die zivil militärische Zusammenarbeit im Krisenfall. Der Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik erkennt derzeit eine Bedrohungslage und Müller sollten schon heute den Kriegsfall bedenken. Als Beispiel nannte er osteuropäische Beschäftigte, die im Ernstfall in ihre Länder zurückkehren müssten und nicht mehr als Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Ein weiteres Problem hat er im Mindset junger Leute erkannt, die nicht für Kriegspläne zu begeistern seien. Anschließend stand die personelle Stabilität der Betriebe im Fokus. Anette Groschupp von der Handwerkskammer Region Stuttgart stellte das Projekt ViFAH vor, zur Personalgewinnung aus Indien (siehe Bericht in MM 6/2026). Der erste Seminartag endete mit einem Spaziergang und einer Weinprobe im Weingut Kress. Das anschließende Abendessen bot Gelegenheit für fachlichen Austausch.
Am Samstag eröffnete Manuel Gehrke von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) mit einem Vortrag zu steigenden Anforderungen im Arbeits- und Explosionsschutz. Er kündigte eine Checkliste für Mühlenbetriebe an, die er auf Wunsch vieler Müller erstellt. Er warb dafür, Angebote der BGN stärker zu nutzen, etwa bei Staubmessungen. Bei der Liste der Berufskrankheiten liegt bei Mühlenbetrieben die Lärmschwerhörigkeit ganz vorne. Gehrke appellierte an alle, darauf zu achten, dass Mitarbeiter Hörschutz tragen. Wenig genutzt werden die Prämien- und Beitragsausgleichsverfahren der BGN. Mühlen können mindestens 500 Euro jährlich als Prämie erhalten, wenn geforderten Schutzmaßnahmen umgesetzt wurden.
Dr. Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbands der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) referierte über aktuelle Themen aus Brüssel und Berlin und zeigte auf, wie stark politische Entscheidungen und regulatorische Prozesse die Rahmenbedingungen für die Mühlenwirtschaft prägen. Zum Industriestrompreis hat die Mühlenwirtschaft einen Antrag zur Aufnahme als energieintensive Branche gestellt und erfüllt dabei wohl alle Kriterien, den der europäischen Rahmen setzt. Haarbeck rechnet mit der Entscheidung Ende des Jahres, die dann für alle Mühlenbetriebe gelten soll, unabhängig von der Betriebsgröße. Zum Abschluss seines Vortrags stellte er das Konzept des Milling Forum Europe der Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung (AGF) vor, das vom 7.-9. September 2026 in Brüssel stattfindet und die bisherige Tagung für Müllerei-Technologie in Detmold ersetzt.
Dr. Andreas Baitinger, Rektor der Gewerblichen Schule Im Hoppenlau mit Technischer Oberschule in Stuttgart, sprach danach offen und ernüchternd über Probleme durch einen größer werdenden Kreis von Auszubildenden mit mangelnden Sprachkenntnissen, Drogenkonsum und Respektlosigkeit gegenüber dem Lehrkörper. Zudem werde der Sanierungsstau am Gebäude offensichtlich. Er lud die Anwesenden zur diesjährigen 100 Jahr Feier am 19. Juni 2026 nach Stuttgart ein und bat um zahlreiche Teilnahme. Zum Abschluss stellte Frank Sautter, Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Müllerbundes die getätigten Maßnahmen und Geldspenden des Vereins zur Förderung der Berufsausbildung und Fortbildung für Müller vor.
V.l.n.r.: Frank Sauter, Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Müllerbundes, Karl Ruthardt, stellv. Vorsitzender des Müllerbundes, Dr. Andreas Baitinger, Rektor der Gewerblichen Schule Im Hoppenlau mit Technischer Oberschule in Stuttgart und Kornelia Dewald, Geschäftsstelle des Müllerbundes.
In Indien Azubis und Fachkräfte für das Müllerhandwerk rekrutieren.
2026
3/29/2026
Nachwuchs aus Indien für das Müllerhandwerk
Wenn man in Baden-Württemberg von indischen Auszubildenden im Handwerk hört, fällt meist der Name Jogi Lederer. Der Metzgermeister aus dem südbadischen Weil am Rhein begann im Jahr 2022, jungen Nachwuchs aus Indien anzuwerben. Mittlerweile schwört er auf die Inder und stellt gar keine deutschen Lehrlinge mehr ein.
Die Handwerkskammer Region Stuttgart nahm den Ball auf und startete 2024 ihr Projekt „Vermittlung indischer Fachkräfte und Azubis ins Handwerk (VifAH)“. Mittlerweile ist das Projekt um weitere Länder erweitert worden, die Kooperation mit den indischen Partnern wird jedoch weiter ausgebaut.
Dynamischer Wachstumsmarkt
Indien zählt zu den dynamischsten Wachstumsmärkten weltweit und verfügt über eine junge, ambitionierte Bevölkerung. Gleichzeitig stehen viele junge Menschen vor strukturellen Herausforderungen: die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber übersteigt das Angebot an qualifizierten Ausbildungsplätzen deutlich. Außerdem sind viele Ausbildungsprogramme stark theoretisch ausgerichtet und bieten eher begrenzte praktische Anteile.
Das VifaH-Projekt setzt nun auf eine gezielte, qualifizierte Zuwanderung von motivierten Nachwuchskräften nach Deutschland – mit Spracherwerb und interkulturellem Training noch im Heimatland. Parallel zu den Sprachkursen sondiert die Handwerkskammer in Zusammenarbeit mit ihren indischen Partnern, welche Interessenten sich für welches Gewerk eignen würden. Die Kandidaten treten dann per Webkonferenz in Kontakt mit potenziellen Arbeitgebern. Für diesen Anwerbeprozess bis zur Ankunft des Lehrlings sollten Betriebe bis zu ein Jahr einplanen.
Mehrmonatiger Anwerbeprozess
Die für Einreise und Ausbildung erforderlichen Sprachprüfungen werden in der Regel am Goethe Institut abgelegt. Erst mit dem Bestehen der Sprachprüfung (Niveau B1) erhält der Azubi ein Visum für Deutschland. Für die Ausbildung wird das Sprachniveau B2 empfohlen. Diese Sprachkurse können unter anderem am Don Bosco-College in Mumbai absolviert werden. Das College ist Teil des Netzwerks an Kooperationspartnern, welche die Handwerkskammer im Februar im Rahmen einer Delegationsreise nach Pune und Mumbai im indischen Bundesstaat Maharashtra besuchte.
Zusammen mit den Vertretern der Handwerkskammer Region Stuttgart nahmen an der Reise auch Unternehmen aus der Metallbranche und dem hochwertigen Innenausbau aus Baden-Württemberg teil. Neben der Fachkräfteintegration hatten sie ihr Augenmerk auf Kooperationen und die Erschließung des Marktes in Indien bzw. in Maharashtra gerichtet.
Einblick in Ausbildungsstandards und Motivation
So war auch Kornelia Dewald vom Baden-Württembergischen Müllerbund mitgereist. Sie nutzte den Austausch mit indischen Sprach- und Ausbildungszentren sowie handwerksnahen Organisationen, um konkrete Einblicke in Qualifikationen, Ausbildungsstandards und Motivation potenzieller Mitarbeiter gewinnen. Auf dem Programm stand auch der Besuch einer Bäckerei/Konditorei.
Richard Borges (links) hat sich mit seiner Konditorei auf Kuchen und Torten für besondere Anlässe spezialisiert.
Anders als bei der im deutschen Handwerk üblichen dualen Ausbildung werden entsprechende Berufe in Indien in mehrmonatigen Kursen vor allem in der Theorie und mit wenig betrieblicher Praxis vermittelt.
Die Reise bot Einblick in Bildungseinrichtungen, hier in eine Lehrwerkstatt des Symbiosis College in Pune.
Die während der Delegationsreisen besuchten Bildungseinrichtungen wie das Don Bosco ITI-Center in Mumbai, das Symbiosis-College in Pune oder auch das Siemens-Ausbildungscenter in Mumbai unterschieden sich zwar durch ihren großen Praxisanteil. Für eine Ausbildung jedoch von Anfang an im Betrieb zu arbeiten und dafür bezahlt zu werden, wie es im dualen System der deutschen Handwerksausbildung üblich ist, überraschte viele Schüler und Schülerinnen der besuchten Einrichtungen.
Die jungen Frauen erzählten den Besuchern, was ihre beruflichen Ziele sind.
Ebenso wie in Deutschland leiden die handwerklichen Berufe in Indien unter mangelndem Ansehen oder sie sind den Menschen schlichtweg nicht bekannt. Daher ist die Information über das Müllerhandwerk sowohl für die indischen Interessenten als auch die Projektbeteiligten in beiden Ländern von grundlegender Bedeutung.
Netzwerk für qualifizierte Einwanderung
Die Delegationsreise vermittelte außerdem einen Eindruck des Netzwerks, das für qualifizierte Einwanderung in Baden-Württemberg besteht und sich gerade für Handwerksbetriebe weiter verdichtet. So waren auch Vertreterinnen der Welcome Center in Stuttgart und Karlsruhe dabei. Diese Einrichtungen unterstützen Einwanderer und deren Betriebe bei Fragen rund um die Einwanderung und Integration. Neben Stuttgart und Karlsruhe gibt es neun weitere Welcome Center in Baden-Württemberg.
Kornelia Dewald (links) stellte das Müllerhandwerk vor. Rechts: Anette Groschupp von der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Darüber hinaus gibt es an den Handwerkskammern im Land sogenannte Kümmerer, die Arbeitgeber und Azubis rund um Ausbildung, Wohnungssuche und Integration betreuen. Außerdem hat die Handwerkskammer Region Stuttgart im Januar ein Unternehmernetzwerk gegründet, in dem sich interessierte Betriebe sowie solche, die schon ausländische Azubis haben, austauschen können und ihre Erfahrungen zumal mit bürokratischen Hürden teilen können.
Dabei wurde deutlich, dass man VifAH-Projekt nicht ausschließlich im eigenen Handwerkszweig, sondern regional denken muss. So können sich auch Betriebe aus der gleichen Region, aber aus unterschiedlichen Gewerken zusammentun, um die Betreuung der Neuankömmlinge zu meistern.
Zwischen der Handwerkskammer Region Stuttgart und dem Bildungszentrum Don Bosco in Mumbai wurde eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Zweiter von rechts: Peter Friedrich, Geschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Die indischen Nachwuchskräfte sind motiviert, ins Ausland zu gehen und sich dort etwas aufzubauen – dies wurde bei der Delegationsreise deutlich. Daher stellt das ViFAH-Projekt der Handwerkskammer mit seiner gezielten und qualifizierten Zuwanderung eine Chance für das Müllerhandwerk dar. Es könnte sich zu einer Win-win-Situation entwickeln: es vermittelt motivierten jungen Menschen eine Entwicklungsperspektive – und bietet den Mühlen eine zusätzliche Zielgruppe in Zeiten des Fachkräftemangels. Für weitere Fragen zum Projekt: kornelia.dewald@muehlen.org
Proteine aus Nebenströmen erschließen Rohstoffe für eine effizientere und wirtschaftlichere Lebensmittelproduktion.
2026
3/29/2026
Nebenströme der Lebensmittelindustrie als neue Proteinquelle
Das Problem ist bekannt: Noch immer sind viele Produktionsprozesse innerhalb der Lebensmittelindustrie linear aufgebaut und nicht immer werden die dabei entstehenden Nebenprodukte vollständig genutzt. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung – und der Bedarf an Protein. Eine Alternative zum tierischen Protein bieten die Nebenströme etablierter Lebensmittelprozesse, denn dort sind hochwertige pflanzliche Proteine bereits vorhanden.
Bei der Herstellung zahlreicher pflanzenbasierter Produkte wie Sojaöl (Nebenprodukt Sojakuchen), Weizenmehl (Nebenprodukt Weizenkleie), Reis (Nebenprodukt Reiskleie), oder Bier (Nebenprodukte Biertreber und Bierhefe) fallen weltweit große Mengen an proteinhaltigen Rückständen an. Mithilfe der richtigen technischen Verfahren lassen sie sich in wirtschaftlich nutzbare Proteinkonzentrate oder -isolate überführen.
Dank zentrifugaler Trenntechnik lassen sich aus Nebenströmen Proteine gewinnen – wirtschaftlich, ressourcenschonend und prozesssicher. Foto: Flottweg SE
Ein zentrales Verfahren dabei ist die Nassfraktionierung mittels Dekanterzentrifugen. In einem ersten Schritt wird das Protein durch Extraktion in einem alkalischen Medium aus dem Rohstoff gelöst. Anschließend trennt eine Zentrifuge die flüssigen von den festen Bestandteilen. Das gelöste Protein wird durch Änderung des pH-Werts ausgefällt und wiederum zentrifugal abgetrennt. In einem letzten Schritt wird das abgetrennte Protein noch gewaschen, um Reinheit und sensorische Eigenschaften zu verbessern. Auf diese Weise lassen sich Proteingehalte von über 90% erreichen (Beispiel Sojaprotein). Bei anderen Rohstoffen wie Weizenkleie oder Biertreber sind die Proteingehalte und Ausbeuten niedriger. Durch hohe Mengen und einfache Verfügbarkeit besteht dennoch ein wirtschaftliches Potenzial.
Der Flottweg Sedicanter ermöglicht die Abtrennung von Proteinsuspensionen für die nachhaltige Gewinnung pflanzlicher Proteine. Foto: Flottweg SE
Jeder Nebenstrom bringt dabei eigene Herausforderungen mit sich. Beispielsweise kann thermische Belastung aus vorgelagerten Prozessen die Proteinqualität und Ausbeute mindern. Auch Verunreinigungen oder natürliche Inhaltsstoffe können die Trennung erschweren oder einen negativen Einfluss auf die sensorischen Eigenschaften der resultierenden Proteinprodukte haben.
Gerade weil es in der Lebens- und Futtermittelindustrie an Erfahrung mit diesen neuen Proteinprodukten fehlt, braucht es in der Praxis konkrete Versuche und Produktmuster. Diese Produktmuster helfen dabei, spezifische Anwendungen zu identifizieren und Endprodukte zu entwickeln. Alles in allem, eine sehr komplexe Herausforderung.
Die Erfahrung zeigt, für eine erfolgreiche Gewinnung eines zusätzlichen Proteinproduktes bedarf es des gebündelten Knowhows von Technologieanbieter, Rohstoffproduzent und Lebensmittelhersteller. Nur durch gemeinsame Optimierung der Wertschöpfungskette können neuartige und hochwertige Proteinprodukte effizient realisiert werden – sei es in Futtermitteln oder in der Lebensmittelproduktion.
Multiplex-Analytik erfasst mehrere Mykotoxine parallel und beschleunigt sichere Entscheidungen in der Getreidewirtschaft
2026
3/29/2026
Schnellmethoden zur Mykotoxinbestimmung
Mykotoxine zählen zu den wichtigsten lebensmittelrelevanten Kontaminanten in der Getreidewirtschaft. Sie entstehen als Stoffwechselprodukte verschiedener Pilze und können bereits in geringen Konzentrationen gesundheitsschädlich sein. Je nach Toxin reichen die Wirkungen von immunsuppressiven und östrogenen Effekten über Nieren- und Leberschäden bis hin zu karzinogenen Eigenschaften.
Besonders relevant sind Toxine der Pilzgattungen Aspergillus, Fusarium, Penicillium und Trichoderma. Zu den regulatorisch wichtigsten Verbindungen gehören Deoxynivalenol (DON), Zearalenon (ZEN), Ochratoxin A (OTA), T-2- und HT-2-Toxin, Aflatoxine (AFL) sowie Fumonisine (FUM).
Die Bedeutung einer zuverlässigen Analytik nimmt kontinuierlich zu. Einerseits werden regulatorische Grenzwerte innerhalb der EU stetig erweitert und verschärft. Ein aktuelles Beispiel ist die Einführung von Höchstgehalten für die Summe aus T-2- und HT-2-Toxin in Lebensmitteln seit Juli 2024. Außerdem wurden niedrigere Höchstgehalte für Ergot-Sklerotien (Mutterkorn) und Ergotalkaloide beschlossen. Deren Anwendungszeitpunkte wurden allerdings für einzelne Produktgruppen um ein bzw. vier Jahre verschoben, da die praktische Umsetzbarkeit noch nicht vollständig gewährleistet ist. Andererseits erhöhen klimatische Veränderungen das Kontaminationsrisiko. Extremwetterereignisse und steigende Temperaturen begünstigen Pilzwachstum und Toxinbildung. Mutterkorn befällt normalerweise hauptsächlich Roggen. Tritt jedoch bei Weizen aufgrund ungünstiger Wetterbedingungen eine Sekundärblüte auf, kann auch dort ein verstärkter Mutterkornbefall auftreten, wie der Sommer 2025 gezeigt hat.
Da Mehrfachkontaminationen in Getreide die Regel sind, steigt der Bedarf an Verfahren, die mehrere Mykotoxine parallel erfassen können. Studien berichten Ko-Kontaminationen in rund 55% der untersuchten Proben. Besonders häufig sind Kombinationen wie DON + ZEN in Weizen oder DON + FUM in Mais (Streit et al. 2013, World Mycotoxin Journal). Schnelle Screeningmethoden spielen daher eine zentrale Rolle, um Risiken frühzeitig zu erkennen und fundierte Entscheidungen zur Annahme und Freigabe von Rohwaren zu treffen.
Zur Bestimmung von Mykotoxinen stehen unterschiedliche analytische Methoden zur Verfügung, die sich hinsichtlich Genauigkeit, Geschwindigkeit und Aufwand deutlich unterscheiden.
Als Goldstandard gilt die LC-MS/MS (Liquid Chromatography Tandem Mass Spectrometry). Die Methode ermöglicht eine hochselektive Quantifizierung zahlreicher Mykotoxine in einem Analyselauf. Die Probenvorbereitung umfasst Extraktion, ggf. Aufreinigung (z. B. per Immunoaffinitätssäule), chromatographische Trennung sowie massenspektrometrische Detektion mit isotopenmarkierten internen Standards. Dank ihrer hohen analytischen Sicherheit ist die LC‑MS/MS die bevorzugte Methode für Bestätigungsanalysen und regulatorische Fragestellungen. Allerdings ist sie mit hohen Gerätekosten, qualifiziertem Personalbedarf und Analysezeiten von zwei bis sechs Stunden verbunden. Bei einer Durchführung über ein Handelslabor liegt das Ergebnis erst nach mehreren Tagen vor. Lateral-Flow-Tests und ELISA zählen zu den etablierten Immunoassay-Schnellmethoden. Das Grundprinzip dieser Immuoassay ist, dass ein Mykotoxin aus der Probe mit einem markierten bzw. immobilisiertes Toxin-Analog um die Bindungsstellen der Antikörper konkurriert. Je mehr Toxin in der Probe vorhanden ist, desto weniger markiertes Molekül kann gebunden werden. Das gemessene Signal ist daher invers proportional zur Toxinkonzentration.
Beim Lateral-Flow-Test findet diese Reaktion auf einem Teststreifen statt: Die Probe wandert durch Kapillarkräfte über verschiedene Reaktionszonen und die Bindung wird meist als farbige Linie sichtbar oder mit einem Reader gemessen. Sie liefern Ergebnisse innerhalb weniger Minuten und benötigen nur minimale Laborausstattung. Allerdings sind sie meist nur semiquantitativ und zudem stark abhängig von Matrixeffekten und Probenvorbereitung. Beim ELISA erfolgt die Immunreaktion dagegen in einer Mikrotiterplatte mit immobilisierten Toxin-Analog auf der Plattenoberfläche. Nach mehreren Inkubations- und Waschschritten wird eine enzymatische Farbreaktion ausgelöst, deren Intensität photometrisch gemessen wird und eine quantitative Messung der Toxinkonzentration ermöglicht. ELISA-Tests sind in vielen Qualitätssicherungslaboren etabliert. Aufgrund der Inkubationsphasen und Waschschritte beträgt die Analysedauer typischerweise zwei bis vier Stunden. Ein weiterer Nachteil beider Verfahren ist, dass nur ein einzelner Parameter pro Test bestimmt werden kann. Um effizient auf Ko-Kontaminationen zu testen, müssen entsprechend viele Tests parallel durchgeführt werden. Außerdem sind diese Tests stark martrixabhängig und müssen für jede einzelne Matrix neu validiert werden.
Eine neuere Entwicklung stellt der Suspension Array Fluorescence Immuno Assay (SAFIA) dar. Dieses Verfahren kombiniert Eigenschaften klassischer Immunoassays mit moderner Multiplex-Technologie.
Statt auf einem Teststreifen oder der Plattenoberfläche basiert das Prinzip auf unterschiedlich farblich kodierten Partikeln, die jeweils mit einem spezifischen Toxin-Analog beladen sind. Da jeder Farbcode eindeutig einem Mykotoxin zugeordnet ist, können mehrere Analyten in einem einzigen Messlauf bestimmt werden. Nach Mischen der Partikel mit Probe und Primärantikörpern konkurrieren freie Mykotoxine aus der Probe mit den partikelgebundenen Toxin-Analoga um die Antikörperbindung. Anschließend bindet ein fluoreszenzmarkierter Sekundärantikörper und die Partikel werden mittels Durchflusszytometrie ausgelesen: Jeder Partikel fließt einzeln durch einen Laserstrahl, wobei Farbcode und Fluoreszenzintensität gleichzeitig erfasst werden und so die Konzentration mehrerer Toxine in einer Messung bestimmt werden kann. Durch die gezielte Messung der Partikel und die spezielle Partikeloberfläche spielen Matrixeffekte eine untergeordnete Rolle.
Messprinzip des Suspension Array Fluorescence Immuno Assay
Mit der patentierten Technologie lassen sich also dank Multiplexing Ko-Kontaminationen effizient erfassen und das ohne Probleme durch Matrixeffekte.
Die verschiedenen Methoden im Vergleich.
Das Unternehmen SAFIA Technologies aus Berlin arbeitet derzeit intensiv an der Weiterentwicklung seiner Schnellmethoden, um zusätzliche regulatorisch relevante Mykotoxine wie Ergotalkaloide, Alternaria-Toxine und Patulin in die Analytik einzubeziehen.
Der Bedarf an schnellen, zuverlässigen Analysen steigt. Während LC-MS/MS der Goldstandard für Bestätigungsanalysen bleibt, gewinnen die Multiplex-Immunoassays als Screeningwerkzeug zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen fundierte Entscheidungen entlang der gesamten Prozesskette und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Lebensmittelsicherheit und wirtschaftlichen Stabilität der Getreidewirtschaft.
Autorin: Svenja Elsner, Technical Solutions Manager bei der SAFIA Technologies GmbH
Lupinenmehl bietet Bio-Bäckern ein regionales Eiweißmehl mit Potenzial für vegane, glutenfreie und innovative Backwaren.
2026
3/29/2026
Alternative Proteine für Bio-Backwaren
In der Bio-Backwarenherstellung gewinnt Lupinenmehl zunehmend an Bedeutung – als regionales, proteinreiches Spezialmehl, das Ernährungstrends wie Low Carb, Vegan und Bio bedient. Vor allem im Hinblick auf Regionalität eröffnet es neue Chancen. Schließlich kann die Lupine eine heimische Alternative zu Soja-Importen sein. Doch was genau ist Lupinenmehl und wie lässt es sich einsetzen?
Herkunft und Gewinnung
Lupinenmehl wird aus den Samen der Süßlupine gewonnen. Diese werden gereinigt, geschält und entbittert, um für Lebensmittel geeignet zu sein. Auch aus dem entölten Lupinenpresskuchen, einem Nebenprodukt der Ölgewinnung, lässt sich Mehl herstellen.
Von der heimischen Kulturleguminose werden blaue, weiße und gelbe Sorten angebaut. Allerdings wird in Deutschland überwiegend die blaue Lupine kultiviert. Doch auch die weiße Lupine nimmt wieder an Fahrt auf, nachdem ihr Anbau Mitte der 1990er-Jahre fast ganz zum Erliegen kam. Grund dafür war ihre Anfälligkeit gegenüber Anthraknose, einer Pilzkrankheit. Inzwischen gibt es anthraknosetoleranten Sorten, die den Anbau wieder möglich machen.
Von Natur aus weisen Lupinensamen einen hohen Alkaloidgehalt auf. Da Alkaloide toxisch sind, werden für die Herstellung von Lupinenmehl, ‑grieß, ‑schrot und ‑kleie nur Sorten aus Züchtungen mit niedrigen Alkaloid-Gehalten verwendet. Für den menschlichen Verzehr dürfen nur Lupinensorten mit einem Alkaloid-Gehalt von unter 0,02 % verwendet werden.
Deutschland ist eines der wichtigsten Anbauländer in der EU. Weltweit führt Australien beim Anbau der Süßlupine, aber auch innerhalb Europas wächst die Anbaufläche stetig.
Für den menschlichen Verzehr sind nur Lupinensorten mit niedrigem Alkaloid-Gehalt geeignet. Foto: Bioland-Hof Klein
Um das Potenzial von Lupinenmehl realistisch einschätzen zu können, lohnt ein Blick auf den tatsächlichen Anbau in Deutschland. Laut der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) lag die Anbaufläche für Süßlupinen bundesweit im Jahr 2024 bei rund 26.000 ha. Die Erntemengen beliefen sich 2024 auf 57.200 t. Zum Vergleich: 2023 waren es noch 45.500 t. Die Entwicklung wird durch neue, verbesserte Sorten und die steigende Nachfrage nach heimischen Eiweißträgern, sowohl im Futtermittel- als auch im Lebensmittelbereich, angetrieben. Beim heimischen Anbau hat Brandenburg die Nase vorn. Allein der Anbau dort macht 31,3% der Gesamtfläche in Deutschland aus. Den zweiten Platz belegt Mecklenburg-Vorpommern mit 20,8%. Aber auch in Bundesländern wie Bayern wurde der Lupinenanbau besonders stark ausgeweitet – hier stieg die Fläche innerhalb weniger Jahre von etwa 500 auf über 2.000 Hektar im Jahr 2021. 2024 hatte Bayern bereits einen Anteil von 7,3% an der Gesamtfläche.
Was den ökologischen Anbau von Lupinen betrifft, zeigt sich auch hier eine positive Entwicklung. So liegt inzwischen der Anteil der Flächen, auf dem grobkörnige Leguminosen wie die Süßlupine ökologisch angebaut werden, deutlich über dem durchschnittlichen Anteil der ökologischen Fläche in Deutschland. Bei Lupinen beläuft sich der Öko-Anteil inzwischen auf gut 43%. Das entspricht einem klaren Trend: Lupinen werden zunehmend als Bio-Speisepflanze angebaut. Das hängt vor allem auch damit zusammen, dass Leguminosen wie die Lupine eine bedeutende Rolle im Ökolandbau spielen. Aufgrund ihrer Fähigkeit Stickstoff aus der Luft zu fixieren und ihn so nachfolgenden Kulturen im Boden verfügbar zu machen, sind sie ein wesentlicher Teil des Boden- und Düngemanagements im Bio-Anbau. Öko-Betrieben, beispielsweise mit eigener Hofbäckerei, bietet der Anbau also nicht nur im Feld einen großen Vorteil, sondern die Süßlupine kann als wichtiger Rohstoff zusätzlich einen Mehrwert für die eigene Backstube erbringen.
„Gerade im ökologischen Landbau spielt die regionale Eiweißversorgung eine zentrale Rolle. Süßlupinen können in vielen Teilen Europas angebaut werden und bieten eine nachhaltige Alternative zu importiertem Soja. Lupinenmehl stärkt somit regionale Wertschöpfungsketten und macht ökologische Betriebe unabhängiger vom Weltmarkt." Iris Klein, Bioland-Hof Klein
Nährwerte im Vergleich zu anderen Mehlen
Lupinenmehl überzeugt in vielerlei Hinsicht: Es besitzt einen sehr hohen Proteingehalt – in der Regel um die 30 bis 40%. Zusätzlich liefert es viele Ballaststoffe und Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen und Kalium, während der Kohlenhydratanteil verglichen mit Getreidemehlen geringer ist.
Auch im Hinblick auf essenzielle Aminosäuren schneidet Lupinenmehl gut ab: Es enthält alle essenziellen Aminosäuren, und ist außerdem glutenfrei, was es vor allem für Menschen mit Zöliakie oder einer Glutenunverträglichkeit interessant macht.
Backeigenschaften
Das Mehl der Lupinensamen kann sowohl in Brot und Kleingebäck als auch in Teigwaren verarbeitet werden. Mit Lupinenmehl lässt sich eine lockere und schnittfeste Krume ganz ohne Weizenkleber herstellen. Auch besitzt Lupinenmehl mehr Volumen als Weizenmehl – um 100 Gramm Weizenmehl zu ersetzen, reichen 60 Gramm Lupinenmehl aus. Es bindet relativ viel Wasser und macht den Teig elastisch mit positiver Wirkung auf die Haltbarkeit und Textur. Zudem wird die Haltbarkeit durch den hohen Gehalt an Antioxidantien verlängert.
Bei Feingebäcken lassen sich Eier einsparen, da der hohen Fettanteil im Lupinenmehl für eine gute Teigbindung sorgt. Die kräftig gelbe Farbe der Lupinen bleibt im Backprozess erhalten und gibt der Krume eine ansprechende Optik. Wird der Anteil von 15% überschritten, tritt das Lupinenmehl auch geschmacklich hervor, was sich in dem charakteristischen mild-nussigen Aroma widerspiegelt.
Interessant ist beispielsweise auch die Zugabe von Lupinenschrot oder Lupinenflocken, die ebenfalls in Bio-Qualität verfügbar sind. Lupinenschrot wird als Kochstück angesetzt und über Nacht verquollen. Die Lupinenflocken können direkt zugesetzt werden und verleihen mehr Textur und Körnigkeit.
„Lupinenmehl ist ein echtes Power-Mehl: viel pflanzliches Eiweiß, glutenfrei und ideal als natürlicher Ei-Ersatz. Es bindet stark, lockert Teige und bringt eine leicht nussige Note mit – allerdings sollte man es sparsam dosieren, sonst wird’s trocken. Perfekt für moderne, proteinreiche und vegane Backideen." Iris Klein, Bioland-Hof Klein
Marktpotenzial und Chancen
Die Nachfrage nach eiweißreichen, kohlenhydratarmen und regionalen Produkten steigt stetig. Die Süßlupine erfüllt dabei alle wichtigen Trends – von Low Carb, vegan/pflanzenbasiert und glutenfrei bis hin zu gentechnikfrei und bio-regional erzeugbar. Das macht das Lupinenmehl zu einem interessanten Rohstoff für die Bio-Branche. Für Bio-Bäckereien und Hofbäckereien eröffnet Lupinenmehl ein vielversprechendes Feld: Da es regional erzeugbar ist, kann es als vielversprechende Alternative zu Soja dienen. Regionale Bio‑Rohstoffe verringern nicht nur Transport‑ und Logistikkosten, sondern ermöglichen auch die Transparenz gegenüber Verbrauchern. Weiterhin kann durch eine stabile Rückverfolgbarkeit und eine Bio‑Zertifizierung eine höhere Wertschöpfung erzielt werden.
Lupinenmehl liefert wertvolles pflanzliches Eiweiß und kann für Bio-Bäckereien eine Möglichkeit bieten, es aktiv in Rezepturen und Produkte zu integrieren. Foto: Tourismus GmbH / Stefan Leitner Photography
Ein weiterer Vorteil ist, dass Lupinensorten grundsätzlich gentechnikfrei sind, denn es finden sich derzeit keine gentechnisch veränderten Sorten am Markt. Deshalb ist es gerade in der Bio-Verarbeitung eine gute Alternative zu Sojamehl, insbesondere dann, wenn letzteres aus Drittländern importiert und eine Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Soja nicht ausgeschlossen werden kann.
Interview mit Iris Klein zum Potenzial von Lupinenmehl
Der Bioland-Hof Klein, Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau, hat sich auf den Anbau von Leguminosen spezialisiert – darunter auch die Süßlupine. Im Interview erzählt Iris Klein, wie das Mehl aus Süßlupinen in der Verarbeitung funktioniert und wie sie die Zukunft von Lupinen hierzulande einschätzt.
M+M: Wie anders ist die Verarbeitung von Süßlupinen im Vergleich zu Getreide? Brauchen Betriebe oder auch Bio-Verarbeitungsunternehmen andere Mühlen, um aus der Lupine Mehl zu machen?
Iris Klein: Lupinen sind sehr fett- und eiweißreich. Daraus ergibt sich zum einen die Verarbeitung, zum anderen die Verwendung. Eine Hammermühle oder aber ein Stahlmahlwerk mit nachgelagerter Schnecke ist unbedingt erforderlich. Lupinenmehl wird nicht im üblichen Sinne als Mehl, sondern als Ei-Alternative verwendet – ein Esslöffel Lupinenmehl ersetzt ein Ei.
M+M: Wie verhält sich das Lupinenmehl in Produkten – sei es zum Beispiel in Falafel oder auch in Gebäck?
Iris Klein: In unseren Falafeln ist nur Platterbsenmehl, im Original nur Kichererbsenmehl. Aber auch hier werden dadurch gegenüber Getreidebratlingen (z. B. Grünkernküchle) keine Eier gebraucht. Aber auch zur Eiweißanreicherung im Brot kann es verwendet werden, zudem bleibt das Brot länger frisch, Hefebackwaren lassen sich als Teiglinge einfrieren, ohne dass die Hefe ihre Triebkraft verliert.
M+M: Wie ist die Rückmeldung Ihrer Kundschaft zu den Lupinenprodukten? Sehen Sie die Süßlupine als festen Bestandteil einer pflanzenbetonten Ernährung hierzulande?
Iris Klein: Noch ist die Lupine ein Nischenprodukt, aber ihre Beliebtheit wächst, zum Beispiel sind Tempehprodukte bei den Kunden sehr beliebt. Die Süßlupine könnte ohne Weiteres ein Bestandteil einer pflanzenbetonten Ernährung werden, bringt sie doch viele Vorteile: hochwertiges Eiweiß und viele ungesättigte Fettsäuren. Die Ansprüche an Boden und Klima passen für Deutschland. Allerdings müssen Züchtungsziele für heimische Saatgutvermehrer niedrige Alkaloidgehalte sein. Zurzeit werden die einheimischen Sorten leider nur für die Tierfütterung gezüchtet, ihr Einsatz in Nahrungsmitteln ist aber wegen des sehr hohen Alkaloidgehaltes nicht möglich. Übrigens ist auch bei Kühen der Einsatz dieser Sorten nicht zu empfehlen – die Alkaloide finden sich in der Milch wieder. Außerdem wäre es hilfreich, vermehrt Rezepte für Lupinen zu verbreiten, da die Verbraucher nicht wirklich wissen, wie sie Lupinenmehl und andere Produkte einsetzen können. Der Wille zu einer pflanzenbetonten Ernährung ist da, nur fehlen die Ideen und das Know-how.
Weiße Lupine ist Superfood des Jahres 2026
Biovision, die Schweizer Stiftung für ökologische Entwicklung, hat die Weiße Lupine zum Superfood des Jahres gekürt. Damit möchte sie auf Lebensmittel aufmerksam machen, die in der menschlichen Ernährung der Zukunft eine noch größere Rolle spielen sollten.
Stärkung der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie als starke Stimme der Lebensmittelhersteller
2026
3/25/2026
Neue Führungsspitze der BVE: Dr. Bernhard J. Simon und Christof Engelke
An der Spitze der BVE arbeiten Dr. Bernhard J. Simon und Christof Engelke künftig eng zusammen. In einer Zeit wachsender wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen bündeln beide ihre Erfahrungen, um die Interessen der Ernährungsindustrie wirksam zu vertreten. Christof Engelke wird dabei seine politische Erfahrung und Vernetzung einbringen: Mit seiner Branchenkenntnis möchte er die inhaltliche Arbeit des Verbandes entscheidend mitgestalten und zentrale Themen gezielt in die politische und öffentliche Diskussion einbringen. Anlässlich seiner Wahl erklärt Simon:
„Die BVE ist die starke Stimme der Lebensmittelhersteller gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Als Vorsitzender möchte ich dazu beitragen, diese Rolle konsequent fortzuführen und weiter zu stärken.“
Im Amt bestätigt wurde Tim Schwertner, CCO der Privatmolkerei J. Bauer GmbH & Co. KG in Wasserburg, als Schatzmeister. Zugleich wurde der Vorstand personell neu aufgestellt: Neu in den Vorstand gewählt wurden Heike Hauerken (Mondelez Deutschland Services GmbH & Co. KG), Sebastian Gooding (Brezelbäckerei Ditsch GmbH), Thomas Dosch (Premium Food Group ApS & Co. KG) und Norbert Lötz (Verband Deutscher Großbäckereien e.V.). BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff dazu:
„Der Wechsel an der BVE-Spitze steht für Kontinuität mit neuen Impulsen. Mit Dr. Bernhard J. Simon und Christof Engelke gewinnt der Verband unternehmerische Erfahrung und strategische Klarheit. Gerade in herausfordernden Zeiten braucht es eine Führung, die eng zusammenarbeitet und unterschiedliche Perspektiven zusammenführt. Unser besonderer Dank gilt Dr. Christian von Boetticher für sein prägendes Engagement. Den neuen Vorstandsmitgliedern wünschen wir einen erfolgreichen Start und freuen uns auf frische Impulse.“
In der Ernährungsindustrie erwirtschaften 6.082 Betrieben mit knapp 674.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 240,8 Milliarden Euro. Die Ernährungsindustrie ist inzwischen der drittgrößte Industriezweig Deutschlands. Dabei ist die Branche klein- und mittelständisch geprägt: 90 Prozent der Unternehmen der deutschen Ernährungsindustrie gehören dem Mittelstand an. Die Exportquote von 35 Prozent zeigt, dass Kunden auf der ganzen Welt die Qualität deutscher Lebensmittel schätzen.
Vom 20. bis 21. März 2026 traf sich die Branche zur Jubiläumsveranstaltung des Mitteldeutschen Müllerbundes.
2026
3/25/2026
Jubiläum in Osterfeld
Rund 140 Müller, Mitarbeiter aus der Mühlenwirtschaft, Fachleute aus Mühlenbau und Zulieferindustrie sowie Vertreter aus Forschung und Ausbildung kamen zu dem Forum für Technologie, Qualitätsbeurteilung und Wirtschaft. Konrad Zitzmann, Präsident des Mitteldeutschen Müllerbundes e.V., eröffnete die 30. Mitteldeutsche Müllereifachtagung und stellte das Programm und die Aussteller vor. Osterfeld hat sich für Besucher und Aussteller als Treffpunkt im Frühjahr etabliert.
CDU-Bundestagsabgeordnete Anne Aeikens mit dem Geschäftsführer des Mitteldeutschen Müllerbundes Hubertus Nitschke im Vortragssaal.
Der jungen Bundestagsabgeordneten liegt die Müllerei und der Abbau der Bürokratie am Herzen. Sie forderte die Müller auf, ihr Vorschläge zum Abbau zuzusenden.
Neben Mühle + Mischfutter war ein Fernsehteam des MDR vor Ort, um einen Beitrag für den Sachsenspiegel zu filmen, der am Abend ausgestrahlt wurde.
Einkauf und Qualität
Beim ersten Vortrag rückte der Rohstoffmarkt in den Mittelpunkt. Uwe Langenhan, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Qualitätsgetreide und Ölsaaten Thüringen, sprach zum Thema Getreidemarkt 2026. Ist sein Bundesland beim Kornertrag eher benachteiligt, punktet es beim Proteingehalt: "Thüringen ist das Proteinland Deutschlands", so Langenhan. Aktuell belasten die Branche die extrem gestiegenen Transportkosten, eine permanent wachsende Bürokratie sowie niedrige Getreide- und steigende Düngerpreise. Das bestätigte Paul Neumann von der Saalemühle Alsleben in seinem Vortrag. Er betonte vor allem die steigenden Preise bei den Düngemitteln. Wegen Kriegen in Nahost und des chinesischen Exportstopps fallen zwei Drittel der Herstellerländer aus. Somit besteht ein erhebliches Risiko, dass Getreide knapp und teuer wird, so Neumann.
Rund 140 Gäste nahmen an der Veranstaltung in der Nähe von Leipzig in Osterfeld teil.
Nach der Kaffeepause im Ausstellerraum referierte Paul Wessling, Vorstand der Müllerei-Pensionskasse über Demographie und betriebliche Altersvorsorge (bAV). Er rechnete vor, wie eine Gehaltserhöhung in Kombination mit der bAV beim Arbeitgeber zu steuerlichen Vorteilen führen kann. (s. Interview mit Paul Wessling MM 3-4/2026, S. 48 ff.). Mindestens genauso wichtig wie die Altersvorsorge ist die Ausbildung. Thomas Koch stellte Neues aus der Müllerschule in Wittingen vor.
Die Firma Fröhlich und Saati sponsern nicht nur die Müllerschule, sie hatten auch einen Stand auf der Tagung: v.l.n.r.: Markus Appel, Lukas Michel, Lars Fröhlich (Geschäftsführer) und Sebastian Bähr.
Neben neuen Tablets und VR-Brillen können die Schüler einen Schweißschein erwerben und einen von der Fröhlich GmbH und Saati gesponserten Sieb-Bespannungstisch nutzen. Ebenfalls neu in der Schule ist das von Foss gespendete Laborgerät Infratec Nova.
Sales Manager Adrian Jaspers von Foss Analytics betreute den Stand in der Ausstellung.
Was der Alleinarbeitsplatz Müller bedeutet, zeigte Manuel Gehrke von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN). Arbeitsschutz, Gefährdungsbeurteilung und sichere Organisation von Arbeitsplätzen in Mühlen bergen viele Risiken für den Unternehmer. Er muss bewerten, was gefährliche Arbeiten sind und ob ein Arbeitnehmer diese alleine ausführen darf. Wenn Absturzgefahr besteht oder in Silos und Ex-Zonen allein gearbeitet wird, dann sollte immer eine Gefährdungsbeurteilung und/oder geeignete Meldeeinrichtungen vorhanden sein. Weitere Informationen bietet die technische Hotline sowie eine kostenlose Broschüre der BGN.
V.l.n.r.: Steffen Schramm, Rudolf Hofer und Andreas Müller von der Bühler Group.
Michaela Budau von der Kastenmüller GmbH in Martinsried hielt einen praxisnahen Vortrag zur Analytik und Qualitätsbeurteilung, die vor allem für kleinere Mühlenbetriebe geeignet ist.
Franz Schmid und Michaela Budau von der Firma Kastenmüller aus Martinsried.
Trotz kleiner Budgets und wenig Personal ist die Rohstoffbeurteilung sehr wichtig und sorgt für eine gleichbleibende Mehlqualität. Daraus folgen weniger Reklamationen und eine wesentlich bessere Prozesssteuerung. Laborarbeit beginnt immer mit einer sorgfältigen Probeentnahme. Nur wer diese richtig zieht, bekommt verlässliche Ergebnisse und kann über Feuchtigkeitswerte die Lagerfähigkeit und Schimmelbildung beurteilen, über den Proteingehalt Hinweise auf Backqualität und Mischentscheidungen bekommen und abschließend eine korrekte Abrechnung erstellen.
Robin Bruckmann und Frank Iftner von der MIAG GmbH aus Lonnerstadt.
Feuchtklebergehalt und Fallzahl sind die entscheidenden Qualitätskriterien für Weizenmehl, die maßgeblich die Backfähigkeit bestimmen und sollten ergänzend bestimmt werden. Start-up-Gründer Lukas Deuscher von Zepta Technologies aus Dresden stellte digitale Ansätze für die Nagerbekämpfung vor. Ab Juli 2026 fällt unter anderem durch rechtliche Neuerungen bei Rodentiziden die sogenannte „befallsunabhängige Dauerbeköderung“ weg. Zepta hat eine digitale Köderwaage entwickelt, die Köderfallen überwacht, Befall feststellt und durchgängig dokumentiert. Das spart zeitintensive händische Kontrollen und ermöglicht den gesetzeskonformen Einsatz von Giftködern.
Zum Abschluss des ersten Tages berichtete Gabriele Lühr über Investitionen der Deutschen Müllerschule Braunschweig (DMSB). Die Pädagogische Leiterin der weltweit einzigen Technikerschule mit staatlichem Abschluss zeigte Fotos des neuen Plansichters von Bühler. Geplant sind weitere Anschaffungen: eine Sortex, ein Walzenstuhl, ein Fliehkraftschäler und neue Laborgeräte. Der anschließende Müllerball mit Buffet setzte den geselligen Schlusspunkt des ersten Veranstaltungstages.
Urs Santschi zeigte Siebe des Plansichters SIFTO von Swisca.
Zwischen den Technikbeiträgen am Samstag referierte die Bundestagsabgeordnete Anna Aeikens (CDU/CSU) zur Entwicklung der Getreidemärkte und den Konsequenzen für Mühlen. Die Probleme sind offensichtlich bekannt, bei Lösungen tut man sich aber nach wie vor sehr schwer. Sie forderte die Teilnehmer zur Beteiligung auf. Jeder Betrieb könne ihr gerne Vorschläge zum Bürokratieabbau schicken. Aus dem Plenum wurde direkt die schwierige Situation mit den Betriebsversicherungen angesprochen. Steigende Prämien oder gar kein Versicherungsangebot erfordern schnelle Lösungen, bspw. über erweiterte steuerliche Rückstellungen. Die Abgeordnete betonte, dass sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Branche einsetzen will.
Geschäftsführer Jost Rüter von Rüter Maschinenbau.
Urs Santschi von SWISCA stellte den Plansichter Sifto vor (siehe MM 19/2024 S.17). Stefan Zitzmann aus Ingersleben sprach über neue Magnete, Reinigungstechnik und Produktsicherheit in der Mühle Zitzmann. Anne Richter und Dr. Walter Lübbe von R.-Biopharm AG stellten Schnellmethoden zur Mykotoxin-Analyse vor, die in drei Minuten Ergebnisse liefern. Rudolf Hofer, Head of Grain Innovation Center der Bühler AG, zeigte, wie die Mutterkornbelastung im Weizen mit einer effizienten Reinigung verbunden ist. Er stellte erste Ergebnisse vor, die mit einem sehr aufwendigen Versuchsaufbau in Zusammenarbeit mit der Bavaria Mühle erzielt wurden. Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst in Mühle + Mischfutter. Tobias Kleinekemper, Sales Manager bei Haver & Boecker, sprach über Verpackungsanlagen und den Trend hin zu Ventilsäcken (siehe MM 18-19/2025 S.39).
Tobias Kleinekemper von Haver & Böcker stellte in seinem interessanten Vortrag neue Verpackungssäcke und -maschinen vor.
Zum 30. Jubiläum übergab der Bayerische Müllerbund (Rudolf Sagberger 3.v.l., Jürgen Englert 2.v.r., Dr. Josef Rampl r.) einen Mühlstein an Hubertus Nitschke l., Alexander Bartsch 2.v.l. und Konrad Zitzmann 3.v.r. vom Mitteldeutschen Müllerbund.
Für seinen Bericht über die Projektführung der Kornmühle Sachseln war Markus Nussbaumer von Numitec aus Kirchberg in der Schweiz angereist. Die kleine Mühle aus dem Voralpengebiet ist im letzten Jahr mit einem Investitionsvolumen von 2,5 Mio. Euro gebaut worden. Als 2022 in der Zentralschweiz die letzte Getreidemühle schließen musste, schlossen sich Landwirte, Gastronomen und Bäcker der Region zusammen: Sie gründeten eine Interessengemeinschaft, die innerhalb von zwei Jahren Finanzierung und Planung einer eigenen Mühle ermöglichte. 2024 gründeten sie die Kornmühle Sachseln AG. Als Standort wurde eine alte Schreinerei gefunden, die umgebaut wurde. Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst in Mühle + Mischfutter.
Maciej Soltysiak und Kamila Pawelec von Balaguer East Europe überreichen zusammen mit dem Geschäftsführer des Mitteldeutschen Müllerbunds Hubertus Nitzschke (ganz rechts) den Gutschein für die kostenlose Aufarbeitung von zehn Walzen an den Gewinner Johannes Unger (Mitte).
Danach sprach Christian Rückert von Rückert Mühlen- und Anlagentechnik aus Landshut über Mühlenumbauten, Spezialmaschinenbau, Montage, Ersatzteile sowie gebrauchten Maschinen und Reparaturen. Zu seinem Beratungsangebot zählen die Berechnung der Pneumatik, um Energie einzusparen, und bei Umbauten eine exakte 3D-Analyse und Vermessung.
Christian und Christine Rückert stellten den Service von Rückert Mühlen- und Anlagentechnik vor, von Anlagenbau über Modernisierung bis hin zur Lieferung oder Nachbau von Ersatzteilen.
Zum Ende des Programms folgte ein Vortrag von Alexander Bartsch aus Miltitz, der über den Bau einer Senfmühle als eine Möglichkeit der Produktdiversifizierung berichtete. Die Fachvorträge zeigten, wie breit die Mitteldeutsche Müllereifachtagung angelegt ist. Neben großen Markt- und Technologiethemen fanden auch spezialisierte Projekte, handwerkliche Lösungen und individuelle Betriebswege ihren Platz. Das Schlusswort übernahm Präsident Konrad Zitzmann.
Die nächste Fachtagung in Osterfeld ist vom 19. Bis 20. März 2027.
Katrin Häckel, Leitung Vertrieb, Minderleinsmühle stellte ihre hochwertigen und beliebten Produkte aus.
Geschäftsführer Christian Kölsch und Nils Juhnke, VAS.Software.
Online Tankdeckel Überwachung mit Alarmsirene beim Diebstahlversuch hat Dr. Jürgen Stausberg von SATLOG AutoControlling im Angebot. Jede Tankdeckelöffnung wird protokolliert. Die Pushnachricht auf das Smartphone zeigt den Standort.
Von FD Waagenbau waren Rolf Nagel und Oliver Langheim angereist.
Handwerker Rico Hochmuth von Spezialbürsten Hochmuth.
Schädlingsbekämpferin Ellen Schäfer von Hentschke + Sawatzki.
Marcel Fust von Schmid Automation.
SalesManager Dirk Kröger von Heitling Fahrzeugbau.
Thomas Fendel und Peter Böhmichen von KMH Kammann Metallbau.
Geschäftsführer des Mitteldeutschen Müllerbundes Hubertus Nitschke mit MdB Anne Aeikens und dem Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbundes Dr. Josef Rampl.
Am 13. und 14. März 2026 fand in München der diesjährige Verbandstag des Bayerischen Müllerbundes e.V. statt.
2026
3/25/2026
Verbandstag 2026 Bayerischer Müllerbund
Wie kann ein Verbandstag besser beginnen als mit einer Führung durch das neue Backhaus des bekannten Münchner Traditionsunternehmens Rischart? „Backen in und für München“, so begrüßte Chef Magnus Müller-Rischart die Gäste an der Theresienhöhe. 110 Mitarbeiter produzieren hier etwa 120 verschiedene Produkte, vom Sandwich bis zur Spezialtorte. Seine 19 Filialen rund um München backen nicht auf, und sie werden bis zu fünfmal täglich frisch beliefert. Der alte Betrieb war zu klein geworden, jetzt wird fast die doppelte Fläche erreicht, die auch weitere Ausbauten erlaubt. Die mit 1,2 Mio. Besuchern meistbesuchte und umsatzstärkste Bäckereifiliale gehört dem Unternehmen und steht neben dem Marienplatz mit Blick auf den Viktualienmarkt.
Geschäftsführer Dr. Josef Rampl begrüßt Magnus Müller-Rischart, welcher das Backhaus in der fünften Generation seit 2009 leitet (Foto: Sabine Kemper).
Das Café Rischart am Viktualienmarkt ist das umsatzstärkste Café Deutschlands (Foto: Sabine Kemper).
Die Führung der Müllerinnen und Müller durch das neu erichtete Backhaus der Familie Rischart startet mit einem kurzweiligen Vortrag und einem Imagefilm (Foto: Sabine Kemper).
Der Vorsitzende des Bayerischen Müllerbunds Rudolf Sagberger und Geschäftsführer Dr. Josef Rampl bedanken sich für die Führung durch das neue Backhaus (Foto: Sabine Kemper).
Baubeginn war 2023 und neben der Backfabrik wurden ein Hotel mit Boardinghaus, ein Café und hundert Ein-Zimmer-Werkswohnungen errichtet. Vom obersten Stockwerk überblickt man die Wiesn, auf der während des Oktoberfestes mit Rischarts Café Kaiserschmarrn ein eignes Festzelt betrieben wird. Trotz aller Superlative merkt man während des Firmenbesuchs, dass das Unternehmen ein familiengeführter Handwerksbetrieb geblieben ist, dar Wert auf Premiumqualität legt.
Produktionsverwalter Christoph Wiedermann (Mitte) ist gelernter Bäckermeister und führte die Gruppe kompetent durch die Räume des neuen lichtdurchfluteten Backhauses Rischart (Foto: Sabine Kemper).
Während der Führung gab es genug Zeit für Fragen (Foto: Sabine Kemper).
Nach der Führung ging es auf die Dachterrasse des neuen Backhauses mit Blick auf München sowie den 100 Werkswohnungen (Fotos: Sabine Kemper).
Hans Haller, Timm Scharf (Otto Crienitz GmbH) und Dr. Rudolf Rampl auf dem Dach des neuen Backhauses (Foto: Sabine Kemper).
Dinner Speech im Kaufmanns-Casino
Am Abend trafen sich die Teilnehmer des Verbandstags zur traditionellen Dinner Speech im Kaufmanns-Casino am Münchner Odeonsplatz. Nach der Begrüßung durch Rudolf Sagberger, Präsident des Bayerischen Müllerbundes und einem kurzen Überblick von Geschäftsführer Dr. Josef Rampl hielt die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf einen Vortrag und forderte, dass sich Arbeit und Leistung in unserer Gesellschaft wieder lohnen muss. Ebenso müssten Leistungsbereitschaft und Solidarität wieder in Einklang gebracht werden. Im Anschluss gab es die Möglichkeit zum direkten Austausch mit der Ministerin.
Der Vorsitzende Rudolf Sagberger (links) begrüßt seine Gäste Hans Haller und Norbert Lötz (rechts), Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien (Foto: StMAS/Schäffler).
Die Festveranstaltung fand im Kaufmanns-Casino am Odeonsplatz statt (Foto: StMAS/Schäffler).
(V.l.n.r.): Geschäftsführer Dr. Josef Rampl, Staatsministerin Ulrike Scharf und Ralph Seibold, SchapfenMühle (Foto: StMAS/Schäffler).
Nach dem Dinnerspeech der Ministerin gab es Raum für Diskussionen (Foto: Sabine Kemper).
Mehlkönigin Luisa Winkler von der Winkler Mühle kam mit ihrem Vater zur Veranstaltung (Foto: Sabine Kemper).
Ein gelungener und gut organisierter Abend, der mit vielen Gesprächen ausklang (Foto: Sabine Kemper).
Mitgliederversammlung im Hofbräuhaus
Die Mitgliederversammlung fand am Samstag im Münchner Zimmer des Hofbräuhauses statt. Nach der einstimmigen Entlastung von Vorstandschaft und Geschäftsführung folgte ein Programmpunkt mit besonderer Aufmerksamkeit. Martin Hacker von der Hacker-Mühle in Untervilslern wurde für seinen Sieg beim internationalen Wettbewerb „Mühlenmasters“ ausgezeichnet. Nach einem Weißwurstfrühstück begann der öffentliche Teil des Verbandstags. Markus Saller, wirtschaftspolitischer Sprecher der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, richtete ein Grußwort an die Teilnehmer und skizzierte die gegenwärtigen wirtschaftspolitischen Belastungen für Handwerk und Mittelstand. „Backwaren erzeugen Emotionen“ war das zentrale Thema von Norbert Lötz, Präsident des Verbandes Deutscher Großbäckereien: „Wir Bäcker haben das Glück, das wir sehen, was wir machen“. Zusätzlich muss die Qualität stimmen, sonst wird es für viele Betriebe nicht mehr zu schaffen sein, die Herausforderungen zu meistern. Immer wichtiger werde die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Müllerei und Bäckerei. Den Schlusspunkt setzte Dr. Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank (BayernLB). Er ordnete sehr anschaulich die wirtschaftlichen Folgen der aktuellen geopolitischer Verwerfungen ein und analysierte deren Auswirkungen auf Konjunktur, Kapitalmärkte und unternehmerische Entscheidungen. Sein Vortrag kann bei Bedarf über die Geschäftsstelle des Bayerischen Müllerbundes angefordert werden.
Der Saal im Hofbräuhaus am Samstag war bis auf den letzten Platz besetzt (Foto: Sabine Kemper)
Einen sehr interessanten und kurzweiligen Vortrag mit vielen Informationen unterstützt von anschaulichen Grafiken hielt Dr. Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Bayerischen Landesbank (BayernLB) (Foto: Sabine Kemper).
Künftige Herausforderungen der Backbranche waren das Thema des praxisnahen und spannenden Vortrags von Norbert Lötz (Foto: Sabine Kemper).
Die Herstellung von Vormischungen, Vitaminen, Zusatzstoffen und funktionellen Inhaltsstoffen für die Agrar- und Lebensmi
2026
3/24/2026
Effiziente Verpackungsprozesse realisieren
Eine leistungsfähige, flexible und hygienische Verpackungslösung ist entscheidend, um Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit dauerhaft sicherzustellen.
Die Schlüsselfaktoren für die Konzeption einer effizienten Abfülllinie sind:
– Material- und Produkteigenschaften: Je nach Struktur – Pellets, Granulate oder feine Pulver – variieren Dosier- und Wägesysteme erheblich. Pulverförmige Produkte erfordern staubdichte Systeme, Absauganlagen, luftdichte oder atmungsaktive Säcke sowie Entlüftungs- oder Verdichtungslösungen für stabil befüllte Säcke und deren Verschluss.
– Verpackungs- und Transportlogistik: Die Auswahl der richtigen Paletten sowie der Verpackungsmaterialien zum Schutz vor Verschmutzung und Feuchtigkeit oder anderer Umwelteinflüsse sowie die Palettenstabilität und Transportsicherheit ist ebenfalls ein entscheidendes Kriterium. Geeignete Verpackungen und Seitenschutz verhindern Schäden und vermeiden Rücksendungen.
– Produktvielfalt und Chargenmanagement: Viele Rezepturen und häufige Produktwechsel erhöhen den Reinigungsaufwand und die Stillstandzeiten. Gefordert sind schnelle Umrüstungen, werkzeuglose Zugänglichkeit und hygienisches Design, um Kreuzkontaminationen zu vermeiden.
– Hygienedesign, Wartungszugang und Bedienerfreundlichkeit: Lebensmittel- und Futtermittelprozesse verlangen saubere, leicht zu reinigende Maschinenoberflächen und gut zugängliche Bereiche. Eine schnelle und gründliche Reinigung reduziert Stillstände und erhöht die Anlagenverfügbarkeit.
– Platzbedarf und Anlagenlayout: Bei der Erstellung eines Anlagenlayouts sind die Platzverhältnisse beim Kunden zu berücksichtigen. Einfach ist es bei einer Green-Field-Lösung (Neubau). Hier können die baulichen Gegebenheiten an die Anlagenstruktur angepasst werden. Doch meist müssen die Anlagen in existierende Umgebungen eingebaut werden, was eine große Herausforderung und Flexibilität erfordert.
Integrierte Absack- und Palettieranlage bei einem Tierfutterhersteller.
Fallbeispiel: Automatisierte Komplettlösung
Ein Hersteller von pulverförmigen Tierfutterzusätzen füllte seine Produkte ursprünglich manuell in Aluminium- und PE-Beutel ab. Der Prozess war personalintensiv, begrenzte die Leistung und erschwerte eine stabile Palettenbildung. Zur Automatisierung entwickelte SSB Wägetechnik mit TMI eine integrierte Absack- und Palettieranlage. Nach Laboranalysen der Produkte zu Dichte, Fließverhalten und Dosierbarkeit, wurde eine kompakte Lösung realisiert, bei der die automatische Absackmaschine Ilersac HCBSD das Befüllen, Entlüften und Verschweißen übernimmt, der Hybrid-Lagenpalettierer Ilerpal H die stabile Palettierung sicherstellt und anschließend die Stretchwickelmaschine Ilergir sowie der seitliche Palettenschutz durch die Kartonage Ilerbox die Palette für Transport schützen.
Alle Prozessschritte – von der präzisen Verwiegung über Abfüllung, Dichtigkeitsverschluss, Gewichtskontrolle und Ausschleusung bis hin zu Palettierung, Umwicklung und Seitenschutz – erfolgen automatisiert auf rund 75 m². Das hygienische Maschinendesign reduziert Staubemissionen, vereinfacht die Reinigung und steigert die Verfügbarkeit deutlich.
Ergebnis: Eine kompakte, flexible und hygienische Gesamtlösung, die Produktivität erhöht, Stillstände reduziert und eine sichere, wirtschaftliche Verpackungslinie für unterschiedlichste Lebensmittel- und Futtermittelzutaten ermöglicht.
MC Mühlenchemie startet neue Pilot-Pastaextrusionspresse mit vertikaler Extrusion, digitalen Daten und KI-Analyse.
2026
3/23/2026
MC Mühlenchemie startet neue Pastapresse
Die Herstellung von Pasta ist ein komplexer Prozess, in dem Enzyme eine Schlüsselrolle für Bissfestigkeit, Klebrigkeit und Kochstabilität spielen. Ihre maximale Wirkung entfalten diese Enzyme in der Phase zwischen Kneten und Extrudieren. Bestimmt wird diese Wirkung durch zwei kritische Faktoren, nämlich die Verfügbarkeit von Wasser und die Verweilzeit des Teiges. Genau diese Phase ließ sich mit herkömmlichen Laborpressen, die mit horizontaler Extrusion arbeiten, bisher nur eingeschränkt kontrollieren. Die neue Presse will diese Lücke schließen.
Technische Ausstattung
Die Pilot-Extrusionspresse deckt die ersten Schritte der Pastaherstellung ab, also Mischen, Kneten und Extrudieren. Sie bietet dabei viele Steuerungsfunktionen. Die Geschwindigkeiten der beiden Kneter lassen sich unabhängig voneinander regeln; die Temperaturen von Kopf, Zylinder und Teig werden präzise gesteuert, und auch die Belüftungsgeschwindigkeit sowie die Temperatur während der Extrusion sind individuell einstellbar. Das Vakuumniveau im Kneter wird ebenso überwacht wie die Temperatur und der Anteil des Dosierwassers. Mit ihrem vertikalen Extrusionsverfahren und einem Schneckendesign, das exakt dem industrieller Pastapressen entspricht, ermöglicht sie eine realistische Teigkompression und damit präzise, auf die Großproduktion übertragbare Ergebnisse.
Digitalisierung und KI
Ein besonderes Merkmal der neuen Presse ist ihre vollständige Digitalisierung. Wo früher Versuchsdaten manuell in Excel-Tabellen erfasst wurden, steht nun ein digitales Archivsystem zur Verfügung, das jeden Test dokumentiert. Erfasst werden alle Parameter, verwendete Rohstoffe, Enzyme und Trocknungsrezepturen. Auch Jahre später lässt sich nachvollziehen, welcher Versuch für welchen Kunden unter welchen Bedingungen durchgeführt wurde.
Darüber hinaus integriert das System Funktionen der Künstlichen Intelligenz. Insgesamt 19 Berechnungsformeln analysieren Echtzeitdaten wie Teigtemperatur und Motorlast, um rheologische Parameter vorherzusagen. Diese KI-gestützte Kreuzanalyse soll es dem Entwicklungsteam ermöglichen, schneller datenbasierte Empfehlungen für Kunden zu erarbeiten. Das ist ein bedeutender Schritt in Richtung einer zukunftsorientierten, angewandten Forschung.
Vorstellung der neuen Pasta-Extrusionspresse durch Agostino Coppola (Foto: MC Mühlenchemie).
Nutzen für die Produktentwicklung
Für Kunden von MC Mühlenchemie bedeutet die neue Ausstattung, dass Tests unter Bedingungen möglich sind, die ihren eigenen Produktionsanlagen entsprechen. Die Ergebnisse aus dem Pasta-Technikum sind damit direkt auf die industrielle Fertigung übertragbar. Pastahersteller erhalten tiefere Einblicke in das Verhalten von Zutaten und die Aktivität von Enzymen, können Prozessparameter optimieren und Entwicklungszyklen verkürzen. Die Kombination aus der neuen Extrusionspresse und dem 2023 installierten Pilottrockner macht das Labor zu einer Mini-Fabrik, in der der Produktionsprozess vom Rohmehl bis zur fertigen Pasta unter industrienahen Bedingungen getestet werden kann. Dadurch ermöglicht die neue Anlage F&E-Projekte, die bisher technisch nicht umsetzbar waren. Denn die systematisch vergleichbare Datenbasis über verschiedene Kunden und Zeiträume hinweg schafft Erkenntnisse für die Produktentwicklung.
„Mit der neuen Extrusionspresse erreichen wir eine Authentizität, die in dieser Form weltweit einzigartig ist“, sagt Agostino Coppola, Senior Pasta Technologist bei MC Mühlenchemie. „Wir können jetzt nicht nur die industriellen Bedingungen exakt nachbilden, sondern durch die Digitalisierung und KI-Unterstützung auch Zusammenhänge erkennen, die bisher im Verborgenen blieben. Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil für uns und für unsere Kunden.“
Das Pasta-Team stellt seine neue Anlage vor (Foto: MC Mühlenchemie).
Zusammenarbeit mit Fava S.p.A.
Die Pilot-Extrusionspresse ist ein weiteres Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen MC Mühlenchemie und dem italienischen Anlagenbauer Fava S.p.A. Die Maschine wurde nach den Anforderungen des Pasta-Technikums von MC Mühlenchemie entwickelt, von der mechanischen Struktur bis zur Steuerungssoftware. Bereits der 2023 installierte Pilottrockner entstand aus dieser Partnerschaft. Beide Unternehmen bündeln ihre Kompetenzen in Verfahrenstechnik, Mehlbehandlung und Enzymtechnologie, um Lösungen für die Pasta-Industrie zu entwickeln.
Explosions- und Brandschutz in Hammermühlen: Tietjen erklärt Sensorik, Konstruktion und Betriebspraxis.
2026
3/5/2026
Explosions- und Brandschutz für Mahlsysteme mit Hammermühlen
Tietjen Verfahrenstechnik aus Hemdingen bei Hamburg beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit dem Explosions- und Brandschutz für Mahlanlagen. Nach der Veröffentlichung der ersten ATEX-Richtlinie im Jahr 1994 begann Tietjen, sich auf konstruktive Maßnahmen zum Explosionsschutz in Hammermühlen zu konzentrieren. Bereits 1999 begannen die Prüfungen von druckstoßfesten Mühlen an deutschen Prüfinstituten. Nach der Umsetzung der ATEX-Richtlinie in nationales Recht im Jahr 2003 wurde der Explosionsschutz für alle Mühlen verbindlich vorgeschrieben.
Hammermühlen gehören zu den wichtigsten Prozessanlagen in der Schüttgutindustrie für die Zerkleinerung von Getreide, Holz, Biomasse oder anderen organischen Materialien. Aufgrund ihrer hohen Rotordrehzahlen, großen kinetischen Energien und der Verarbeitung brennbarer Stäube stellen sie jedoch typische Gefahrenquellen für Brände und Staubexplosionen dar. Ein wirksames Schutzkonzept muss daher sowohl den Explosionsschutz als auch den organisatorisch-technischen Brandschutz berücksichtigen.
Gefahrenpotenzial und Zündquellen
Hammermühlen erreichen Umfangsgeschwindigkeiten von rund 100 m/s. Wenn Fremdkörper wie Metallteile in die Mahlkammer gelangen oder wenn es aufgrund von Verschleiß zu Reibung kommt, können mechanisch erzeugte Funken entstehen. Darüber hinaus können überhitzte Lager, verstopfte Siebe oder schwelendes Material in der Mahlkammer zu erhöhten Temperaturen führen. Dadurch entstehen sowohl typische Explosionsgefahren als auch klassische Brandszenarien wie Schwelbrände oder Glutnester. Staubablagerungen in Rohrleitungen, Filterkammern oder auf Maschinenoberflächen erhöhen die Brandlast zusätzlich und begünstigen die Ausbreitung von Feuer oder heißen Gasen.
Da sich Explosionen oder Brände über Förderschnecken, Filter, Silos oder Rohrleitungen ausbreiten können, müssen alle Systemkomponenten – von der Rohstoffaufnahme bis zur Produktabscheidung – berücksichtigt werden. Der Schutz vor Flammenübertragung, Brandgasen und Funken ist daher ein wesentlicher Bestandteil des Gesamtsystems.
Präventiver Explosions- und Brandschutz
Die erste Schutzebene besteht aus Maßnahmen, die sowohl Zündquellen verhindern als auch die Wahrscheinlichkeit einer Brandentwicklung minimieren. Die Abscheidung von Fremdstoffen mit Magnetabscheidern, Schwerteilabscheidern oder den Tietjen-Speisungen AGS und DA, die beides kombinieren, verhindert die Entstehung von Funken und reduziert die mechanische Belastung der Mühle.
Ebenso wichtig ist eine umfassende Sensorik: Temperaturüberwachung an Lagern und in der Mahlkammer, Motorstromüberwachung zur Erkennung von Blockaden sowie Vakuum- oder Füllstandsüberwachung. Diese Sensoren müssen ATEX/NEC 500-konform sein und bei Grenzwertüberschreitungen automatisch ein Signal geben oder die Mühle abschalten.
Darüber hinaus müssen alle Rohrleitungen und Komponenten zuverlässig geerdet sein, um elektrostatische Zündgefahren zu vermeiden. Aus Sicht des Brandschutzes sind eine staubarme Anlagenkonstruktion, regelmäßige Reinigung und konstruktive Maßnahmen zur Verhinderung von Materialansammlungen von entscheidender Bedeutung. Diese reduzieren die Brandlast und senken das Risiko von Schwelstellen erheblich.
Konstruktiver Explosionsschutz
Da vorbeugende Maßnahmen keine absolute Sicherheit garantieren können, werden konstruktive Schutzvorrichtungen hinzugefügt. Tietjen-Mahlsysteme sind so konstruiert, dass sie Explosionsdrücken (typischerweise 0,4 bar) standhalten, sodass wichtige Komponenten wie Mühlengehäuse, Filter, Förderschnecken und Rohrleitungen einer Explosion standhalten können. Darüber hinaus verhindern Zellenradschleusen und zusätzliche Sicherheitsvorrichtungen in den Zuführsystemen die Übertragung von Druck und Flammen in angrenzende Anlagenbereiche. Das A-Vent-Luftansaugventil, ein typgeprüftes Schutzsystem, das für die Luftansaugung der Zuführvorrichtungen entwickelt wurde, schließt bei einer Explosion innerhalb von Millisekunden und verhindert so zuverlässig die Ausbreitung von Druck und Flammen.
Hammermühle mit Fremdkörperabscheider und Luftansaugventil A-Vent (Tietjen Verfahrenstechnik GmbH).
Schutzsysteme für die flammenlose Druckentlastung, wie das E-Vent-Überdruckventil, öffnen sich bei Überdruckaufbau. Sie lassen die Explosion kontrolliert in die Umgebung entweichen und verhindern so Schäden an der Mühle und der Mahlanlage. Die integrierte Flammendurchschlagsperre verhindert die Ausbreitung der Flamme in die Umgebung.
Brandmelde- und Löschmaßnahmen
Die Erkennung potenzieller Brandereignisse ist ein zentraler Bestandteil des Gesamtkonzepts. Funkenerkennungssysteme in Förderleitungen verhindern, dass glühende Partikel in den Filter gelangen. CO-Sensoren oder Brandgasdetektoren in der Abluft erkennen Schwelbrände frühzeitig, während Temperaturanstiegsdetektoren an Filtern und Behältern auf Glutnester hinweisen.
Zur Brandbekämpfung stehen verschiedene Systeme zur Verfügung: automatische Funkenlöschanlagen, Hochdruck-Wassernebel zur Kühlung von Kanälen, manuelle Löschstellen und – je nach Anlagenkonzept – CO₂-Inertisierungssysteme, die die Mühle oder den Filter inertisieren und so Schwelstellen ersticken.
Organisatorische Maßnahmen
Ein Schutzkonzept ist nur so wirksam wie seine konsequente Umsetzung im Betrieb. Das Personal muss darin geschult sein, Störungen zu erkennen, mit Funken- oder Feueralarm umzugehen und im Falle eines Brandes oder einer Explosion angemessen zu reagieren. Dokumentierte Reinigungs- und Inspektionsintervalle sind unerlässlich, um Staubansammlungen, Verschleiß oder defekte Komponenten rechtzeitig zu erkennen. Sicherheitsrelevante Komponenten wie A-Vent, E-Vent oder Zellenradschleusen erfordern jährliche Inspektionen und mindestens alle drei Jahre eine gründliche Reinigung. Reparaturen und Eingriffe in das Schutzsystem müssen durch einen Freigabe- und Kontrollprozess dokumentiert werden.
Fazit
Der Explosions- und Brandschutz für Hammermühlen umfasst ein ganzheitliches Sicherheitskonzept, das präventive, konstruktive, detektionsbasierte und organisatorische Maßnahmen kombiniert. Nur das abgestimmte Zusammenspiel dieser Elemente verhindert zuverlässig, dass Funken, Überhitzung, Fremdkörper oder Staubablagerungen zu einem Brand oder einer Staubexplosion führen. Ein modernes, gut gewartetes Schutzsystem schützt Mitarbeiter, Anlagen und Gebäude, minimiert Produktionsausfälle und erfüllt alle gesetzlichen und versicherungstechnischen Anforderungen. Ein umfassender Explosions- und Brandschutz ist daher nicht nur aus Sicherheitsgründen unerlässlich, sondern auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für einen störungsfreien und effizienten Anlagenbetrieb.
Jan Cordesmeyer im Interview, welche EU-Regeln die Getreidebranche betreffen und wie Betriebe planen können.
2026
3/4/2026
Jan Cordesmeyer zu EU-Berichtspflichten und Lieferketten
European Flour Millers ist der Verband, der die europäischen Mehlmühlen auf europäischer Ebene vertritt. Seine Mitglieder sind die nationalen Verbände aus 28 europäischen Ländern. Da er in seiner Funktion über 9% der Vermahlungskapazität in Europa repräsentiert, kann er die Interessen der Branche glaubwürdig und fundiert vertreten.
M+M: Die EU verschiebt die EUDR-Umsetzung um ein Jahr. Bedeutet das für die Mühlen eine Entspannung an der Datenfront?
Jan Cordesmeyer: Es hat sich bei der EUDR ja nicht nur der Zeitpunkt des Inkrafttretens geändert. Zusätzlich sind Entlastungen für weiterverarbeitende Unternehmen geschaffen worden. Damit wurde eine wichtige Forderung der getreideverarbeitenden Branche erfüllt, für die wir uns sowohl als Unternehmen, als auch mit unseren Verbänden in Deutschland und Brüssel eingesetzt haben. Doch es besteht noch Klärungsbedarf über die genaue Umsetzung der reduzierten Pflichten. Generell gilt: Die EUDR betrifft reine Getreidemühlen bisher nicht oder allenfalls am Rande. Betroffene Weiterverarbeitungsunternehmen werden künftig die Warenrückverfolgbarkeit gewährleisten müssen, aber dies gilt ohnehin bereits für sämtliche Lebensmittel. Wir erwarten somit einen geringfügigen Umsetzungsaufwand.
M+M: Welche operativen Umstellungen kommen auf Mühlen- und Futtermittelbetriebe durch das Verpackungsrecht 2026 bis 2028 zu?
Jan Cordesmeyer: Die Frage ist sehr vielschichtig. Fest steht, dass durch die EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, kurz PPWR, neue und weitreichende Anforderungen auf die Hersteller zukommen. Denn die PPWR sieht für Unternehmen unterschiedliche Pflichten vor, je nachdem, wo in der Kette sie sich befinden. Daher sollten die Unternehmen sich vor August 2026 damit auseinandersetzen, welche Pflichten auf sie zukommen können und welche Funktion sie in der Verpackungskette innehaben. In der Regel werden die Mühlen als „Erzeuger“ auftreten, für die viele wichtige PPWR-Pflichten gelten. So müssen sie die Konformität der Verpackung mit den Nachhaltigkeits- und Kennzeichnungsanforderungen nachweisen. Und hier fängt das Problem an. Die PPWR sieht vor, dass viele Anforderungen durch delegierte Rechtsakte der EU konkretisiert werden, zum Beispiel zur Recyclingfähigkeit. Und so gelten derzeit noch gestaffelt nach Jahren unterschiedliche Voraussetzungen, die erst nach und nach konkretisiert werden. Denn die delegierten Rechtsakte liegen noch nicht für alle Fragen vor. Zum Beispiel gelten ab dem 12. August 2026 Stoffbeschränkungen und Grenzwerte etwa bei PFAS. Auch die Konformitätsbewertung muss bis dahin erfolgen.
Die Kennzeichnungspflicht mit QR-Code gilt erst ab 12. August 2028, der delegierte Rechtsakt zur Recyclingfähigkeit von Verpackungen soll erst 2028 kommen. Auch hat der deutsche Gesetzgeber das Verpackungsrechts-Durchführungsgesetz (VerpackDG) noch nicht verabschiedet, das zur nationalen Umsetzung der europäischen Verpackungsverordnung dient. Es wird davon ausgegangen, dass das Gesetzgebungsverfahren im ersten Quartal 2026 durchlaufen ist. Danach muss es vermutlich noch von der EU-Kommission notifiziert werden. Es ist daher derzeit noch nicht abschließend zu beurteilen, welche einzelnen Umstellungen die Betriebe vornehmen müssen. Der VGMS ist hier aber kontinuierlich dabei, seine Mitglieder über den aktuellen Sachstand zu informieren und für die Interessen seiner Mitglieder in den einzelnen Verfahren einzutreten.
M+M: Produktsicherheit gilt als der härteste Kern der Compliance. Wie gehen Mühlen mit immer neuen Grenzwerten, etwa bei MOAH, um, ohne dass die Versorgungssicherheit leidet oder die Kosten durch reine Analytik explodieren?
Jan Cordesmeyer: Zunächst einmal ist festzuhalten: Die Müllerei steht für hohe Verlässlichkeit und für sichere Lebensmittel. Aber Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Wir dürfen nicht in eine Falle tappen, in der wir nur noch „Analytik um der Analytik willen“ betreiben. Wenn neue Grenzwerte oder Bewertungsansätze (wie aktuell bei MOAH oder anderen Kontaminanten) diskutiert werden, muss immer auch die Praktikabilität und die Versorgungssicherheit mitgedacht werden. Ein Grenzwert nützt niemandem, wenn er technisch nicht beherrschbar ist oder die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmitteln gefährdet. Wir reagieren darauf nicht mit blindem Aktionismus, sondern mit einem präventiven System, das wir seit Jahren stetig verfeinern. Das umfasst im Kern drei Säulen: Technische Prävention: Wir investieren massiv in moderne Technik. Das reicht von Farbauslesern zur Reinigung bis hin zum Staubmanagement und dem Einsatz spezieller Lebensmittelschmierstoffe. Unser Ziel ist es, potenzielle Kontaminationsquellen von vornherein physikalisch auszuschließen. Smarte Labor- und Probenstrategie: Anstatt pauschal mehr Proben zu ziehen, fokussieren wir unsere Budgets auf die wirklich kritischen Punkte. Wir nutzen Screening-Methoden zur Früherkennung und arbeiten eng mit akkreditierten Laboren und unseren Verbänden zusammen. Insbesondere das Europäische Getreidemonitoring ist hier eine große Unterstützung. Partnerschaftliche Lieferketten: Wir fordern Qualitäten nicht nur ein, wir fördern sie im Dialog mit unseren Lieferanten. Das fängt bei der Saatgutwahl an und hört bei der Logistik auf. Kurz gesagt: Ein neuer Grenzwert stülpt unsere etablierten Prüfpläne nicht komplett um. Wir passen unsere Risikoanalysen und Freigabeprozesse kontinuierlich an. Die Müllerei ist hier seit Jahren Vorreiter. Wir liefern Sicherheit durch Systematik, nicht durch Zufall.
M+M: Die Halbierung der Mutterkorn-Alkaloidgrenzwerte ab 2028 halten Sie für kaum umsetzbar. Was empfehlen Sie der Branche?
Jan Cordesmeyer: Die Reinigung von Getreide ist unsere Kernkompetenz und wir sind technologisch heute auf einem sehr hohen Niveau. Die geplante Halbierung der Alkaloidgrenzwerte zum Juli 2028 ist (besonders in feuchten oder auch sehr heißen Jahren mit hohem Befallsdruck) kaum flächendeckend einzuhalten. Wenn wir diese Verschärfung ohne Augenmaß durchziehen, riskieren wir zwei Dinge: Massive Lebensmittelverschwendung, weil Getreide in die Futtertröge wandert, und eine Gefährdung der Versorgungssicherheit mit regionalen Rohstoffen. Unsere Untersuchungen zeigen: In der Spitze haben mehr als 15% der Weizenmehle den Höchstgehaltswert von 50 µg nicht einhalten können, im Mittel der vergangenen Jahre sind es rund sechs Prozent des Weizenmehls, die den neuen Höchstgehalt verfehlen. In Zahlen heißt das: Von den knapp 8 Mio. t Weizen, die die Müllerei aktuell in Deutschland vermahlt, wären in der Spitze 1,2 Mio. t, das entspricht 48.000 Lkw-Ladungen, nicht verkehrsfähig. In den europäischen Gremien setzen wir uns massiv für die Beibehaltung von machbaren Höchstgehalten ein. Ohne verlässliche Alkaloid-Schnelltests ist die sichere Rohstoffbeschaffung zur Einhaltung des neuen Grenzwertes erheblich erschwert. Das ökonomische Risikosteigt: Erst wenn das Mehl vermahlen und final untersucht ist, herrscht Klarheit über dessen Verkehrsfähigkeit. Eine solche „Ex-post-Kontrolle“ ist weder für die Mühlen noch für die Gesellschaft ein akzeptabler, tragfähiger Weg.
M+M: Sie planen 2026 den Neubau einer Mühle. Welche EU-Regulierungen und Marktanforderungen beeinflussen heute schon die technische Auslegung Ihrer neuen Mühle und welche Punkte planen Sie in der Basic-Engineering-Phase fest ein, weil spätere Nachrüstungen teuer werden?
Jan Cordesmeyer: Beim geplanten Neubau der Mühle beeinflussen bereits heute EU-Regulierungen und Marktanforderungen maßgeblich die technische Auslegung. Zentrale Vorgaben ergeben sich aus dem EU-Lebensmittelhygienerecht (insbesondere VO (EG) 852/2004) sowie den HACCP-Grundsätzen, die eine klare Trennung von Hygienebereichen, reinigungsfreundliche Bauweisen und einen kontrollierten Material- und Personenfluss erfordern. Diese Anforderungen müssen frühzeitig in Gebäude-Layout, Produktionslogik und Reinigungsstrategie eingeplant werden, da spätere bauliche Anpassungen mit hohem Aufwand verbunden sind. Ein weiterer wesentlicher Einflussfaktor ist der Explosionsschutz gemäß ATEX-Richtlinien (2014/34/EU und 1999/92/EG). Staubexplosionsgefährdete Bereiche wie Mahl-, Förder- und Silozonen erfordern bereits in der Basic-Engineering-Phase fest definierte Zoneneinteilungen, explosionsgeschützte Anlagenkomponenten, Druckentlastungssysteme sowie Erdungs- und Absaugkonzepte. Nachrüstungen in diesem Bereich sind technisch komplex und kostenintensiv.
Zunehmend prägend sind außerdem Marktanforderungen an Rückverfolgbarkeit, Digitalisierung und Transparenz. EU-Vorgaben zur Lebensmittelkontrolle und Kennzeichnung erfordern durchgängige Chargenverfolgung vom Rohstoffeingang bis zum Versand. Daraus ergeben sich Anforderungen an den Materialfluss, die Automatisierung sowie die Integration der Datenerfassungssysteme in die Anlagenplanung. Zusätzlich beeinflussen Arbeitsschutz-, Umwelt- und Emissionsauflagen die technische Auslegung, etwa in Bezug auf Staub- und Lärmemissionen, Brandschutz und sichere Wartungszugänge. Diese Aspekte sind eng mit der Gebäude- und Anlagengestaltung verknüpft und lassen sich nur begrenzt nachträglich optimieren. Insgesamt müssen im Basic Engineering insbesondere Gebäude-Layout, Hygienekonzept, Explosionsschutz, Materialfluss und digitale Rückverfolgbarkeit verbindlich festgelegt werden, da sie die gesamte Anlage prägen und spätere Nachrüstungen unverhältnismäßig teuer oder betrieblich riskant wären.
M+M: Sie haben in Volkach beschrieben, wie Interessenvertretung funktioniert. Wie übersetzen Sie dies in messbare Ergebnisse und was können kleine und mittlere Betriebe beitragen, damit der deutsche Verband und die europäische Ebene in Brüssel mehr „Munition“ hat?
Jan Cordesmeyer: Die Interessenvertretung wirkt dann, wenn sie in belastbare Entscheidungsgrundlagen für Politik und Verwaltung übersetzt wird. Für Mühlen und Futtermittelhersteller bedeutet das: Aus Positionen werden Zahlen, reale Betriebsfolgen und überprüfbare Machbarkeit. Konkret übersetzen wir Interessenvertretung in messbare Ergebnisse, indem wir über nationale Verbände und europäische Plattformen (z. B. Primary Food Processors, sektorübergreifende Initiativen wie die Bread Initiative oder Ad-hoc-Koalitionen) über konkrete Sachlagen in unserer Branche informieren: technische Grenzen, Mehrkosten, Übergangszeiten und Risiken für Versorgungssicherheit. Diese Informationen dienen den Entscheidungsträgern und helfen dabei, nachhaltige und vernünftige Entscheidungen zu treffen. Jedes Mitgliedsunternehmen kann praktisch dazu beitragen, weil von uns der Realitätscheck geliefert werden muss. Praktisch beitragen können wir vor allem durch: konkrete Fallbeispiele (z. B. eine Linie, ein Standort, eine Umrüstung), harte Zahlen (CAPEX, OPEX, Stillstandszeiten, Platzbedarf), Machbarkeitsnachweise (was technisch geht und was nicht) sowie Vorher-/Nachher-Vergleiche statt abstrakter Einschätzungen. Saubere Datensätze aus realen Betrieben sind oft hilfreicher als allgemeine Stellungnahmen.
Beispiele, wo genau diese Mitarbeit den Ausschlag gab: ATEX- und Staubregelungen in Getreide- und Futtermittelanlagen. Hier haben konkrete Zahlen aus der Praxis dazu geführt, dass auf EU-Ebene Bestandsanlagen klarer von Neubauten abgegrenzt und Übergangsfristen verlängert wurden, stattpauschale Anforderungen einzuführen. Bei Nachhaltigkeits- und Reportingpflichten konnten Fallstudien belegen, dass bestimmte Datenerhebungen entlang der Lieferkette technisch nicht verfügbar oder wirtschaftlich unverhältnismäßig sind. Diese Nachweise flossen in die Argumentation für vereinfachte Anforderungen und spätere Anwendungstermine für kleinere Betriebe ein. Kurz gesagt: Verbände brauchen keine Meinungen, sondern überprüfbare Betriebsdaten.
Skiwoche Maria Alm: Riesentorlauf, Ehrungen und Austausch der Mühlen-, Mischfutter- und Getreidebranche.
2026
3/3/2026
Riesentorlauf und Einkehrschwung
Am Donnerstag konnten 62, am Freitag 140 und am Samstag sogar 145 begeisterte Skiwochenfans aus Deutschland und Österreich bei den Veranstaltungen begrüßt werden. Bestes Winterwetter und gut präparierte Pisten prägten die gesamte Woche. Den Auftakt der gemeinsamen Abendveranstaltungen bildete am Donnerstag der traditionelle Empfang mit Glühgin beim Moserwirt. Gerhard Wieser von der Lerchenmühle übernahm die offizielle Begrüßung und richtete den Blick auf einen sicheren und unfallfreien Verlauf der Woche. Überraschend erschien der Bürgermeister von Maria Alm, Rudolf Müllner. Er verwies in seiner Ansprache auf die inzwischen 55 Jahre währende Durchführung der Skiwoche am gleichen Standort und betonte die Verbundenheit zwischen der Veranstaltung und der Gemeinde. Zugleich stellte er in Aussicht, zum 60-jährigen Jubiläum über einen Veranstaltungssaal nachzudenken.
Am Freitag nutzten die Teilnehmer die präparierten Pisten sowie die gastronomische Infrastruktur der Region. Am Abend versammelten sich die Gäste auf Tom’s Almhütte am Natrun. Obmann Sepp Schwaiger vom Tourismusverband begrüßte die Anwesenden und würdigte die langjährige Treue der Teilnehmer zu Maria Almund zur Hochkönigregion. Er hob hervor, dass eine Veranstaltung mit einer Laufzeit von über fünf Jahrzehnten nur durch kontinuierliches organisatorisches Engagement aufrechterhalten werden könne. In diesem Zusammenhang dankte er Gabriele Czechtizky für ihren über Jahrzehnte andauernden Einsatz als Organisatorin und lud im Anschluss an die Ehrungen die Teilnehmer „auf ein Schnapserl” ein.
Im Rahmen des Abends wurden langjährige Teilnehmer für ihre Treue zur Skiwoche ausgezeichnet. Die Ehrungen umfassten Zeiträume von 20 bis 55 Jahren Teilnahme. Seit 55 Jahren dabei sind Eva und Anton Witzmann (Witzmann-Mühle) und seit 50 Jahren Franz Grabmer (ehemals Stiftsbäckerei St. Peter). Neben Urkunden und Anstecknadeln wurden kleine Präsente überreicht. Gabriele Czechtizky gab in ihrer Ansprache einen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Skiwoche und verwies auf die konstant hohen Teilnehmerzahlen. Sie dankte dem Tourismusverband Maria Alm für die Unterstützung, dem Skiclub für die sportliche Durchführung des Rennens sowie der lokalen Gastronomie für die Kooperation bei den Abendveranstaltungen. Auch Sponsoren, Kommentatoren und ehrenamtliche Helfer nannte sie ausdrücklich.
Den sportlichen Höhepunkt bildete am Samstag der Riesentorlauf. Das Rennen wurde auf der Strecke des Hanseiliftes durchgeführt. Die Wahl dieser Strecke ermöglichte den Zuschauern einen vollständigen Überblick über den Rennverlauf. Insgesamt gingen 111 Sportler an den Start. Der Lauf begann um 14.00 Uhr bei Sonnenschein, guten Pistenverhältnissen und einem anspruchsvoll gesteckten Lauf. Mehrere Starter schieden kurz vor dem Ziel aus, da sie die Streckenführung nicht vollständig verinnerlicht hatten. Im Zielbereich gab es den berühmten “Martinsrieder Mühlengeist“ von der Firma Kastenmüller, Schokoküsse und weiteren Süßigkeiten von der Firma Rückert. Für die Liveübertragung des Rennens waren Gerhard Wieser jun. (Lerchenmühle) und Josef Rickl jun. (Rickl-Mühle) verantwortlich. Das Duo brachte ausgezeichnete Stimmung ins Publikum und analysierte sofort jede Fahrt.
Am Abend fand die offizielle Siegerehrung im Dorfstadl statt. Gerhard Wieserund Felix Wallner (Siglmühle) begrüßten die Gäste aus dem In- und Ausland und dankten den Sponsoren für die langfristige Unterstützung der Skiwoche. Sie stellten klar, dass die Durchführung der Veranstaltung ohne diese finanzielle und organisatorische Unterstützung nicht möglich wäre. Erstmals nahm Eva Edlinger, Referentin des Bundesverbandes der Müller und Mischfuttererzeuger, unterstützend an der Skiwoche teil. Im Anschluss ehrten die Veranstalter die Pokalgewinner des Riesentorlaufs. Die Wanderpokale gingen an Marileen Bremer von der Zucker-Mühle sowie an Peter Pföss von der Trenau-Mühle. Danach folgte eine Tombola mit Sachpreisen, bevor der offizielle Teil der Veranstaltung ausklang.
Die Veranstalter kündigten bereits den nächsten Termin an. Die 56. Skiwoche der Mühlen, Mischfutter und Getreidewirtschaft soll vom 11. bis 17. Januar 2027 erneut in Maria Alm stattfinden. Damit setzt sich eine über ein halbes Jahrhundert gewachsene Tradition fort, die sowohl sportliche Aktivität als auch branchenspezifische Vernetzung in einem stabilen organisatorischen Rahmen verbindet.
Siegertabelle
Zahlreiche Sponsoren unterstützten die Skiwoche: Müllerbund e.V., Bestmix Tierernährung GmbH, Binder GmbH & Co KG, Börse für landwirtschaftliche Produkte, Bühler AG, Niederlassung Österreich, Daxner GmbH, ESA GmbH, Fixkraft-Futtermittel GmbH, Foss GmbH, Fuchshuber Agrarhandel GmbH, Glatz International GmbH, Hiebel & Hess Vertriebs GmbH, Huemer Transporte GmbH, Krainz Ing. Victor GmbH, Kastenmüller/KSA GmbH, Lux Erland GmbH, Mauthner Fritz HandelsgmbH & Co KG, Milteco GmbH, Moser-HOCHKÖNIG Genuss – Wirtshaus – Hotel, Anton Paar Austria GmbH, PRnd Communications, Raiffeisen Ware Austria, Reisenberger GmbH, Riffelwerk Landshut, Rückert GmbH & Co KG, Rüter Maschinenbau GmbH & Co KG, Saatbau Linz eGen, Saat & Korn Handels GmbH, Taxi Eder e.U., Tourismusverband Maria Alm, UBM-Agrar Gmbh, Url Agrar GmbH, Verein zur Förderung des Bäckerhandwerks Österreichs, Zucker Josef & Co KG.
Gebannt wird das Rennen verfolgt von Johann Walzl (59) und Josef Ricklsen. (57) von der Rickl-Mühle, Henri Bankers (71) von der Firma Pfahnl Backmittel, Petra Glössl, Dieter Beiglböck, Sascha Behrens und Michaela Budau von der Firma Kastenmüller/KSA.
Christine Scharfetter (links) und Obmann Sepp Schwaiger (rechts) ehrten Anton und Eva Witzmann von der Witzmann-Mühle, die seit 55 Jahren bei jeder Skiwoche dabei waren.
(V.l.n.r.): Markus Wimmer, Walter Rogl und Harald Schmalwieser vom Solan Kraftfutterwerk.
Josef Rickl (Rickl-Mühle) fuhr mit Startnummer 1 bei den Bambinis als erster durchs Ziel.
Lara Miketta(Firma Rückert) belegte bei den Schülerinnen den dritten Platz.
Johann Daxner von Daxner GmbH siegte bei den Masters (70).
Josef Rickl sen. mit Johann Walzl, Masters 60 (v.l.n.r.) freuten sich gut im Ziel angekommen zu sein.
Organisatorin und Autorin Gabriele Czechtizky (rechts) mit ihrer Kollegin Eva Edlinger (links).
EU-Regeln 2026: EUDR, CSRD/CSDDD, PPWR und Green Claims, was auf Mühlen und Mischfutterhersteller zukommen kann.
2026
3/2/2026
EU-Regulierungen zu Lieferketten und Berichtspflichten
Entwaldungsfreie Lieferketten: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) bleibt, aber das Startfenster verschiebt sich. Je näher Betriebe an den Rohstoffströmen von Soja arbeiten, desto eher werden sie Teil der EUDR-Nachweiskette. Im Herbst 2025 hat die EU-Kommission angekündigt, den Start zu verschieben, nach Unternehmensgröße zu staffeln und die Umsetzung zu glätten. Auch wenn ein Mühlenbetrieb nicht direkt im Sinne der EUDR agiert, könnten Abnehmer und Vorlieferanten ab 2026 häufiger Nachweise verlangen.
Berichtspflichten
Für die Getreideverarbeitung wirken Nachhaltigkeitsregeln meist indirekt. Erstens fragen Großkunden und Handel Scope-3-Daten ab. Zweitens koppeln Banken und Versicherer Kreditkonditionen und Policen zunehmend an die ESG-Datenqualität. Das Grundgerüst steht, aber der Umfang wackelt politisch. Seit Ende 2025 wird offen über Entlastungen, höhere Schwellenwerte und spätere Fristen diskutiert. Für die Branche heißt das: Die Anforderungen verschwinden nicht, aber ihre Taktung kann sich verändern. Typische Folgen wären neue Lieferantenklauseln, Auditrechte oder die Pflicht zur Weitergabe von Nachweisen. Deutschland will seine Verwaltungspraxis seit Oktober 2025 geändert haben, was den Wegfall von BAFA-Prüfungen von Unternehmensberichten und die Verhängung von Bußgeldern nur noch bei schweren Vorwürfen betrifft. Die Novelle ist aber noch nicht offiziell in Kraft.
Verpackung
Mit der neuen Verpackungsverordnung (PPWR) geht die EU vom Richtlinienregime stärker in Richtung unmittelbar geltender Vorgaben. Der rechtliche Text liegt als Verordnung vor. Für Lebensmittel und Futtermittel gehören Verpackung und Logistik zu den Kostentreibern und die PPWR erhöht den Druck auf Materialdaten und Design. Für Getreideverarbeiter kann das belastbare Spezifikationen zu Sackware, Big Bags, Folien, Etiketten und Palettensicherung bedeuten sowie die Schaffung von Schnittstellen zum Verpackungslieferanten.
Green Claims
Das Risiko für Marketingaussagen kann weiter steigen. Parallel zu harten Stoffstromregeln verschärft die EU den Blick auf Umweltaussagen. Das betrifft nicht nur Konsumgüter, sondern auch B2B-Kommunikation, Nachhaltigkeitsberichte, Kundenportale und Websites. Wer etwa „klimaneutral“ oder „nachhaltig“ schreibt, muss belastbare Nachweise vorhalten. Welche Formulierungen ab wann konkret unzulässig werden, ist ungewiss. Sicher ist aber: Abnehmer und Wettbewerber greifen Aussagen zunehmend an, wenn Messmethoden fehlen.
Lebensmittelsicherheit
Mikrobiologie, Mykotoxine und Kontaminanten bleiben Top-Themen. Für Mühlen und Mischfutterwerke geht es um Produktionsfreigaben, Kundenreklamationen und Auflagen von Behörden. Die Lage bleibt dynamisch, weil sich die Kontaminationsprofile durch äußere Einflüsse verschieben. In der Praxis kann sich deshalb nicht nur die Rechtsseite verschärfen, sondern auch die Kundenanforderungen, wie niedrigere interne Grenzwerte, zusätzliche Screeningtests und engere Chargensteuerung. Entscheidend ist dabei weniger das einzelne EU-Datum als die Risikolage der Ernte und das Qualitätsprofil im Einzugsgebiet.
In der Mühlen- und Mischfutterpraxis bedeutet mehr Regulierung selten nur ein neues Dokument. Meist zwingt sie Unternehmen, Prozesse zu standardisieren, Datenketten zu digitalisieren und Verantwortung neu zu verteilen. Typische Konsequenzen wären: Steigender Dokumentationsgrad im Rohstoffeinkauf, Lieferantenerklärungen, Herkunftsnachweise und Freigabelogiken werden verbindlicher. Zweitens könnten Anforderungen an die Trennlogik wachsen. Das betrifft getrennte Silos oder definierte Umschlags- und Reinigungsprozesse. Indirekte Kosten können steigen durch CO2-Bepreisung und durch mehr Laboranalytik.
Interview mit Prof. Dr. Angelika Niebler
Am 16. Dezember 2025 hat das Europäische Parlament beschlossen, dass Entlastungen bei der europäischen Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und der Lieferkettengesetzgebung (CSDDD) kommen. Entlastung sei in Sicht.
Prof. Dr. Angelika Niebler, Mitglied des EU-Parlaments
Prof. Dr. Angelika Niebler, Mitglied des Europäischen Parlaments und stellvertretende Parteivorsitzende der CSU, stellt ihre Position im Europäischen Parlament wie folgt dar:
„Wenn die Bürokratie die Oberhand gewinnt, bleibt der Fortschritt auf der Strecke. Diese Aussage von Franz Josef Strauß hat nichts an Aktualität verloren – im Gegenteil. Unsere Unternehmen sind innovativ, sind fähig, Fortschritt zu gestalten, wenn wir sie denn lassen; doch daran fehlt es eben. Unsere Unternehmen ersticken in bürokratischen Auflagen, in Berichtspflichten, in Dokumentationspflichten, Taxonomie, Nachhaltigkeitsberichterstattung, Lieferkettengesetz, Ökodesignverordnung, Entwaldungsverordnung, Regeln zur Kreislaufwirtschaft, Regeln zu Verpackungen – um nur einige zu nennen. Dann kommen noch hinzu die sogenannten Durchführungsbestimmungen in den delegierten Rechtsakten, weitere Detailvorgaben, hunderte von Seiten mit Vorgaben, die unsere Unternehmen umsetzen müssen. Das ist ein regulatorischer Overkill. Ich glaube, wir müssen radikal umsteuern. Wir brauchen eine Kehrtwende, wir müssen unser gesamtes Regelwerk auf den Prüfstand stellen. Und, liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen auch den Mut haben, unnötige Regelungen einfach mal abzuschaffen.“ Prof. Dr. Angelika Niebler.
M+M: Wie hoch ist die Chance, dass der regulatorische Overkill, wie Sie die bürokratischen Vorgaben der EU bezeichnen, beendet wird?
Prof. Dr. Angelika Niebler: Entbürokratisierung steht in Brüssel derzeit ganz oben auf der Agenda. Ich unterstütze die vorgeschlagenen Entlastungspakete für die Wirtschaft, die als „Omnibusse“ bezeichnet werden. Im Kern geht es darum, EU-Vorschriften noch einmal gezielt zu überprüfen und überall dort radikal zu vereinfachen, wo es möglich und sinnvoll ist. Die Kommission überprüft hierzu jeden einzelnen Sektor, z.B. Vorschriften für die Landwirtschaft, Chemie, Umweltauflagen, Digitalgesetzgebung und vieles mehr. Es tut sich also tatsächlich viel. Den ersten sogenannten Omnibus haben wir bereits verabschiedet. Hierbei ging es um die Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und der EU-Lieferkettenregelung (CSDDD). Dass das Europäische Parlament dieses Paket kurz vor Weihnachten final bestätigt hat, war ein Erfolg. Damit haben wir auch den Ton für die kommenden Monate gesetzt, in denen weitere Vereinfachungspakete anstehen.
M+M: Was wurde konkret im Bezug zur europäischen Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung und zur Lieferkettengesetzgebung erreicht?
Prof. Dr. Angelika Niebler: Die Vereinfachungen sind spürbar. Künftig sind nach der Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und einem Nettoumsatz von 450 Mio. Euro berichtspflichtig. Im Vergleich zum ursprünglich angesetzten Schwellenwert von 250 Mitarbeitern fallen damit über 80% der Unternehmen aus dem Anwendungsbereich. Die Sorgfaltspflichten nach der Lieferkettengesetzgebung greifen künftig erst für Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von 1,5 Mrd. Euro. Die Pflicht zur Erstellung von Klimatransaktionsplänen entfällt komplett. Zudem können Unternehmen ihre Berichterstattung auf die Bereiche in der Lieferkette fokussieren, in denen Risiken am wahrscheinlichsten sind. Diese Vereinfachungen sind ein Erfolg. Mit ihnen gewinnen Unternehmen Zeit, sich auf ihr Kerngeschäft und Innovationen zu konzentrieren, anstatt Fragebögen auszufüllen.
M+M: Sie kritisieren Berichtspflichten und Dokumentationspflichten insgesamt, einschließlich Taxonomie und Nachhaltigkeitsberichterstattung. Welche konkrete Entlastungslinie vertreten Sie innerhalb der EVP für die nächsten 12 bis 24 Monate und was tun Sie konkret, damit Unternehmen weniger Datenpunkte erheben, weniger Prüfnachweise liefern und weniger parallellaufende Fragebögen bedienen müssen?
Prof. Dr. Angelika Niebler: Die europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) werden derzeit überarbeitet. Diese müssen vereinfacht, quantifiziert und praxistauglich gestaltet werden. Die sogenannte European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat der Kommission bereits eine Überarbeitung vorgelegt, die die verpflichtenden Datenpunkte um rund 60% reduziert. Doch das allein reicht nicht: Die Reduktionen müssen inhaltlich sinnvoll sein und echte Erleichterungen bringen, statt nur einzelne Punkte zusammenzulegen. Zudem muss eine bessere Vergleichbarkeit der Unternehmensberichte erreicht werden – beispielsweisedurch klarere Definitionen. Hierfür werde ich mich in meiner parlamentarischen Arbeit auch in den kommenden Monaten weiterhin einsetzen.
M+M: Welche Zuarbeiten (Fallstudien/Daten) würden Sie sich von den Mühlenverbänden wünschen, damit Sie Ihre Positionen im Parlament und gegenüber der Kommission stärker vertreten könnten?
Prof. Dr. Angelika Niebler: Als Abgeordnete informiere ich mich sehr umfassend; ich lese viele Stellungnahmen und führe zahlreiche Gespräche zu den einzelnen Themen. Besonders hilfreich ist es, wenn Verbände praxisnahe Einblicke anhand konkreter Beispiele geben. Die Mühlenverbände sind insoweit schon gut aufgestellt. Ganz unabhängig davon freue ich mich immer über einen offenen und konstruktiven Austausch. Vielen Dank daher auch für das Interview und Ihr Interesse an meiner Arbeit.
Prof. Dr. Angelika Niebler im Europäischen Parlamentsgebäude.